Die Sure Yusuf – die schönste Erzählung

Die Sure Yusuf, die zwölfte Sure des Korans, ist in der Tat, wie es in Vers 3 dieser Sure heißt, die schönste Erzählung dieses Buches. Anders als in anderen koranischen Texten besteht der größte Teil dieser Sure aus einer einzigen Erzählung.

Da sich die Josefs-Erzählung auch in der Bibel findet, lohnt es sich, einen Vergleich zwischen den beiden Versionen zu machen. Was berichtet der Koran anders als der ältere biblische Text, den er zu bestätigen vorgibt? Welchen Schluss können wir daraus ziehen?

Diese Arbeit besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil schreibe ich meine Beobachtungen beim Lesen der Sure Yusuf nieder. Im zweiten Teil gibt es einen tabellarischen Vergleich zwischen Genesis 37,2-36; 39,1-47,31 und Sure 12,3-101. Dadurch kann sich jeder selbst ein Bild machen. Die Bibel wird nach der Revidierten Elberfelder Übersetzung zitiert, der Koran folgt der Übersetzung von Theodor Adel Khoury.

1 Beobachtungen

1.1 Josefs Traum

4 Als Josef zu seinem Vater sagte: «O mein Vater, ich sah elf Sterne und die Sonne und den Mond, ich sah sie vor mir niederfallen.» 5 Er sagte: «O mein Sohn, erzähle von deinem Traumgesicht nicht deinen Brüdern, sonst werden sie eine List gegen dich ausführen. Der Satan ist den Menschen ein offenkundiger Feind. 6 Und so wird dein Herr dich erwählen und dich etwas von der Deutung der Geschichten lehren und seine Gnade an dir und an der Sippe Jakobs vollenden, wie Er sie vorher an seinen beiden Vätern Abraham und Isaak vollendet hat. Dein Herr weiß Bescheid und ist weise.» (Sure 12,4-6)

Der biblische Bericht (Genesis 37,1-11) ist hier etwas detaillierter. Die Bibel berichtet von zwei Träumen. Noch vor dem Traum mit den Sternen erzählte Josef einen Traum von Garben, in dem sich die Garben seiner Brüder vor seiner Garbe verneigten. Josef erzählte beide Träume sofort seinen Brüdern, sodass die im Koran erwähnte Warnung Jakobs, den Traum nicht den Brüdern zu erzählen, nicht in den Erzählverlauf der Bibel passt. Was nicht in der Bibel zu finden ist, sind die Worte des Vaters an Josef in Sure 12,6. Im Gegenteil: Nach der Bibel ermahnte Jakob Josef für diesen Traum: Was ist das für ein Traum, den du gehabt hast? Sollen wir etwa kommen, ich und deine Mutter und deine Brüder, um uns vor dir zur Erde niederzubeugen? (Gen 37,10b).

Der biblische Bericht scheint hier nicht nur aufgrund der größeren zeitlichen Nähe glaubwürdiger zu sein, sondern auch die Reaktion Jakobs scheint natürlicher zu sein. Die Bibel berichtet offen über die Schwächen und Sünden der Glaubensväter. Der Koran zeigt eine idealisierende Tendenz. Jakob ist der, der alles schon im Vorhinein weiß, der über den Dingen steht.

1.2 Josef wird verkauft.

Als sie sagten: «Josef und sein Bruder sind unserem Vater bestimmt lieber als wir, obwohl wir eine (beachtliche) Gruppe sind. Unser Vater befindet sich in einem offenkundigen Irrtum. 9 Tötet Josef oder werft ihn ins Land hinaus, so wird das Gesicht eures Vaters nur noch auf euch schauen, und danach werdet ihr Leute sein, die rechtschaffen sind.» 10 Ein Sprecher unter ihnen sagte: «Tötet Josef nicht, werft ihn (lieber) in die verborgene Tiefe der Zisterne, dann wird ihn schon der eine oder andere Reisende aufnehmen, wenn ihr doch etwas tun wollt.» 11 Sie sagten: «O unser Vater, warum vertraust du uns Josef nicht an? Wir werden ihm sicher gut raten. 12 Schick ihn morgen mit uns, daß er sich frei bewege und spiele. Wir werden ihn sicher behüten.» 13 Er sagte: «Es macht mich traurig, daß ihr ihn mitnehmen wollt. Und ich fürchte, daß ihn der Wolf frißt, während ihr nicht auf ihn achtgebt.» 14 Sie sagten: «Sollte ihn der Wolf fressen, wo wir doch eine (beachtliche) Gruppe sind, dann werden wir gewiß Verlust davon tragen.» 15 Als sie ihn mitnahmen und übereinkamen, ihn in die verborgene Tiefe der Zisterne hinunterzulassen… – Und Wir offenbarten ihm: «Du wirst ihnen noch das, was sie hier getan haben, kundtun, ohne daß sie es merken.» 16 Und am Abend kamen sie weinend zu ihrem Vater. 17 Sie sagten: «O unser Vater, wir gingen, um einen Wettlauf zu machen, und ließen Josef bei unseren Sachen zurück. Da fraß ihn der Wolf. Du glaubst uns wohl nicht, auch wenn wir die Wahrheit sagen.» 18 Sie trugen auf sein Hemd falsches Blut auf. Er sagte: «Nein, eure Seele hat euch etwas eingeredet. (Es gilt) schöne Geduld (zu üben). Gott ist der, der um Hilfe gebeten wird gegen das, was ihr beschreibt.» 19 Reisende kamen vorbei. Sie schickten ihren Wasserschöpfer, und er ließ seinen Eimer hinunter. Er sagte: «O gute Nachricht! Da ist ein Junge.» Sie versteckten ihn als Ware. Und Gott wußte wohl, was sie taten. 20 Und sie verkauften ihn für einen zu niedrigen Preis, einige gezählte Drachmen. Und sie übten Verzicht in bezug auf ihn. (Sure 12,8-20)

Im Vergleich mit der biblischen Erzählung (Genesis 37,12-35) fällt auf, dass im Koran die Brüder Josefs, den Beschluss, diesen zu töten bzw. in eine Zisterne zu werfen, im Vorhinein fassten und dann bewusst ihren Vater dazu bewegten, ihnen Josef anzuvertrauen, damit sie ihn mitnehmen könnten.

Nach dem biblischen Bericht waren die Brüder Josefs mit den Schafen in der Nähe von Sichem, d. h. in großer Entfernung von Jakob, um sie dort zu weiden. Jakob sandte ihn aus dem Tal von Hebron (Genesis 37,14) zu ihnen. Die Entfernung Hebron-Sichem beträgt ca. 78 km Luftlinie, praktisch muss man wohl mit ca. 100 km Entfernung rechnen. Die Brüder waren aber inzwischen von Sichem nochmals 22 km nach Norden, in die Gegend von Dotan gezogen.

In der Bibel ist es Jakob, der Josef zu seinen Brüdern sendet. Erst als die Brüder Josef von ferne sehen, kommen sie auf die Idee, ihn zu töten. Nur von Ruben, der Josef retten wollte, kam der Vorschlag, ihn in eine Zisterne zu werfen.

Aus dem koranischen Bericht gewinnt man den Eindruck, dass sich die Brüder Josefs nur zum Spielen ins Freie begeben haben. Das entspricht aber nicht der Lebenswelt der Patriarchen. Die Brüder Jesu waren auch keine Kinder mehr, sondern erwachsene Männer. Auch der Ablauf der Ereignisse im Koran ist mit den großen Entfernungen nicht vereinbar. Die Brüder warfen Josef in die Zisterne. Am Abend kamen sie nach Hause zu ihrem Vater. Man hat zumindest den Eindruck, dass es sich um denselben Abend handelt. 100 km oder mehr sind in dieser Zeit nicht zu schaffen.

Im Koran finden die „Reisenden“ Josef und verstecken ihn. Nach der Bibel verkaufen die Brüder Josef an die Ismaeliter bzw. Midianiter. Sure 12,20 scheint sich hingegen auf den Verkauf von Josef in Ägypten zu beziehen. Dem Koran ist hier auch ein Anachronismus unterlaufen, wenn gesagt wird, dass Josef um einige Drachmen oder Dirham verkauft wurde. Die Drachme war eine griechische Währung, die es zur Zeit Josefs noch nicht gab. Der arabische Name Dirham leitet sich von der Drachme ab. Aber Dirham gab es zur Zeit Josefs noch weniger als Drachmen.

1.3 Josef widersteht der Verführung.

21 Und derjenige aus Ägypten, der ihn gekauft hatte, sagte zu seiner Frau: «Bereite ihm eine freundliche Bleibe. Möge er uns Nutzen bringen, oder vielleicht nehmen wir ihn als Kind an.» Und Wir gaben dem Josef eine angesehene Stellung im Land. Und Wir wollten ihn die Deutung der Geschichten lehren. Und Gott ist in seiner Angelegenheit überlegen. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid. 22 Als er seine Vollkraft erreicht hatte, ließen Wir ihm Urteilskraft und Wissen zukommen. So entlohnen Wir die Rechtschaffenen. 23 Und die, in deren Haus er war, versuchte, ihn zu verführen. Sie schloß die Türen ab und sagte: «Komm her.» Er sagte: «Gott behüte! Er, mein Besitzer, hat mir eine schöne Bleibe bereitet. Denen, die Unrecht tun, wird es nicht wohl ergehen.» 24 Sie hätte sich beinahe mit ihm eingelassen, und er hätte sich beinahe mit ihr eingelassen, hätte er nicht den Beweis seines Herrn gesehen. Dies (geschah), damit Wir das Böse und das Schändliche von ihm abwehrten. Er gehört ja zu unseren auserwählten Dienern. 25 Sie suchten beide als erster die Tür zu erreichen. Sie zerriß ihm von hinten das Hemd. Und sie trafen auf ihren Herrn bei der Tür. Sie sagte: «Der Lohn dessen, der deiner Familie Böses antun wollte, ist ja wohl das Gefängnis oder eine schmerzhafte Pein.» 26 Er sagte: «Sie war es, die versucht hat, mich zu verführen.» Und ein Zeuge aus ihrer Familie bezeugte: «Wenn sein Hemd vorn zerrissen ist, hat sie die Wahrheit gesagt, und er ist einer von denen, die lügen. 27 Und wenn sein Hemd hinten zerrissen ist, hat sie gelogen, und er ist einer von denen, die die Wahrheit sagen.» 28 Als er nun sah, daß sein Hemd hinten zerrissen war, sagte er: «Das ist eine List von euch. Eure List ist gewaltig. 29 Josef, wende dich davon ab. Und (du), bitte um Vergebung für deine Schuld. Du gehörst ja zu denen, die sich versündigt haben.» 30 Nun sagten Frauen in der Stadt: «Die Gemahlin des Hochmögenden versucht, ihren Knecht zu verführen. Er hat sie in leidenschaftliche Liebe versetzt. Wir sehen, sie befindet sich in einem offenkundigen Irrtum.» 31 Als sie von ihren Ränken hörte, schickte sie zu ihnen und bereitete ihnen ein Gelage. Sie ließ einer jeden von ihnen ein Messer geben und sagte (zu Josef): «Komm zu ihnen heraus.» Als sie ihn sahen, fanden sie ihn außerordentlich, und sie schnitten sich in die Hände und sagten: «Gott bewahre! Das ist nicht ein Mensch. Das ist nur ein edler Engel.» 32 Sie sagte: «Das ist der, dessentwegen ihr mich getadelt habt. Ich habe versucht, ihn zu verführen. Er aber hielt an seiner Unschuld fest. Und wenn er nicht tut, was ich ihm befehle, wird er bestimmt ins Gefängnis geworfen werden, und er wird zu denen gehören, die erniedrigt werden.» 33 Er sagte: «Mein Herr, mir ist das Gefängnis lieber als das, wozu sie mich auffordern. Und wenn du ihre List von mir nicht abwehrst, werde ich mich zu ihnen hingezogen fühlen und einer der Törichten sein.» 34 Sein Herr erhörte ihn und wehrte ihre List von ihm ab. Er ist es, der alles hört und weiß. 35 Dann, nachdem sie die Zeichen gesehen hatten, schien es ihnen angebracht, ihn eine Zeitlang ins Gefängnis zu werfen. (Sure 12,31-35)

Hier ist im Vergleich zur biblischen Erzählung (Genesis 39) festzuhalten, dass die biblische Version die logischere ist. Nachdem Potifars Frau Josef bei ihrem Ehemann verleumdet hatte, glaubte der Ehemann seiner Frau und Josef kam ins Gefängnis (Genesis 39,19-20).

Im Koran ist die Geschichte verwirrender und inkonsistent. Einerseits war dem Mann bereits in Vers 28-29 klar, dass seine Frau die Schuldige ist, ja es sprach sich sogar in der Stadt herum (Vers 30). Andererseits musste, damit die Geschichte nach ihrer biblischen Vorlage weitergehen kann, Josef ins Gefängnis. Letztlich kam Josef im Koran ohne wirklich verständlichen Grund ins Gefängnis. In Vers 35 heißt es einfach: „schien es ihnen angebracht, …“ Interessant ist aber, dass im späteren Verlauf der Erzählung (Verse 51-52), es so aussieht, als ob es bisher nicht klar gewesen wäre, dass Josef unschuldig ist: Die Frau des Hochmögenden sagte: «Jetzt ist die Wahrheit offenbar geworden. Ich habe versucht, ihn zu verführen. Und er gehört zu denen, die die Wahrheit sagen.» (Josef sagte:) «Dies ist, damit er weiß, daß ich ihn nicht in seiner Abwesenheit verraten habe und daß Gott die List der Verräter nicht gelingen läßt. Die Frau hatte das doch schon in Vers 32 klar ausgedrückt.

Eigenartig ist auch die Geschichte mit den Frauen, die sich in die Hände schnitten, die im Koran ohne biblische Parallele (wohl aus jüdischer Überlieferung) eingefügt wurde. Es sieht so aus, als wollte die Frau des Potifar dadurch, dass sie den anderen Frauen Josef vorführte zeigen, wie schön er ist, und wie verständlich ihr Wunsch war, ihn zu verführen.

Seltsam ist auch der zweite Teil von Vers 24 (… und er hätte sich beinahe mit ihr eingelassen, hätte er nicht den Beweis seines Herrn gesehen), der der üblichen koranischen Tendenz widerspricht, die Propheten über alles Sündhafte erhaben darzustellen. Wir dürfen davon ausgehen, dass Josef immer so eng mit Gott verbunden war, dass die Verführungsversuche der Frau des Potifar keine wirkliche Versuchung für ihn waren.

