Sure 4,171 – eine Kritik an der christlichen Lehre über Jesus

O Leute der Schrift, übertreibt nicht in eurer Religion und sagt gegen Allah nur die Wahrheit aus! al-Masīḥ ʿĪsā, der Sohn Maryams, ist nur Allahs Gesandter und Sein Wort, das Er Maryam entbot, und Geist von Ihm. Darum glaubt an Allah und Seine Gesandten und sagt nicht „Drei“. Hört auf (damit), das ist besser für euch! Allah ist nur ein Einziger Gott. Preis sei Ihm (, und Erhaben ist Er darüber), daß Er ein Kind haben sollte! Ihm gehört (alles), was in den Himmeln und was auf der Erde ist, und Allah genügt als Sachwalter. (Sure 4,171)

Mit den in diesem Vers angeredeten „Leuten der Schrift“ sind die Christen gemeint. Sie werden davor gewarnt, es in ihrer Religion zu übertreiben. Da stellt sich schon die erste Frage. Kann man es in seiner Religion übertreiben? Wenn die Religion die richtige Religion ist, die in der Liebe zu Gott und dem Wunsch, seinen Willen zu tun, gründet, kann man es nicht übertreiben. Man kann es nur in einem menschengemachten Kult mit von Menschen erfundenen Regeln und Traditionen übertreiben. Die Liebe zu Gott wird die Gläubigen vor Exzessen oder Übertreibungen in eine falsche Richtung bewahren.

Wenn eine Religion nicht von Gott kommt, ist der Rat, es nicht zu übertreiben, zu schwach. Da kann der Aufruf nur lauten, sich von der falschen Religion abzuwenden. Insofern ist die Aufforderung, dass das Volk der Schrift es in seiner Religion nicht übertreiben soll, inkonsequent.

Mit der Anrede „Volk der Schrift“ wird vom Autor dieses Verses eingeräumt, dass die christliche Religion auf der von Gott offenbarten Schrift beruht. Im Koran wird vorausgesetzt, dass die Schrift der Juden und Christen von Gott kommt. Der Vorwurf der Verfälschung wird weder im Hinblick auf die Thora noch im Hinblick auf das Evangelium erhoben. Mohammed wird sogar angewiesen, falls er Zweifel haben sollte, die zu fragen, die vor ihm die Schrift gelesen haben:

Wenn du über das, was Wir zu dir (als Offenbarung) hinabgesandt haben, im Zweifel bist, dann frag diejenigen, die vor dir die Schrift lesen. (Sure 10,94a)

Wenn der Koran davon ausgeht, dass die christliche Religion von Gott kommt, warum wird dann davor gewarnt, es in dieser Religion zu übertreiben?

Der Aufforderung, über Gott nur die Wahrheit zu sagen, wird jeder Christ aus vollem Herzen zustimmen. Wenn man nicht die Wahrheit über Gott sagt, ist es keine Übertreibung in der Religion, sondern eine Verfälschung der von Gott offenbarten Wahrheit.

Darum hat der auch von Mohammed als Apostel anerkannte Paulus geschrieben:

Wir haben uns von aller schimpflichen Arglist losgesagt; wir verhalten uns nicht hinterhältig und verfälschen das Wort Gottes nicht, sondern machen die Wahrheit offenbar. So empfehlen wir uns vor dem Angesicht Gottes jedem menschlichen Gewissen. (2 Korinther 4,2)

Jeder Christ folgt diesem Beispiel. Er sagt über Jesus, der die Wahrheit in Person ist (Johannes 14,6), nichts anderes als die Wahrheit, so wie sie in der Heiligen Schrift enthalten ist.

Der Aussage, dass Jesus ein Gesandter Gottes ist, wird jeder Christ zustimmen. Jesus selbst hat wiederholt gesagt, dass er vom Vater gesandt worden ist, z. B.:

Ich bin es, der über mich Zeugnis ablegt, und auch der Vater, der mich gesandt hat, legt über mich Zeugnis ab. (Johannes 8,18)

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. (Johannes 17,25)

Auch im Hebräerbrief wird Jesus Gesandter (= Apostel) genannt:

Darum, heilige Brüder, die ihr an himmlischer Berufung teilhabt, richtet euren Sinn auf den Apostel und Hohepriester unseres Bekenntnisses: Jesus, […] (Hebräer 3,1)

Erst recht wird ein Christ der Aussage, dass Jesus das Wort Gottes ist, zustimmen. Ich habe mich hier und hier eingehender mit der Bedeutung dieser Aussage über Jesus beschäftigt. Dass Jesus das Wort Gottes ist, weist auf seine Wesenseinheit mit dem Vater hin. Darum ist es höchst erstaunlich, dass in Sure 4,171 steht, dass Jesus „nur“ der Gesandte und das Wort Gottes ist. So wie ein Wort direkt aus dem Mund des Sprechers kommt, so kommt Jesus direkt aus dem Inneren des Vaters, der durch ihn direkt zu uns gesprochen hat, nicht auf dem Umweg über einen Engel, wie es von Mohammed behauptet wird. Man gewinnt den Eindruck, dass der Autor dieses Verses die Tiefe der Bedeutung des Ausdrucks „Wort Gottes“ nicht verstanden hat.

Als Gott sein Wort Maria „entbot“, ist dieses Wort im Leibe Marias Mensch geworden.

