Zum Brand von Notre-Dame

Grundsätzliches

Es ist gewiss sehr bedauernswert, wenn ein jahrhundertealtes Kulturdenkmal zum Raub der Flammen wird. Wir dürfen aber auch dankbar sein, dass bei dieser Katastrophe keine Menschenleben zu beklagen sind.

Wir sollten aber daran denken, dass auch am 15. April 2019 rund 150.000 unschuldige Menschen durch Abtreibung getötet wurden. Oder daran, dass im März dieses Jahres mindestens 729 Menschen im Namen der „Religion des Friedens“ ermordet wurden. Das alles geschah weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit. Jeder dieser unschuldig getöteten Menschen war nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und ist unendlich wertvoller als ein kunstvoller Bau aus alten Steinen. Ich schreibe das nicht, um die Bedeutung dieser kulturellen Katastrophe abzumildern, sondern um den Blick auf die vergessenen Opfer zu lenken, mit denen sich die Welt scheinbar schon abgefunden hat. Die Tötung der ungeborenen Kinder wird von vielen sogar als gesellschaftlicher Fortschritt gepriesen. Das ist die Perversion jeglicher Ethik!

Auch das Volk Israel musste zweimal mitansehen, wie ihr Heiligtum, der Tempel von Jerusalem von Flammen vernichtet wurde. Das geschah in beiden Fällen – 587/6 v. Chr. durch die Neubabylonier und 70 n. Chr. durch die Römer – nicht durch ein unbeabsichtigtes Unglück, sondern in voller Absicht, um dem Volk seine religiöse Mitte zu nehmen. Für Israel ging es beide Male in erster Linie nicht um einen kulturellen Verlust, sondern um eine geistliche Katastrophe, die das ganze Volk betraf. Der Ort, an dem Gott, seinen Namen wohnen ließ, wurde zerstört. Die Gottesfürchtigen unter den Juden haben die Zerstörung als Gericht Gottes über die Sünden des Volkes verstanden und als einen Weckruf zur Umkehr.

Sollen wir die Zerstörung der Kathedrale in Paris in ähnlicher Weise sehen?

Einerseits nein.

Notre-Dame hat nicht dieselbe geistliche Bedeutung, wie es der Jerusalemer Tempel für das Volk Israel hatte.

Im Gottesvolk des Neuen Bundes gibt es keinen Tempel aus Steinen. Jesus hat seine Jünger nicht angewiesen, besondere Bauten für den Gottesdienst zu errichten. Die Jünger Jesu und die frühen Christen haben auch keine Kirchengebäude gebaut. Sie trafen sich in Privathäusern (Apostelgeschichte 2,46; 12,12; 16,40; 18,7; Römer 16,3-5.15.23 …). Das Haus Gottes besteht nicht aus Steinen, sondern aus den gläubigen Brüdern und Schwestern.

20 Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Eckstein ist Christus Jesus selbst. 21 In ihm wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. 22 Durch ihn werdet auch ihr zu einer Wohnung Gottes im Geist miterbaut. (Epheser 2,20-22)

Sein Haus sind wir, wenn wir an der Zuversicht und an der Hoffnung festhalten, derer wir uns rühmen. (Hebräer 3,6b)

Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen! (1 Petrus 2,6)

Auch der Leib jedes einzelnen Christen ist ein Tempel des Heiligen Geistes.

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib! (1 Korinther 6,19-20)

Hingegen gilt:

48 Doch der Höchste wohnt nicht in dem, was von Menschenhand gemacht ist, wie der Prophet sagt: 49 Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße. Was für ein Haus könnt ihr mir bauen?, spricht der Herr. Oder welcher Ort kann mir als Ruhestätte dienen? 50 Hat nicht meine Hand dies alles gemacht? (Apostelgeschichte 7,48-50)

Vor diesem biblischen Hintergrund zeigt sich, dass alle Kirchenbauten, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind, nicht dem Willen Jesu Christi entsprechen. Sie mögen wichtige Zeugnisse der Kultur darstellen, sind aber ohne geistliche Bedeutung für die Nachfolger Jesu.

Wir sollten auch nicht vergessen, dass die Zeit, während der die offizielle Kirche die Kathedrale Notre-Dame errichtete, zugleich auch die Zeit war, während der die Waldenser, die Jesus in einem einfachen, armen Leben nachfolgen wollten, schwer verfolgt wurden. Sie wurden von derselben Kirche verfolgt, die prachtvolle Kathedralen errichtete. Insofern sind viele der prächtigen Kathedralen auch ein Zeugnis einer „Kirche“, die die wahren Nachfolger Jesu unterdrückte und zu Tode brachte. Das heißt nicht, dass die Zerstörung dieser Gebäude irgendwie begrüßenswert sei. Nein! Aber man sollte sich auch bewusst sein, welches Denken in der „Kirche“, die diese Kathedralen baute, vorhanden war.

Andererseits ja.

Wenn etwas Schreckliches passiert, soll das immer ein Aufruf sein, nachzudenken und seine eigenen Wege vor Gott zu prüfen.

Ich denke nicht, dass der Brand von Notre-Dame als direktes Strafgericht Gottes zu verstehen ist. Aber es gibt sehr viele Dinge in der modernen westlichen Gesellschaft, die die Menschen sehr tief von Gott trennen. Da gibt es die öffentliche Zelebration der Unmoral. Da gibt es die massenhafte Vernichtung ungeborener Menschen. Da gibt es den Götzendienst am Geld und allem Materiellen verbunden mit ausgesprochenem Desinteresse am Schöpfer. Durch all das sägen die Menschen am Ast, auf dem sie sitzen. Das trennt nicht nur jeden einzelnen von Gott, sondern führt auf Dauer auch zur Zerstörung der Gesellschaft.

Darum ist es wirklich notwendig, Gottes Ruf zur Umkehr zu hören und zu befolgen. Es geht um unser Leben, das nur in Beziehung mit unserem Schöpfer Bestand für die Ewigkeit hat.

1 Seht her, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu helfen, sein Ohr ist nicht schwerhörig, sodass er nicht hört. 2 Aber eure Vergehen stehen trennend zwischen euch und eurem Gott; eure Sünden haben sein Gesicht vor euch verdeckt, sodass er nicht hört. 3 Denn eure Hände sind mit Blut befleckt, eure Finger mit Unrecht. Eure Lippen reden Lüge, eure Zunge flüstert Bosheit. 4 Keiner bringt gerechte Klagen vor, keiner hält ehrlich Gericht. Man stützt sich auf Nichtiges und redet Haltloses; man geht schwanger mit Unheil und gebiert Verderben. (Jesaja 59,1-4)

Doch für Zion kommt der Erlöser und für alle in Jakob, die umkehren von ihrem Vergehen – Spruch des HERRN. (Jesaja 59,20)

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