Mohammed in Jesaja 60?

Im Koran wird der Prophet Jesaja nie namentlich erwähnt. Man findet auch keine Zitate aus seinem Buch. Das spricht dafür, dass der Autor des Korans diesen großen Propheten nicht gekannt hat. Dennoch ist Jesaja bei islamischen Apologeten sehr beliebt. Man hat versucht, in verschiedenen Stellen seines Buches Mohammed angekündigt zu finden. Ich habe mich schon mit den Worten aus den Kapiteln 21, 29 und 42 beschäftigt, die auf den Propheten des Islam bezogen werden, beschäftigt.

Ich bin nun auf einen islamischen Text gestoßen, in dem Jesaja 60 auf Mohammed und die Ausbreitung des Islams gedeutet wird.

Jesaja 60 spricht über die herrliche Zukunft Jerusalems. Es geht einerseits um die Rückkehr der zerstreuten Juden aus dem Exil. Aber es wird auf eine viel größere Herrlichkeit hingewiesen, die erst in der ewigen Gemeinschaft mit Gott volle Wirklichkeit sein wird.

Doch nun zur islamischen Interpretation. Ich gehe die Punkte der Reihe nach durch.


Jesaja 60:1 „Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.” Im Vergleich dazu Qur’an, Sure 74, Vers 1-3: „O du Bedeckter (Muhammad)! Erhebe dich und warne und verherrliche deinen Herrn.“

Im Jesajatext ist Jerusalem angesprochen. Das geht eindeutig aus Vers 14 hervor, wo es heißt:

Man nennt dich Stadt des HERRN und Zion des Heiligen Israels.

Zion ist Jerusalem.

In Sure 74 wird ein „Bedeckter“, der nach der üblichen Interpretation Mohammed ist, dazu aufgerufen, seinen Herrn zu verherrlichen. Dort steht nichts darüber, dass er Licht werden sollte, und dass die Herrlichkeit des Herrn über ihm aufgeht.


„Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ Die Berufung des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien mit ihm, fand zu einer Zeit spiritueller Finsternis statt, in der die Menschen die, von Abraham und allen anderen Propheten Allahs, gelehrte Einheit Gottes vergessen hatten.

In Jesaja 60,2 ist tatsächlich eine geistliche Finsternis angesprochen, die über den Völkern liegt, die Gott nicht kennen. Doch über Jerusalem geht strahlend der HERR auf, über ihm erscheint die Herrlichkeit Gottes. Es geht um die besondere Bedeutung des Volkes Israel, das sein Zentrum in Jerusalem hatte. Aus Israel ist der Messias, der Sohn Gottes, gekommen, der in Johannes 8,12 über sich selbst gesagt hat:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Durch ihn ist das Licht Gottes über das Volk Israel hinaus zu anderen Völkern gekommen. Auch wenn zur Zeit Mohammeds tatsächlich zu beklagen war, dass die damalige offizielle Kirche in vielen Punkten den Weg Jesu verlassen hatte, war die Einheit Gottes trotzdem nicht in Vergessenheit geraten.


„Heidenvölker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz.“ Jesus hatte gesagt: „Folgt nicht dem Weg der Heiden (Nichtjuden).“ Hier sind es die Heiden, die zum letzten Propheten kommen. Wie du erkennen kannst, bezieht sich diese Textstelle nicht auf Jesus, sondern vielmehr auf den letzten Propheten Muhammad, dessen Anhänger von überall auf der Welt herkommen, also auch Nichtjuden bzw. Heiden sind.

Hier geht es um Jesaja 60,3. Es war Israels Aufgabe, das Licht Gottes für alle Völker scheinen zu lassen. Es geht hier nicht um einen arabischen Propheten, der nicht aus dem Volk Israel war, sondern sogar aktiv gegen die Juden Krieg geführt hat.

Jesus hat von sich selbst, wie schon oben angeführt, gesagt, dass er das Licht der Welt ist. Hätte Israel Jesus als Messias anerkannt, hätte das Volk sein Licht zu allen Völkern getragen. Diesen Weg haben die meisten jüdischen Zeitgenossen Jesu verworfen. Auch wenn Jesus während seines irdischen Wirkens fast nur zu Juden gesprochen hat, hat nach seiner Auferstehung die Gemeinde sein Licht zu den Völkern gebracht. Mehr zur Erklärung von Matthäus 10,5-6, auf das der islamische Kommentar anspielt, gibt es in einem eigenen Beitrag zu lesen.


„Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir.“ Innerhalb von 23 Jahren wurde die ganze arabische Halbinsel vereint und hatte den Islam angenommen.

Der Kommentator hat leider nur den ersten Teil von Jesaja 60,4 angeführt. Der ganze Vers lautet:

Erhebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln sich, kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter werden auf der Hüfte sicher getragen.

