„Unser Gott und euer Gott ist Einer.“

Und streitet mit den Leuten der Schrift nur in bester Weise, außer denjenigen von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: „Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns herabgesandt worden ist und zu euch herabgesandt worden ist; unser Gott und euer Gott ist Einer, und wir sind Ihm ergeben.“ (Sure 29,46)

Der Überlieferung zufolge wurde dieser Vers „herabgesandt“, bevor einige der Nachfolger Mohammeds aus Mekka in das „christliche“ Äthiopien emigriert sind, um dort Zuflucht zu suchen. Es handelt sich um eine Anweisung, wie sich Muslime unter Christen verhalten sollen. Der Blick soll vor allem auf das Verbindende und nicht auf das Trennende gerichtet werden. Selbstverständlich wird, wie auch sonst im Koran, davon ausgegangen, dass der Gott der Muslime derselbe Gott ist, denn Juden und Christen verehren. Die Schriften der Juden und Christen und der Koran kommen demzufolge vom selben Gott. Darum glauben auch Muslime an die Schriften der Juden und Christen. Unausgesprochen wird erwartet, dass die „Leute der Schrift“ auch an die Schrift der Muslime glauben.

Es stellen sich drei Fragen:

  • Glauben Muslime an den Gott der Juden und Christen?
  • Glauben Muslime an die Schriften der Juden und Christen?
  • Gilt die Aufforderung, „mit den Leuten der Schrift nur in der besten Weise zu streiten“ für alle Situationen?

1 Derselbe Gott?

Es steht außer Frage, dass es nur einen einzigen Gott gibt. Ebenso ist es für Juden, Christen und Muslime klar, dass dieser eine Gott durch die Propheten zum Volk Israel gesprochen hat. Zwischen Christen und Muslimen besteht ferner Einheit darüber, dass Jesus der Messias ist, ja noch mehr: das Wort Gottes.

Über den Gott der Muslime heißt es jedoch in der Sure Al-Iḫlāṣ:

Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden. (Sure 112,3)

Damit lehrt der Koran etwas anderes über Gott als die Schriften der Juden und Christen. So spricht der Messias in Psalm 2,7:

Den Beschluss des HERRN will ich kundtun. Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.

Im Johannesevangelium heißt es über den Messias:

Gott hat keiner jemals gesehen; der einziggezeugte Gott, der ist im Schoß des Vaters, jener legte ihn aus. (Johannes 1,18 – Münchener NT)

Gewiss ist der biblische Gott anders als die heidnischen Götter, die sich in den verschiedenen Mythen durch sexuelle Zeugung fortpflanzen. So etwas über ihn zu sagen, wäre eine schlimme Lästerung. Doch hat sich Gott als der offenbart, der in seinem innersten Wesen Gemeinschaft ist. Der Messias ist sein ewiger wesensgleicher Sohn ohne Anfang und ohne Ende. Der koranische Gott ist anders als der biblische Gott.

Deswegen werden im Koran auch Juden und Christen verflucht, weil sie glauben, dass Gott einen Sohn habe. Im Hinblick auf die Juden ist dieser Vorwurf überdies eine verleumderische Erfindung.

Die Juden sagen: „‚Uzair ist Allahs Sohn“, und die Christen sagen: „Al-Masih ist Allahs Sohn.“ Das sind ihre Worte aus ihren (eigenen) Mündern. Sie führen ähnliche Worte wie diejenigen, die zuvor ungläubig waren. Allah bekämpfe sie! Wie sie sich (doch) abwendig machen lassen! (Sure 9,30)

Mehr dazu im Beitrag Gedanken zu Sure 9,30.

Über den Gott der Christen heißt es in der Bibel:

Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. (1 Johannes 1,5)

Der Gott des Korans offenbart sich als der „beste Ränkeschmied″.

Und sie schmiedeten Ränke, und (auch) Allah schmiedete Ränke; und Allah ist der beste Ränkeschmied. (Sure 3,54)

Jesus nahm es als Wille seines himmlischen Vaters an, dass er sein Leben am Kreuz hingab.

Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. (Matthäus 26,39)

Der Koran behauptet – zumindest nach der üblichen Interpretation – , dass Jesus von Gott auf wunderbare Weise vor dem Tod bewahrt wurde. Mehr dazu hier.

Aus diesen wenigen, aber wichtigen Beispielen geht klar hervor, dass der Gott des Korans nicht der Gott der Juden und Christen sein kann, auch wenn das sogar vom Vatikan behauptet wird.

2 Glauben Muslime an die Schriften der Juden und Christen?

Wenn Muslime nicht an denselben Gott glauben, können sie auch nicht an die Schriften glauben, deren Inhalt sie zumindest teilweise ablehnen.

