Der Tod Jesu in außerbiblischen Quellen

Muslime, die den Tod Jesu am Kreuz leugnen, sollen bedenken, dass nicht nur das Evangelium, das sie meist – gegen das Zeugnis des Korans – für verfälscht halten, darüber berichtet. Es gibt auch eine Reihe jüdischer und nichtjüdischer Quellen, die den Tod Jesu bezeugen. Sollten wir wirklich annehmen, dass Gott die ganze Welt 600 Jahre lang getäuscht hat?

Das Zeugnis des Tacitus

Zwischen 110 und 120 n. Chr. veröffentlichte der Schriftsteller Publius Cornelius Tacitus die Annales. Er schrieb über die Geschichte Roms für die Zeit nach dem Tod des Augustus bis zum Tod Neros. Im Zusammenhang mit dem Brand Roms im Juli 64 erwähnte er, dass Nero, um das Gerücht zu stoppen, er habe die Stadt in Flammen gesetzt, die Schuld auf die Christen zu lenken versuchte.

[…] Doch keine menschlichen Vorkehrungen, keine Freigebigkeit des Fürsten oder Sühne der Götter konnte die Schmach entfernen, dass man glaubte, der Brand sei auf Befehl gelegt worden. Um also dieses Gerücht niederzuschlagen, schob Nero die Schuld auf andere und belegte mit den ausgesuchtesten Strafen jene Menschen, die das Volk wegen ihrer Schandtaten hasste und Christen nannte. Ihr Namensgeber, Christus, war unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden. Für kurze Zeit war jene heillose Schwärmerei dadurch unterdrückt, brach aber aufs Neue aus, nicht allein in Judäa, von wo das Unheil ausgegangen war, sondern auch in der Hauptstadt, in die von überallher alle Gräuel und Schändlichkeiten zusammenströmen und Anklang finden. Daher wurden zuerst diejenigen ergriffen, die Geständnisse ablegten, sodann auf ihre Angabe hin eine gewaltige Menge Menschen, die weniger wegen der ihnen zur Last gelegten Brandstiftung als wegen ihres allgemeinen Menschenhasses als überführt galten. Mit denen, die zum Tod bestimmt waren, trieb man noch Hohn: in Felle wilder Tiere eingenäht wurden sie von Hunden zerfleischt oder mussten ans Kreuz geschlagen und angezündet nach Einbruch der Dunkelheit als nächtliche Beleuchtung brennen. Seine eigenen Garten hatte Nero zu diesem Schaustück hergegeben, und gab ein Zirkusspiel, wobei er sich im Kostüm eines Wagenlenkers unter das Volk mischte oder auf dem Wagen stand. So strafbar daher auch jene Menschen waren und so sehr sie die äußersten Strafen verdient hatten, regte sich doch Mitleid, weil sie nicht dem Nutzen der Allgemeinheit, sondern der Grausamkeit eines einzigen geopfert würden. (Tacitus, Annales 15,44; Deutsche Übersetzung nach: Strodtbeck, G.F. bearbeitet von E.Gottwein)

Dieser Text zeigt nicht nur, dass Tacitus ganz selbstverständlich vom Tod Jesu ausging, sondern auch, welch schreckliche Verfolgung die Christen, die Jesus folgten, zu erdulden hatten. Doch sie waren bereit, ihren Glauben mit der Hingabe ihres Lebens zu bezeugen. Es kommt auch ganz klar heraus, dass Tacitus alles andere als ein Sympathisant der Christen war.

Mara Bar Serapion

Der sonst nicht bekannte Autor schrieb seinem Sohn einen Brief in einem aramäischen Dialekt. Als Abfassungszeit werden die Jahre zwischen 70 und 165 n. Chr. angenommen.

Er befand sich in Gefangenschaft der Römer, als er seinem Sohn Serapion schrieb. Er wollte ihm Lebensweisheit vermitteln. In diesem Zusammenhang verwies er auf das Beispiel weiser Männer und deren Schicksal.

