Das islamische Opferfest aus biblischer Sicht

1 Was ist das Opferfest?

Eine islamische Website schreibt dazu:

Die Geschichte des Opferfestes geht auf den Propheten Abraham zurück. Abraham oder auch Ibrahim genannt, war nach der islamischen Überlieferung bereit, seinen Sohn Ismael für Gott zu opfern. Damit wollte Abraham seinen Glauben und auch seine Liebe zu Allah swt, unter Beweis stellen. Als Allah swt. erkannte, welches große Opfer Ibrahim zu geben bereit war, schickte er einen Engel, der Abraham davon abhielt, seinen Sohn zu opfern. Damit bestand Abraham die Prüfung vor Allah und opferte statt seines Sohnes einen Widder. Bis heute wird am Opferfest ein Schaf, ein Lamm, ein Kamel oder Rinder geopfert, um mit diesem Opfer das Vertrauen zu Allah swt. zu beweisen. Die Opferung des Widders fand der Überlieferung nach an dem Ort statt, auf dem heute der Felsendom in Jerusalem steht.

und:

Das Opferfest, das die Muslime Eid ul- Adha oder Kurban nennen, ist für viele Menschen islamischen Glaubens (Muslime) der Höhepunkt der Pilgerfahrt nach Mekka. Islamische Familien feiern das Opferfest aber auch zu Hause. Am Morgen des Opferfestes versammeln sich die Muslime in der Moschee zu einem besonderen Festgebet. Der Imam verliest nach dem Festgebet eine Predigt nach Vorbild des Propheten Muhammed s.a.s.

Danach folgt das rituelle Schächten, die eigentliche Opferung eines Tieres, dessen Kopf dabei in Richtung der heiligen Stadt Mekka gelegt wird. Im privaten Kreis übernimmt die Schächtung immer das älteste Mitglied der Familie. In Mekka ist die individuelle Schächtung zum Opferfest verboten, hier übernehmen Schlachthöfe diese Arbeit. Ein Drittel des Fleisches gehört der Familie, ein Drittel wird Freunden und Verwandten geschenkt und das letzte Drittel ist für bedürftige bestimmt, die sich selbst keine Schächtung leisten können.

2 Das Opfer Abrahams

Das islamische Opferfest knüpft an eine Begebenheit an, über die wir in der Bibel in Genesis 22,1-19 lesen.

1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. 2 Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. 13 Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen. 15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast. 19 Darauf kehrte Abraham zu seinen Jungknechten zurück. Sie machten sich auf und gingen miteinander nach Beerscheba. Abraham blieb in Beerscheba wohnen.

Der koranische Referenztext ist Sure 37,101-111:

101 Da verkündeten Wir ihm (Ibrahim) einen nachsichtigen Jungen. 102 Als dieser das Alter erreichte, daß er mit ihm laufen konnte, sagte er: „O mein lieber Sohn, ich sehe im Schlaf, daß ich dich schlachte. Schau jetzt, was du (dazu) meinst.“ Er sagte: „O mein lieber Vater, tu, was dir befohlen wird. Du wirst mich, wenn Allah will, als einen der Standhaften finden.“ 103 Als sie sich beide ergeben gezeigt hatten und er ihn auf die Seite der Stirn niedergeworfen hatte, 104 riefen Wir ihm zu: „O Ibrahim, 105 du hast das Traumgesicht bereits wahr gemacht.“ Gewiß, so vergelten Wir den Gutes Tuenden. 106 Das ist wahrlich die deutliche Prüfung. 107 Und Wir lösten ihn mit einem großartigen Schlachtopfer aus. 108 Und Wir ließen für ihn (den Ruf) unter den späteren (Geschlechtern lauten): 109 „Friede sei auf Ibrahim!“ 110 So vergelten Wir den Gutes Tuenden. 111 Er gehört ja zu Unseren gläubigen Dienern.

