Mohammed im Buch Haggai?

6 Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Nur noch kurze Zeit, dann lasse ich den Himmel und die Erde, das Meer und das Festland erbeben 7 und ich lasse alle Völker erzittern. Dann strömen die Schätze aller Völker herbei und ich erfülle dieses Haus mit Herrlichkeit, spricht der HERR der Heerscharen. 8 Mir gehört das Silber und mir das Gold – Spruch des HERRN der Heerscharen. 9 Die künftige Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die frühere, spricht der HERR der Heerscharen. Und an diesem Ort schenke ich Frieden – Spruch des HERRN der Heerscharen. (Haggai 2,6-9)

Diese Worte des Propheten Haggai werden von manchen Muslimen als Ankündigung Mohammeds verstanden. Mir sind drei unterschiedliche Erklärungen bekannt.

Drei Erklärungen

a) Das Haus ist die Kaaba in Mekka.

Die erste lautet so:

Mit dem Hause ist die Kaaba in Mekka gemeint. Die Araber pflegten ja zur Zeit Muhammeds den Götzendienst. Als Mekka sich der Religion des Islams ergab, stieg seine Bedeutung weit über die bekannten Grenzen. Das Haus, die Kaaba, wird heute von ca. 5 Millionen Menschen jährlich zur festgesetzten Zeit besucht. Die Kaaba hatte schon immer eine besondere Stelle, doch erst Muhammed (a.s.s.) verschaffte ihr ein neues Ansehen, über alle Grenzen hinaus. Im Gebiete Mekka darf kein Blut vergossen werden. Nicht einmal ein Baum oder eine Blume darf ausgerissen werden. Sicherheit für Mensch, Tier und Pflanze. (Quelle: http://www.enfal.de/bib.htm)

b) Himdah ist Achmed / Mohammed – Erfüllung in der „Nachtreise“.

Eine zweite Erklärung findet sich (auf Englisch) hier. Sie bezieht sich vor allem auf einen Begriff aus Vers 7, der von der Einheitsübersetzung ziemlich frei mit „die Schätze aller Völker“ wiedergegeben wird. Die Elberfelder Übersetzung hat hier „die Kostbarkeiten aller Nationen“ und bietet in der Fußnote die Alternativen „das Begehrenswerte“ oder „das Ersehnte“ an. Das hebräische חֶמְדַּ֣ת / chämdat (Grundform: chämdāh – in dieser Erklärung „himdah“) leitet sich von der Wurzel ch-m-d ab, die die Bedeutung „begehren, Gefallen finden“ hat. In dieser Deutung wird dieses Wort auf eine Person bezogen. Der Name des islamischen „Propheten“ leitet sich von derselben Wurzel ch-m-d ab. Es wird auch Bezug auf Sure 61,6 genommen, derzufolge Jesus Achmad angekündigt haben soll. Auch Achmad kommt von derselben Wurzel ch-m-d.

Mit einem Exkurs auf Maleachi 3,1 wird hingewiesen, dass der Bote plötzlich zu seinem Tempel kommen werde, was bei Jesus nicht der Fall gewesen sei, da er mehrmals im Tempel gewesen sei, aber niemals habe sich jemand im Tempel bekehrt. Es kam immer nur zu bitteren Diskussionen mit den Priestern.1 Jesus habe auch nicht Frieden, sondern das Schwert gebracht, wie Jesus ja selbst in Matthäus 10,34 gesagt habe.2

Es wird auch die Verbindung zwischen „Friede“ (Schalom) und Islam hergestellt, da beide Wörter sich von derselben Wurzel (hebräisch š-l-m, arabisch s-l-m) herleiten.

Nach dieser Erklärung hätte sich Haggai 2,6-9 bei der sogenannten Nachtreise Mohammeds erfüllt, auf die in  Sure 17,1 hingewiesen werde:

Preis sei Dem, Der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte zur fernsten Gebetsstätte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ, damit Wir ihm (etwas) von Unseren Zeichen zeigen. Er ist ja der Allhörende, der Allsehende.

