Mohammed in Jesaja 42?

Auf einer Website, die für den Islam wirbt, habe ich folgenden Text gefunden:

Das Alte Testament prophezeit das Kommen eines Propheten aus Arabien, der von den Nachkommen von Kedar ist. Die Verse aus [Jesaja 42] beschreiben das Kommen eines Propheten, über welcher Gott sich auf „mein Bote“ [Jesaja 42:19] bezieht. Dieser Bote würde von „… die Dörfer, die Kedar bewohnt“ [Jesaja 42:11] sein, was bedeutet, dass der Gesandte aus Arabien hervorkommen wird, weil dort die Dörfer der Nachkommen von Kedar lebten, bezogen auf [Jesaja 21]. Dieser Bote würde „Abrechnung“, „Licht“ und „Gesetz“ zu den „Heiden“ [Jesaja 42:1-4] bringen. „Heiden“ ist ein Begriff, der sich auf die Nichtjuden bezieht. Dieser Bote sollte ein „Mann des Krieges“ sein, der zuerst verfolgt werden würde, und dann die Götzenanbeter bekämpfen und vernichten würde [Jesaja 42:13-17]. Diese Beschreibung passt exakt zu Mohammad (Friede und Segen auf ihm). Er (Friede und Segen auf ihm) kam aus Arabien und war ein direkter Nachkomme von Kedar. Er wurde zuerst verfolgt und dann kämpfte und besiegte er die Götzendiener, bis er schlussendlich Herrscher der arabischen Halbinsel wurde.

Es empfiehlt sich, den Text von Jesaja 42 im Zusammenhang zu lesen. Ich kopiere hier den Text der Einheitsübersetzung inklusive der dort verwendeten (nicht ursprünglichen) Überschriften.

1 Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht. 2 Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen. 3 Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. 4 Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf seine Weisung warten die Inseln. 5 So spricht Gott, der HERR, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der dem Volk auf ihr Atem gibt und Geist allen, die auf ihr gehen. 6 Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich zum Bund mit dem Volk, zum Licht der Nationen, 7 um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, aus der Haft. 8 Ich bin der HERR, das ist mein Name; ich überlasse die Ehre, die mir gebührt, keinem andern, meinen Ruhm nicht den Götzen. 9 Siehe, das Frühere ist eingetroffen, Neues kündige ich an. Noch ehe es zum Vorschein kommt, mache ich es euch bekannt.

10 Singt dem HERRN ein neues Lied, seinen Ruhm vom Ende der Erde her, die ihr das Meer befahrt, seine Fülle, die Inseln und ihre Bewohner! 11 Die Wüste und ihre Städte sollen sich freuen, die Dörfer, die Kedar bewohnt. Die Bewohner von Sela sollen singen vor Freude und jubeln auf den Gipfeln der Berge. 12 Sie sollen dem HERRN die Ehre geben, sein Lob auf den Inseln verkünden.

13 Der HERR zieht in den Kampf wie ein Held, er entfacht seine Leidenschaft wie ein Krieger. Er erhebt den Schlachtruf und schreit, er zeigt sich als Held gegenüber den Feinden. 14 Ich hatte sehr lange geschwiegen, ich war still und hielt mich zurück. Wie eine Gebärende will ich nun schreien, ich stöhne und ringe um Luft. 15 Die Berge und Hügel dörre ich aus und lasse ihr Gras völlig vertrocknen. Flüsse mache ich zu Inseln und Teiche lege ich trocken. 16 Blinde führe ich auf Wegen, die sie nicht kennen, auf unbekannten Pfaden lasse ich sie wandern. Die Finsternis vor ihren Augen mache ich zu Licht; was krumm ist, mache ich gerade. Das sind die Taten, die ich vollbringe, und ich lasse davon nicht mehr ab. 17 Alle müssen weichen und werden beschämt, die auf Götzenbilder vertrauen, die zu gegossenen Bildern sagen: Ihr seid unsere Götter.