1.4 Josef im Gefängnis

36 Mit ihm kamen zwei Knechte ins Gefängnis. Der eine von ihnen sagte: «Ich sah mich Wein keltern.» Der andere sagte: «Ich sah mich auf dem Kopf Brot tragen, von dem die Vögel fraßen. So tu uns kund, wie dies zu deuten ist. Wir sehen es, du gehörst zu den Rechtschaffenen.» 37 Er sagte: «Es wird euch das Essen, mit dem ihr versorgt werdet, nicht gebracht, ohne daß ich euch kundgetan habe, wie es zu deuten ist, bevor es euch gebracht wird. Das ist etwas von dem, was mich mein Herr gelehrt hat. Verlassen habe ich die Glaubensrichtung von Leuten, die nicht an Gott glauben und die das Jenseits verleugnen, 38 Und ich bin der Glaubensrichtung meiner Väter Abraham, Isaak und Jakob gefolgt. Wir dürfen Gott nichts beigesellen. Das ist etwas von der Huld Gottes zu uns und zu den Menschen. Aber die meisten Menschen sind nicht dankbar. 39 O ihr beiden Insassen des Gefängnisses! Sind verschiedene Herren besser, oder der eine Gott, der bezwingende Macht besitzt? 40 Ihr dient außer Ihm nur Namen, die ihr genannt habt, ihr und eure Väter, für die aber Gott keine Ermächtigung herabgesandt hat. Das Urteil gehört Gott allein. Er hat befohlen, daß ihr nur Ihm dienen sollt. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid. 41 O ihr beiden Insassen des Gefängnisses! Der eine von euch wird seinem Herrn Wein zu trinken geben. Der andere aber wird gekreuzigt, und die Vögel werden von seinem Kopf fressen. Entschieden ist die Angelegenheit, über die ihr um Auskunft fragt.» 42 Und er sagte zu dem von ihnen, mit dessen Rettung er rechnete: «Gedenke meiner bei deinem Herrn.» Aber der Satan ließ ihn vergessen, ihn bei seinem Herrn zu erwähnen. So blieb er noch einige Jahre im Gefängnis. (Sure 12,36-42)

In Vers 41 kündigt Josef dem Bäcker des Pharaos die Kreuzigung an. In der Bibel (Genesis 40,16) heißt es, dass er an ein Holz gehängt wird. Der Koran ist hier klar anachronistisch. Im Ägypten des 2. Jahrtausends vor Christus war die Kreuzigung als Hinrichtungsmethode unbekannt.

1.5 Josef wird erhöht.

43 Und der König sagte: «Ich sah sieben fette Kühe, die von sieben mageren gefressen wurden, und sieben grüne Ähren und (sieben) andere, die verdorrt waren. O ihr Vornehmen, gebt mir Auskunft über mein Traumgesicht, so ihr das Traumgesicht auslegen könnt.» 44 Sie sagten: «Wirres Bündel von Träumen. Wir wissen über die Deutung der Träume nicht Bescheid.» 45 Derjenige von ihnen, der gerettet wurde und sich nach einer Weile erinnerte, sagte: «Ich werde euch seine Deutung kundtun. Schickt mich los.» 46 «Josef, du Wahrhaftiger, gib uns Auskunft über sieben fette Kühe, die von sieben mageren gefressen werden, und von sieben grünen Ähren und (sieben) anderen, die verdorrt sind. So mag ich zu den Menschen zurückkehren, auf daß sie Bescheid wissen.» 47 Er sagte: «Ihr werdet sieben Jahre wie gewohnt säen. Was ihr aber erntet, das laßt in seinen Ähren, bis auf einen geringen Teil von dem, was ihr verzehrt. 48 Danach werden dann sieben harte (Jahre) kommen, die das verzehren werden, was ihr für sie vorher eingebracht habt, bis auf einen geringen Teil von dem, was ihr aufbewahrt. 49 Danach wird dann ein Jahr kommen, in dem die Menschen Regen haben und in dem sie keltern werden.»
50 Der König sagte: «Bringt ihn zu mir.» Als der Bote zu ihm kam, sagte er: «Kehr zu deinem Herrn zurück und frag ihn, wie es mit den Frauen steht, die sich in ihre Hände geschnitten haben. Mein Herr weiß doch über ihre List Bescheid.»
51 Er sagte: «Was war da mit euch, als ihr versucht habt, Josef zu verführen?» Sie sagten: «Gott bewahre! Wir wissen gegen ihn nichts Böses (anzugeben).» Die Frau des Hochmögenden sagte: «Jetzt ist die Wahrheit offenbar geworden. Ich habe versucht, ihn zu verführen. Und er gehört zu denen, die die Wahrheit sagen.» 52 (Josef sagte:) «Dies ist, damit er weiß, daß ich ihn nicht in seiner Abwesenheit verraten habe und daß Gott die List der Verräter nicht gelingen läßt. 53 Und ich erkläre mich nicht selbst für unschuldig. Die Seele gebietet ja mit Nachdruck das Böse, es sei denn, mein Herr erbarmt sich. Mein Herr ist voller Vergebung und barmherzig.»
54 Und der König sagte: «Bringt ihn zu mir. Ich will ihn ausschließlich für mich haben.» Als er mit ihm gesprochen hatte, sagte er: «Heute bist du bei uns in angesehener Stellung und genießt unser Vertrauen.» 55 Er sagte: «Setze mich über die Vorratskammern des Landes ein. Ich bin ein (guter) Hüter und weiß Bescheid.» 56 So haben Wir dem Josef eine angesehene Stellung im Land gegeben, so daß er darin sich aufhalten konnte, wo er wollte. Wir treffen mit unserer Barmherzigkeit, wen Wir wollen, und Wir lassen den Lohn der Rechtschaffenen nicht verlorengehen. 57 Und wahrlich, der Lohn des Jenseits ist besser für die, die glauben und gottesfürchtig sind. (Sure 12,43-57)

Auch hier scheint die koranische Version inkonsistent zu sein. In Vers 45 sagt der Mundschenk, dass er die Deutung kundtun werde, begibt sich dann aber zu Josef. In Genesis erzählt der Mundschenk dem Pharao über Josef, worauf der Pharao diesen holen lässt. Die Traumdeutung findet in der Gegenwart des Königs statt. Im Koran fehlt auch Josefs Hinweis, dass nicht die Traumdeutung nicht in seiner eigenen Macht steht, sondern dass Gott antworten wird (Genesis 41,16). Die Verse 50-53 kehren wieder zu der Erzählung mit den Frauen zurück. Jetzt kommt die Wahrheit ans Licht (obwohl das schon in Vers 28 klar war. In Vers 51 ist davon die Rede, dass die Frauen (im Plural) Josef verführen wollten, wovon zuvor aber keine Rede war.
In Vers 55 schlägt sich Josef selber als Verwalter vor. In der Bibel geht die Initiative vom Pharao aus.

1.6 Josef und seine Brüder

58 Und die Brüder Josefs kamen und traten bei ihm ein. Er erkannte sie, während sie ihn für einen Unbekannten hielten. 59 Als er sie nun mit ihrem Bedarf ausgestattet hatte, sagte er: «Bringt mir einen Bruder von euch, (einen) von eurem Vater. Seht ihr nicht, daß ich das Maß voll erstatte und daß ich der beste der Gastgeber bin? 60 Wenn ihr ihn mir nicht bringt, so bekommt ihr bei mir kein Maß mehr, und ihr sollt nicht in meine Nähe treten.» 61 Sie sagten: «Wir werden versuchen, seinen Vater in bezug auf ihn zu überreden, und wir werden es bestimmt tun.» 62 Und er sagte zu seinen Knechten: «Steckt auch ihre Tauschware in ihr Gepäck, daß sie sie (wieder) erkennen, wenn sie zu ihren Angehörigen heimgekehrt sind. Vielleicht werden sie dann auch zurückkommen.» 63 Als sie zu ihrem Vater zurückkamen, sagten sie: «O unser Vater, die (nächste) Zuteilung wurde uns verwehrt. So schick unseren Bruder mit uns, damit wir eine Zuteilung zugemessen bekommen. Und wir werden ihn bestimmt behüten.» 64 Er sagte: «Kann ich ihn euch etwa anders anvertrauen, als ich euch zuvor seinen Bruder anvertraut habe? Gott ist der beste Hüter, und Er ist der Barmherzigste der Barmherzigen.» 65 Und als sie ihre Sachen öffneten, fanden sie, daß ihre Tauschware ihnen zurückgegeben worden war. Sie sagten: «O unser Vater, was wünschen wir mehr? Das ist unsere Tauschware, sie ist uns zurückgegeben worden. Wir werden Vorrat für unsere Angehörigen bringen, unseren Bruder behüten und die Last eines Kamels mehr zugemessen bekommen. Das ist ein leicht zu erhaltendes Maß.» 66 Er sagte: «Ich werde ihn nicht mit euch schicken, bis ihr mir ein verbindliches Versprechen vor Gott gebt, daß ihr ihn mir zurückbringt, es sei denn, ihr werdet umringt.» Als sie ihm ihr verbindliches Versprechen gegeben hatten, sagte er: «Gott ist Sachwalter über das, was wir (hier) sagen.» 67 Und er sagte: «O meine Söhne, geht nicht durch ein einziges Tor hinein. Geht durch verschiedene Tore hinein. Ich kann euch vor Gott nichts nützen. Das Urteil gehört Gott allein. Auf Ihn vertraue ich. Auf Ihn sollen die vertrauen, die (überhaupt auf jemanden) vertrauen.» 68 Als sie hineingingen, wie ihr Vater ihnen befohlen hatte, hat es ihnen vor Gott nichts genützt. Es war nur ein Bedürfnis in der Seele Jakobs, das er (damit) erfüllte. Und er besaß Wissen, weil Wir es ihn gelehrt hatten. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid. 69 Als sie bei Josef eintraten, zog er seinen Bruder zu sich. Er sagte: «Ich, ich bin dein Bruder. So sei nicht betrübt wegen dessen, was sie taten.» 70 Als er sie nun mit ihrem Bedarf ausgestattet hatte, tat er das Trinkgefäß in das Gepäck seines Bruders. Dann rief ein Rufer aus: «Ihr da von der Karawane, ihr seid ja Diebe.» 71 Sie sagten, während sie auf sie zugingen: «Was vermißt ihr?» 72 Sie sagten: «Wir vermissen den Pokal des Königs. Wer ihn zurückbringt, erhält die Last eines Kamels, und dafür bin ich Bürge.» 73 Sie sagten: «Bei Gott, ihr wißt es, wir sind nicht gekommen, um im Land Unheil zu stiften, und wir sind keine Diebe.» 74 Sie sagten: «Was ist die Vergeltung dafür, wenn ihr lügt?» 75 Sie sagten: «Die Vergeltung dafür ist, daß der, in dessen Gepäck er gefunden wird, selbst als Entgelt dafür dienen soll. So vergelten wir denen, die Unrecht tun.» 76 Er begann (zu suchen) in ihren Behältern vor dem Behälter seines Bruders. Dann holte er ihn aus dem Behälter seines Bruders. So führten Wir für Josef eine List aus. Nach der Religion des Königs hätte er unmöglich seinen Bruder (als Sklaven) nehmen können, es sei denn, daß es Gott wollte. Wir erhöhen, wen Wir wollen, um Rangstufen. Und über jedem, der Wissen besitzt, steht einer, der (noch mehr) weiß. 77 Sie sagten: «Wenn er stiehlt, so hat auch ein Bruder von ihm zuvor gestohlen.» Josef hielt es in seinem Inneren geheim und zeigte es ihnen nicht offen. Er sagte: «Ihr seid noch schlimmer daran. Und Gott weiß besser, was ihr beschreibt.» 78 Sie sagten: «O Hochmögender, er hat einen Vater, einen hochbetagten Greis. So nimm einen von uns an seiner Stelle. Wir sehen, daß du einer der Rechtschaffenen bist.» 79 Er sagte: «Gott behüte, daß wir einen anderen nehmen als den, bei dem wir unsere Sachen gefunden haben! Sonst würden wir zu denen gehören, die Unrecht tun.» 80 Als sie an ihm jede Hoffnung verloren hatten, gingen sie zu einem vertraulichen Gespräch unter sich. Der Älteste von ihnen sagte: «Wißt ihr nicht, daß euer Vater von euch ein verbindliches Versprechen vor Gott entgegengenommen hat, und daß ihr zuvor eure Pflicht in bezug auf Josef nicht erfüllt habt? Ich werde das Land nicht verlassen, bis mein Vater es mir erlaubt oder Gott ein Urteil für mich fällt, und Er ist der Beste derer, die Urteile fällen. 81 Kehrt zu eurem Vater zurück und sagt: >O unser Vater, dein Sohn hat gestohlen, und wir bezeugen nur das, was wir wissen, und wir können nicht Hüter sein über das, was verborgen ist. 82 Und frag die Stadt, in der wir waren, und die Karawane, mit der wir gekommen sind. Wir sagen ja die Wahrheit. 83 Er sagte: «Eure Seele hat euch etwas eingeredet. (Es gilt) schöne Geduld (zu üben). Möge Gott sie mir alle zurückbringen! Er ist der, der alles weiß und weise ist.» 84 Und er kehrte sich von ihnen ab und sagte: «O wie voller Gram bin ich um Josef!» Und seine Augen wurden weiß vor Trauer, und er unterdrückte (seinen Groll). 85 Sie sagten: «Bei Gott, du hörst nicht auf, des Josef zu gedenken, bis du bald zusammenbrichst oder zu denen gehörst, die zugrunde gehen.» 86 Er sagte: «Ich klage ja meinen Kummer und meine Trauer Gott allein, und ich weiß von Gott, was ihr nicht wißt. 87 O meine Söhne, geht und erkundigt euch über Josef und seinen Bruder. Und verliert nicht die Hoffnung, daß Gott Aufatmen verschafft. Die Hoffnung, daß Gott Aufatmen verschafft, verlieren nur die ungläubigen Leute.» 88 Als sie (wieder) bei ihm eintraten, sagten sie: «O Hochmögender, Not hat uns und unsere Angehörigen erfaßt. Und wir haben (nur) eine zusammengewürfelte Ware gebracht. So erstatte uns (dennoch) volles Maß und gib es uns als Almosen. Gott vergilt denen, die Almosen geben.» 89 Er sagte: «Wißt ihr (noch), was ihr Josef und seinem Bruder angetan habt, als ihr töricht gehandelt habt?» 90 Sie sagten: «Bist du denn wirklich Josef?» Er sagte: «Ich bin Josef, und das ist mein Bruder. Gott hat uns eine Wohltat erwiesen. Wahrlich, wenn einer gottesfürchtig und geduldig ist, so läßt Gott den Lohn der Rechtschaffenen nicht verlorengehen.» 91 Sie sagten: «Bei Gott, Gott hat dich vor uns bevorzugt. Und wir haben bestimmt gesündigt.» 92 Er sagte: «Keine Schelte soll heute über euch kommen. Gott vergibt euch, Er ist ja der Barmherzigste der Barmherzigen. 93 Nehmt dieses mein Hemd mit und legt es auf das Gesicht meines Vaters, dann wird er wieder sehen können. Und bringt alle eure Angehörigen zu mir.» (Sure 12,58-93)

Der Koran schweigt über die Gründe des Kommens der Brüder Josefs in Vers 58. Ohne das von Genesis gelieferte Hintergrundwissen bleibt die schönste aller Geschichten unverständlich. In Vers 65 freuen sich die Brüder über die „Tauschware“, die zurückgegeben wurde. In Genesis 42,28 steht die gegenteilige Reaktion, die der Situation besser entspricht.
Der Ratschlag, durch verschiedene Tore einzutreten (Vers 67), findet sich in der Bibel nicht und war auch innerhalb der koranischen Erzählung nicht hilfreich.
Der Hinweis von Vers 69, dass Josef seinem jüngsten Bruder sofort mitgeteilt hat, dass er sein Bruder ist, fehlt ebenso in der Bibel und passt auch nicht zur Fortsetzung der Erzählung.
Rätselhaft ist die Aussage von Vers 77: «Wenn er stiehlt, so hat auch ein Bruder von ihm zuvor gestohlen.»
Danach findet ein nicht in den Zusammenhang passender Szenenwechsel statt. In den Versen 83-88 findet ein Dialog zwischen Jakob und seinen Söhnen statt. Jakob war aber in Kanaan und nicht in Ägypten.
In Vers 89 spricht offensichtlich wieder Josef. Obwohl sich Josef nicht direkt zu erkennen gibt, fragen ihn in Vers 90 seine Brüder, ob er Josef sei.
Auch der Auftrag (Vers 93), mit dem Hemd Josefs Jakob wieder das Augenlicht zu schenken, ist ein legendärer Zug, der sich nicht in der Bibel findet.