Es geht um Israels Söhne und Töchter, die von fern kommen. Zu allererst geht es um die Rückkehr aus dem Exil. Im weiteren Sinn kann man diesen Vers vielleicht auf die geistlichen Söhne und Töchter Israels beziehen. Diese kommen aber nicht nach Mekka, sondern nach Jerusalem, wenn nicht zum irdischen Jerusalem, dann zum oberen, himmlischen Jerusalem, das die Mutter der Gläubigen ist.

Aber das Jerusalem oben ist frei; und dieses ist unsre Mutter. (Galater 4,26)

Überdies wurde die ganze arabische Halbinsel von Mohammed nicht auf friedliche Weise vereint, sondern durch zahlreiche Kriege. Es war nicht allein die Botschaft, die die Menschen überzeugt hat, sondern vielmehr das Schwert.


„(…) der Reichtum des Meeres wird dir zugewandt, die Schätze der Heidenvölker werden zu dir kommen.“ Innerhalb von weniger als einem Jahrhundert hat sich der Islam weit über die arabische Halbinsel hinaus in andere Länder ausgebreitet – von den spanischen Pyrenäen bis nach China. Heutzutage gibt es in allen Ländern der Welt Muslime!

Hier wird Jesaja 60,5 erklärt. Wiederum ist zu sagen, dass es um Jerusalem geht und nicht um Mekka oder Mohammed. Ebenso ist wieder festzuhalten, dass die Schätze der Heidenvölker zu einem großen Teil nicht freiwillig zu den Arabern gekommen sind, sondern durch Raubzüge und Kriege.

Offenbarung 21,24.26 bezieht das auf das neue Jerusalem, das vom Himmel herabkam, in das die Völker ihre geistlichen Schätze bringen:

24 Die Völker werden in diesem Licht einhergehen und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen. […] 26 Und man wird die Pracht und die Kostbarkeiten der Völker in die Stadt bringen.


„Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.“
„Alle Schafe von Kedar scharen sich bei dir, die Widder von Nebajot stehen in deinem Dienst. Als willkommene Opfer steigen sie auf meinen Altar; so verherrliche ich das Haus meiner Herrlichkeit.” Die Stämme von Kedar (Arabien) wurden vereint. „Das Haus meiner Herrlichkeit“ ist Allahs Haus in Mekka und nicht die Geburtskirche, wie christliche Kommentatoren vermuten. „Haus“ wird hier im Singular verwendet, da es nur ein Haus gibt, dass die Muslime einmal in ihrem Leben besuchen müssen und das ist das Haus in Mekka, die Ka’ba. Die Christen haben dahingegen keine ähnliche Vorschrift, den Vatikan oder irgendeine Kirche einmal im Leben zu besuchen, denn die gab es vor Jesus noch gar nicht. Das Haus Allahs gab es schon zur Zeit von Moses, David, Jesus und Muhammad, da es von den Propheten Abraham und Ismael erbaut wurde, Allahs Segen und Frieden seien mit ihnen allen. Es ist eine Tatsache, dass die Dörfer von Kedar (heute in Saudi-Arabien) das einzige Land sind, das von jeglichem Einfluss des Christentums unberührt geblieben ist.

Es geht hier um die Jesaja 60,6-7.

Das „Haus meiner Herrlichkeit“ ist der Tempel in Jerusalem, nicht die Ka’ba, auch nicht die Geburtskirche. Mir ist keine christliche Erklärung auf die Geburtskirche bekannt. Im Volk Israel war der Tempel in Jerusalem der einzige Ort, wo sie opfern durften. Der große Brandopferaltar vor dem Tempelgebäude war der Platz, an dem die Schafe und Widder geopfert wurden. Mir ist nicht bekannt, dass es bei der Ka’ba in Mekka einen Altar gibt.

Der alttestamentliche Prophet hat das Kommen der Völker zum Volk Gottes im Rahmen der Verhältnisse seiner eigenen Zeit erwartet. Die Opfer im Tempel von Jerusalem gibt es nicht mehr. Sie haben ihre Erfüllung im einmaligen Opfer des Herrn Jesus Christus gefunden, der sich selbst als Opfer für alle Menschen hingegeben hat. Seine Nachfolger schlachten keine Opfertiere, sondern bringen sich selbst als lebende Dankopfer dar.

1 Ich ermahne euch also, Brüder, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst. 2 Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene! (Römer 12,1-2)

Diese Opfer sind nicht an einen besonderen Ort gebunden, wie es auch Jesus im Gespräch mit einer samaritanischen Frau gesagt hat:

21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. 23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. 24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Johannes 4,21-24)

Die Kirchenbauten, die im Namen des Christentums errichtet wurden, waren ein Ungehorsam gegen die Worte Jesu. Die ersten Christen haben derartige Bauten nicht errichtet. Für Christen gibt es keine „heiligen“ Orte. Gott will an jedem Ort im Geist und in der Wahrheit angebetet werden. Sein „Haus“ ist die Gemeinde der Gläubigen, die sich selbst als geistliche Opfer darbringen.

