Zum Herrn und Christus gemacht.

Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. (Apostelgeschichte 2,36)

Mit diesen Worten schloss Petrus die „Pfingstpredigt“ ab, die erste Verkündigung des Evangeliums in der Öffentlichkeit nach der Auferstehung Jesu und der Ausgießung des Heiligen Geistes.

Was bedeutet es, dass Gott Jesus zum Herrn und Christus gemacht hat? War Jesus nicht schon immer der Christus und Herr? Christus, auf Griechisch χριστός / christós, meint den Gesalbten des Herrn, den Messias, den von den Propheten verheißenen und den Juden erwarteten Erlöser.

Schon am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu sagte Andreas zu seinem Bruder Simon (Petrus):

Wir haben den Messias gefunden – das heißt übersetzt: Christus. (Johannes 1,41b)

Später hat Petrus das bestätigt:

Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! (Matthäus 16,16)

Doch sollte diese Erkenntnis der Jünger kein Thema der Verkündigung während des irdischen Wirkens Jesu sein.

Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei. (Matthäus 16,20)

Das hing auch damit zusammen, dass viele Juden einen Messias erwarteten, der vor allem politisch und / oder militärisch aktiv werden sollte. Er sollte die gottlosen Römer aus dem Land Israel vertreiben und das Reich Israel nach dem Vorbild Davids wieder errichten. Da Jesus dieser Erwartung nicht entsprach, was auch die Jünger während der Zeit, die sie mit ihm zusammen waren, erst lernen mussten, war die Messianität Jesu kein Thema der Verkündigung.

Zusätzlich passte der schändliche Tod am Kreuz, ein Tod, der Jesus als einen von Gott verfluchten Menschen zu erweisen schien, ganz und gar nicht in das verbreitete Bild des Messias.

Und nun, circa fünfzig Tage nach der Hinrichtung und Auferstehung Jesu, sagte Petrus seinen Zuhörern, dass genau dieser Jesus, der diesen schändlichen Tod am Kreuz sterben musste, der Messias ist.

Gott hat ihn insofern zum Messias gemacht, als er durch die Auferstehung zum machtvollen Messias wurde. Während seines irdischen Lebens war er der erniedrigte Messias, ganz besonders in seinem Leiden und Sterben. Nun aber hat Gott ihn erhöht. Er ist der Herr über alle, der Richter, vor dem alle Menschen erscheinen müssen.

Das finden wir auch am Anfang des Römerbriefes:

[…] 3 das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, 4 der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. (Römer 1,3-4)

Seit (oder: durch, aufgrund) der Auferstehung ist Jesus Sohn Gottes in Macht. Er war schon immer Sohn Gottes. Doch durch die Auferstehung hat er die machtvolle Position, die dem Messias gebührt. Nach jüdischem Verständnis ist er dadurch zum Messias geworden.

Er hat sich damals, und nicht erst, wie von den Zeugen Jehovas behauptet wird, 1914, auf den Thron des Vaters gesetzt.

Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe. (Offenbarung 3,21)

Ebenso wie er schon immer der Messias war, war er immer schon der Herr. Das griechische Wort für „Herr“ κύριος / kýrios wurde in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, für den Gottesnamen JHWH verwendet. Jesus, das menschgewordene Wort Gottes, hat durch die Auferstehung und Himmelfahrt seine göttliche Würde, die er während seiner Erniedrigung hintangestellt hatte, die ihm aber auch damals gebührte, wieder in vollem Ausmaß erlangt.

6 Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, 7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; 8 er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. 9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, 10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu 11 und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper 2,6-11)

Jesus hat den Namen, der größer ist als alle Namen. Vor ihm sollen alle Knie sich beugen. Dem einst Gekreuzigten und Verachteten gehört alle Macht im Himmel und auf der Erde. Ihm sollen wir die Ehre geben, die ihm allein gebührt und in seinem Dienst leben.

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