1.7 Jakob kommt zu Josef

94 Als nun die Karawane aufbrach, sagte ihr Vater: «Wahrlich, ich spüre Josefs Geruch. Wenn ihr nur nicht (meine Worte) als dummes Gerede zurückweisen würdet!» 95 Sie sagten: «Bei Gott, du befindest dich in deinem alten Irrtum.» 96 Als nun der Freudenbote kam, legte er es auf sein Gesicht, und er konnte wieder sehen. Er sagte: «Habe ich euch nicht gesagt, daß ich von Gott weiß, was ihr nicht wißt?» 97 Sie sagten: «O unser Vater, bitte für uns um Vergebung unserer Sünden. Wir haben ja gesündigt.» 98 Er sagte: «Ich werde meinen Herrn um Vergebung für euch bitten. Er ist der, der voller Vergebung und barmherzig ist.» 99 Als sie nun bei Josef eintraten, zog er seine Eltern an sich und sagte: «Betretet Ägypten, so Gott will, in Sicherheit.» 100 Und er erhob seine Eltern auf den Thron. Und sie warfen sich vor ihm nieder. Er sagte: «O mein Vater, das ist die Deutung meines Traumgesichts von früher. Mein Herr hat es wahr gemacht. Und Er hat mir Gutes erwiesen, als Er mich aus dem Gefängnis herauskommen ließ und euch aus der Steppe hierher brachte, nachdem der Satan zwischen mir und meinen Brüdern (zu Zwietracht) aufgestachelt hatte. Mein Herr weiß zu erreichen, was Er will. Er ist der, der alles weiß und weise ist. 101 Mein Herr, du hast mir etwas von der Königsherrschaft zukommen lassen und mich etwas von der Deutung der Geschichten gelehrt. Du Schöpfer der Himmel und der Erde, du bist mein Freund im Diesseits und Jenseits. Berufe mich als gottergeben ab und stelle mich zu den Rechtschaffenen.» (Sure 12,94-101)

Unklar ist, wer in Vers 95 zu Jakob sagt, dass er sich in seinem alten Irrtum befinde. Die Brüder, die wussten, dass Josef lebt, konnten es nicht gewesen sein. Ebenso unklar bleibt, wer der Freudenbote in Vers 96 ist. Vermutlich einer der Brüder Josefs.
Rachel, die Mutter Josefs und Benjamins, war bereits bei der Geburt Benjamins gestorben (Genesis 35,16-20). Dem Autor der zwölften Sure war das offensichtlich unbekannt. Um eine 100%ige Erfüllung des Traumes Josefs zu gewährleisten, musste sie in den Versen 99-100 noch am Leben sein.

1.8 Fazit

Der koranische Bericht folgt grundsätzlich der biblischen Vorlage, die dem Autor der Sure möglicherweise nicht schriftlich, sondern nur durch mündliche Überlieferung, angereichert durch jüdisches Traditionsmaterial, vorlag.

In seinem Bemühen, Josef und Jakob besonders positiv darzustellen, nimmt der Autor auch unlogische und widersprüchliche Züge in Kauf. Es werden auch manche Informationen, die für den Ablauf der Geschichte notwendig sind, nicht gebracht. Somit ist die koranische Version ohne Kenntnis der biblischen Vorlage nicht voll verständlich.

Die ursprüngliche Josefserzählung im Buch Genesis ist somit logischer und zuverlässiger als die viele Jahrhunderte später abgefasste Version des Koran. Die Mängel der späteren Fassung erweisen zugleich, dass Sure 12 von Menschen verfasst wurde und unmöglich das direkte Wort Gottes sein kann.

