Die Gottheit Jesu im Koran

Es steht außer Frage, dass im Islam und im Koran, so wie er uns heute vorliegt, die Lehre von der göttlichen Natur Jesu abgelehnt wird.

So heißt es etwa in Sure 5:

Und wenn Allah sagt: „O ′Isa, Sohn Maryams, bist du es, der zu den Menschen gesagt hat: ,Nehmt mich und meine Mutter außer Allah zu Göttern!‘?“, wird er sagen: „Preis sei Dir! Es steht mir nicht zu, etwas zu sagen, wozu ich kein Recht habe. Wenn ich es (tatsächlich doch) gesagt hätte, dann wüßtest Du es bestimmt. Du weißt, was in mir vorgeht, aber ich weiß nicht, was in Dir vorgeht. Du bist ja der Allwisser der verborgenen Dinge. (Sure 5,116)

Allah sollte zwar bekannt sein, dass die Lehre der Dreieinigkeit nicht besagt, dass Jesus und Maria als Götter neben ihm verehrt werden. Aber zumindest wird hier klar ausgedrückt, dass die Lehre von der Gottheit Jesu abgelehnt wird.

Ebenso lehnt der Koran in Sure 9,30 die Gottessohnschaft Jesu ab:

Die Juden sagen: „‚Uzair ist Allahs Sohn“, und die Christen sagen: „Al-Masih ist Allahs Sohn.“ Das sind ihre Worte aus ihren (eigenen) Mündern. Sie führen ähnliche Worte wie diejenigen, die zuvor ungläubig waren. Allah bekämpfe sie! Wie sie sich (doch) abwendig machen lassen!

Dennoch gibt es Stellen im Koran, die Hinweise auf die göttliche Natur Jesu enthalten. Möglicherweise gab es in der Entwicklungsgeschichte des Korans frühere Stufen, in denen die Gottheit Jesu noch nicht abgelehnt wurde.1

An zwei Stellen wird Jesus das Wort Gottes genannt, an einer von ihnen auch Geist Gottes.

Als die Engel sagten: „O Maryam, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name al-Masih ′Isa, der Sohn Maryams ist, angesehen im Diesseits und Jenseits und einer der (Allah) Nahegestellten.“ (Sure 3,45)

O Leute der Schrift, übertreibt nicht in eurer Religion und sagt gegen Allah nur die Wahrheit aus! al-Masih ′Isa, der Sohn Maryams, ist nur Allahs Gesandter und Sein Wort, das Er Maryam entbot, und Geist von Ihm. (Sure 4,171a)

Auf diese beiden Stellen wird hier und hier besonders eingegangen. In diesem Beitrag möchte ich nur darauf hinweisen, dass das Wort wesensmäßig zum Sprecher gehört. Deswegen nehmen Muslime auch an, dass der Koran als das Wort Gottes ewig ist. Wenn Jesus das Wort Gottes ist, dann ist auch er ewig, so ewig wie sein Vater. Die christliche Lehre von der göttlichen Natur Jesu besagt nicht, dass er der Vater ist, sondern dass er am göttlichen Wesen seines Vaters teilhat. Das Wort Gottes und der Geist Gottes sind wesenhaft mit ihm verbunden. Es gibt Gott nicht ohne sein Wort oder seinen Geist. Wenn nun der Koran über Jesus als Wort und Geist Gottes spricht, bedeutet das zwangsläufig, dass es Gott nicht ohne ihn gibt. Dass Jesus als Mensch einen konkreten Anfang bei seiner Empfängnis im Schoß Marias hatte, ist eine andere Sache. Als Mensch hatte Jesus einen Anfang. Hinsichtlich seiner göttlichen Natur ist er ohne Anfang und Ende, ewig wie sein Vater.

Das auch im Koran überlieferte Wunder, dass Jesus als Mensch nur eine Mutter, aber keinen Vater hatte, ist zwar kein direkter Beweis für die Gottheit Jesu, weist aber in diese Richtung. Was hätte uns Gott durch dieses Wunder sonst sagen wollen?

Beachtenswert ist auch, dass im Zusammenhang mit dem aus apokryphen Quellen übernommen Wunder der Erschaffung von Vögeln aus Lehm ausdrücklich gesagt wird, dass Jesus geschaffen hat.