Sein Haus sind wir, wenn wir an der Zuversicht und an der Hoffnung festhalten, derer wir uns rühmen. (Hebräer 3,6b)

Es gibt keinen archäologischen Hinweis darauf, dass die Ka’ba in Mekka von Abraham erbaut worden wäre. Hätte es dieses Haus dennoch schon zur Zeit Moses, Davids und Jesu gegeben, kann man nur feststellen, dass es von diesen Gottesmännern ignoriert worden ist.

Es ist auch nicht korrekt, dass das Gebiet des heutigen Saudi-Arabien vom Christentum unberührt geblieben ist. Sogar die islamische Tradition bezeugt, dass es im Nadschran, im Süden des heutigen Saudi-Arabiens Christen gab (z. B. Sahih Muslim 2135). Es soll sogar ein Marienbild in der Ka’ba in Mekka gegeben haben. Das wäre freilich ein Hinweis auf ein bereits entstelltes Christentum. Kedar befand sich in Nordwestarabien. Mehr dazu gibt es hier zu lesen. In Parallele dazu wird Nebajot genannt, die späteren Nabatäer. Diese waren in unmittelbarer Nähe zu Israel. Es wäre höchst erstaunlich, wenn diese Gebiete „von jeglichem Einfluss des Christentums unberührt“ geblieben wären. Immerhin waren schon bei der ersten Verkündigung der christlichen Botschaft durch Petrus Araber anwesend (Apostelgeschichte 2,11).

Dass die Muslime später gegen alles Nichtmuslimische mit Gewalt vorgegangen sind, ist ein anderes Kapitel.


„Deine Tore bleiben immer geöffnet, sie werden bei Tag und bei Nacht nicht geschlossen, damit man den Reichtum der Heidenvölker zu dir hineintragen kann; auch ihre Könige führt man herbei.“ Es ist auch eine Tatsache, dass die Moschee um die Ka’ba herum in Mekka Tag und Nacht geöffnet ist, seitdem der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien mit ihm, vor 1400 Jahren die Götzen daraus hat entfernen lassen. Sowohl Führer als auch einfache Leute kamen und kommen dorthin zur Pilgerfahrt.

Der besprochene Vers ist Jesaja 60,11.

Ich kann nur wiederholen, dass dieser Abschnitt nicht über Mekka spricht. Daher ist es irrelevant, ob die Tore dort offen oder geschlossen sind. Im Rahmen von Corona wurden sie übrigens geschlossen.

Das Buch der Offenbarung greift diese Verheißung auf und bezieht sie auf das neue Jerusalem.

24 Die Völker werden in diesem Licht einhergehen und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen. 25 Ihre Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen – Nacht wird es dort nicht mehr geben. 26 Und man wird die Pracht und die Kostbarkeiten der Völker in die Stadt bringen. (Offenbarung 21,24-26)

Interessanterweise heißt es in der Offenbarung auch, dass es keine Nacht mehr geben wird. Das passt ganz gut zu Jesaja 60,19-20, zwei Versen, die in der islamischen Erklärung nicht vorkommen.

19 Nicht mehr die Sonne wird dein Licht sein, um am Tage zu leuchten, noch wird dir der Mond als heller Schein leuchten, sondern der HERR wird dir ein ewiges Licht sein und dein Gott dein herrlicher Glanz. 20 Deine Sonne geht nicht mehr unter und dein Mond nimmt nicht mehr ab; denn der HERR ist dein ewiges Licht, zu Ende sind die Tage deiner Trauer.

Das passt keinesfalls auf Mekka. Es wird sich aber im himmlischen Jerusalem erfüllen, über das es im Buch der Offenbarung heißt:

Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm. (Offenbarung 21,23)
Es wird keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit. (Offenbarung 22,5)


Anhand der eben genannten Punkte lässt sich erkennen, dass alle Prophezeiungen perfekt auf den Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien mit ihm, zutreffen. Man braucht sich nicht sonderlich anzustrengen, um die Wahrheit der erwähnten Prophezeiungen zu sehen.

Wenn man sich zumindest ein bisschen anstrengt und das ganze Kapitel liest, wird klar, das manches zwar nicht einfach zu erklären ist, aber eindeutig ist, dass Mohammed und der Islam nicht der Inhalt der Verheißungen sind.

Auch Muslime sind eingeladen, zu Jesus Christus, dem Licht der Welt, zu kommen. Er hat auch für sie den Zugang zum neuen Jerusalem eröffnet. Dann gilt auch für sie:

Dein Volk besteht nur aus Gerechten; sie werden für immer das Land besitzen, Spross meiner Pflanzung, Werk meiner Hände zum herrlichen Glanz. (Jesaja 60,21)

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