Die fernste Gebetsstätte sei der damals in Ruinen liegende Tempel von Jerusalem gewesen. Mohammed habe dort den Gottesdienst des Gebets und der Anbetung Allahs in der Gegenwart aller Propheten vollzogen. Dadurch habe Gott das Haus, wie in Haggai 2,7 verheißen, mit Herrlichkeit erfüllt. Gleichzeitig wäre das auch das in Maleachi 3,1 verheißene plötzliche Kommen des Propheten Mohammeds zu seinem Tempel.

c) Der „Ersehnte“ ist Mohammed, das Haus ist die Kaaba.

Die dritte Variante habe ich hier (auf Englisch) gefunden. Sie kombiniert die Namenserklärung von Variante b) mit der Variante a). Es wird dort auch erklärt, dass Jesus nicht gemeint sein könne, da Jesus nur zum Haus Israel gesandt sei.

Die Botschaft des Propheten Haggai

Die in dem kleinen Buch Haggai überlieferten Sprüche des Propheten stammen aus dem Jahr 520 vor Christus, dem zweiten Jahr des Perserkönigs Darius. Sein Hauptanliegen war, die Juden zum Wiederaufbau des Tempels zu ermutigen.

Der von Salomo erbaute Tempel war 586/587 von den Neubabyloniern zerstört worden, das jüdische Volk wurde ins Exil nach Babylon verschleppt. Nach der Eroberung Babylons durch den Perserkönig Kyros wurde den Juden erlaubt, wieder in ihre Heimat zurückzukehren und den Tempel aufzubauen (Esra 1,1-4). Bald darauf wurde der Altar wiedererrichtet (Esra 3,3), später wurden auch die Grundmauern des Tempels gelegt (Esra 3,10), doch bald wurde die Arbeit wegen Widerstands der dort ansässigen Bevölkerung eingestellt (Esra 4,24). Die aus dem Exil zurückgekehrten Juden waren auch mehr mit dem Bau ihrer eigenen Häuser beschäftigt (Haggai 1,4), als sich um das Haus Gottes zu kümmern. Deswegen wurden sie vom Propheten Haggai getadelt und zum Tempelbau aufgefordert. Im Zusammenhang sind auch die Verse 2,6-9 zu sehen.

Haggai verglich die Herrlichkeit des zu bauenden Tempels mit der des von Salomo errichteten Heiligtums. Er sprach davon, dass die künftige Herrlichkeit des Hauses größer sein wird als die des früheren. Wie das genau aussehen würde, war vermutlich auch dem Propheten noch nicht so klar. Er könnte an den äußeren Reichtum gedacht haben, wofür die Erwähnung des Silbers und des Golds in Vers 8 spricht. Doch das Wichtigste war zweifellos der Friede, den Gott an diesem Ort schenken würde.

Von welchem Haus hat Haggai gesprochen?

Es ist offensichtlich, dass Haggai über den Tempel in Jerusalem, zu dessen Wiederaufbau er ermutigte, gesprochen hat und über kein anderes Heiligtum, sicher nicht über die Kaaba in Mekka. Er hat die kommende Herrlichkeit mit diesem konkreten Gebäude verbunden, das zu seiner Zeit errichtet werden sollte. Dadurch sind die Erklärungen a) und der zweite Teil der Erklärung c) falsch und unhaltbar. Da hilft auch der bei Erklärung c) gemachte vergebliche Vorschlag, Mekka in Psalm 48 (sic!) zu finden, nichts.

Wer oder was ist chämdah?

Dieses Wort kommt im Alten Testament 18-mal vor, und wird nirgends auf eine Person bezogen (mögliche Ausnahme: 2 Chronik 21,20, wo der König Joram ohne chämdah, ohne begehrt oder bedauert zu werden, dahinging, d. h. starb; es könnte aber auch heißen: ohne kostbare Grabbeigaben). Es ist also durchaus möglich bis wahrscheinlich, dass Haggai erwartete, dass nach der Bekehrung der Nationen deren Schätze in den Tempel kommen würden. Es könnte sich auch um immaterielle Schätze handeln, der geistige Reichtum der Völker, der durch deren Bekehrung auch dem Volk Israel zugute kommen würde.

Im Neuen Testament wird diese Stelle nicht auf Jesus bezogen. Allerdings scheint die lateinische Übersetzung der Vulgata Haggai 2,7 messianisch verstanden und auf Jesus bezogen zu haben.3 Hebräer 12,26 bezieht die Erschütterung von Haggai 2,6 auf das Ende der Zeit.