[…] daß ich euch aus Lehm (etwas) schaffe, (was so aussieht) wie die Gestalt eines Vogels, und dann werde ich ihm einhauchen, und da wird es ein (wirklicher) Vogel sein. […] (aus Sure 3,49)

[…] und als du aus Lehm mit Meiner Erlaubnis (etwas) schufst, (was so aussah) wie die Gestalt eines Vogels, und ihr dann einhauchtest, und sie da ein (wirklicher) Vogel wurde mit Meiner Erlaubnis; […] (aus Sure 5,110)

Beide koranischen Texte sprechen darüber, dass Jesus geschaffen hat. Das Verb aus der Wurzel khā lām qāf (خ ل ق) hat an allen anderen Stellen im Koran die Bedeutung „schaffen“ im Sinne eines göttlichen Handelns. Siehe dazu diese Aufstellung im Corpus Quran.

In Sure 22,73 heißt es:

O ihr Menschen, ein Gleichnis wird (euch) angeführt‘, so hört darauf. Gewiß, diejenigen, die ihr anstatt Allahs anruft, werden nicht (einmal) eine Fliege erschaffen (können), auch wenn sie sich dafür zusammentäten. […]

Einzig Gott ist Schöpfer. Wenn Jesus schafft, dann weist das auf seine göttliche Natur hin.

Auch die anderen im Koran (Sure 3,49; 5,110) erwähnten Wunder Jesu zeigen seine besondere Autorität. Er hat Blinde und Aussätzige geheilt. Er hat Tote auferweckt. Im Vergleich dazu berichtet der Koran über kein einziges Wunder Mohammeds. Der Koran betont im Hinblick auf die Wunder, dass Jesus diese mit Gottes Erlaubnis gewirkt hat. Das ist insofern korrekt, dass Jesus immer in vollkommener Einheit mit seinem Vater gewirkt hat. Gott hat auch durch andere Gottesmänner gehandelt wie Elija und Elischa im Alten Testament. Aber im Vergleich zu anderen Gottesmännern gab es bei Jesus eine besondere Häufung an Wundern. Sollte das nicht darauf hinweisen, dass die Autorität Jesu höher war als die der Gottesmänner, die vor ihm kamen?

Weiters sollte auch Sure 3,50 Muslime zum Nachdenken bringen. Der koranische Jesus sagt dort:

Und das zu bestätigen, was von der Tora vor mir (offenbart) war, und um euch einiges von dem zu erlauben, was euch verboten war. Und ich bin mit einem Zeichen von eurem Herrn zu euch gekommen; so fürchtet Allah und gehorcht mir!

Jesus hat eine Position, die höher ist als die Thora, das durch Mose gegebene Gesetz Gottes. Er konnte Dinge, die vorher verboten waren, erlauben. Wer Gott fürchtet, gehorcht Jesus. Wenn Gottesfurcht bedeutet, Jesus zu gehorchen, so ist das aufs Erste eine Aufforderung an alle Muslime, die Worte Jesu im Evangelium kennenzulernen. Nur wer die Worte Jesu kennt, kann ihm gehorchen. Dieses Wort deutet aber auch die göttliche Autorität Jesu an. Auch wenn dieser Koranvers keinen zwingenden Beweis für die Gottheit Jesu darstellt, zeigt er mindestens die große Autorität seiner Worte. Wer immer sein Leben in Gottesfurcht führen will, muss Jesus gehorchen.

Wir finden also verschiedene unterschiedlich starke Indizien, die in die Richtung weisen, dass Jesus göttlichen Wesens ist, auch wenn in anderen Abschnitten des Korans und in der islamischen Tradition diese Lehre abgelehnt wird.

Da der Koran an keiner Stelle lehrt, dass das Evangelium verfälscht worden ist, was auch den Worten Jesu entspricht, dass seine Worte nicht vergehen werden (Markus 13,31), sollen wir den unverfälschten Worten Jesu im Evangelium glauben, in denen er beansprucht, dass er dieselbe Ehre empfängt wie sein Vater:

[…] damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat. (Johannes 5,23)

Mehr über seinen Anspruch, Gott zu sein, kann man hier lesen. Ich möchte alle Muslime, aber auch alle Nichtmuslime dazu ermuntern, Jesus so kennenzulernen, wie er sich offenbart hat. Seine unverfälschten Worte finden wir im Evangelium, im Neuen Testament.

28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. (Johannes 20,28-29)


  1. Das islamische Narrativ von der direkten Offenbarung des Korans durch den Erzengel Gabriel an Mohammed innerhalb von 22 Jahren wird von zahlreichen Forschern vermehrt infrage gestellt. 

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