Zu Sure 9,111

Allah hat von den Gläubigen ihre eigene Person und ihren Besitz dafür erkauft, daß ihnen der (Paradies)garten gehört: Sie kämpfen auf Allahs Weg, und so töten sie und werden getötet. (Das ist) ein für Ihn bindendes Versprechen in Wahrheit in der Tora, dem Evangelium und dem Qur’an. Und wer ist treuer in (der Einhaltung) seiner Abmachung als Allah? So freut euch über das Kaufgeschäft, das ihr abgeschlossen habt, denn das ist der großartige Erfolg! (Sure 9,111)

In chronologischer Hinsicht gilt at-Tauba, die neunte Sure, als eine der letzten Suren des Korans. Oft wird angenommen, dass diese in Medina entstandene Sure die vorletzte ist. Da im Fall von eventuellen Widersprüchen innerhalb des ewigen, fehlerfreien Korans der zeitlich spätere Text die gültige Version liefert, kommt der neunten Sure eine besondere Bedeutung zu. Ich möchte mich hier mit einigen Punkten aus Vers 111 beschäftigen, die mir als Christ aufgefallen sind.

Allahs Kaufgeschäft

Allah wird hier als Geschäftsmann dargestellt. Er verkauft den Gläubigen das Paradies. Der Preis dafür ist die Person und der Besitz. Man könnte das Wort für „Person“ (نَفْس / nafs) auch mit „Seele“ wiedergeben. Die Gläubigen haben ihre Seele und ihren Besitz an Allah verkauft. Er gibt ihnen dafür das Paradies mit all seinen Freuden und Lüsten. Am Ende des Verses wird dieses Kaufgeschäft als Grund zur Freude, als großartiger Erfolg gepriesen.

Wird die Beziehung zwischen Gott und den Gläubigen wirklich adäquat im Bild eines Handels ausgedrückt? Spielt hier vielleicht der berufliche Hintergrund Mohammeds mit? Offensichtlich war die Beziehung Mohammeds zu seinem Gott nicht von der Erfahrung väterlicher Liebe geprägt. Es scheint, dass er in Allah so etwas wie einen Geschäftspartner sah. „Ich verkaufe dir meine Seele, und du schenkst mir das Paradies.“

Aber ganz so fix kann das Geschäft mit Allah doch nicht sein. Kein Muslim, auch nicht Mohammed, kann sich des Paradieses sicher sein. Ist Allah dann doch nicht so treu in der Einhaltung seiner Abmachung?

Der Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat, ist anders. Er möchte den Gläubigen als liebender Vater begegnen. Auch wenn Jesus das Bild des Lohnes verwendet hat (z. B. in Matthäus 6,1-18), so hat er im selben Zusammenhang von Gott als dem Vater gesprochen. Das Bild des Lohns erklärt sich aus der Intention Jesu, die heuchlerische Frömmigkeit der Pharisäer aufzudecken, die ihre religiösen Werke nicht aus aufrichtiger Liebe zu Gott taten, sondern um vor den Menschen gut dazustehen.

Wir können Gott nichts geben. Alles, was wir haben und sind, kommt von ihm. Der erste Schritt kommt von Gott. Er hat uns unser Leben geschenkt, er hat uns in seiner Schöpfung alles gegeben, was wir brauchen. Trotz unserer Sünden ist er weiter auf uns zugegangen. In Jesus Christus hat er sich selbst für uns hingegeben, um uns mit seiner Liebe für sich zu gewinnen. Alles, was wir tun können, ist nur eine unvollkommene Antwort auf seine vollkommene Liebe. Sogar dazu brauchen wir noch seine Hilfe, die er jedem, der ihn sucht, gerne gewährt. Abkehr von Sünde, Dankbarkeit, Hingabe unseres Lebens an ihn. Das ist die Antwort, die aus Liebe zu ihm heraus kommen soll. Gott will keine Geschäftsbeziehung zu uns. Er will eine Liebesbeziehung. Er hat den Anfang gesetzt. Die Antwort liegt an uns.

Sie kämpfen auf Allahs Weg.

Das Wort für „kämpfen“ wird von der Wurzel qtl abgeleitet, von der auch das Wort „töten“ gebildet wird. Es kommt 54-mal im Koran vor, praktisch nur in der Bedeutung des militärischen Kampfes. Deswegen übersetzt Amir Zaidan: Sie führen den bewaffneten Kampf fisabilillah. Der Kampf „auf Allahs Weg“ ist der bewaffnete Kampf des Dschihads, auch wenn der Dschihad hier nicht wörtlich genannt ist. Der Gläubige, der seine Seele an Allah verkauft hat, führt einen bewaffneten Kampf.