2 Tabellarischer Vergleich

Genesis Elberfelder Übersetzung Koran Adel Khoury
12,3 Wir erzählen dir die schönste Erzählung dadurch, daß Wir dir diesen Koran offenbart haben. Du warst vordem einer von denen, die (davon) keine Ahnung hatten.
37,2 Dies ist die Geschichte Jakobs: Josef, siebzehn Jahre alt, war als Hirte mit seinen Brüdern bei den Schafen – als er noch ein Junge war -, mit den Söhnen Bilhas und mit den Söhnen Silpas, der Frauen seines Vaters. Und Josef hinterbrachte ihrem Vater die üble Nachrede über sie.
37,3 Und Israel liebte Josef mehr als all seine Söhne, weil er der Sohn seines Alters war; und er machte ihm einen bunten Leibrock.
37,4 Als aber seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder; da hassten sie ihn und konnten ihn nicht mehr grüßen.
37,5 Und Josef hatte einen Traum, den erzählte er seinen Brüdern; da hassten sie ihn noch mehr.
37,6 Und er sagte zu ihnen: Hört doch diesen Traum, den ich gehabt habe:
37,7 Siehe, wir banden Garben mitten auf dem Feld, und siehe, meine Garbe richtete sich auf und blieb auch aufrecht stehen; und siehe, eure Garben stellten sich ringsum auf und verneigten sich vor meiner Garbe.
37,8 Da sagten seine Brüder zu ihm: Willst du etwa König über uns werden, willst du gar über uns herrschen? Und sie hassten ihn noch mehr wegen seiner Träume und wegen seiner Reden.
37,9 Und er hatte noch einen anderen Traum, auch den erzählte er seinen Brüdern und sagte: Siehe, noch einen Traum hatte ich, und siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne beugten sich vor mir nieder. 12,4 Als Josef zu seinem Vater sagte: «O mein Vater, ich sah elf Sterne und die Sonne und den Mond, ich sah sie vor mir niederfallen.»
37,10 Und er erzählte es seinem Vater und seinen Brüdern. Da schalt ihn sein Vater und sagte zu ihm: Was ist das für ein Traum, den du gehabt hast? Sollen wir etwa kommen, ich und deine Mutter und deine Brüder, um uns vor dir zur Erde niederzubeugen? 12,5 Er sagte: «O mein Sohn, erzähle von deinem Traumgesicht nicht deinen Brüdern, sonst werden sie eine List gegen dich ausführen. Der Satan ist den Menschen ein offenkundiger Feind.
12,6 Und so wird dein Herr dich erwählen und dich etwas von der Deutung der Geschichten lehren und seine Gnade an dir und an der Sippe Jakobs vollenden, wie Er sie vorher an seinen beiden Vätern Abraham und Isaak vollendet hat. Dein Herr weiß Bescheid und ist weise.»
12,7 Siehe, in Josef und seinen Brüdern sind Zeichen für die, die (nach der Wahrheit) fragen.
37,11 Und seine Brüder waren eifersüchtig auf ihn; aber sein Vater bewahrte das Wort. 12,8 Als sie sagten: «Josef und sein Bruder sind unserem Vater bestimmt lieber als wir, obwohl wir eine (beachtliche) Gruppe sind. Unser Vater befindet sich in einem offenkundigen Irrtum.
12,11 Sie sagten: «O unser Vater, warum vertraust du uns Josef nicht an? Wir werden ihm sicher gut raten.
12,12 Schick ihn morgen mit uns, daß er sich frei bewege und spiele. Wir werden ihn sicher behüten.»
12,13 Er sagte: «Es macht mich traurig, daß ihr ihn mitnehmen wollt. Und ich fürchte, daß ihn der Wolf frißt, während ihr nicht auf ihn achtgebt.»
12,14 Sie sagten: «Sollte ihn der Wolf fressen, wo wir doch eine (beachtliche) Gruppe sind, dann werden wir gewiß Verlust davon tragen.»
37,12 Und seine Brüder gingen fort, um die Schafe ihres Vaters bei Sichem zu weiden.
37,13 Da sagte Israel zu Josef: Weiden nicht deine Brüder bei Sichem? Komm, ich will dich zu ihnen senden! Er aber sagte zu ihm: Hier bin ich.
37,14 Da sagte er zu ihm: Geh doch hin, sieh nach dem Wohlergehen deiner Brüder und nach dem Wohlergehen der Schafe, und bring mir Antwort. So sandte er ihn aus dem Tal von Hebron, und er kam nach Sichem.
37,15 Da fand ihn ein Mann, und siehe, er irrte auf dem Feld umher; und der Mann fragte ihn: Was suchst du?
37,16 Und er sagte: Ich suche meine Brüder. Teile mir doch mit, wo sie weiden!
37,17 Da sagte der Mann: Sie sind von hier aufgebrochen, denn ich hörte sie sagen: „Lasst uns nach Dotan gehen!“ Da ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie bei Dotan.
37,18 Als sie ihn von ferne sahen und bevor er sich ihnen genähert hatte, da ersannen sie gegen ihn den Anschlag, ihn zu töten. 12,9 Tötet Josef oder werft ihn ins Land hinaus, so wird das Gesicht eures Vaters nur noch auf euch schauen, und danach werdet ihr Leute sein, die rechtschaffen sind.»
37,19 Und sie sagten einer zum andern: Siehe, da kommt dieser Träumer!
37,20 So kommt nun und lasst uns ihn erschlagen und ihn in eine der Zisternen werfen, und wir wollen sagen: Ein böses Tier hat ihn gefressen! Dann werden wir sehen, was aus seinen Träumen wird.
37,21 Als Ruben das hörte, wollte er ihn aus ihrer Hand retten und sagte: Lasst uns ihn nicht totschlagen!
37,22 Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt nicht Blut, werft ihn in diese Zisterne, die in der Wüste ist, aber legt nicht Hand an ihn! Das sagte er, damit er ihn aus ihrer Hand rettete, um ihn zu seinem Vater zurückzubringen. 12,10 Ein Sprecher unter ihnen sagte: «Tötet Josef nicht, werft ihn (lieber) in die verborgene Tiefe der Zisterne, dann wird ihn schon der eine oder andere Reisende aufnehmen, wenn ihr doch etwas tun wollt.»
37,23 Und es geschah, als Josef zu seinen Brüdern kam, da zogen sie Josef seinen Leibrock aus, den bunten Leibrock, den er anhatte.
37,24 Und sie nahmen ihn und warfen ihn in die Zisterne; die Zisterne aber war leer, es war kein Wasser darin. 12,15 Als sie ihn mitnahmen und übereinkamen, ihn in die verborgene Tiefe der Zisterne hinunterzulassen… – Und Wir offenbarten ihm: «Du wirst ihnen noch das, was sie hier getan haben, kundtun, ohne daß sie es merken.»
37,25 Dann setzten sie sich, um zu essen. Und sie erhoben ihre Augen und sahen: Und siehe, eine Karawane von Ismaelitern kam von Gilead her; und ihre Kamele trugen Tragakant und Balsamharz und Ladanum; sie zogen hin, um es nach Ägypten hinabzubringen.
37,26 Da sagte Juda zu seinen Brüdern: Was für ein Gewinn ist es, dass wir unseren Bruder erschlagen und sein Blut zudecken?
37,27 Kommt, lasst uns ihn an die Ismaeliter verkaufen; aber unsere Hand sei nicht an ihm, denn unser Bruder, unser Fleisch ist er! Und seine Brüder hörten darauf.
37,28 Da kamen midianitische Männer vorüber, Händler, und sie zogen ihn heraus und holten Josef aus der Zisterne herauf. Und sie verkauften Josef an die Ismaeliter für zwanzig Silberschekel. Und sie brachten Josef nach Ägypten. 12,19 Reisende kamen vorbei. Sie schickten ihren Wasserschöpfer, und er ließ seinen Eimer hinunter. Er sagte: «O gute Nachricht! Da ist ein Junge.» Sie versteckten ihn als Ware. Und Gott wußte wohl, was sie taten.
12,20 Und sie verkauften ihn für einen zu niedrigen Preis, einige gezählte Drachmen. Und sie übten Verzicht in bezug auf ihn.
37,29 Als nun Ruben zur Zisterne zurückkam, und siehe, Josef war nicht in der Zisterne, da zerriss er seine Kleider.
37,30 Und er kehrte zu seinen Brüdern zurück und sagte: Der Junge ist nicht mehr da! Ich aber, wohin soll ich jetzt gehen?
37,31 Da nahmen sie den Leibrock Josefs und schlachteten einen Ziegenbock und tauchten den Leibrock in das Blut.
37,32 Dann schickten sie den bunten Leibrock hin und ließen ihn ihrem Vater bringen und sagen: Das haben wir gefunden. Untersuche doch, ob es der Leibrock deines Sohnes ist oder nicht! 12,16 Und am Abend kamen sie weinend zu ihrem Vater.
12,17 Sie sagten: «O unser Vater, wir gingen, um einen Wettlauf zu machen, und ließen Josef bei unseren Sachen zurück. Da fraß ihn der Wolf. Du glaubst uns wohl nicht, auch wenn wir die Wahrheit sagen.»
37,33 Da untersuchte er ihn und sagte: Der Leibrock meines Sohnes! Ein böses Tier hat ihn gefressen; zerrissen, zerrissen ist Josef! 12,18 Sie trugen auf sein Hemd falsches Blut auf. Er sagte: «Nein, eure Seele hat euch etwas eingeredet. (Es gilt) schöne Geduld (zu üben). Gott ist der, der um Hilfe gebeten wird gegen das, was ihr beschreibt.»
37,34 Und Jakob zerriss seine Kleider und legte Sacktuch um seine Hüften, und er trauerte um seinen Sohn viele Tage.
37,35 Und alle seine Söhne und alle seine Töchter machten sich auf, um ihn zu trösten; er aber weigerte sich, sich trösten zu lassen, und sagte: Nein, sondern in Trauer werde ich zu meinem Sohn in den Scheol hinabfahren. So beweinte ihn sein Vater.
37,36 Und die Midianiter verkauften ihn nach Ägypten, an Potifar, einen Kämmerer des Pharao, den Obersten der Leibwächter.
39,1 Und Josef war nach Ägypten hinabgeführt worden. Und Potifar, ein Kämmerer des Pharao, der Oberste der Leibwächter, ein Ägypter, kaufte ihn aus der Hand der Ismaeliter, die ihn dorthin hinabgeführt hatten. 12,21 Und derjenige aus Ägypten, der ihn gekauft hatte, sagte zu seiner Frau: «Bereite ihm eine freundliche Bleibe. Möge er uns Nutzen bringen, oder vielleicht nehmen wir ihn als Kind an.» Und Wir gaben dem Josef eine angesehene Stellung im Land. Und Wir wollten ihn die Deutung der Geschichten lehren. Und Gott ist in seiner Angelegenheit überlegen. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid.
39,2 Der HERR aber war mit Josef, und er war ein Mann, dem alles gelang; und er blieb im Haus seines ägyptischen Herrn.
39,3 Als nun sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war und dass der HERR alles, was er tat, in seiner Hand gelingen ließ,
39,4 da fand Josef Gunst in seinen Augen, und er bediente ihn persönlich. Und er bestellte ihn über sein Haus, und alles, was er besaß, gab er in seine Hand.
39,5 Und es geschah, seitdem er ihn über sein Haus bestellt hatte und über alles, was er besaß, da segnete der HERR das Haus des Ägypters um Josefs willen; und der Segen des HERRN war auf allem, was er hatte, im Haus und auf dem Feld.
39,6 Und er überließ alles, was er hatte, der Hand Josefs und kümmerte sich bei ihm um gar nichts, außer um das Brot, das er aß. Josef aber war schön von Gestalt und schön von Aussehen.
12,22 Als er seine Vollkraft erreicht hatte, ließen Wir ihm Urteilskraft und Wissen zukommen. So entlohnen Wir die Rechtschaffenen.
39,7 Und es geschah nach diesen Dingen, da warf die Frau seines Herrn ihre Augen auf Josef und sagte: Liege bei mir! 12,23 Und die, in deren Haus er war, versuchte, ihn zu verführen. Sie schloß die Türen ab und sagte: «Komm her.» Er sagte: «Gott behüte! Er, mein Besitzer, hat mir eine schöne Bleibe bereitet. Denen, die Unrecht tun, wird es nicht wohl ergehen.»
39,8 Er aber weigerte sich und sagte zu der Frau seines Herrn: Siehe, mein Herr kümmert sich um nichts bei mir im Haus; und alles, was er besitzt, hat er in meine Hand gegeben.
39,9 Er selbst ist in diesem Haus nicht größer als ich, und er hat mir gar nichts vorenthalten als nur dich, weil du seine Frau bist. Wie sollte ich dieses große Unrecht tun und gegen Gott sündigen? 12,24 Sie hätte sich beinahe mit ihm eingelassen, und er hätte sich beinahe mit ihr eingelassen, hätte er nicht den Beweis seines Herrn gesehen. Dies (geschah), damit Wir das Böse und das Schändliche von ihm abwehrten. Er gehört ja zu unseren auserwählten Dienern.
39,10 Und es geschah, obwohl sie Tag für Tag auf Josef einredete, hörte er nicht auf sie, bei ihr zu liegen, mit ihr zusammen zu sein.
39,11 Da geschah es an einem solchen Tag, dass er ins Haus kam, um sein Geschäft zu besorgen, als gerade kein Mensch von den Leuten des Hauses dort im Haus war,
39,12 da ergriff sie ihn bei seinem Gewand und sagte: Liege bei mir! Er aber ließ sein Gewand in ihrer Hand, floh und lief hinaus. 12,25 Sie suchten beide als erster die Tür zu erreichen. Sie zerriß ihm von hinten das Hemd. Und sie trafen auf ihren Herrn bei der Tür. Sie sagte: «Der Lohn dessen, der deiner Familie Böses antun wollte, ist ja wohl das Gefängnis oder eine schmerzhafte Pein.»
39,13 Und es geschah, als sie sah, dass er sein Gewand in ihrer Hand gelassen hatte und hinausgeflohen war,
39,14 da rief sie die Leute ihres Hauses und sagte zu ihnen: Seht, er hat uns einen hebräischen Mann hergebracht, Mutwillen mit uns zu treiben. Er ist zu mir gekommen, um bei mir zu liegen, aber ich habe mit lauter Stimme gerufen.
39,15 Und es geschah, als er hörte, dass ich meine Stimme erhob und rief, da ließ er sein Gewand neben mir und floh und lief hinaus.
39,16 Und sie ließ sein Gewand neben sich liegen, bis sein Herr nach Hause kam.
39,17 Da redete sie zu ihm mit denselben Worten: Der hebräische Sklave, den du uns hergebracht hast, ist zu mir gekommen, um Mutwillen mit mir zu treiben;
39,18 und es geschah, als ich meine Stimme erhob und rief, da ließ er sein Gewand neben mir und floh hinaus.
12,26 Er sagte: «Sie war es, die versucht hat, mich zu verführen.» Und ein Zeuge aus ihrer Familie bezeugte: «Wenn sein Hemd vorn zerrissen ist, hat sie die Wahrheit gesagt, und er ist einer von denen, die lügen.
12,27 Und wenn sein Hemd hinten zerrissen ist, hat sie gelogen, und er ist einer von denen, die die Wahrheit sagen.»
39,19 Und es geschah, als sein Herr die Worte seiner Frau hörte, die sie zu ihm redete, indem sie sagte: Nach diesen Worten hat mir dein Sklave getan; da entbrannte sein Zorn. 12,28 Als er nun sah, daß sein Hemd hinten zerrissen war, sagte er: «Das ist eine List von euch. Eure List ist gewaltig.
12,29 Josef, wende dich davon ab. Und (du), bitte um Vergebung für deine Schuld. Du gehörst ja zu denen, die sich versündigt haben.»
12,30 Nun sagten Frauen in der Stadt: «Die Gemahlin des Hochmögenden versucht, ihren Knecht zu verführen. Er hat sie in leidenschaftliche Liebe versetzt. Wir sehen, sie befindet sich in einem offenkundigen Irrtum.»
12,31 Als sie von ihren Ränken hörte, schickte sie zu ihnen und bereitete ihnen ein Gelage. Sie ließ einer jeden von ihnen ein Messer geben und sagte (zu Josef): «Komm zu ihnen heraus.» Als sie ihn sahen, fanden sie ihn außerordentlich, und sie schnitten sich in die Hände und sagten: «Gott bewahre! Das ist nicht ein Mensch. Das ist nur ein edler Engel.»
12,32 Sie sagte: «Das ist der, dessentwegen ihr mich getadelt habt. Ich habe versucht, ihn zu verführen. Er aber hielt an seiner Unschuld fest. Und wenn er nicht tut, was ich ihm befehle, wird er bestimmt ins Gefängnis geworfen werden, und er wird zu denen gehören, die erniedrigt werden.»