Im Vergleich dieser beiden Texte sehen wir, dass der koranische Text kürzer ist. Wir finden darin keinerlei geografische oder zeitliche Angaben. Man könnte meinen, dass der Koran sich auf das Wesentliche beschränkt. Doch stimmt das? Der biblische Text spricht von einem Ruf Gottes, durch den Abraham herausgefordert wurde. Im Koran erzählt Abraham seinem Sohn nur, dass er im Schlaf gesehen hat, dass er diesen schlachten werde. Nur aus der Antwort des Sohnes geht hervor, dass es sich hier wohl um einen Befehl Allahs gehandelt haben müsse. Aus den Versen 104 bis 105 scheint das Ziel dieser Begebenheit gewesen zu sein, das Traumgesicht, das Abraham hatte, zu bewahrheiten. Genesis 22,12 zeigt, dass es um etwas anderes geht. Gott soll die erste Stelle in Abrahams Leben einnehmen. Nichts, nicht einmal der Sohn, der ihm von Gott verheißen wurde, darf wichtiger als Gott sein. Abraham war bereit, für Gott sogar auf seinen eigenen geliebten Sohn zu verzichten. Indirekt wird durch diese Begebenheit auch ausgedrückt, dass Gott kein Menschenopfer will, was Gott später auch durch den Propheten Jeremia klar gesagt hat:

Auch haben sie die Kulthöhen des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und ihre Töchter im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist. (Jeremia 7,31)

Es ist Gott nie in den Sinn gekommen, Menschenopfer zu verlangen. Also wollte er das auch von Abraham nicht. Was er aber wollte, war, dass nicht einmal Isaak für Abraham wichtiger sein durfte als Gott.

Deswegen lesen wir auch in Genesis 22,2 diese Beschreibung des Sohnes:

[…] deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, […]

Der Sohn, auf den Abraham viele Jahre oder Jahrzehnte gewartet hat, war ihm gewiss sehr wichtig. Doch den ersten Platz in Abrahams Leben durfte nur Gott haben. In dieser Hinsicht ist Abraham ein Vorbild für alle, die an Gott glauben.

Im Koran wird der Name des Sohnes nicht genannt. Heute nehmen die meisten Muslime an, dass damit Ismael gemeint sei. Dafür könnte sprechen, dass es im Anschluss an die Geschichte über das Opfer in Sure 37,112 heißt:

Und Wir verkündeten ihm Ishaq als einen Propheten von den Rechtschaffenen.

Man könnte das so verstehen, dass Isaak erst danach geboren wurde. Diese Annahme ist aber nicht zwingend, da der Koran vielfach nicht in einem logischen oder chronologischen Zusammenhang geschrieben wurde. Frühere islamische Exegeten wie Tabari haben bei dem namentlich nicht genannten Sohn an Isaak gedacht, vielleicht auch deswegen, weil sie den biblischen Bericht nicht ignorieren wollten. Da der Koran von der Unverfälschtheit der Thora ausgeht, stellt sich die Frage, woher heutige Muslime die Gewissheit nehmen, dass Ismael gemeint sei, wo doch schon viele Jahrhunderte vor dem Koran der biblische Bericht eine eindeutige Aussage macht und der Koran keinen Namen nennt?

3 Wie ist das mit den Opfern?

Der Wunsch, sich Gott oder den Göttern durch Opfer erkenntlich zu zeigen, gehört zu den Grundgegebenheiten des Menschseins. Jeder Mensch, der sich in irgendeiner Weise des Göttlichen bewusst ist, hat das Bedürfnis, diesem Göttlichen durch Opfer Respekt zu zollen. So gehört das Opfer zu den Prinzipien aller großen Religionen. In der Bibel wird das dadurch ausgedrückt, dass bereits Kain und Abel Opfer darbrachten. Auch Noach opferte nach der Sintflut. Nach seiner Ankunft in Kanaan baute Abraham einen Altar in Sichem (Genesis 12,7), anschließend auch in Bet-El (Genesis 12,8). Das Bauen eines Altars setzt voraus, dass Abraham darauf auch geopfert hatte. Es wird in diesen Fällen nicht berichtet, dass Gott das Opfer befohlen hatte. Es war der Wunsch des Menschen, Gott die Ehre zu geben, z. B. aus Dankbarkeit für die Rettung aus der Flut oder für die Bewahrung auf der Reise.

Es geht in der Bibel nie darum, dass Gott das Opfer braucht. Gott ist vollkommen. Wir können ihm nichts geben. Es ist zu unserem Guten, wenn wir Gott als unseren Herrn anerkennen, wenn wir den Wunsch haben, ihm aus Dankbarkeit etwas zu schenken oder durch ein Opfer die Reue für unsere Sünden auszudrücken.