Es sieht so aus, dass sich das Wort Haggais nicht in dieser Weise erfüllt hat, wie es der Prophet erwartet hat. Der damals gebaute Tempel wurde später von Herodes dem Großen in prachtvoller Weise umgebaut, sodass er vermutlich an äußerer Pracht den Vergleich mit dem von Salomo erbauten Tempel nicht scheuen musste. Aber die Tempelerneuerung durch den gottlosen König Herodes war wohl nicht das, was Haggai erwartet hatte. Es stand in klarem Zusammenhang mit einer geistlichen Erneuerung, die Herodes nicht bringen konnte.

Diese Erneuerung hat Jesus gebracht. Nur hing diese Erneuerung mit der Freiheit des Menschen zusammen. Jesus hat das Volk Israel zur Umkehr gerufen. Hätten sie auf seinen Ruf gehört, wäre der Tempel nicht zerstört worden. Das durch Jesus erneuerte Volk Israel hätte seine Aufgabe, die Heidenvölker zur Verehrung des einen Gottes zu rufen, erfüllt. Die Reichtümer der Völker wären zum Haus Gottes gekommen, wobei nicht die materiellen Schätze das Wesentliche gewesen wären.

Nun aber hat das damalige Israel zu einem großen Teil den Messias verworfen. Eine Konsequenz davon war, dass 40 Jahre später, wie Jesus es angekündigt hatte, der Tempel  zerstört wurde. Er hatte seine geistliche Funktion verloren.

Jesus hat einen neuen Tempel gebaut, die Gemeinde seiner Jünger. Durch sie ruft er alle Völker. Insofern erfüllt sich in Jesus die Verheißung Haggais, wenn auch nicht wörtlich.

Seit der Zerstörung des Tempels ist eine wörtliche Erfüllung nicht mehr möglich.

Die Propheten waren nicht willenlose Werkzeuge Gottes nach der Art einer Schreibmaschine. Sie haben die Worte Gottes als Kinder ihrer Zeit verstanden und wiedergegeben. Der Tempel war das geistliche Zentrum des Volkes Israel, das auf den Messias wartete. Hätte das Volk dem Messias gehorcht, wäre der erneuerte Tempel zu einem Zentrum für alle Völker geworden. Doch das Volk hat in Freiheit den Messias abgelehnt.

Seither findet die Anbetung Gottes nicht mehr an einem bestimmten Ort statt, sondern im Geist und in der Wahrheit, wie es Jesus in Johannes 4,21-24 gesagt hatte:

21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. 23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. 24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

In einem übertragenen Sinn könnte man sagen, dass Jesus der Ersehnte der Nationen ist, der, auf den die Menschen aller Völker, die nach dem Guten streben, warten. Aber durch ihn kommen die Schätze, alles, was an den Völkern gut und kostbar in Gottes Augen ist, zu Gottes neuem Tempel, den Gott jetzt schon unter den Nachfolgern Jesu baut und der seine Erfüllung in der ewigen Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater finden wird.

Jesus hatte – im Gegensatz zu Mohammed – auch tatsächlich eine Verbindung zu dem konkreten Tempel in Jerusalem. Er hat dort gelehrt, Kranke geheilt (Matthäus 21,14). Wenn er, der ewige Sohn Gottes, durch den das Universum geworden ist, in den Tempel einzieht, ist dadurch auch Gottes Herrlichkeit dort gegenwärtig. Insofern hat das Wort Haggais auch durch das irdische Wirken Jesu im Tempel eine gewisse Erfüllung gefunden.

Warum nicht Mohammed?

Es ist Haggai sicher nicht darum gegangen, den Namen eines künftigen Propheten anzukündigen. Nur dass ein Wort dieselbe Wurzel wie der Name Mohammed hat, reicht nicht als Argument. Das funktioniert bei Haggai genauso schlecht wie beim Hohelied. Mohammed hatte keinerlei Beziehung zu Jerusalem und schon gar nicht zum Tempel, der zu seiner Zeit schon lange zerstört war. Von einem einzigen unklaren Vers des Korans über die „Nachtreise“, der nicht einmal den Namen der „fernsten Gebetsstätte“ nennt, sollte man nicht zu viel ableiten. Es gibt über diese Nachtreise nur Legenden, keine verlässlichen Quellen.