12,33 Er sagte: «Mein Herr, mir ist das Gefängnis lieber als das, wozu sie mich auffordern. Und wenn du ihre List von mir nicht abwehrst, werde ich mich zu ihnen hingezogen fühlen und einer der Törichten sein.»
12,34 Sein Herr erhörte ihn und wehrte ihre List von ihm ab. Er ist es, der alles hört und weiß.
39,20 Und Josefs Herr nahm ihn und legte ihn ins Gefängnis, an den Ort, wo die Gefangenen des Königs gefangen lagen; und er war dort im Gefängnis. 12,35 Dann, nachdem sie die Zeichen gesehen hatten, schien es ihnen angebracht, ihn eine Zeitlang ins Gefängnis zu werfen.
39,21 Der HERR aber war mit Josef und wandte sich ihm in Treue zu und gab ihm Gunst in den Augen des Obersten des Gefängnisses.
39,22 Und der Oberste des Gefängnisses übergab alle Gefangenen, die im Gefängnis waren, der Hand Josefs; und alles, was man dort tat, das veranlasste er.
39,23 Der Oberste des Gefängnisses sah nicht nach dem Geringsten, das unter seiner Hand war, weil der HERR mit ihm war; und was er tat, ließ der HERR gelingen.
40,1 Und es geschah nach diesen Dingen, da versündigten sich der Mundschenk des Königs von Ägypten und der Bäcker gegen ihren Herrn, den König von Ägypten.
40,2 Und der Pharao wurde zornig über seine beiden Kämmerer, über den Obersten der Mundschenke und über den Obersten der Bäcker;
40,3 und er gab sie in Gewahrsam, in das Haus des Obersten der Leibwächter, ins Gefängnis, an den Ort, wo Josef gefangen lag. 12,36a Mit ihm kamen zwei Knechte ins Gefängnis.
40,4 Und der Oberste der Leibwächter gab ihnen Josef bei, und er bediente sie; und sie waren eine Zeit lang in Gewahrsam.
40,5 Und sie hatten beide einen Traum, jeder seinen Traum in einer Nacht, jeder mit einer besonderen Deutung seines Traumes, der Mundschenk und der Bäcker des Königs von Ägypten, die im Gefängnis gefangen lagen.
40,6 Als Josef am Morgen zu ihnen kam und sie sah, siehe, da waren sie traurig.
40,7 Und er fragte die Kämmerer des Pharao, die mit ihm im Haus seines Herrn in Gewahrsam waren: Warum sind eure Gesichter heute so traurig?
40,8 Da sagten sie zu ihm: Wir haben einen Traum gehabt, aber es gibt keinen, der ihn deute. Da sagte Josef zu ihnen: Sind die Deutungen nicht Gottes Sache? Erzählt mir doch! 12,36d So tu uns kund, wie dies zu deuten ist. Wir sehen es, du gehörst zu den Rechtschaffenen.»
12,37 Er sagte: «Es wird euch das Essen, mit dem ihr versorgt werdet, nicht gebracht, ohne daß ich euch kundgetan habe, wie es zu deuten ist, bevor es euch gebracht wird. Das ist etwas von dem, was mich mein Herr gelehrt hat. Verlassen habe ich die Glaubensrichtung von Leuten, die nicht an Gott glauben und die das Jenseits verleugnen,
12,38 Er sagte: «Es wird euch das Essen, mit dem ihr versorgt werdet, nicht gebracht, ohne daß ich euch kundgetan habe, wie es zu deuten ist, bevor es euch gebracht wird. Das ist etwas von dem, was mich mein Herr gelehrt hat. Verlassen habe ich die Glaubensrichtung von Leuten, die nicht an Gott glauben und die das Jenseits verleugnen,
12,39 O ihr beiden Insassen des Gefängnisses! Sind verschiedene Herren besser, oder der eine Gott, der bezwingende Macht besitzt?
12,40 Ihr dient außer Ihm nur Namen, die ihr genannt habt, ihr und eure Väter, für die aber Gott keine Ermächtigung herabgesandt hat. Das Urteil gehört Gott allein. Er hat befohlen, daß ihr nur Ihm dienen sollt. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid.
40,9 Da erzählte der Oberste der Mundschenke dem Josef seinen Traum und sagte zu ihm: In meinem Traum, siehe, da war ein Weinstock vor mir
40,10 und an dem Weinstock drei Ranken; und sowie er Knospen trieb, kam sein Blütenstand hervor, und seine Traubenkämme reiften zu Trauben.
40,11 Und der Becher des Pharao war in meiner Hand, und ich nahm die Trauben und presste sie in den Becher des Pharao aus und gab den Becher in die Hand des Pharao. 12,36b Der eine von ihnen sagte: «Ich sah mich Wein keltern.»
40,12 Da sagte Josef zu ihm: Das ist seine Deutung: Die drei Ranken, sie bedeuten drei Tage.
40,13 Noch drei Tage, dann wird der Pharao dein Haupt erheben und dich wieder in deine Stellung einsetzen, und du wirst den Becher des Pharao in seine Hand geben nach der früheren Weise, als du sein Mundschenk warst. 12,41a O ihr beiden Insassen des Gefängnisses! Der eine von euch wird seinem Herrn Wein zu trinken geben.
40,14 Aber denke an mich bei dir, wenn es dir gut geht, und erweise doch Treue an mir, und erwähne mich beim Pharao, und bring mich aus diesem Haus heraus! 12,42a Und er sagte zu dem von ihnen, mit dessen Rettung er rechnete: «Gedenke meiner bei deinem Herrn.»
40,15 Denn gestohlen bin ich aus dem Land der Hebräer, und auch hier habe ich gar nichts getan, dass sie mich in den Kerker gesetzt haben.
40,16 Als nun der Oberste der Bäcker sah, dass er gut gedeutet hatte, sagte er zu Josef: Auch ich sah in meinem Traum, und siehe, drei Körbe mit Weißbrot waren auf meinem Kopf 12,36c Der andere sagte: «Ich sah mich auf dem Kopf Brot tragen, von dem die Vögel fraßen.
40,17 und im obersten Korb allerlei Esswaren des Pharao, Backwerk, und die Vögel fraßen sie aus dem Korb auf meinem Kopf weg.
40,18 Da antwortete Josef und sagte: Das ist seine Deutung: Die drei Körbe, sie bedeuten drei Tage.
40,19 Noch drei Tage, dann wird der Pharao dein Haupt erheben und dich an ein Holz hängen, und die Vögel werden dein Fleisch von dir wegfressen. 12,41b Der andere aber wird gekreuzigt, und die Vögel werden von seinem Kopf fressen. Entschieden ist die Angelegenheit, über die ihr um Auskunft fragt.»
40,20 Und es geschah am dritten Tag, dem Geburtstag des Pharao, da machte er für all seine Knechte ein Mahl; und er erhob das Haupt des Obersten der Mundschenke und das Haupt des Obersten der Bäcker unter seinen Knechten.
40,21 Und er setzte den Obersten der Mundschenke wieder in sein Schenkamt ein, dass er den Becher in die Hand des Pharao gab,
40,22 den Obersten der Bäcker aber ließ er hängen, so wie es ihnen Josef gedeutet hatte.
40,23 Aber der Oberste der Mundschenke dachte nicht mehr an Josef und vergaß ihn. 12,42b Aber der Satan ließ ihn vergessen, ihn bei seinem Herrn zu erwähnen. So blieb er noch einige Jahre im Gefängnis.
41,1 Es geschah aber am Ende von zwei vollen Jahren, da träumte der Pharao: Und siehe, er stand am Strom. 12,43a Und der König sagte: «Ich sah sieben fette Kühe, die von sieben mageren gefressen wurden,
41,2 Und siehe, aus dem Strom stiegen sieben Kühe herauf, schön von Aussehen und fett an Fleisch, und sie weideten im Riedgras.
41,3 Und siehe, sieben andere Kühe stiegen nach ihnen aus dem Strom herauf, hässlich von Aussehen und mager an Fleisch, und sie stellten sich neben die Kühe ans Ufer des Stromes.
41,4 Und die Kühe, die hässlich von Aussehen und mager an Fleisch waren, fraßen die sieben Kühe, die schön von Aussehen und fett waren. Da erwachte der Pharao.
41,5 Und er schlief wieder ein und träumte zum zweiten Mal: Und siehe, sieben Ähren wuchsen auf an einem Halm, fett und schön. 12,43b und sieben grüne Ähren und (sieben) andere, die verdorrt waren.
41,6 Und siehe, sieben Ähren, mager und vom Ostwind versengt, sprossten nach ihnen auf.
41,7 Und die mageren Ähren verschlangen die sieben fetten und vollen Ähren. Da erwachte der Pharao, und siehe, es war ein Traum.
41,8 Und es geschah am Morgen, da war sein Geist voller Unruhe, und er sandte hin und ließ alle Wahrsagepriester Ägyptens und alle seine Weisen rufen; und der Pharao erzählte ihnen seine Träume, aber da war keiner, der sie dem Pharao deutete. 12,43c O ihr Vornehmen, gebt mir Auskunft über mein Traumgesicht, so ihr das Traumgesicht auslegen könnt.»
12,44 Sie sagten: «Wirres Bündel von Träumen. Wir wissen über die Deutung der Träume nicht Bescheid.»
41,9 Da redete der Oberste der Mundschenke den Pharao an: Ich bringe heute meine Sünde in Erinnerung. 12,45 Derjenige von ihnen, der gerettet wurde und sich nach einer Weile erinnerte, sagte: «Ich werde euch seine Deutung kundtun. Schickt mich los.»
41,10 Der Pharao war einst sehr zornig über seine Knechte und gab mich in Gewahrsam in das Haus des Obersten der Leibwächter, mich und den Obersten der Bäcker.
41,11 Da hatten wir einen Traum in einer Nacht, ich und er; wir träumten jeder mit einer besonderen Deutung seines Traumes.
41,12 Aber dort bei uns war ein junger Hebräer, ein Sklave des Obersten der Leibwächter, und wir erzählten ihm die Träume. Da deutete er uns unsere Träume, jeden deutete er nach seinem Traum.
41,13 Und es geschah, wie er uns deutete, also ist es geschehen: Mich hat man wieder in meine Stellung eingesetzt, und ihn hat man gehängt.
41,14 Da sandte der Pharao hin und ließ Josef rufen; da ließen sie ihn schnell aus dem Kerker holen. Und er schor sich, wechselte seine Kleider und kam zum Pharao.
41,15 Und der Pharao sprach zu Josef: Ich habe einen Traum gehabt, aber es gibt keinen, der ihn deute; ich habe nun von dir sagen hören, du verstehst es, einen Traum zu deuten. 12,46 «Josef, du Wahrhaftiger, gib uns Auskunft über sieben fette Kühe, die von sieben mageren gefressen werden, und von sieben grünen Ähren und (sieben) anderen, die verdorrt sind. So mag ich zu den Menschen zurückkehren, auf daß sie Bescheid wissen.»
41,16 Da antwortete Josef dem Pharao: Das steht nicht bei mir; Gott wird antworten, was dem Pharao zum Heil ist.
41,17 Da redete der Pharao zu Josef: In meinem Traum, siehe, da stand ich am Ufer des Stromes.
41,18 Und siehe, aus dem Strom stiegen sieben Kühe herauf, fett an Fleisch und schön von Gestalt, und sie weideten im Riedgras.
41,19 Und siehe, sieben andere Kühe stiegen nach ihnen herauf, dürr und sehr hässlich von Gestalt und mager an Fleisch; ich habe im ganzen Land Ägypten nie so hässliche gesehen wie diese.
41,20 Und die mageren und hässlichen Kühe fraßen die sieben ersten fetten Kühe.
41,21 Und als sie in ihren Bauch gekommen waren, da merkte man nichts davon, dass sie in ihren Bauch gekommen waren, sondern ihr Aussehen war hässlich wie im Anfang. Und ich erwachte.
41,22 Dann sah ich in meinem zweiten Traum, und siehe, sieben Ähren wuchsen auf an einem Halm, voll und schön.
41,23 Und siehe, sieben Ähren, dürr, mager und vom Ostwind versengt, sprossten nach ihnen auf;
41,24 und die mageren Ähren verschlangen die sieben schönen Ähren. Und ich habe es den Wahrsagepriestern gesagt; aber es gibt keinen, der es mir erklärt.
41,25 Da sprach Josef zum Pharao: Der Traum des Pharao ist einer. Gott hat dem Pharao mitgeteilt, was er tun will.
41,26 Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre, und die sieben schönen Ähren sind sieben Jahre; nur ein Traum ist es.
41,27 Und die sieben mageren und hässlichen Kühe, die nach ihnen heraufstiegen, auch sie sind sieben Jahre, so auch die sieben leeren, vom Ostwind versengten Ähren: Es werden sieben Jahre der Hungersnot sein.
41,28 Das ist das Wort, das ich zu dem Pharao geredet habe: Gott hat den Pharao sehen lassen, was er tun will.
41,29 Siehe, sieben Jahre kommen, großer Überfluss wird herrschen im ganzen Land Ägypten.
41,30 Nach ihnen aber werden sieben Jahre der Hungersnot aufkommen, und aller Überfluss wird im Land Ägypten vergessen sein, und die Hungersnot wird das Land erschöpfen.
41,31 Und man wird nichts mehr von dem Überfluss im Land erkennen angesichts dieser Hungersnot danach, denn sie wird sehr schwer sein.
41,32 Und dass der Traum zweimal an den Pharao erging, bedeutet, dass die Sache bei Gott fest beschlossen ist und dass Gott eilt, sie zu tun.
41,33 Und nun sehe der Pharao nach einem verständigen und weisen Mann und setze ihn über das Land Ägypten.
41,34 Dies tue der Pharao, dass er Aufseher über das Land bestelle und den Fünften vom Land Ägypten erhebe in den sieben Jahren des Überflusses.
41,35 Und sie sollen alle Nahrungsmittel dieser kommenden guten Jahre einsammeln und unter der Obhut des Pharao Getreide aufspeichern als Nahrungsmittel in den Städten und es dort aufbewahren. 12,47 Er sagte: «Ihr werdet sieben Jahre wie gewohnt säen. Was ihr aber erntet, das laßt in seinen Ähren, bis auf einen geringen Teil von dem, was ihr verzehrt.
41,36 So soll die eingesammelte Nahrung zum Vorrat für das Land dienen für die sieben Jahre der Hungersnot, die im Land Ägypten sein werden, damit das Land durch die Hungersnot nicht zugrunde geht. 12,48 Danach werden dann sieben harte (Jahre) kommen, die das verzehren werden, was ihr für sie vorher eingebracht habt, bis auf einen geringen Teil von dem, was ihr aufbewahrt.
12,49 Danach wird dann ein Jahr kommen, in dem die Menschen Regen haben und in dem sie keltern werden.»
12,50 Der König sagte: «Bringt ihn zu mir.» Als der Bote zu ihm kam, sagte er: «Kehr zu deinem Herrn zurück und frag ihn, wie es mit den Frauen steht, die sich in ihre Hände geschnitten haben. Mein Herr weiß doch über ihre List Bescheid.»
12,51 Er sagte: «Was war da mit euch, als ihr versucht habt, Josef zu verführen?» Sie sagten: «Gott bewahre! Wir wissen gegen ihn nichts Böses (anzugeben).» Die Frau des Hochmögenden sagte: «Jetzt ist die Wahrheit offenbar geworden. Ich habe versucht, ihn zu verführen. Und er gehört zu denen, die die Wahrheit sagen.»
12,52 (Josef sagte:) «Dies ist, damit er weiß, daß ich ihn nicht in seiner Abwesenheit verraten habe und daß Gott die List der Verräter nicht gelingen läßt.
12,53 Und ich erkläre mich nicht selbst für unschuldig. Die Seele gebietet ja mit Nachdruck das Böse, es sei denn, mein Herr erbarmt sich. Mein Herr ist voller Vergebung und barmherzig.»
41,37 Und das Wort war gut in den Augen des Pharao und in den Augen aller seiner Diener.
41,38 Und der Pharao sagte zu seinen Dienern: Werden wir einen finden wie diesen, einen Mann, in dem der Geist Gottes ist? 12,54 Und der König sagte: «Bringt ihn zu mir. Ich will ihn ausschließlich für mich haben.» Als er mit ihm gesprochen hatte, sagte er: «Heute bist du bei uns in angesehener Stellung und genießt unser Vertrauen.»
