Wo hat Jesus gesagt: „Ich bin Gott – betet mich an!“?

Diese Frage wird immer wieder von Muslimen gestellt, die dadurch zeigen wollen, dass die christliche Lehre über die Gottheit Jesu nicht seinem Willen entspräche.

In der Tat finden wir im Neuen Testament diesen Satz nicht im Munde Jesu. Wir finden aber verschiedene Beispiele dafür, dass Jesus den Anspruch gestellt hat, göttlich verehrt zu werden.

Wer kann Sünden vergeben außer Gott?

Und sie kommen zu ihm und bringen einen Gelähmten, von vieren getragen. […] Und als Jesus ihren Glauben sah, spricht er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden sind vergeben. Es saßen dort aber einige von den Schriftgelehrten und überlegten in ihren Herzen: Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer einem, Gott? Und sogleich erkannte Jesus in seinem Geist, dass sie so bei sich überlegten, und spricht zu ihnen: Was überlegt ihr dies in euren Herzen? Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Steh auf und nimm dein Bett auf und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – spricht er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus! Und er stand auf, nahm sogleich das Bett auf und ging vor allen hinaus, so dass alle außer sich gerieten und Gott verherrlichten und sagten: Niemals haben wir so etwas gesehen! (Markus 2,3.5-12)

Die Schriftgelehrten sahen in den Worten „Deine Sünden sind dir vergeben.“ eine Gotteslästerung, da nur Gott die Sünden vergeben kann. Jesus hat nicht argumentiert, dass er dem Gelähmten die Vergebung nur zugesagt habe, sondern er hat als Bekräftigung seiner Vollmacht zur Sündenvergebung den Gelähmten geheilt.

Wer hat Autorität über das Wetter?

Und als er in das Boot gestiegen war, folgten ihm seine Jünger. Und siehe, es erhob sich ein heftiger Sturm auf dem See, so dass das Boot von den Wellen bedeckt wurde; er aber schlief. Und sie traten hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Herr, rette uns, wir kommen um! Und er spricht zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige? Dann stand er auf und bedrohte die Winde und den See; und es entstand eine große Stille. Die Menschen aber wunderten sich und sagten: Was für einer ist dieser, dass auch die Winde und der See ihm gehorchen? (Matthäus 8,23-27)

Es war ein imposantes Wunder, aber in sich noch kein Beweis für die göttliche Natur Jesu. Die Jünger Jesu mag dieses Wunder an Psalm 107 erinnert haben, wo das rettende Handeln Gottes in einem Sturm auf dem Meer beschrieben wird:

Dann aber schrien sie zum HERRN in ihrer Not: und er führte sie heraus aus ihren Bedrängnissen. Er verwandelte den Sturm in Stille, und es legten sich die Wellen. (Psalm 107,28-29).

Gott, der Schöpfer, hat die Vollmacht über die Natur. Jesus hat in dieser Situation dem Sturm geboten. Es wird kein Gebet zum Vater berichtet, obwohl wir natürlich davon ausgehen müssen, dass Jesus in ständiger Verbindung zu seinem himmlischen Vater lebte. – Dieses Wunder ist kein Beweis, aber ein starker Hinweis darauf, dass hier jemand wirkt, der die Autorität dazu hat.

Verschiedene Aussagen Jesu über sich selbst

Ich sage euch aber: Größeres als der Tempel ist hier. (Matthäus 12,6)

Für die Juden war der Tempel als Ort, an dem Gott seinen Namen wohnen ließ, das Zentrum ihrer Anbetung. Jesus nannte sich „größer als der Tempel“.

Denn der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbats. (Matthäus 12,8)

Der Sabbat war neben der Beschneidung DAS Bundeszeichen Gottes an seinem Volk. Wenn Jesus von sich als dem Herrn des Sabbats spricht, was bedeutet das?

Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die Gesetzloses tun. (Matthäus 13,41)

Jesus, der Sohn des Menschen, sendet SEINE Engel aus. Sind nicht alle Engel die Engel Gottes? Jesus, der sonst immer vom Reich Gottes spricht, spricht hier von SEINEM Reich, das zwei Verse später das Reich des Vaters genannt wird. Jesu Reich und das Reich des Vaters sind dasselbe. Das heißt nicht, dass der Vater mit Jesus identisch ist, aber dass Jesus in derselben Weise wie der Vater der Herr über sein Reich ist.

Jesus ist der Richter der Welt.

Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. (Matthäus 16,27)

Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. (Matthäus 25,31-32)

Wer außer Gott kann alle Menschen richten? Der Richter muss, um ein gerechtes Urteil fällen zu können, jeden Menschen durch und durch kennen. Der „Richter der ganzen Erde“ (Genesis 18,25) muss über göttliche Eigenschaften verfügen. Er muss allwissend sein, sonst kann er nicht gerecht sein.