Überdies hatte der Jerusalemer Tempel nach dem Kommen Jesu und insbesondere nach seiner Zerstörung im Jahre 70 seine Bedeutung verloren.

Zeigen nicht auch die einander widersprechenden muslimischen Erklärungsversuche, dass man hier mit Gewalt versucht, etwas in den Text hineinzuinterpretieren, was nicht dort steht?

„An diesem Ort schenke ich Frieden.“

Was ist mit dem in Vers 9 verheißenen Frieden gemeint? Historisch betrachtet war der Tempel für das Volk Israel der Ort, an dem sie Frieden mit Gott finden konnten. Wenn jemand gesündigt hatte, sollte er an diesem Ort seine Reue und Umkehr durch ein Opfer zum Ausdruck bringen und dadurch wieder Frieden mit Gott finden. Das war auch der Sinn des jährlichen Versöhnungstages, dessen Ritual in Levitikus 16 beschrieben wird. Diese Opfer fanden ihre Erfüllung im Kommen des Erlösers, der sich selbst als vollkommenes Opfer Gott hingegeben hat. Durch dieses Opfer schenkt Gott jedem, der das Angebot der Versöhnung annimmt Frieden.

Diesen Frieden haben schon die Engel bei der Geburt Jesu besungen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. (Lukas 2,14)

Paulus drückte es im Epheserbrief so aus:

13 Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, in Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. 14 Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile und riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder. (Epheser 2,13-14)

Dieser Friede regiert unter den Jüngern Jesu. Sie haben auch den Wunsch und das Bemühen, andere an diesem Frieden teilhaben zu lassen, und bemühen sich deswegen um Frieden mit jedermann.

An „diesem Ort“ – in Jerusalem – hat Gott durch Jesus Frieden geschenkt.

Werfen wir wieder einen Blick auf Mohammed, so sehen wir, dass Mohammed Kriege geführt hat. Ebenso taten das seine Nachfolger. Der Islam war von Anfang an eine Religion des Krieges, die inzwischen den ganzen Globus mit Blutvergießen überzogen hat. Auch wenn das Wort „Islam“ von derselben Wurzel abgeleitet werden mag, wie „Salam“ (Friede), so gehört der Krieg zum Wesen des Islams.

Muhammad ist Allahs Gesandter. Und diejenigen, die mit ihm sind, sind den Ungläubigen gegenüber hart, zueinander aber barmherzig. (Sure 48,29a)

Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen – von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde -, bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind! (Sure 9,29)

Zum Abschluss

Bedenkenswert ist der letzte Vers von Haggai:

An jenem Tag – Spruch des HERRN der Heerscharen – nehme ich dich, mein Knecht Serubbabel, Sohn Schealtiëls, – Spruch des HERRN – und mache dich zu meinem Siegelring; denn ich habe dich erwählt – Spruch des HERRN der Heerscharen. (Haggai 2,23)

Serubbabel war ein Nachkomme Davids, aus der königlichen Familie, war aber nicht König, da Juda damals unter der Herrschaft der Perser stand. Er war damals Statthalter und verantwortlich für den Tempelbau. Er war auch ein Vorfahre Jesu. Gott nennt diesen Serubbabel seinen Siegelring. Dass Serubbabel diese Aufgabe hatte, zeigte, dass Gott die Familie Davids nicht verstoßen hatte. Die dem David gegebene Verheißung blieb aufrecht. Sie hat sich erfüllt im Kommen des Sohnes Davids, des Messias Jesus. Er ist gekommen, um das geistliche Haus Gottes zu bauen, dessen lebendigen Bausteine Menschen aus allen Völkern sind.

4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! 5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!
(1 Petrus 2,4-5)


  1. Zur Bedeutung von Maleachi 3,1 gibt es einen eigenen Beitrag
  2. Zum Verständnis von Matthäus 10,34 ist ein eigener Beitrag geplant. 
  3. […] et veniet desideratus cunctis gentibus. / […] und kommen wird der von allen Völkern Ersehnte

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