41,39 Und zu Josef sagte der Pharao: Nachdem dich Gott dies alles hat erkennen lassen, ist keiner so verständig und weise wie du.
41,40 Du sollst über mein Haus sein, und deinem Mund soll mein ganzes Volk sich fügen; nur um den Thron will ich größer sein als du.
41,41 Und der Pharao sagte zu Josef: Siehe, ich habe dich über das ganze Land Ägypten gesetzt. 12,55 Er sagte: «Setze mich über die Vorratskammern des Landes ein. Ich bin ein (guter) Hüter und weiß Bescheid.»
41,42 Und der Pharao nahm seinen Siegelring von seiner Hand und steckte ihn an Josefs Hand, und er kleidete ihn in Kleider aus Byssus und legte die goldene Kette um seinen Hals.
41,43 Und er ließ ihn auf dem zweiten Wagen fahren, den er hatte, und man rief vor ihm her: Werft euch nieder! So setzte er ihn über das ganze Land Ägypten.
41,44 Und der Pharao sprach zu Josef: Ich bin der Pharao, aber ohne dich soll kein Mensch im ganzen Land Ägypten seine Hand oder seinen Fuß erheben!
41,45 Und der Pharao gab Josef den Namen Zafenat-Paneach und gab ihm Asenat, die Tochter Potiferas, des Priesters von On, zur Frau. Dann zog Josef aus über das ganze Land Ägypten.
41,46 Und Josef war dreißig Jahre alt, als er vor dem Pharao, dem König von Ägypten, stand. Und Josef ging vom Pharao weg und zog durch das ganze Land Ägypten.
12,56 So haben Wir dem Josef eine angesehene Stellung im Land gegeben, so daß er darin sich aufhalten konnte, wo er wollte. Wir treffen mit unserer Barmherzigkeit, wen Wir wollen, und Wir lassen den Lohn der Rechtschaffenen nicht verlorengehen.
12,57 Und wahrlich, der Lohn des Jenseits ist besser für die, die glauben und gottesfürchtig sind.
41,47 Und das Land trug in den sieben Jahren des Überflusses haufenweise.
41,48 Und er sammelte alle Nahrungsmittel der sieben Jahre, in denen im Land Ägypten Überfluss war, und brachte die Nahrungsmittel in die Städte; die Nahrungsmittel der Felder, die im Umkreis der Stadt lagen, brachte er in sie hinein.
41,49 Und Josef speicherte Getreide auf wie Sand des Meeres, über die Maßen viel, bis man aufhörte zu zählen, denn es war ohne Zahl.
41,50 Und dem Josef wurden zwei Söhne geboren, ehe das Jahr der Hungersnot kam, die Asenat ihm gebar, die Tochter Potiferas, des Priesters von On.
41,51 Und Josef gab dem Erstgeborenen den Namen Manasse. Denn Gott hat mich vergessen lassen all meine Mühe und das ganze Haus meines Vaters.
41,52 Und dem zweiten gab er den Namen Ephraim. Denn Gott hat mich fruchtbar gemacht im Land meines Elends.
41,53 Und die sieben Jahre des Überflusses, der im Land Ägypten gewesen war, gingen zu Ende,
41,54 und die sieben Jahre der Hungersnot begannen zu kommen, so wie es Josef gesagt hatte. Und in allen Ländern war Hungersnot, aber im ganzen Land Ägypten war Brot.
41,55 Als nun das ganze Land Ägypten hungerte und das Volk zum Pharao um Brot schrie, da sagte der Pharao zu allen Ägyptern: Geht zu Josef; tut, was er euch sagt!
41,56 Und die Hungersnot war auf der ganzen Erde; und Josef öffnete alles, worin Getreide war, und verkaufte den Ägyptern Getreide; und die Hungersnot war stark im Land Ägypten.
41,57 Und alle Welt kam nach Ägypten zu Josef, um Getreide zu kaufen; denn die Hungersnot war stark auf der ganzen Erde.
42,1 Als Jakob sah, dass Getreide in Ägypten war, da sagte Jakob zu seinen Söhnen: Was seht ihr einander an?
42,2 Und er sagte: Siehe, ich habe gehört, dass es in Ägypten Getreide gibt. Zieht hinab und kauft uns von da Getreide, damit wir am Leben bleiben und nicht sterben!
42,3 Da zogen die zehn Brüder Josefs hinab, um Getreide aus Ägypten zu kaufen. in den Scheol hinabbringen.
42,4 Aber Benjamin, Josefs Bruder, sandte Jakob nicht mit seinen Brüdern; denn er sagte: Dass ihm nicht etwa ein Unfall begegne!
42,5 Und so kamen die Söhne Israels unter den Ankommenden, um Getreide zu kaufen; denn die Hungersnot war auch im Land Kanaan.
42,6 Und Josef, er war der Machthaber über das Land, er war es, der allem Volk des Landes Getreide verkaufte. Als nun die Brüder Josefs kamen, beugten sie sich vor ihm nieder, mit dem Gesicht zur Erde.
42,7 Als Josef seine Brüder sah, da erkannte er sie; aber er stellte sich fremd gegen sie und redete hart mit ihnen und sagte zu ihnen: Woher kommt ihr? Sie sagten: Aus dem Land Kanaan, um Nahrungsmittel zu kaufen. 12,58 Und die Brüder Josefs kamen und traten bei ihm ein. Er erkannte sie, während sie ihn für einen Unbekannten hielten.
42,8 Und Josef hatte seine Brüder erkannt, sie aber erkannten ihn nicht.
42,9 Da dachte Josef an die Träume, die er von ihnen gehabt hatte, und er sagte zu ihnen: Ihr seid Kundschafter; die Blöße des Landes auszuspähen, seid ihr gekommen.
42,10 Sie aber sagten zu ihm: Nein, mein Herr; sondern deine Knechte sind gekommen, um Nahrungsmittel zu kaufen.
42,11 Wir alle – Söhne eines Mannes sind wir! Redliche Männer sind wir! Deine Knechte sind keine Kundschafter.
42,12 Er aber sagte zu ihnen: Nein, sondern die Blöße des Landes zu erspähen, seid ihr gekommen.
42,13 Da sagten sie: Zwölf an der Zahl sind deine Knechte, Brüder sind wir, Söhne eines Mannes im Land Kanaan; und siehe, der jüngste ist heute bei unserm Vater geblieben, und der eine – er ist nicht mehr.
42,14 Josef aber sagte zu ihnen: Das ist es, was ich zu euch gesagt habe: Kundschafter seid ihr!
42,15 Daran sollt ihr geprüft werden: So wahr der Pharao lebt! Ihr werdet von hier nicht weggehen, es sei denn, dass euer jüngster Bruder hierher kommt!
42,16 Sendet einen von euch hin, dass er euren Bruder hole! Ihr aber bleibt gefangen, und eure Worte sollen geprüft werden, ob Wahrheit bei euch ist; und wenn nicht – so wahr der Pharao lebt! -, dann seid ihr Kundschafter.
42,17 Und er setzte sie zusammen drei Tage in Gewahrsam.
42,18 Am dritten Tag aber sagte Josef zu ihnen: Tut Folgendes! Dann sollt ihr leben; ich fürchte Gott:
42,19 Wenn ihr redlich seid, so bleibe einer eurer Brüder gefangen im Haus eures Gewahrsams; ihr aber, zieht hin, bringt Getreide für den Hunger eurer Häuser!
42,20 Euren jüngsten Bruder aber sollt ihr zu mir bringen, dass eure Worte sich als zuverlässig erweisen und ihr nicht sterbt! Und sie taten so. 12,59 Als er sie nun mit ihrem Bedarf ausgestattet hatte, sagte er: «Bringt mir einen Bruder von euch, (einen) von eurem Vater. Seht ihr nicht, daß ich das Maß voll erstatte und daß ich der beste der Gastgeber bin?
12,60 Wenn ihr ihn mir nicht bringt, so bekommt ihr bei mir kein Maß mehr, und ihr sollt nicht in meine Nähe treten.»
12,61 Sie sagten: «Wir werden versuchen, seinen Vater in bezug auf ihn zu überreden, und wir werden es bestimmt tun.»
42,21 Da sagten sie einer zum anderen: Fürwahr, wir sind schuldbeladen wegen unseres Bruders, dessen Seelenangst wir sahen, als er uns um Gnade anflehte, wir aber nicht hörten. Darum ist diese Not über uns gekommen.
42,22 Und Ruben antwortete ihnen: Habe ich nicht zu euch gesagt: Versündigt euch nicht an dem Jungen? Aber ihr habt nicht gehört; doch siehe, sein Blut wird gefordert!
42,23 Sie aber erkannten nicht, dass Josef es verstand, denn der Dolmetscher war zwischen ihnen.
42,24 Und er wandte sich von ihnen ab und weinte. Dann kehrte er zu ihnen zurück und redete zu ihnen; und er nahm von ihnen Simeon und band ihn vor ihren Augen.
42,25 Und Josef befahl, dass man ihre Gefäße mit Getreide fülle und ihr Geld jedem in seinen Sack zurücklege und ihnen Wegzehrung auf den Weg mitgebe. Und man tat ihnen so. 12,62 Und er sagte zu seinen Knechten: «Steckt auch ihre Tauschware in ihr Gepäck, daß sie sie (wieder) erkennen, wenn sie zu ihren Angehörigen heimgekehrt sind. Vielleicht werden sie dann auch zurückkommen.»
42,26 Dann luden sie ihr Getreide auf ihre Esel und zogen davon.
42,27 Als nun einer seinen Sack öffnete, um seinem Esel in der Herberge Futter zu geben, da sah er sein Geld, und siehe, es war oben in seinem Sack.
42,28 Und er sagte zu seinen Brüdern: Mein Geld ist zurückgegeben worden, siehe, da ist es in meinem Sack. Da entfiel ihnen das Herz, und sie sahen einander erschrocken an und sagten: Was hat Gott uns da angetan!
42,29 Und sie kamen in das Land Kanaan zu ihrem Vater Jakob und berichteten ihm alles, was ihnen widerfahren war, und sagten:
42,30 Der Mann, der Herr des Landes, redete hart mit uns und behandelte uns wie Kundschafter des Landes.
42,31 Wir sagten zwar zu ihm: „Redliche Männer sind wir, wir sind keine Kundschafter;
42,32 zwölf Brüder sind wir, Söhne unseres Vaters; der eine ist nicht mehr, und der jüngste ist heute bei unserem Vater im Land Kanaan geblieben.“
42,33 Aber der Mann, der Herr des Landes, sagte zu uns: „Daran werde ich erkennen, dass ihr redlich seid: Einen eurer Brüder lasst bei mir, nehmt das Getreide für den Hunger eurer Häuser, und zieht hin;
42,34 aber bringt euren jüngsten Bruder zu mir, so werde ich erkennen, dass ihr nicht Kundschafter, sondern redliche Männer seid! Dann werde ich euch euren Bruder wiedergeben, und ihr könnt das Land durchziehen.“ 12,63 Als sie zu ihrem Vater zurückkamen, sagten sie: «O unser Vater, die (nächste) Zuteilung wurde uns verwehrt. So schick unseren Bruder mit uns, damit wir eine Zuteilung zugemessen bekommen. Und wir werden ihn bestimmt behüten.»
42,35 Und es geschah, als sie ihre Säcke leerten, siehe, da hatte jeder sein Geldbündel in seinem Sack; und sie sahen ihre Geldbündel, sie und ihr Vater, und sie fürchteten sich. 12,65 Und als sie ihre Sachen öffneten, fanden sie, daß ihre Tauschware ihnen zurückgegeben worden war. Sie sagten: «O unser Vater, was wünschen wir mehr? Das ist unsere Tauschware, sie ist uns zurückgegeben worden. Wir werden Vorrat für unsere Angehörigen bringen, unseren Bruder behüten und die Last eines Kamels mehr zugemessen bekommen. Das ist ein leicht zu erhaltendes Maß.»
42,36 Ihr Vater Jakob aber sagte zu ihnen: Ihr habt mich der Kinder beraubt: Josef ist nicht mehr, und Simeon ist nicht mehr; und Benjamin wollt ihr wegnehmen! Das alles kommt über mich! 12,64 Er sagte: «Kann ich ihn euch etwa anders anvertrauen, als ich euch zuvor seinen Bruder anvertraut habe? Gott ist der beste Hüter, und Er ist der Barmherzigste der Barmherzigen.»
42,37 Da sagte Ruben zu seinem Vater: Meine beiden Söhne darfst du töten, wenn ich ihn dir nicht wiederbringe. Gib ihn in meine Hand, und ich werde ihn zu dir zurückbringen. 12,66 Er sagte: «Ich werde ihn nicht mit euch schicken, bis ihr mir ein verbindliches Versprechen vor Gott gebt, daß ihr ihn mir zurückbringt, es sei denn, ihr werdet umringt.» Als sie ihm ihr verbindliches Versprechen gegeben hatten, sagte er: «Gott ist Sachwalter über das, was wir (hier) sagen.»
42,38 Er aber sagte: Mein Sohn zieht nicht mit euch hinab; denn sein Bruder ist tot, und er allein ist übrig geblieben. Begegnete ihm ein Unfall auf dem Weg, auf dem ihr zieht, so würdet ihr mein graues Haar mit Kummer in den Scheol hinabbringen.
43,1 Die Hungersnot aber war schwer im Land.
43,2 Und es geschah, als sie das Getreide völlig aufgezehrt hatten, das sie aus Ägypten gebracht hatten, da sagte ihr Vater zu ihnen: Geht zurück, kauft uns ein wenig Nahrung!
43,3 Da sagte Juda zu ihm: Der Mann hat uns nachdrücklich gewarnt und gesagt: Ihr sollt mein Gesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder ist bei euch.
43,4 Wenn du unseren Bruder mit uns senden willst, dann wollen wir hinabziehen und dir Nahrung kaufen;
43,5 wenn du ihn aber nicht sendest, ziehen wir nicht hinab; denn der Mann hat zu uns gesagt: Ihr sollt mein Gesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder ist bei euch.
43,6 Da sagte Israel: Warum habt ihr mir das Leid angetan, dem Mann zu berichten, dass ihr noch einen Bruder habt?
43,7 Sie aber sagten: Der Mann erkundigte sich genau nach uns und unserer Verwandtschaft und sagte: Lebt euer Vater noch? Habt ihr noch einen Bruder? Da berichteten wir ihm, wie es sich verhält. Konnten wir denn wissen, dass er sagen würde: Bringt euren Bruder herab?
43,8 Da sagte Juda zu seinem Vater Israel: Schicke den Jungen mit mir, so wollen wir uns aufmachen und hinziehen, dass wir leben und nicht sterben, sowohl wir als du als auch unsere Kinder. 12,66 Er sagte: «Ich werde ihn nicht mit euch schicken, bis ihr mir ein verbindliches Versprechen vor Gott gebt, daß ihr ihn mir zurückbringt, es sei denn, ihr werdet umringt.» Als sie ihm ihr verbindliches Versprechen gegeben hatten, sagte er: «Gott ist Sachwalter über das, was wir (hier) sagen.»
43,9 Ich will Bürge für ihn sein, von meiner Hand sollst du ihn fordern; wenn ich ihn nicht zu dir bringe und ihn vor dein Gesicht stelle, will ich alle Tage vor dir schuldig sein.
43,10 Denn hätten wir nicht gezögert, gewiss, wir wären jetzt schon zweimal zurückgekehrt.
43,11 Da sagte ihr Vater Israel zu ihnen: Wenn es denn so ist, dann tut Folgendes: Nehmt vom besten Ertrag des Landes in eure Gefäße, und bringt dem Mann ein Geschenk hinab: ein wenig Balsamharz und ein wenig Traubenhonig, Tragakant und Ladanum, Pistazien und Mandeln! 12,67 Und er sagte: «O meine Söhne, geht nicht durch ein einziges Tor hinein. Geht durch verschiedene Tore hinein. Ich kann euch vor Gott nichts nützen. Das Urteil gehört Gott allein. Auf Ihn vertraue ich. Auf Ihn sollen die vertrauen, die (überhaupt auf jemanden) vertrauen.»
43,12 Und nehmt doppeltes Geld in eure Hand, und bringt das Geld, das oben in eure Säcke zurückgegeben worden ist, in eurer Hand zurück! Vielleicht war es ein Irrtum.
43,13 Und nehmt euren Bruder und macht euch auf, kehrt zu dem Mann zurück!
43,14 Und Gott, der Allmächtige, gebe euch Barmherzigkeit vor dem Mann, dass er euch euren andern Bruder und Benjamin wieder mit zurückschicke. Und ich, wie ich die Kinder verlieren soll, muss ich die Kinder verlieren!
43,15 Da nahmen die Männer dieses Geschenk und nahmen doppeltes Geld in ihre Hand und Benjamin, und machten sich auf und zogen nach Ägypten hinab. Und sie traten vor Josef.
12,68 Als sie hineingingen, wie ihr Vater ihnen befohlen hatte, hat es ihnen vor Gott nichts genützt. Es war nur ein Bedürfnis in der Seele Jakobs, das er (damit) erfüllte. Und er besaß Wissen, weil Wir es ihn gelehrt hatten. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid.