Es stimmt, dass die Stellen, in denen der Koran die Thora oder das Evangelium erwähnt, von diesen Schriften nur mit Hochachtung die Rede ist. Der Koran behauptet, diese Schriften zu bestätigen:

Er hat dir (Mohammed) das Buch mit der Wahrheit offenbart, das zu bestätigen, was vor ihm (offenbart) war. Und Er hat (auch) die Tora und das Evangelium (als Offenbarung) herabgesandt. (Sure 3,3)

Der von heutigen Muslimen häufig gemachte Vorwurf der Schriftverfälschung ist im Koran nicht zu finden.

Da es nun zahlreiche Widersprüche zwischen der Bibel und dem Koran geht, stehen die Muslime in einem Dilemma. Der übliche Weg aus diesem Dilemma ist, dass Muslime über den Koran hinausgehen und eine Verfälschung der Bibel behaupten. Oder sie sagen, dass der Koran das letzte Update der Bibel sei und man sich deshalb mit den früheren Versionen nicht beschäftigen müsse.

Während Christen nicht nur das Neue Testament als Heilige Schrift sehen, sondern auch die Schriften des Alten Testaments, und beide als Wort Gottes lesen, weigern sich die meisten Muslime, diese Schriften zu lesen, geschweige denn als Autorität für ihr Leben zu akzeptieren. Manche „Apologeten“ lesen die Bibel als eine Art Steinbruch, aus dem sie die Verse herausholen, die ihrer Argumentation gegen das Christentum zu entsprechen scheinen, oder in denen sie Ankündigungen Mohammeds zu erkennen glauben.

Dass gerade in streng islamischen Ländern die Bibel ein verbotenes Buch ist, zeigt auch mit aller Deutlichkeit, dass Muslime nicht an das glauben, was „zu euch herabgesandt worden ist“. Oder sollen wir annehmen, dass gerade in diesen Ländern durch dieses Verbot der Koran völlig missachtet wird?

3 Gilt die Aufforderung, „in der schönsten Weise zu streiten“, für immer?

Sure 29 gilt als eine mekkanische Sure. Dieser Text entstand der Überlieferung zufolge in einer Situation, als die Muslime eine kleine Minderheit in einer ihnen feindlich gesinnten Umgebung waren. Als einige von ihnen in ein „christlich“ regiertes Land flüchteten, wurden sie angewiesen, sich anständig zu benehmen und nur „in der schönsten Weise“ zu diskutieren.

Nach der Auswanderung Mohammeds nach Medina wendete sich das Blatt. Dort entstand der erste islamische Staat. Die dort ansässigen Juden wurden im Laufe der Zeit in die Verbannung getrieben oder umgebracht. Durch zahlreiche Raubzüge hat Mohammed Schätze angesammelt und den Großteil der arabischen Halbinsel unterworfen. Diese geänderte Situation wird vor allem in der 9. Sure deutlich, die eine der letzten Suren des Korans ist. Da nach der Lehre der Abrogation die spätere „Offenbarung“ frühere Texte ablöst, sollen wir betrachten, was in der 9. Sure über den Umgang mit den „Leuten der Schrift“ steht:

Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen – von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde –, bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind! (Sure 9,29)

Wenn der Islam die Übermacht hat, dann sieht das Streiten „in der schönsten Weise“ so aus, dass die Schriftbesitzer mit Gewalt bekämpft werden, „bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind“.

Grundsätzlich gelten nach wie vor beide Anweisungen. Es kommt nur auf die Situation an. Dort, wo es nur relativ wenige Muslime gibt, wird nach Sure 29,46 „in der schönsten Weise“ diskutiert und vorgeschoben, dass wir alle doch an denselben Gott glauben. Wendet sich das Blatt und sind die Muslime in der Überzahl, dann kommt Sure 9,29 zum Zug. Dann werden Juden und Christen zu Andersgläubigen, da sie nach 9,30 behaupten, Gott habe einen Sohn. Sie müssen bekämpft und zum Zahlen des Tributs verpflichtet werden. Immerhin dürfen sie froh sein, als Menschen zweiter Klasse am Leben zu bleiben.


Der Gott der Muslime ist nicht derselbe Gott wie der Gott, der sich in der Bibel offenbart hat. Wir können nur „in der schönsten Weise“ Muslime einladen, die Bibel zu lesen und dort den wahren und einzigen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde kennenzulernen, den Gott, der zu Abraham und Mose und die übrigen Propheten gesprochen hat und sich zum vollendenden Abschluss selbst in seinem ewigen Sohn Jesus Christus offenbart hat.

22 Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. 23 Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. (1 Johannes 2,22-23)

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