Ist der Koran das letzte Update der Bibel?

In Gesprächen mit Muslimen höre ich manchmal den Gedanken, dass ein Muslim die Bibel nicht zu lesen brauche, weil der Koran quasi das letzte Update von Gottes Offenbarung sei. So wie man bei einem Computerprogramm immer die neueste Version installiert und sich mit den früheren Versionen nicht mehr beschäftigen muss, so sei auch der Koran die letzte und endgültige Version von Gottes Offenbarung. Mit den früheren Versionen brauchen wir uns nicht mehr beschäftigen.

Es stellen sich hier zwei Fragen:

a) Stellt der Koran selber diesen Anspruch?

b) Bestätigt ein Vergleich zwischen Bibel und Koran diese Aussage?

Was behauptet der Koran über sich selbst?

Und glaubt an das, was Ich (als Offenbarung) hinabgesandt habe, das zu bestätigen, was euch bereits vorliegt. Und seid nicht die ersten, die es verleugnen. Und verkauft Meine Zeichen nicht für einen geringen Preis. Und Mich allein sollt ihr fürchten. (Sure 2,41)

Und wenn man zu ihnen sagt: „Glaubt an das, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat“, sagen sie: „Wir glauben an das, was zu uns (schon zuvor) herabgesandt worden ist“, verleugnen aber das, was später (offenbart worden) ist, wo es doch die Wahrheit ist, das zu bestätigen, was ihnen (bereits) vorliegt. Sag: Warum habt ihr denn zuvor Allahs Propheten getötet, wenn ihr gläubig seid? (Sure 2,91)

Sag: Wer (auch immer) Gibril feind ist, so hat er ihn doch (den Qur’an) mit Allahs Erlaubnis in dein Herz offenbart, das zu bestätigen, was vor ihm (offenbart) war, und als Rechtleitung und frohe Botschaft für die Gläubigen. (Sure 2,97)

Er hat dir (Mohammed) das Buch mit der Wahrheit offenbart, das zu bestätigen, was vor ihm (offenbart) war. Und Er hat (auch) die Tora und das Evangelium (als Offenbarung) herabgesandt. (Sure 3,3)

O ihr, denen die Schrift gegeben wurde, glaubt an das, was Wir offenbart haben, das zu bestätigen, was euch (bereits) vorliegt, […] (Sure 4,47)

Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber. […] (Sure 5,48)

Dieser Qur’an kann unmöglich ohne Allah ersonnen werden. Sondern (er ist) die Bestätigung dessen, was vor ihm war, und die ausführliche Darlegung des Buches, an dem es keinen Zweifel gibt, vom Herrn der Weltenbewohner. (Sure 10,37)

Und was Wir dir vom Buch (als Offenbarung) eingegeben haben, ist die Wahrheit, das zu bestätigen, was vor ihm war. Allah hat wahrlich Kenntnis von Seinen Dienern und sieht sie wohl. (Sure 35,31)

Und vor ihm (war) die Schrift Musas als Vorbild und Barmherzigkeit. Und dies ist ein bestätigendes Buch in arabischer Sprache, um diejenigen, die Unrecht tun, zu warnen, und als frohe Botschaft für die Gutes Tuenden. (Sure 46,12)

Sie sagten: „O unser Volk, wir haben ein Buch gehört, das nach Musa (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, das zu bestätigen, was vor ihm war, und das zur Wahrheit und zu einem geraden Weg leitet.“ (Sure 46,30)

An all diesen Stellen geht es nur um eine Bestätigung der früheren Bücher, nicht aber um eine Ergänzung oder Aktualisierung. Sure 46,12 erweckt den Eindruck, dass der Koran den Arabern in ihrer Sprache dasselbe vermitteln soll, was in der Schrift Moses steht, dass der Koran quasi die arabische Version der Thora sein soll.

Sure 10,37 spricht von einer „ausführlichen Darlegung des Buches“. Darunter könnte man verstehen, dass es einige erklärende Zusätze gäbe, aber keine neuen Inhalte. Mir ist keine Koranstelle bekannt, in der behauptet wird, dass das Evangelium oder die Thora durch den Koran korrigiert oder erweitert, also „upgedated“ würde. Falls ein Leser so eine Stelle kennt, bin ich gerne bereit, mich zu korrigieren. Ebenso wenig behauptet der Koran die Fälschung der Thora oder des Evangeliums.

Bestätigt der Koran wirklich die Bibel?

Natürlich gibt es in zahlreichen Punkten eine Übereinstimmung zwischen der Bibel und dem Koran, wie im Bekenntnis zu einem einzigen Gott, der der Schöpfer des Universums ist, oder der Glaube an ein letztes Gericht mit Lohn und Strafe.