In besonderer Weise verbindet Jesus sein Amt als Richter mit der göttlichen Ehre, die ihm gebührt, in Johannes 5:

Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst; und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden; die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des Gerichts. (Johannes 5,21-28)

Jesus ist der, der richtet, er ist der, der ewiges Leben gibt. Er ruft die Toten aus den Gräbern. Er verdient dieselbe Ehre wie der Vater.

Jemand, der so geehrt werden will wie Gott, der Vater, ist enweder größenwahnsinnig, oder er ist göttlichen Wesens. Wäre Jesus nur Prophet, würde er diese Ehre nie beanspruchen, sondern nur auf die Ehre seines Vaters hinweisen. Aber hier sagt Jesus, dass Gott will, dass alle den Sohn so wie den Vater ehren. Sinngemäß sagt Jesus hier: Betet mich an! Denn wer mich nicht anbetet, betet auch den Vater nicht an.

Die „Ich bin“-Worte Jesu

Im Johannesevangelium macht Jesus verschiedentlich Aussagen über sich selbst, die er mit den Worten „Ich bin“ einleitet.

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten. (Johannes 6,35, vergleiche auch 6,48)

Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. (Johannes 10,9)

Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. […] Ich bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, … (Johannes 10,9.14)

Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. (Johannes 11,25)

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. (Johannes 14,6)

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. (Johannes 15,1)

Jesus sagt hier nicht: „Ich bin Gott“. Aber er erhebt den großen Anspruch, dass man nur durch ihn das Heil finden kann, nur durch ihn gerettet werden kann. Wer außer Gott könnte von sich sagen, das Leben oder die Wahrheit zu sein? Beim Wort vom „guten Hirten“ dachten Juden an Gott, den Hirten Israels (Psalm 23,1; 80,2; Ezechiel 34,15-16), aber auch an den verheißenen Messias, der im Auftrag Gottes der Hirte seines Volkes sein würde (Ezechiel 34,23).

Noch stärker wird der Anspruch Jesu dort sichtbar, wo er von sich als „ICH BIN“ ohne Attribute sprach.

Abraham, euer Vater, jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus. (Johannes 8,56-59)

Jesus sagt nicht: „Ehe Abraham war, bin ich gewesen“. Er spricht von sich in der Gegenwart. Das drückt Überzeitlichkeit aus. Noch klarer wird der Hinweis auf seinen göttlichen Anspruch, wenn wir hier auch eine Anspielung auf den Namen Gottes im Alten Testament sehen. Gott offenbarte sich dem Mose als „Ich bin, der ich bin“ (Exodus 3,14). Damit erklärte Gott seinen Namen Jahwe. Möglich ist auch eine Anspielung auf Jesaja 43,10: … damit ihr glaubt und einseht, dass ich bin (hebräisch: ani hu, griechisch wie in Joh 8,58: ego eimi).

Die Reaktion der Juden, dass sie Steine aufhoben, um sie auf Jesus zu werfen, zeigt klar, dass sie verstanden haben, dass er beanspruchte, Gott zu sein. Sie haben das als Gotteslästerung aufgefasst und entsprechend reagiert. Jesus hat sich nicht verteidigt, indem er ein „Missverständnis“ aufklären wollte, dass er das ja ganz anders gemeint hätte. Jesus hat tatsächlich diesen Anspruch erhoben. Für diesen Anspruch wurde er auch zum Tod verurteilt.

Das Bekenntnis des Thomas

Als es nun Abend war an jenem Tag, dem ersten der Woche, und die Türen, wo die Jünger waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und trat in die Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch! […] Thomas aber, einer von den Zwölfen, genannt Zwilling, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und Thomas bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und trat in die Mitte und sprach: Friede euch! Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben! (Johannes 20,19.24-29)

Als Thomas den auferstandenen Herrn Jesus sah, und alle seine Zweifel geschwunden waren, sprach er zu Jesus: „Mein Herr und mein Gott!“ Er nannte Jesus ausdrücklich seinen Gott. Jesus hat Thomas nicht zurechtgewiesen und hat ihn nicht korrigiert, dass er nur der Vater sein Gott sein könne.1 Ganz im Gegenteil! Jesus hat das Bekenntnis des Thomas zur Gottheit Jesu als Zeichen seines Glaubens gesehen und hat die seliggepriesen, die zu diesem Glauben kommen, ohne Jesus als Auferstandenen gesehen zu haben.

All diese Beispiele aus den Evangelien zeigen, dass die Verehrung Jesu als wahren Gott nicht eine spätere Fehlentwicklung der Kirche ist, sondern auf Jesus Christus selbst zurückgeht, der den Anspruch, Gott zu sein, in Wort und Tat erhoben hat. Gott, der Vater, mit dem Jesus in untrennbarer Einheit des einen göttlichen Wesens verbunden ist, hat diesen Anspruch durch zahlreiche Wunder und vor allem durch die Auferstehung Jesu bestätigt.

Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die vier lebendigen Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an. (Offenbarung 5,13-14)


  1. Man vergleiche die Reaktion von Petrus in Apostelgeschichte 10,25-26 und des Engels in Offenbarung 19,10; 22,8-9. 

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