43,16 Als Josef den Benjamin bei ihnen sah, sagte er zu dem, der über sein Haus war: Führe die Männer ins Haus, und schlachte Schlachtvieh und richte zu! Denn die Männer sollen mit mir zu Mittag essen.
43,17 Und der Mann tat, wie Josef gesagt hatte; und der Mann führte die Männer in Josefs Haus.
43,18 Da fürchteten sich die Männer, dass sie in Josefs Haus geführt wurden, und sagten: Um des Geldes willen, das im Anfang wieder in unsere Säcke gekommen ist, werden wir hineingebracht; man will über uns herstürzen und über uns herfallen und uns als Sklaven nehmen, samt unseren Eseln.
43,19 Und sie traten zu dem Mann, der über Josefs Haus war, und redeten zu ihm am Eingang des Hauses;
43,20 und sie sagten: Bitte, mein Herr! Wir sind im Anfang wirklich nur herabgezogen, um Nahrung zu kaufen.
43,21 Es geschah aber, als wir in die Herberge kamen und unsere Säcke öffneten, siehe, da war das Geld eines jeden oben in seinem Sack, unser Geld nach seinem Gewicht. Das haben wir in unserer Hand zurückgebracht.
43,22 Auch anderes Geld haben wir in unserer Hand herabgebracht, um Nahrungsmittel zu kaufen. Wir wissen nicht, wer unser Geld in unsere Säcke gelegt hat.
43,23 Und er sprach: Friede euch! Fürchtet euch nicht! Euer Gott und der Gott eures Vaters hat euch einen Schatz in eure Säcke gegeben; euer Geld ist mir zugekommen. Und er führte Simeon zu ihnen heraus.
43,24 Und der Mann führte die Männer in Josefs Haus und gab ihnen Wasser, und sie wuschen ihre Füße; und er gab ihren Eseln Futter.
43,25 Und sie bereiteten das Geschenk zu, bis Josef am Mittag käme; denn sie hatten gehört, dass sie dort essen sollten.
43,26 Als Josef nach Hause kam, da brachten sie ihm das Geschenk, das in ihrer Hand war, ins Haus und warfen sich vor ihm zur Erde nieder.
43,27 Er aber fragte nach ihrem Wohlergehen und sagte: Geht es eurem alten Vater wohl, von dem ihr spracht? Lebt er noch?
43,28 Sie sagten: Es geht deinem Knecht, unserem Vater, wohl; er lebt noch. Und sie verneigten sich und warfen sich nieder.
43,29 Und er erhob seine Augen und sah seinen Bruder Benjamin, den Sohn seiner Mutter, und sagte: Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr zu mir gesprochen habt? Und er sprach: Gott sei dir gnädig, mein Sohn!
43,30 Und Josef eilte hinaus, denn sein Innerstes wurde erregt über seinen Bruder, und er suchte einen Ort, zu weinen. Und er ging in das innere Gemach und weinte dort.
43,31 Dann wusch er sein Gesicht und kam heraus, bezwang sich und sagte: Tragt das Essen auf!
43,32 Da trug man für ihn besonders auf und für sie besonders und für die Ägypter, die mit ihm aßen, besonders; denn die Ägypter können nicht mit den Hebräern essen, denn ein Gräuel ist das für Ägypter.
43,33 Und sie saßen vor ihm, der Erstgeborene nach seiner Erstgeburt und der Jüngste nach seiner Jugend. Da sahen die Männer einander staunend an.
12,69 Als sie bei Josef eintraten, zog er seinen Bruder zu sich. Er sagte: «Ich, ich bin dein Bruder. So sei nicht betrübt wegen dessen, was sie taten.»
43,34 Und er ließ ihnen von den Ehrengerichten vor ihm auftragen. Das Ehrengericht Benjamins aber war fünfmal größer als die Ehrengerichte von ihnen allen. Und sie tranken mit ihm und berauschten sich.
44,1 Dann befahl er dem, der über sein Haus war: Fülle die Säcke der Männer mit Nahrungsmitteln, so viel sie tragen können, und lege das Geld eines jeden oben in seinen Sack!
44,2 Meinen Kelch aber, den silbernen Kelch, sollst du oben in den Sack des Jüngsten legen mit dem Geld für sein Getreide! Und er tat nach Josefs Wort, das er geredet hatte. 12,70a Als er sie nun mit ihrem Bedarf ausgestattet hatte, tat er das Trinkgefäß in das Gepäck seines Bruders.
44,3 Der Morgen wurde hell, da entließ man die Männer, sie und ihre Esel.
44,4 Sie waren eben zur Stadt hinausgegangen und noch nicht weit gekommen, da sagte Josef zu dem, der über sein Haus war: Mache dich auf, jage den Männern nach, und hast du sie erreicht, so sage zu ihnen: Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten? 12,70b Dann rief ein Rufer aus: «Ihr da von der Karawane, ihr seid ja Diebe.»
44,5 Ist es nicht der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er zu wahrsagen pflegt? Ihr habt schlecht daran getan, dass ihr so gehandelt habt! 12,72 Sie sagten: «Wir vermissen den Pokal des Königs. Wer ihn zurückbringt, erhält die Last eines Kamels, und dafür bin ich Bürge.»
44,6 Und er erreichte sie und redete diese Worte zu ihnen.
12,71 Sie sagten, während sie auf sie zugingen: «Was vermißt ihr?»
44,7 Da sagten sie zu ihm: Warum redet mein Herr solche Worte? Fern sei es von deinen Knechten, eine solche Sache zu tun! 12,73 Sie sagten: «Bei Gott, ihr wißt es, wir sind nicht gekommen, um im Land Unheil zu stiften, und wir sind keine Diebe.»
44,8 Siehe, das Geld, das wir oben in unseren Säcken fanden, haben wir dir aus dem Land Kanaan zurückgebracht! Und wie sollten wir aus dem Haus deines Herrn Silber oder Gold stehlen?
12,74 Sie sagten: «Was ist die Vergeltung dafür, wenn ihr lügt?»
44,9 Derjenige von deinen Knechten, bei dem er gefunden wird, der soll sterben; und dazu wollen wir meinem Herrn zu Knechten werden. 12,75 Sie sagten: «Die Vergeltung dafür ist, daß der, in dessen Gepäck er gefunden wird, selbst als Entgelt dafür dienen soll. So vergelten wir denen, die Unrecht tun.»
44,10 Da sagte er: Nun gut, nach euren Worten, so sei es: Bei wem er gefunden wird, der sei mein Knecht, ihr aber sollt schuldlos sein.
44,11 Darauf hoben sie schnell jeder seinen Sack auf die Erde herab und öffneten jeder seinen Sack.
44,12 Und er durchsuchte: Beim Ältesten fing er an, und beim Jüngsten hörte er auf. Und der Kelch fand sich im Sack Benjamins. 12,76 Er begann (zu suchen) in ihren Behältern vor dem Behälter seines Bruders. Dann holte er ihn aus dem Behälter seines Bruders. So führten Wir für Josef eine List aus. Nach der Religion des Königs hätte er unmöglich seinen Bruder (als Sklaven) nehmen können, es sei denn, daß es Gott wollte. Wir erhöhen, wen Wir wollen, um Rangstufen. Und über jedem, der Wissen besitzt, steht einer, der (noch mehr) weiß.
44,13 Da zerrissen sie ihre Kleider, jeder belud seinen Esel, und sie kehrten in die Stadt zurück.
44,14 Und Juda und seine Brüder kamen in das Haus Josefs; und er war noch dort. Und sie fielen vor ihm nieder zur Erde.
44,15 Josef sagte zu ihnen: Was ist das für eine Tat, die ihr getan habt! Wusstet ihr nicht, dass ein Mann wie ich wahrsagen kann?
12,77 Sie sagten: «Wenn er stiehlt, so hat auch ein Bruder von ihm zuvor gestohlen.» Josef hielt es in seinem Inneren geheim und zeigte es ihnen nicht offen. Er sagte: «Ihr seid noch schlimmer daran. Und Gott weiß besser, was ihr beschreibt.»
44,16 Da sagte Juda: Was sollen wir meinem Herrn sagen? Was sollen wir reden und wie uns rechtfertigen? Gott hat die Schuld deiner Knechte gefunden; siehe, wir sind die Knechte meines Herrn, sowohl wir als auch der, in dessen Hand der Kelch gefunden worden ist.
44,17 Er aber sagte: Fern sei es von mir, so etwas zu tun! Der Mann, in dessen Hand der Kelch gefunden worden ist, der soll mein Knecht sein. Ihr aber zieht in Frieden hinauf zu eurem Vater.
44,18 Da trat Juda zu ihm und sagte: Bitte, mein Herr, lass doch deinen Knecht ein Wort reden zu den Ohren meines Herrn, und es entbrenne nicht dein Zorn gegen deinen Knecht, denn du bist dem Pharao gleich.
44,19 Mein Herr fragte seine Knechte: „Habt ihr noch einen Vater oder einen Bruder?“
44,20 Und wir sagten zu meinem Herrn: „Wir haben einen alten Vater und einen kleinen Jungen, der ihm im Alter geboren wurde; dessen Bruder aber ist tot. So ist er allein von seiner Mutter übrig geblieben, und sein Vater liebt ihn.“
44,21 Da sagtest du zu deinen Knechten: „Bringt ihn zu mir herab, dass ich mein Auge auf ihn richte!“
44,22 Wir aber sagten zu meinem Herrn: „Der Junge kann seinen Vater nicht verlassen; verließe er seinen Vater, so würde der sterben.“
44,23 Da sprachst du zu deinen Knechten: „Wenn euer jüngster Bruder nicht mit euch herabkommt, dann sollt ihr mein Gesicht nicht mehr sehen.“
44,24 Und es geschah, als wir hinaufgezogen waren zu deinem Knecht, meinem Vater, da berichteten wir ihm die Worte meines Herrn.
44,25 Als nun unser Vater sagte: „Kehrt zurück, kauft uns ein wenig Nahrung!“,
44,26 da sagten wir: „Wir können nicht hinabziehen. Wenn unser jüngster Bruder bei uns ist, dann ziehen wir hinab. Denn wir können das Gesicht des Mannes nicht sehen, ohne dass unser jüngster Bruder bei uns ist.“
44,27 Da sagte dein Knecht, mein Vater, zu uns: „Ihr wisst, dass meine Frau mir zwei geboren hat.
44,28 Der eine ist von mir weggegangen, und ich sagte: Fürwahr, er ist wirklich zerrissen worden; und ich habe ihn bis jetzt nicht mehr wiedergesehen.
44,29 Und nehmt ihr auch den von mir weg und es begegnet ihm ein Unfall, dann bringt ihr mein graues Haar mit Unglück in den Scheol hinab.“
44,30 Und nun, wenn ich zu deinem Knecht, meinem Vater, käme und der Junge wäre nicht bei uns – hängt doch seine Seele an dessen Seele -, 12,78a Sie sagten: «O Hochmögender, er hat einen Vater, einen hochbetagten Greis.
44,31 dann würde es geschehen, dass er stirbt, wenn er sähe, dass der Junge nicht da ist. Dann hätten deine Knechte das graue Haar deines Knechtes, unseres Vaters, mit Kummer in den Scheol hinabgebracht.
44,32 Denn dein Knecht ist für den Jungen Bürge geworden bei meinem Vater und hat gesagt: „Wenn ich ihn nicht zu dir bringe, will ich alle Tage vor meinem Vater schuldig sein.“
44,33 Und nun, lass doch deinen Knecht anstelle des Jungen hier bleiben als Knecht meines Herrn, der Junge aber ziehe hinauf mit seinen Brüdern! 12,78b So nimm einen von uns an seiner Stelle. Wir sehen, daß du einer der Rechtschaffenen bist.»
44,34 Denn wie könnte ich zu meinem Vater hinaufziehen, ohne dass der Junge bei mir ist? – Dass ich nicht das Unglück mit ansehen muss, das meinen Vater dann trifft.
12,79 Er sagte: «Gott behüte, daß wir einen anderen nehmen als den, bei dem wir unsere Sachen gefunden haben! Sonst würden wir zu denen gehören, die Unrecht tun.»
12,80 Als sie an ihm jede Hoffnung verloren hatten, gingen sie zu einem vertraulichen Gespräch unter sich. Der Älteste von ihnen sagte: «Wißt ihr nicht, daß euer Vater von euch ein verbindliches Versprechen vor Gott entgegengenommen hat, und daß ihr zuvor eure Pflicht in bezug auf Josef nicht erfüllt habt? Ich werde das Land nicht verlassen, bis mein Vater es mir erlaubt oder Gott ein Urteil für mich fällt, und Er ist der Beste derer, die Urteile fällen.
12,81 Kehrt zu eurem Vater zurück und sagt: >O unser Vater, dein Sohn hat gestohlen, und wir bezeugen nur das, was wir wissen, und wir können nicht Hüter sein über das, was verborgen ist.
12,82 Und frag die Stadt, in der wir waren, und die Karawane, mit der wir gekommen sind. Wir sagen ja die Wahrheit.
12,83 Er sagte: «Eure Seele hat euch etwas eingeredet. (Es gilt) schöne Geduld (zu üben). Möge Gott sie mir alle zurückbringen! Er ist der, der alles weiß und weise ist.»
12,84 Und er kehrte sich von ihnen ab und sagte: «O wie voller Gram bin ich um Josef!» Und seine Augen wurden weiß vor Trauer, und er unterdrückte (seinen Groll).
12,85 Sie sagten: «Bei Gott, du hörst nicht auf, des Josef zu gedenken, bis du bald zusammenbrichst oder zu denen gehörst, die zugrunde gehen.»
12,86 Er sagte: «Ich klage ja meinen Kummer und meine Trauer Gott allein, und ich weiß von Gott, was ihr nicht wißt.
12,87 O meine Söhne, geht und erkundigt euch über Josef und seinen Bruder. Und verliert nicht die Hoffnung, daß Gott Aufatmen verschafft. Die Hoffnung, daß Gott Aufatmen verschafft, verlieren nur die ungläubigen Leute.»
12,88 Als sie (wieder) bei ihm eintraten, sagten sie: «O Hochmögender, Not hat uns und unsere Angehörigen erfaßt. Und wir haben (nur) eine zusammengewürfelte Ware gebracht. So erstatte uns (dennoch) volles Maß und gib es uns als Almosen. Gott vergilt denen, die Almosen geben.»
12,89 Er sagte: «Wißt ihr (noch), was ihr Josef und seinem Bruder angetan habt, als ihr töricht gehandelt habt?»
45,1 Da konnte Josef sich nicht mehr bezwingen vor all denen, die um ihn her standen, und er rief: Lasst jedermann von mir hinausgehen! So stand niemand bei ihm, als Josef sich seinen Brüdern zu erkennen gab.
45,2 Und er erhob seine Stimme mit Weinen, dass die Ägypter es hörten, und auch das Haus des Pharao hörte es.
45,3 Und Josef sagte zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Lebt mein Vater noch? Seine Brüder aber konnten ihm nicht antworten, denn sie waren bestürzt vor ihm. 12,90 Sie sagten: «Bist du denn wirklich Josef?» Er sagte: «Ich bin Josef, und das ist mein Bruder. Gott hat uns eine Wohltat erwiesen. Wahrlich, wenn einer gottesfürchtig und geduldig ist, so läßt Gott den Lohn der Rechtschaffenen nicht verlorengehen.»
12,91 Sie sagten: «Bei Gott, Gott hat dich vor uns bevorzugt. Und wir haben bestimmt gesündigt.»
45,4 Da sagte Josef zu seinen Brüdern: Tretet doch zu mir heran! Und sie traten heran. Und er sagte: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.
45,5 Und nun seid nicht bekümmert, und werdet nicht zornig auf euch selbst, dass ihr mich hierher verkauft habt! Denn zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor euch hergesandt. 12,92 Er sagte: «Keine Schelte soll heute über euch kommen. Gott vergibt euch, Er ist ja der Barmherzigste der Barmherzigen.
45,6 Denn schon zwei Jahre ist die Hungersnot im Land, und es dauert noch fünf Jahre, dass es kein Pflügen und Ernten gibt.
45,7 Doch Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Rest zu setzen auf Erden und euch am Leben zu erhalten für eine große Rettung.
45,8 Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott; und er hat mich zum Vater des Pharao gemacht und zum Herrn seines ganzen Hauses und zum Herrscher über das ganze Land Ägypten.
45,9 Eilt und zieht hinauf zu meinem Vater, und sagt zu ihm: „So spricht dein Sohn Josef: Gott hat mich zum Herrn von ganz Ägypten gemacht. Komm zu mir herab, zögere nicht!
