Wie sprach Gott zu Maria?

Im Koran finden wir zwei Stellen, die davon erzählen, wie Maria erfahren hat, dass sie die Mutter Jesu werden solle.

Die erste der beiden Stellen findet sich in Sure 3,45-48:

45 Als die Engel sagten: „O Maryam, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name al-Masih ‚Isa, der Sohn Maryams ist, angesehen im Diesseits und Jenseits und einer der (Allah) Nahegestellten.
46 Und er wird in der Wiege zu den Menschen sprechen und im Mannesalter und einer der Rechtschaffenen sein.“
47 Sie sagte: „Mein Herr, wie sollte ich ein Kind haben, wo mich (doch) kein menschliches Wesen berührt hat?“ Er (, der Engel,) sagte: „So (wird es sein); Allah erschafft, was Er will. Wenn Er eine Angelegenheit bestimmt, so sagt Er zu ihr nur: ,Sei! und so ist sie.
48 Und Er wird ihn die Schrift, die Weisheit, die Tora und das Evangelium lehren.

Die zweite Stelle lesen wir in Sure 19,16-21:

16 Und gedenke im Buch Maryams, als sie sich von ihren Angehörigen an einen östlichen Ort zurückzog.
17 Sie nahm sich einen Vorhang vor ihnen. Da sandten Wir Unseren Geist zu ihr. Er stellte sich ihr als wohlgestaltetes menschliches Wesen dar.
18 Sie sagte: „Ich suche beim Allerbarmer Schutz vor dir, wenn du gottesfürchtig bist.“
19 Er sagte: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Jungen zu schenken.“
20 Sie sagte: „Wie soll mir ein Junge gegeben werden, wo mich doch kein menschliches Wesen berührt hat und ich keine Hure bin.“
21 Er sagte: „So wird es sein. Dein Herr sagt: ,Das ist Mir ein leichtes, und damit Wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen‘. Und es ist eine beschlossene Angelegenheit.“

Diese Situation war einmalig. Aber die beiden Berichte stimmen nicht überein.

  • Haben, wie 3,45 sagt, mehrere Engel zu Maria gesprochen, oder war es Gottes Geist im Bildnis eines wohlgestalteten Menschen (19,17)?
  • Auch der Wortlaut der Botschaft unterscheidet sich beträchtlich. In 3,45 verkündet Gott Maria „ein Wort von ihm“ und führt dazu noch einiges Weitere aus.
    In 19,19 ist nur von einem „lauteren Jungen“ die Rede, den ihr der Bote (?) schenken wird.
  • Eine größere Übereinstimmung hingegen herrscht bei der Antwort Marias. Diese wird aber in 3,47 bzw. 19,21 wieder unterschiedlich beantwortet.

Wenn der Koran das unabänderliche ewige Wort des allwissenden Gottes ist, stellt sich die Frage, warum diese einzigartige Situation so unterschiedlich dargestellt wurde.

Wir dürfen ja nicht meinen, dass Gott vergesslich war und deswegen zwei Versionen „herabgesandt“ hat. Auch Gabriel müsste es gewusst haben. Er war immerhin direkt dabei.

Bei der Lösung dieses Problems ist uns der Koran behilflich:

Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qur’an nach? Wenn er von jemand anderem wäre als von Allah, würden sie in ihm wahrlich viel Widerspruch finden.
(Sure 4,82)

Offensichtlich ist der Koran nicht von Gott, sondern beruht auf widersprüchlichen menschlichen Überlieferungen.

So sind wir besser beraten, uns an die authentische Quelle, das Neue Testament, zu wenden. Lukas hat nicht behauptet, seinen Bericht durch eine wundersame Eingebung erhalten zu haben, sondern durch sorgfältiges Herangehen an die Quellen (Lukas 1,3). Vielleicht konnte Lukas sogar noch direkt mit Maria sprechen, es gab aber höchstens eine Zwischenstufe zwischen ihm und der Mutter Jesu. Das macht seinen Bericht glaubwürdiger als zwei einander widersprechende Texte aus dem 7. Jahrhundert.

Hier folgt seine Darstellung:

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. (Lukas 1,26-38)

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