Wie anders ist der Kampf des Christen!

Als Petrus Jesus mit dem Schwert verteidigte, war Jesu Antwort:

Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. (Matthäus 26,52)

Paulus schrieb an die Epheser über den geistlichen Kampf:

10 Schließlich: Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn! 11 Zieht an die Waffenrüstung Gottes, um den listigen Anschlägen des Teufels zu widerstehen! 12 Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Mächte und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den himmlischen Bereichen. 13 Darum legt die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils widerstehen, alles vollbringen und standhalten könnt! 14 Steht also da, eure Hüften umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit, 15 die Füße beschuht mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. 16 Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. 17 Und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes! 18 Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, 19 auch für mich, dass mir das rechte Wort gegeben werde, sooft ich meinen Mund auftue, mit Freimut das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden; 20 als dessen Gesandter bin ich in Ketten, damit ich in ihm freimütig zu reden vermag, wie es meine Pflicht ist. (Epheser 6,10-20)

Das Schwert des Christen ist das Wort Gottes! Der Kampf ist ein geistlicher Kampf mit geistlichen Mitteln. Gottes Reich ist kein irdisches Reich, das mit militärischer Macht aufgebaut wird. Paulus hat diese Worte im Gefängnis geschrieben. Auch dort hat er es als seine Pflicht gesehen, das Evangelium zu verkünden.

So töten sie und werden getötet.

Da der „Kampf auf Allahs Weg“ ein bewaffneter Kampf ist, ergibt sich als Konsequenz, dass er das Ziel hat, Allahs Feinde zu töten. Eifrige Nachfolger Mohammeds haben so eine blutige Spur durch die Geschichte gezogen. Diese Blutspur nahm ihren Anfang durch Mohammed selber und hat ihr Ende noch lange nicht erreicht. Täglich werden Menschen im „Kampf auf Allahs Weg“ getötet.

Dass dieser Kampf mit dem Risiko verbunden ist, selbst getötet zu werden, schreckt Menschen, die ihre Seele an Allah verkauft haben, nicht ab. Der Tod als „Märtyrer“ wird angestrebt. Als Lohn winkt das Paradies mit all seinen Freuden. Welch böses Erwachen wird es für diese Mörder geben, wenn sie vor dem Richterstuhl Christi stehen werden!

Jünger Jesu hingegen töten nicht, sind aber bereit, für ihre Botschaft zu sterben.

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe […] (Matthäus 10,16)

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können […] (Matthäus 10,28)

Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. (Johannes 16,2)

Jesu Jünger töten nicht ihre Feinde, sondern ihre Sünden:

Darum tötet, was irdisch an euch ist: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist! (Kolosser 3,5)

Ein Versprechen in der Thora und im Evangelium?

Im Mittelteil des Verses 111 heißt es:

(Das ist) ein für Ihn bindendes Versprechen in Wahrheit in der Tora, dem Evangelium und dem Qur’an.

Dass Allah das Paradies für den bewaffneten Kampf auf dem Weg Allahs versprochen hat, ist nicht zu bezweifeln.

Doch dass der Gott der Bibel dasselbe Versprechen in der Thora und im Evangelium gegeben hat, ist falsch. Zwar ist es richtig, dass es im Alten Testament Kriege im Namen Gottes gab. Diese waren aber örtlich und zeitlich begrenzt. Zum Teil waren sie Gottes Strafgericht an Völkern, die ihre Kinder ihren Götzen opferten und die ihre Götzen durch unzüchtige Handlungen zu verehren meinten. In der Thora findet man aber den Gedanken einer kriegerischen Verbreitung des Monotheismus nicht. Es gibt auch keine Verheißung eines paradiesischen Lohns für den Kampf.

Seit dem Kommen des Messias ist Gottes Reich nicht mehr mit einem politischen Volk verknüpft. Es ist offen für alle Menschen aller Völker, die Gottes Willen tun wollen. Es ist aber kein Reich in dieser Welt.

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. (Johannes 18,36)

Wenn Mohammed die kriegerische Natur des Korans auch in die Bibel hineininterpretiert hat, zeugt das zumindest von massivem Unwissen des Autors des Korans. Man könnte aber auch an böswillige Unterstellung denken. Welche Erklärung man auch annimmt, steht fest, dass der Koran hier offensichtlich etwas Falsches aussagt. Wir sollen daher nicht dem „Versprechen“ eines Buches folgen, das nicht einmal die Bibel richtig zitieren kann, sondern dem Versprechen des ewigen Gottes, der durch seinen Sohn Jesus Christus gesprochen hat:

28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

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