Was hatten die Athener davon, daß sie Sokrates töteten? Hungersnot und Pest kamen als Strafe über sie!
Was hatten die Bewohner der Insel Samos davon, daß sie den Pythagoras verbrannten? Ihr Land wurde in einem Augenblick vom Sand bedeckt.
Was hatten die Juden davon, daß sie ihren weisen König hingerichtet haben? Von jener Zeit an wurde ihnen das Reich weggenommen.
Denn Gott verschaffte diesen drei Weisen gerechte Rache: Die Athener starben vor Hunger, die Samier wurden vom Meer überwältigt, die Juden wurden umgebracht, aus ihrem Reich vertrieben und leben nun in der Zerstreuung.
Sokrates ist nicht tot, er lebt weiter durch Platon. Pythagoras ist nicht tot, er lebt in der Herastatue weiter. Der weise König ist nicht tot. Er lebt in den neuen Gesetzen, die er gegeben hat, weiter. (zitiert nach https://www.uni-siegen.de/phil/kaththeo/antiketexte/ausser/17.html?lang=de)

Mara bar Serapion war kein Christ, weil er vom Weiterleben des „weisen Königs“ in seinen neuen Gesetzen schrieb, nicht aber von der Auferstehung. Er sah einen Zusammenhang zwischen der Hinrichtung Jesu und der Zerstörung Jerusalems mit der anschließenden Vertreibung der Juden aus ihrem Land. Auch für ihn war die Hinrichtung Jesu ganz klar, genauso evident wie die Hinrichtung des Sokrates durch die Athener.

Flavius Josephus

Er schrieb gegen Ende des 1. Jahrhunderts (bis 94) sein Werk Antiquitates Iudaicae („Jüdische Altertümer“), eine Geschichte des jüdischen Volkes von der Schöpfung bis zum Ausbruch des jüdischen Aufstandes im Jahre 66 n. Chr.

Im 18. Buch schreibt er über Jesus:

Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tag wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorherverkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort. (Antiquitates XVIII,3,3 – übersetzt von Dr. Heinrich Clementz)

Der Text ist umstritten. Viele Forscher nehmen eine spätere christliche Überarbeitung dieses Textes an. Ulrich Victor brachte interessante Argumente vor, die für die Echtheit der gesamten Stelle sprechen. 1
Die Forscher, die sich für eine christliche Überarbeitung aussprechen, nehmen diese für die Beurteilung Jesu durch Josephus an, der bekanntlich kein Christ war, nicht aber für die Erwähnung seines Todes am Kreuz.

Der Talmud

Im Traktat Sanhedrin 43a heißt es:

Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Jeschu. Vierzig Tage zuvor hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Jisrael verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes. (zitiert nach: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin / Wien 1925, 181)

Vermutlich stammt dieser Text aus dem 3. Jahrhundert, ist auch legendär überformt. Er zeigt aber klar, dass auch für die Juden die Hinrichtung Jesu außer Frage stand. Diese Stelle ist überdies ein jüdisches Zeugnis für die Wunder Jesu, da Jesus „Zauberei“ vorgeworfen wurde. D. h, dass die Wunder an sich nicht infrage gestellt wurden, sondern dass sie als Ursache der Wunder nicht das Wirken Gottes sahen, sondern Zauberei.

Schlussfolgerung

Diese vier Texte zeigen, dass sowohl für heidnische als auch für jüdische Autoren der Tod Jesu nicht infrage gestellt wurde, sondern als geschichtliche Tatsache gesehen wurde. Die muslimische Leugnung des Kreuzestodes Jesu widerspricht somit nicht nur der christlichen Überlieferung, sondern auch der historischen Bezeugung. Wäre Jesus nicht gekreuzigt worden, würde Gott der Urheber einer Täuschung aller Menschen gewesen sein. Doch Gott ist kein Mensch, der lügt.

30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. 31 Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. 32 Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen. (Apostelgeschichte 5,30-32)

 


  1. Ulrich Victor: Das Testimonium Flavianum – Ein authentischer Text des Josephus. In: Novum Testamentum, Vol. 52 (2010), S. 72–82. 

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