Aber es gibt auch gravierende Unterschiede in wesentlichen Punkten. Diese Unterschiede betreffen sowohl die Theologie als auch die Ethik. Es seien einige Punkte dazu genannt. Die Aufzählung ist nicht vollständig.

Theologische Unterschiede

Sowohl das Alte als auch das Neue Testament sprechen über die Gottessohnschaft des Messias, z. B. hier:

Den Beschluss des HERRN will ich kundtun. Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt. (Psalm 2,7)

Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. (Lukas 1,35)

Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. (Matthäus 3,17)

Da sagten alle: Du bist also der Sohn Gottes? Er antwortete ihnen: Ihr sagt es – ich bin es.  (Lukas 22,70)

Der Koran hingegen verflucht die Christen, weil sie die von der Bibel gelehrte Gottessohnschaft des Messias bekennen:

Die Juden sagen: „‚Uzair ist Allahs Sohn“, und die Christen sagen: „Al-Masih ist Allahs Sohn.“ Das sind ihre Worte aus ihren (eigenen) Mündern. Sie führen ähnliche Worte wie diejenigen, die zuvor ungläubig waren. Allah bekämpfe sie! Wie sie sich (doch) abwendig machen lassen! (Sure 9,30)

Das wäre ein höchst seltsames Update, in dem das, was in den früheren Versionen korrekt war, plötzlich von Allah bekämpft werden muss.

Im Neuen Testament ist der Tod Jesu am Kreuz das zentrale Heilsereignis, das nicht nur von allen vier Evangelien berichtet wird. Jesus selbst hat seinen Tod prophetisch angekündigt und auch als Erlösung für die Sünden der Menschen gedeutet.

Im Koran hat der Tod Jesu keine besondere Bedeutung. Er wird an drei Stellen (19,33; 3,55; 5,117) erwähnt, andere Stellen (2,87; 3,183; 5,70; 6,122) dürften auf den Tod Jesu anspielen. Nach allgemeinem Verständnis wird der Tod Jesu in Sure 4,157-158 – gegen alle geschichtlichen Quellen und die übrigen Koranstellen – sogar geleugnet.

… und dafür, daß sie sagten: „Gewiß, wir haben al-Masih ‚Isa, den Sohn Maryams, den Gesandten Allahs getötet.“ – Aber sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so. Und diejenigen, die sich darüber uneinig sind, befinden sich wahrlich im Zweifel darüber. Sie haben kein Wissen darüber, außer daß sie Mutmaßungen folgen. Und sie haben ihn mit Gewißheit nicht getötet. Nein! Vielmehr hat Allah ihn zu Sich erhoben. Allah ist Allmächtig und Allweise.

Was wäre das für ein Update, das den zentralen Inhalt der früheren Version schlicht leugnet und dabei noch im Widerspruch zu sich selber steht!

Eine andere Ethik

Besonders sichtbar wird das in der Frage von Ehe und Sexualität. Die Frage der Ehescheidung, in der der Koran den Worten Jesu absolut widerspricht, wurde bereits in einem eigenen Beitrag behandelt. Auch die geringe Wertschätzung der Frau, die sogar zum Tauschobjekt degradiert, widerspricht dem biblischen Menschenbild. Immerhin hat der Gott der Bibel auch Frauen zu Prophetinnen berufen, was vom Koran schlicht geleugnet wird. Die Sicht der Frau als Lustobjekt bestimmt leider auch die Paradiesesvorstellung, für die sich ein anständiger Mensch schämen müsste.

Auch die Lehre vom Töten am Weg Allahs widerspricht allem, was Jesus gelehrt hat.

Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. (Matthäus 26,52)

Schlussfolgerung

Diese Beispiele zeigen, dass der Koran vielfach das Gegenteil der Bibel lehrt. Der Koran ist daher unmöglich ein Update der Bibel. Sogar die im Koran mehrfach aufgestellte Behauptung, er bestätige die früheren Schriften trifft nicht zu. Es ist auch sehr seltsam, zu meinen, dass das Lesen späterer Heiliger Schriften die früheren Schriften unnötig macht. Für einen Christen sind nicht nur die Schriften des Neuen Testaments wertvoll. Auch alles, was Gott durch die Propheten, die vor Christus gekommen sind, gesagt hat, wird als Heilige Schrift akzeptiert und auch gelesen.

Paulus hat das in einem Brief an Timotheus so ausgedrückt:

[…] denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dich weise machen können zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus. Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk. (2 Timotheus 3,15-17)

Diesen großen Schatz dürfen wir mit Dankbarkeit annehmen. Gerne wollen wir auch Muslime darauf aufmerksam machen. Gott will auch sie damit reich beschenken.

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