18 Ihr, die ihr taub seid, hört, ihr Blinden, blickt auf und seht her! 19 Wer ist so blind wie mein Knecht und so taub wie der Bote, den ich sende? Wer ist so blind wie der Wiederhergestellte und so blind wie der Knecht des HERRN? 20 Vieles hast du gesehen, aber es nicht beachtet; die Ohren sind offen und doch hört er nicht. 21 Dem HERRN hat es um seiner Gerechtigkeit willen gefallen, die Weisung groß und herrlich zu machen. 22 Doch es ist ein beraubtes, ausgeplündertes Volk, gefangen in Kerkern, in Gefängnissen verschwunden. Sie sind zur Beute geworden und niemand rettet; zur Plünderung und niemand sagt: Gib zurück! 23 Wer von euch vernimmt diese Worte, wer merkt auf und hört künftig darauf? 24 Wer lieferte Jakob der Plünderung aus und Israel denen, die Beute machen? War es nicht der HERR, gegen den sie sündigten? Sie wollten nicht auf seinen Wegen gehen, sie hörten nicht auf seine Weisung. 25 Da goss er über sie seinen glühenden Zorn aus und den Schrecken des Krieges: Ringsum hat er sie umlodert, doch sie merkten es nicht; du hast sie in Brand gesetzt, doch sie nahmen es sich nicht zu Herzen.

Kurze Einführung in das Kapitel

Auch wenn die Überschriften von den Herausgebern der Einheitsübersetzung eingefügt wurden, weisen sie doch darauf hin, dass Kapitel 42 kein einheitlicher Text ist, sondern aus verschiedenen in sich geschlossenen Einheiten besteht.

Die Verse 1-8 sprechen über das Kommen eines Knechtes Gottes, der sein Erwählter ist. Er bringt das Licht Gottes zu den Nationen, ist aber auch der Bund seines Volkes Israel. Er öffnet Blinden die Augen und führt Gefangene in die Freiheit.

Dieses Kommen des Knechtes Gottes ist Grund für ein neues Lied, das die Völker zum Lobpreis Gottes singen (Verse 10-12).

Ein neues Thema wird in den Versen 13-17 angesprochen. Dort erscheint Gott als ein Krieger, der sein Volk mit Macht befreit. Hier ist der Zusammenhang der historische Hintergrund der Kapitel 40-55 des Jesaja-Buches, wo es um die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil geht. Gott führt sein Volk auf unbekannten Pfaden zurück in ihr Land Israel.

Im selben Zusammenhang sind auch die Verse 18-25 zu verstehen. Der blinde und taube Knecht von Vers 18 ist nicht der Knecht von Vers 1, der in Vers 7 den Blinden die Augen öffnet. Der blinde und taube Knecht ist das Volk Israel, das wegen seiner Sünden ins Exil musste. Gott selbst hat sie in die Gefangenschaft geschickt, damit sie die Konsequenzen ihrer Sünden erkennen und umkehren.

Zur islamischen Interpretation

Dem Schreiber des oben angeführten Textes ist offensichtlich nicht bewusst, dass in Jesaja 42 von zwei verschiedenen Knechten die Rede ist, da gleich am Anfang auf Vers 19 verwiesen wird.

Ebenso wenig steht in Vers 11, dass dieser Knecht von „… den Dörfern, die Kedar bewohnt“ sein werde. Diese Dörfer sollen sich freuen, gemeinsam mit der Wüste und ihren Städten, den Inseln und ihren Bewohnern. Das Kommen des Knechtes Gottes ist der Grund für die Freude, die allen Menschen weltweit, vom Meeresstrand bis zu den Wüsten, zuteilwerden wird. Mit derselben Argumentation könnte man sagen, dass der Knecht von einer Insel stammen müsste.

Kedar wird in Psalm 120,5-6 als ein Ort dargestellt, in dem Menschen wohnen, die den Frieden hassen. Doch selbst für diese Menschen wird der in Jesaja 42 verheißene Knecht kommen.