7 Höre, mein Volk, ich rede. Israel, ich bin gegen dich Zeuge, Gott, dein Gott bin ich. 8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen. 9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden. 10 Denn mir gehört alles Wild des Waldes, das Vieh auf den Bergen zu Tausenden. 11 Ich kenne alle Vögel der Berge, was sich regt auf dem Feld, ist mein Eigen. 12 Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, denn mein ist der Erdkreis und seine ganze Fülle. 13 Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken? 14 Bring Gott ein Opfer des Dankes und erfülle dem Höchsten deine Gelübde! 15 Ruf mich am Tage der Not; dann rette ich dich und du wirst mich ehren. (Psalm 50,7-15)

18 Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen. 19 Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. (Psalm 51,18-19)

6 Womit soll ich vor den HERRN treten, mich beugen vor dem Gott der Höhe? Soll ich mit Brandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern? 7 Hat der HERR Gefallen an Tausenden von Widdern, an zehntausend Bächen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Vergehen, die Frucht meines Leibes für meine Sünde? 8 Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott. (Micha 6,6-8)

Zwar hatte das Volk Israel einen sehr umfangreichen Opferkult, wie wir das Levitikus 1-7 oder Numeri 28-29 entnehmen können. Doch niemals waren die geschlachteten Tiere das Wesentliche, sondern immer die gottgefällige Gesinnung des Opfernden. Wenn jemand ein Sündopfer darbrachte, aber seine Sünde nicht bereute, war das vor Gott wertlos.

Als Jesus kam, hat er sich ganz den Regeln der Thora untergeordnet. Es wird aber über kein einziges Opfer berichtet, das Jesus dargebracht hätte. Da er nie gesündigt hat, gab es für ihn keinen Grund, ein Sündopfer darzubringen. Aber es gab auch Lob- und Dankopfer, die er hätte opfern können. Aber er hat das nie getan. Er sagte:

Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! (Matthäus 9,13)

Jesus bezog sich dabei auf ein Wort des Propheten Hosea.

Jesus hat auch deswegen nicht geopfert, weil er sein ganzes Leben Gott als vollkommenes Opfer dargebracht hat. Alles, was er tat, sprach und dachte, diente der Ehre seines himmlischen Vaters. Auch seinen Tod hat Jesus als Opfer verstanden. Er blieb seinem Vater gehorsam bis zum Tod. Er hat der Bosheit seiner Feinde nicht widerstanden. Seine Reaktion auf ihren Hass war Liebe.

Jesus sagte:

Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.(Matthäus 26,28)

Sein Tod war das wahre Sündopfer, das die Sündopfer des Alten Bundes erfüllt und vollendet hat. Wer an Jesus glaubt, ihm nachfolgt, erfährt die Vergebung der Sünden. Die vollkommene Hingabe Jesu schenkt ihm Freiheit und ein neues Leben. Dadurch haben die Tieropfer ihre Bedeutung verloren.

Im Tod Jesu hat Gott, der Vater, seinen einzigen geliebten Sohn hingegeben, so wie er es auch Abraham geboten hatte.

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. (Johannes 3,16)

Der Unterschied war, dass Isaak letztlich nicht sterben musste. Jesus aber ist tatsächlich gestorben. Jesus ist im übertragenen Sinn das „großartige Schlachtopfer“, von dem Sure 37,107 spricht.

Jesus ist nicht im Tod geblieben. Er ist auferstanden. Er schenkt allen, die an ihn glauben, Anteil an seinem neuen Leben. Dadurch wird jeder, der Jesus nachfolgt, befähigt, so wie Jesus sein Leben hinzugeben.

1 Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst. 2 Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene! (Römer 12,1-2)

15 Durch ihn also lasst uns Gott allezeit das Opfer des Lobes darbringen, nämlich die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. 16 Vergesst nicht, Gutes zu tun, und vernachlässigt nicht die Gemeinschaft; denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen! (Hebräer 13,15-16)

Die Opfer der Christen sind nicht geschlachtete Tiere, sondern ein Leben, das Gott ehrt, in Wort und Tat.

Umso unverständlicher ist es, dass der Islam 600 Jahre nach Christus das große Geschenk, dass Gott uns durch die vollkommene Hingabe seines Sohns gemacht hat, wieder verworfen hat und zu den Tieropfern zurückgekehrt ist.

Gott will nicht das Schlachten von Tieren, sondern unsere liebevolle Hingabe, nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Tag. Jeder Tag soll ein „Opferfest“ sein, durch das Gott verherrlicht wird.

Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was darin ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit. (Offenbarung 5,13)

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