Dem Ausdruck, dass Jesus ein Geist „von Gott“ ist, kann ein Christ aufgrund der Missverständlichkeit nur eingeschränkt zustimmen. Jesus ist als Mensch durch das Wirken des Heiligen Geistes gezeugt worden (Lukas 1,35). Nach seiner Erhöhung zum Vater hat er den Heiligen Geist ausgegossen. Aber Jesus ist nicht der Heilige Geist. Man könnte der koranischen Aussage insofern zustimmen, dass Jesus als das geistige Wesen, das Mensch geworden ist, seinen Ursprung im Vater hat, mit dem er in göttlicher Wesenseinheit verbunden ist. Um Jesus nicht mit dem Heiligen Geist zu verwechseln, wird diese Ausdrucksweise von Christen nicht verwendet.

Gott und seinen Gesandten zu glauben, ist das Anliegen jedes Christen. Die wahren Gesandten Gottes haben das Kommen des Messias, des Sohnes Gottes, angekündigt. Mit dem Kommen dieses Sohnes hat die Offenbarung Gottes ihren krönenden Abschluss gefunden. Wenn 600 Jahre später jemand kommt, der im Gegensatz zu den früheren Gesandten Gottes behauptet, dass der Messias nicht der Sohn Gottes sei, bekundet er dadurch, dass er nicht der Gesandte dieses Gottes ist, der den Messias als Sohn Gottes verheißen hat.

Die Aufforderung, nicht „drei“ zu sagen, zeigt, dass der Autor dieses Verses die christliche Lehre der Dreieinigkeit nicht verstanden hat oder nicht verstehen wollte. Seinem Beispiel folgen auch die heutigen Islam-Apologeten:

Nach Qur’ān haben die Christen erklärt, Allāh, Christus und Maria seien drei Götter, und Christus sei das Kind Gottes von Maria (vgl. 5:116; 9:30). (Tafsīr Al-Qur’ān Al-Karīm zu 4,171)

Genau das haben Christen niemals erklärt. Christen glauben an einen einzigen Gott. Der Glaube an drei Götter ist jedem Christen absolut fern. Wer so etwas behauptet, ist kein Christ. Wenn der Koran tatsächlich behauptet, dass Christen Derartiges erklärt haben, wird dadurch offenkundig, dass er unmöglich vom ewigen und allwissenden Gott stammen kann. Zu den beiden in der Erklärung angeführten Koranstellen gibt es eigene Beiträge: Maria in der Dreieinigkeit? und Gedanken zu Sure 9,30.

Wenn Christen über Gott als den dreieinen Gott sprechen, werden die Begriffe „drei“ und „eins“ nicht in derselben Hinsicht verwendet. Gott ist ein Einziger. Doch Gott hat in seiner Offenbarung sein inneres Wesen gezeigt. Er ist Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das wird bereits in den Schriften des Alten Testaments angedeutet (vergleiche z. B. hier, hier und hier). Gott hat sein dreieines Wesen aber in voller Weise in der Menschwerdung seines ewigen Sohnes Jesus, der den Anspruch, Gott zu sein, erhoben hat und der nach seiner Erhöhung den Heiligen Geist gesandt hat, offenbart. Dass der Heilige Geist Person ist, wird in der Heiligen Schrift klar bezeugt. Im Neuen Testament findet man sowohl in den Worten Jesu als auch der Apostel Formulierungen, die deutlich auf das dreieine Wesen Gottes hinweisen. Mehr dazu hier.

Wenn es in Sure 4,171 heißt:

Preis sei Ihm (, und Erhaben ist Er darüber), daß Er ein Kind haben sollte!,

so zeigt das wiederum, dass der Koran etwas behauptet, was der Bibel, die er zu bestätigen vorgibt, widerspricht.

Auch Christen sehen es als eine Gotteslästerung zu behaupten, dass Gott mit einer Frau eine sexuelle Beziehung haben könnte. Das ist ein durch und durch heidnischer Gedanke. Ich war einmal sehr erstaunt, als mir von Muslimen die Frage gestellt wurde, warum Christen glauben, dass Gott mit Maria Sex gehabt habe. Eine derartige Annahme ist jedem Christen absolut fern. Es gibt auch in der Bibel keinerlei Grund zu diesem blasphemischen Gedanken.

Jesus ist der Sohn Gottes nicht aufgrund einer sexuellen Zeugung. Er ist Gottes Sohn aufgrund seines ewigen göttlichen Wesens, in dem er seit Ewigkeit eins mit dem Vater ist. Er war nicht erst seit seiner Menschwerdung Gottes Sohn, sondern er ist es seit Ewigkeit. Durch ihn, den Sohn, ist die Welt geschaffen worden.

[…] am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben von allem eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; […] (Hebräer 1,2)

Weil der Vater die Welt durch den Sohn geschaffen hat, trifft die Aussage, die in Sure 4,171 am Ende des Verses steht, auch auf ihn zu:

Ihm gehört (alles), was in den Himmeln und was auf der Erde ist, und Allah genügt als Sachwalter.

Ihm, dem dreieinen Gott, dem ewigen Schöpfer des Himmels und der Erde, gehört alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist, weil er alles geschaffen hat. Der Vater hat alles durch den Sohn im Heiligen Geist geschaffen.

Dieser Erkenntnis hat sich der Autor dieses Verses verschlossen und hat dadurch nicht nur sich selbst sondern allen Muslimen den Weg zur Erkenntnis des wahren Gottes versperrt oder erheblich erschwert. Auf jeden Fall zeigt Sure 4,171, dass dieser Vers nicht von Gott sein kann, da dessen Autor die christliche Lehre entstellt wiedergibt.

Alle Muslime sind eingeladen, Gott so kennenzulernen, wie er sich in seinem ewigen Wort, in Jesus Christus endgültig offenbart hat.

28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.  30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

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