Überdies lebte der Stamm Kedar nicht in der Gegend von Mekka und Medina, sondern in Nordwestarabien und drang im 5. Jahrhundert bis in den Süden Kanaans vor. Auch das in Jesaja 42,11 erwähnte Sela ist im Nordwesten Arabiens zu suchen. Es handelt sich nicht um einen Berg in Medina, wie von Muslimen manchmal behauptet wird, sondern um eine Örtlichkeit im Süden des heutigen Jordanien.

Mohammed war nach Ibn Ishak, der die erste Biografie Mohammeds schrieb, kein Nachkomme von Kedar, sondern von dessen Bruder Nabit.

Besonders kühn, ja gotteslästerlich, ist es, wenn Muslime Jesaja 42,13-17 auf Mohammed beziehen. Vers 13 sagt klar:

Der HERR zieht in den Kampf wie ein Held, er entfacht seine Leidenschaft wie ein Krieger. […]

Der Autor der eingangs zitierten Zeilen schämt sich nicht, eine Stelle, die eindeutig von Gott spricht, auf Mohammed zu beziehen. Entweder ist dieser Mensch wirklich nicht fähig, einen Text in seinem Zusammenhang zu verstehen, was ich eher nicht annehme, oder er ist schlicht und einfach verlogen. Er hofft, dass niemand sich die Mühe macht, den ganzen Text im Kontext nachzulesen. Wer in seiner Argumentation zu Lügen greift, ist gewiss kein Diener der Wahrheit.

Festzuhalten ist auch, dass nach Jesaja 42,6 der verheißene Knecht zum Bund mit dem Volk Israel werden sollte. Jesus kam und predigte den Juden. Auch wenn die Mehrheit ihn ablehnte, haben doch viele an ihn geglaubt. Mohammed wurde nicht zum Bund für Israel. Er hat die Juden in Medina verfolgt und vernichtet. Die große Mehrheit der Juden, die anderswo lebten, hat damals nichts von ihm gehört.

Wer ist dieser Knecht?

Im Neuen Testament wird Jesaja 42 auf Jesus Christus bezogen:

15 Als Jesus das erfuhr, ging er von dort weg. Viele folgten ihm nach und er heilte sie alle. 16 Er gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten, 17 damit erfüllt werde, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: 18 Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem ich Gefallen gefunden habe. Ich werde meinen Geist auf ihn legen und er wird den Völkern das Recht verkünden. 19 Er wird nicht streiten und nicht schreien und man wird seine Stimme nicht auf den Straßen hören. 20 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat. 21 Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen. (Matthäus 12,15-21)

In den Versen 18-21 wird Jesaja 42,1-4 auf Jesus bezogen.

Jesus hat – im Gegensatz zu Mohammed – Blinden das Augenlicht geschenkt. Er hat Gefangene aus dämonischen Bindungen befreit, oder aus der Gefangenschaft ihrer Sünden herausgeführt.

Doch – so wird eingewandt – hat Jesus nur zu den Israeliten gepredigt, nicht zu allen Völkern. Zu dieser Frage gibt es einen eigenen Beitrag. Durch seine Jünger hat Jesus seine befreiende Botschaft allen Menschen zukommen lassen, auch bis in die arabische Wüste hinein. So wurde Jesus zum Licht der Welt, was er in Johannes 8,12 auch selbst bezeugt hat.

Auch die göttliche Stimme, die erscholl, als Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde, hatte einen deutlichen Anklang an Jesaja 42,1.

Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. (Matthäus 3,17)

Der große Unterschied besteht darin, dass Gott Jesus bei seiner Taufe nicht als Knecht, sondern als Sohn bezeugt hat. So hat Gott sich einerseits auf das alttestamentliche Prophetenwort berufen, andererseits aber gezeigt, dass Jesus viel mehr ist, als sein Knecht. Er ist Gottes geliebter Sohn.

Wer von euch den HERRN fürchtet, der höre auf die Stimme seines Knechtes. Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott. (Jesaja 50,10)

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