45,10 Du sollst im Land Goschen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine Söhne und die Söhne deiner Söhne, deine Schafe und deine Rinder und alles, was du hast.
45,11 Und ich will dich dort versorgen – denn noch fünf Jahre dauert die Hungersnot -, dass du nicht verarmst, du und dein Haus und alles, was du hast.“
45,12 Und siehe, eure Augen und die Augen meines Bruders Benjamin sehen es, dass mein Mund es ist, der zu euch redet.
45,13 Und berichtet meinem Vater alle meine Herrlichkeit in Ägypten und alles, was ihr gesehen habt; und eilt und bringt meinen Vater hierher herab!
12,93 Nehmt dieses mein Hemd mit und legt es auf das Gesicht meines Vaters, dann wird er wieder sehen können. Und bringt alle eure Angehörigen zu mir.»
45,14 Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte; und Benjamin weinte an seinem Hals.
45,15 Und herzlich küsste er alle seine Brüder und weinte an ihnen. Danach redeten seine Brüder mit ihm.
45,16 Und das Gerücht wurde im Haus des Pharao gehört, dass man sagte: Josefs Brüder sind gekommen. Und es war gut in den Augen des Pharao und in den Augen seiner Diener.
45,17 Und der Pharao sprach zu Josef: Sage deinen Brüdern: „Tut dies: Beladet eure Tiere, und zieht hin, geht ins Land Kanaan,
45,18 und nehmt euren Vater und eure Familien, und kommt zu mir! Ich will euch das Beste des Landes Ägypten geben, und ihr sollt das Fett des Landes essen.“
45,19 Du aber hast den Befehl zu sagen: „Tut dies: Nehmt euch aus dem Land Ägypten Wagen für eure Kinder und für eure Frauen, und holt euren Vater und kommt!
45,20 Und seid nicht betrübt wegen eures Hausrates, denn das Beste des ganzen Landes Ägypten soll euch gehören.“
45,21 Da taten die Söhne Israels so. Und Josef gab ihnen auf den Befehl des Pharao Wagen und gab ihnen Wegzehrung mit auf den Weg.
45,22 Er gab ihnen allen, einem jeden, Wechselkleider, aber Benjamin gab er dreihundert Silberschekel und fünf Wechselkleider.
45,23 Ebenso sandte er seinem Vater zehn Esel, beladen mit dem Besten Ägyptens, und zehn Eselinnen, beladen mit Getreide und Brot und Nahrung für seinen Vater auf den Weg.
45,24 Und er entließ seine Brüder, und sie zogen hin, und er sagte zu ihnen: Ereifert euch nicht auf dem Weg!
45,25 So zogen sie aus Ägypten hinauf und kamen ins Land Kanaan zu ihrem Vater Jakob.
45,26 Und sie berichteten ihm: Josef lebt noch, ja, er ist Herrscher über das ganze Land Ägypten. Aber sein Herz blieb kalt, denn er glaubte ihnen nicht. 12,94 Als nun die Karawane aufbrach, sagte ihr Vater: «Wahrlich, ich spüre Josefs Geruch. Wenn ihr nur nicht (meine Worte) als dummes Gerede zurückweisen würdet!»
12,95 Sie sagten: «Bei Gott, du befindest dich in deinem alten Irrtum.»
12,96 Als nun der Freudenbote kam, legte er es auf sein Gesicht, und er konnte wieder sehen. Er sagte: «Habe ich euch nicht gesagt, daß ich von Gott weiß, was ihr nicht wißt?»
12,97 Sie sagten: «O unser Vater, bitte für uns um Vergebung unserer Sünden. Wir haben ja gesündigt.»
12,98 Er sagte: «Ich werde meinen Herrn um Vergebung für euch bitten. Er ist der, der voller Vergebung und barmherzig ist.»
45,27 Da redeten sie zu ihm alle Worte Josefs, die er zu ihnen geredet hatte. Und als er die Wagen sah, die Josef gesandt hatte, um ihn zu holen, da lebte der Geist ihres Vaters Jakob auf.
45,28 Und Israel sprach: Genug! Mein Sohn Josef lebt noch! Ich will hinziehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.
46,1 Und Israel brach auf und alles, was er hatte, und kam nach Beerscheba; und er opferte dem Gott seines Vaters Isaak Schlachtopfer.
46,2 Und Gott sprach zu Israel in einer nächtlichen Erscheinung und sagte: Jakob! Jakob! Und er sagte: Hier bin ich.
46,3 Und er sprach: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters. Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen, denn zu einer großen Nation will ich dich dort machen!
46,4 Ich selbst ziehe mit dir nach Ägypten hinab, und ich, ich führe dich auch wieder herauf. Und Josef wird seine Hand auf deine Augen legen.
46,5 Da machte sich Jakob von Beerscheba auf, und die Söhne Israels hoben ihren Vater Jakob und ihre Kinder und ihre Frauen auf die Wagen, die der Pharao gesandt hatte, um ihn zu holen.
46,6 Und sie nahmen ihr Vieh und ihre Habe, die sie im Land Kanaan erworben hatten, und kamen nach Ägypten, Jakob und all seine Nachkommenschaft mit ihm:
46,7 seine Söhne und die Söhne seiner Söhne mit ihm, seine Töchter und die Töchter seiner Söhne, und seine ganze Nachkommenschaft brachte er mit sich nach Ägypten.
46,8 Und dies sind die Namen der Söhne Israels, die nach Ägypten kamen, Jakob und seine Söhne: der Erstgeborene Jakobs: Ruben.
46,9 Und die Söhne Rubens: Henoch und Pallu und Hezron und Karmi.
46,10 Und die Söhne Simeons: Jemuël und Jamin und Ohad und Jachin und Zohar und Schaul, der Sohn der Kanaaniterin.
46,11 Und die Söhne Levis: Gerschon, Kehat und Merari.
46,12 Und die Söhne Judas: Er und Onan und Schela und Perez und Serach; Er und Onan aber starben im Land Kanaan. Und die Söhne des Perez waren Hezron und Hamul.
46,13 Und die Söhne Issaschars: Tola und Puwa und Job und Schimron.
46,14 Und die Söhne Sebulons: Sered und Elon und Jachleel.
46,15 Das sind die Söhne der Lea, die sie dem Jakob in Paddan-Aram geboren hatte, und seine Tochter Dina. Die Zahl aller Seelen seiner Söhne und seiner Töchter betrug 33. –
46,16 Und die Söhne Gads: Zifjon und Haggi, Schuni und Ezbon, Eri und Arod und Areli.
46,17 Und die Söhne Assers: Jimna und Jischwa und Jischwi und Beri und ihre Schwester Serach. Und die Söhne Berias: Heber und Malkiël.
46,18 Das sind die Söhne der Silpa, die Laban seiner Tochter Lea gegeben hatte; und sie gebar diese dem Jakob, sechzehn Seelen. –
46,19 Die Söhne der Rahel, der Frau Jakobs: Josef und Benjamin.
46,20 Und dem Josef wurden im Land Ägypten Manasse und Ephraim geboren, die ihm Asenat gebar, die Tochter Potiferas, des Priesters von On.
46,21 Und die Söhne Benjamins: Bela und Becher und Aschbel, Gera und Naaman, Ehi und Rosch, Muppim und Huppim und Ard.
46,22 Das sind die Söhne der Rahel, die Jakob geboren wurden, zusammen vierzehn Seelen. –
46,23 Und die Söhne Dans: Schuham.
46,24 Und die Söhne Naftalis: Jachzeel und Guni und Jezer und Schillem.
46,25 Das sind die Söhne der Bilha, die Laban seiner Tochter Rahel gegeben hatte; und sie gebar diese dem Jakob, insgesamt sieben Seelen. –
46,26 Alle dem Jakob angehörigen Seelen, die nach Ägypten kamen, die aus seinem Schoß hervorgegangen waren, ausgenommen die Frauen der Söhne Jakobs, alle Seelen waren 66.
46,27 Und die Söhne Josefs, die ihm in Ägypten geboren wurden, waren zwei Seelen. Alle Seelen des Hauses Jakob, die nach Ägypten kamen, waren siebzig.
46,28 Und er sandte Juda vor sich her zu Josef, dass er vor ihm her Weisung gebe nach Goschen. Und sie kamen in das Land Goschen.
46,29 Da spannte Josef seinen Wagen an und zog hinauf, seinem Vater Israel entgegen nach Goschen; und als er vor ihm erschien, fiel er ihm um den Hals und weinte lange an seinem Hals. 12,99 Als sie nun bei Josef eintraten, zog er seine Eltern an sich und sagte: «Betretet Ägypten, so Gott will, in Sicherheit.»
46,30 Und Israel sagte zu Josef: Nun kann ich sterben, nachdem ich dein Gesicht gesehen habe, dass du noch lebst!
12,100 Und er erhob seine Eltern auf den Thron. Und sie warfen sich vor ihm nieder. Er sagte: «O mein Vater, das ist die Deutung meines Traumgesichts von früher. Mein Herr hat es wahr gemacht. Und Er hat mir Gutes erwiesen, als Er mich aus dem Gefängnis herauskommen ließ und euch aus der Steppe hierher brachte, nachdem der Satan zwischen mir und meinen Brüdern (zu Zwietracht) aufgestachelt hatte. Mein Herr weiß zu erreichen, was Er will. Er ist der, der alles weiß und weise ist.
12,101 Mein Herr, du hast mir etwas von der Königsherrschaft zukommen lassen und mich etwas von der Deutung der Geschichten gelehrt. Du Schöpfer der Himmel und der Erde, du bist mein Freund im Diesseits und Jenseits. Berufe mich als gottergeben ab und stelle mich zu den Rechtschaffenen.»
46,31 Und Josef sagte zu seinen Brüdern und zum Haus seines Vaters: Ich will hinaufziehen und dem Pharao berichten und zu ihm sagen: „Meine Brüder und das Haus meines Vaters, die im Land Kanaan waren, sind zu mir gekommen.
46,32 Und die Männer sind Schafhirten – denn sie haben Viehzucht getrieben -, und sie haben ihre Schafe und ihre Rinder und alles, was sie haben, mitgebracht.“
46,33 Und geschieht es, dass der Pharao euch ruft und spricht: „Was ist eure Tätigkeit?“ –
46,34 dann sagt: „Deine Knechte haben Viehzucht getrieben von unserer Jugend an bis jetzt, sowohl wir als auch unsere Väter“, damit ihr im Land Goschen bleiben könnt; denn alle Schafhirten sind den Ägyptern ein Gräuel.
47,1 Und Josef kam und berichtete dem Pharao und sagte: Mein Vater und meine Brüder, ihre Schafe und ihre Rinder und alles, was sie haben, sind aus dem Land Kanaan gekommen; und siehe, sie sind im Land Goschen.
47,2 Und er nahm aus der Gesamtheit seiner Brüder fünf Männer und stellte sie vor den Pharao.
47,3 Und der Pharao sprach zu seinen Brüdern: Was ist eure Tätigkeit? Und sie sagten zum Pharao: Deine Knechte sind Schafhirten, sowohl wir als auch unsere Väter.
47,4 Und sie sagten zum Pharao: Wir sind gekommen, um uns im Land als Fremde aufzuhalten; denn es gibt keine Weide für die Schafe, die deine Knechte haben, denn die Hungersnot ist schwer im Land Kanaan. Und nun lass doch deine Knechte im Land Goschen wohnen!
47,5 Da sagte der Pharao zu Josef: Dein Vater und deine Brüder sind zu dir gekommen.
47,6 Das Land Ägypten ist vor dir: Lass deinen Vater und deine Brüder im besten Teil des Landes wohnen; sie sollen im Land Goschen wohnen. Und wenn du erkennst, dass tüchtige Männer unter ihnen sind, setze sie als Oberhirten ein über das, was ich habe!
47,7 Und Josef brachte seinen Vater Jakob und ließ ihn vor den Pharao treten. Und Jakob segnete den Pharao.
47,8 Und der Pharao sprach zu Jakob: Wie viele sind die Tage deiner Lebensjahre?
47,9 Und Jakob sprach zum Pharao: Die Tage der Jahre meiner Fremdlingschaft sind 130 Jahre; wenig und böse waren die Tage meiner Lebensjahre, und sie erreichen nicht die Tage der Lebensjahre meiner Väter in den Tagen ihrer Fremdlingschaft.
47,10 Und Jakob segnete den Pharao und ging von dem Pharao hinaus.
47,11 Josef aber wies seinem Vater und seinen Brüdern Wohnsitze an und gab ihnen Grundbesitz im Land Ägypten, im besten Teil des Landes, im Land Ramses, wie der Pharao befohlen hatte.
47,12 Und Josef versorgte seinen Vater und seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters mit Brot nach der Zahl der Kinder.
47,13 Und es gab kein Brot im ganzen Land, denn die Hungersnot war sehr schwer; und das Land Ägypten und das Land Kanaan verschmachteten vor Hunger.
47,14 Und Josef brachte alles Geld zusammen, das sich im Land Ägypten und im Land Kanaan vorfand, für das Getreide, das man kaufte. Und Josef brachte das Geld in das Haus des Pharao.
47,15 Und als das Geld im Land Ägypten und im Land Kanaan ausging, da kamen alle Ägypter zu Josef und sagten: Bring uns Brot her! Warum sollen wir denn vor dir sterben? Denn das Geld ist zu Ende.
47,16 Da sagte Josef: Bringt euer Vieh her! Dann gebe ich euch Brot für euer Vieh, wenn das Geld zu Ende ist.
47,17 Da brachten sie ihr Vieh zu Josef, und Josef gab ihnen Brot für die Pferde und für die Schafherden und für die Rinderherden und für die Esel; und so versorgte er sie mit Brot für all ihr Vieh in jenem Jahr.
47,18 Als jenes Jahr zu Ende war, da kamen sie im zweiten Jahr zu ihm und sagten zu ihm: Wir wollen es meinem Herrn nicht verschweigen, dass das Geld ausgegangen ist, und die Viehherden sind bei meinem Herrn. Nichts ist vor meinem Herrn übrig geblieben als nur unser Leib und unser Land.
47,19 Warum sollen wir vor deinen Augen sterben, sowohl wir als auch unser Land? Kaufe uns und unser Land für Brot, dann wollen wir und unser Land dem Pharao fronpflichtig sein; und gib Samen, dass wir leben und nicht sterben und das Land nicht verödet daliegt!
47,20 Da kaufte Josef das ganze Land Ägypten für den Pharao; denn die Ägypter verkauften jeder sein Feld, weil die Hungersnot schwer auf ihnen lag. Und so kam das Land an den Pharao.
47,21 Und das Volk, das versetzte er in die verschiedenen Städte, von einem Ende der Grenze Ägyptens bis zu ihrem anderen Ende.
47,22 Nur das Land der Priester kaufte er nicht, denn die Priester hatten ein festgesetztes Einkommen vom Pharao, und sie lebten von ihrem festgesetzten Einkommen, das der Pharao ihnen gab; deshalb verkauften sie ihr Land nicht.
47,23 Und Josef sagte zum Volk: Siehe, ich habe euch und euer Land heute für den Pharao gekauft. Da habt ihr Samen! Besät nun das Land!
47,24 Und es soll beim Ernten geschehen, dass ihr den Fünften dem Pharao gebt; die vier Teile aber sollen für euch sein zum Besäen des Feldes und zur Nahrung für euch und für die, die in euren Häusern sind, und zur Nahrung für eure Kinder.
47,25 Da sagten sie: Du hast uns am Leben erhalten; finden wir Gunst in den Augen meines Herrn, dann wollen wir Knechte des Pharao sein.
47,26 Und Josef legte es dem Land Ägypten bis zu diesem Tag als Ordnung auf, dass dem Pharao der Fünfte gehöre. Nur das Land der Priester allein kam nicht an den Pharao.
47,27 Und Israel wohnte im Land Ägypten, im Land Goschen; und sie machten sich darin ansässig und waren fruchtbar und vermehrten sich sehr.
47,28 Und Jakob lebte im Lande Ägypten siebzehn Jahre; und die Tage Jakobs, die Jahre seines Lebens, betrugen 147 Jahre.
47,29 Und als die Tage Israels nahten, dass er sterben sollte, rief er seinen Sohn Josef und sprach zu ihm: Wenn ich nun Gunst gefunden habe in deinen Augen, dann lege doch deine Hand unter meine Hüfte und erweise Gnade und Treue an mir: Begrabe mich doch nicht in Ägypten!
47,30 Wenn ich mich zu meinen Vätern gelegt habe, dann führe mich aus Ägypten und begrabe mich in ihrem Grab! Und er sprach: Ich werde tun nach deinem Wort.
47,31 Er aber sagte: Schwöre mir! Da schwor er ihm. Und Israel neigte sich anbetend nieder am Kopfende des Bettes.

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