Die Seherkinder von Fatima und der Teufel

Lucia da Santos, die überlebende „Seherin“ von Fatima, erzählte über ihre Zweifel, die sie nach der zweiten Vision hatte1:

[…] Ich fing an zu zweifeln, ob diese Erscheinungen nicht vom Teufel seien, der mich auf diese Weise verderben wollte. Als ich nun hörte, daß der Teufel immer Unfrieden und Unordnung bringt, fiel mir auf, daß es in unserem Haus wirklich keine Ruhe und Freude mehr gab, seit ich diese Dinge gesehen hatte. Welche Qual empfand ich da!
Ich sprach mit Jacinta und Francisco über meine Zweifel.
Jacinta antwortete:
Es ist sicher nicht der Teufel! Nein! Man sagt, der Teufel sehe sehr häßlich aus und sei unter der Erde in der Hölle. Und diese Frau war so schön, und wir sahen sie zum Himmel auffahren!
Der Heiland wollte dadurch wohl meine Zweifel ein wenig lindern. […]

[…] Der 13. Juli nahte heran, und ich wußte nicht recht, ob ich hingehen sollte. Ich dachte, wenn es der Teufel ist, warum soll ich hingehen, um ihn zu sehen? Wenn man mich fragt, warum ich nicht gehe, sage ich, daß ich Angst habe, es sei der Teufel, der uns erscheint, und deshalb gehe ich nicht. Jacinta und Francisco sollen tun, was sie wollen. Ich gehe nie mehr zur Cova da Iria. Die Entscheidung war getroffen und ich war fest entschlossen, sie durchzuführen. […]

[…] Als am folgenden Tag die Stunde heranrückte, wo ich wieder dorthingehen sollte, fühlte ich mich plötzlich von einer fremden Macht gedrängt, der ich nicht widerstehen konnte. […]

Es ist interessant zu sehen, dass diesem Kind Zweifel gekommen sind, ob die Erscheinung, die sie hatten, wirklich göttlichen Ursprungs war. Ja, Lucia zog sogar in Erwägung, dass die Erscheinung vom Teufel sein könnte.

Vergleichen wir das mit Visionen, von denen uns die Bibel erzählt, so finden wir dort keine einzige Vision, wo ein Seher derartige Zweifel gehabt hätte.

Ja, es gab Visionen, wo der Seher so sehr von der Erscheinung überwältigt war, dass er wie betäubt oder wie tot war:

16 Und über dem Ulai-Kanal hörte ich eine Menschenstimme, die rief: Gabriel, erkläre ihm die Vision! 17 Da kam er auf mich zu. Als er nähertrat, erschrak ich und fiel mit dem Gesicht zu Boden. Er sagte zu mir: Mensch, versteh: Die Vision betrifft die Zeit des Endes. 18 Während er mit mir redete, lag ich ohnmächtig da, mit dem Gesicht am Boden. Da berührte er mich und stellte mich wieder auf die Beine. (Daniel 8,16-18; ähnlich Daniel 10,7-10)

17 Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. (Offenbarung 1,17-18)

Aber bei diesen Fällen war den Visionären klar, dass diese Vision von Gott kam. Die Frage, ob hier nicht der Satan im Spiel sein konnte, stellte sich ihnen nicht.

Ferner fällt auf, dass die Argumentation Jacintas im Licht der Bibel nicht korrekt ist.

14 Kein Wunder, denn auch der Satan tarnt sich als Engel des Lichts. 15 Es ist also nicht erstaunlich, wenn sich auch seine Diener als Diener der Gerechtigkeit tarnen. Ihr Ende wird ihren Taten entsprechen. (2 Korinther 11,14-15)

1 Ihr wart tot infolge eurer Verfehlungen und Sünden. 2 Ihr wart einst darin gefangen, wie es der Art dieser Welt entspricht, unter der Herrschaft jenes Geistes, der im Bereich der Lüfte regiert und jetzt noch in den Ungehorsamen wirksam ist. (Epheser 2,1-2)

Was Paulus mit dem „Bereich der Lüfte“ genau gemeint hat, ist nicht so einfach zu verstehen. Vielleicht wollte Paulus damit ausdrücken, dass es für Satan möglich ist, quasi von oben zu versuchen, alle Menschen zu beeinflussen. Jedenfalls passen diese Stellen nicht zu dem Volksglauben, dass der Satan hässlich sei und unter der Erde wohne.

Jacinta war ein Kind und kannte wohl die Bibel so gut wie gar nicht. Daher wird man ihr diese Argumentation nicht vorwerfen können. Man sieht aber, welchen Schaden es angerichtet hat, dass die katholische Hierarchie jahrhundertelang darum bemüht war, ihre Anhänger von der Bibel fernzuhalten. Anstatt die Menschen zur Bibel zu führen, hat man sie mit dem Rosenkranz abgefertigt. Bibelkundige Eltern hätten ihre Kinder davor bewahrt, eine derartig primitive Vorstellung des Teufels zu haben.

Der dritte Punkt, der beim Bericht Lucias auffällt, ist, dass sie sich von einer fremden Macht gedrängt fühlte, der sie nicht widerstehen konnte. Das ist nicht der Weg Gottes. Gott lässt immer die Freiheit. Sogar Paulus, der ein sehr starkes Eingreifen Gottes in sein Leben erfuhr, als ihm der auferstandene Jesus vor Damaskus erschien, bekannte:

Daher, König Agrippa, habe ich mich der himmlischen Erscheinung nicht widersetzt. (Apostelgeschichte 26,19)

Paulus hätte die Freiheit gehabt, sich zu widersetzen. Er wurde nicht von einer fremden Macht, der er nicht widerstehen konnte, gezwungen.

Diese Beispiele zeigen, dass die Zweifel Lucias an der Erscheinung durchaus berechtigt waren. Das wird auch durch die Inhalte der Offenbarung, die nicht der Bibel entsprechen, bestätigt. Die „Umkehr“, zu der in Fatima aufgerufen wird, ist nicht die Umkehr zu Jesus, sondern die Umkehr zum Rosenkranz und zum „unbefleckten Herzen Marias“.

Ich möchte hier keine Erklärung der Visionen liefern, etwa, ob dort wirklich der Teufel persönlich erschienen ist oder ob einiges auch mit der religiösen Fantasie der Kinder zu tun hat. Eines ist, wenn man die Dinge von der Bibel her betrachtet, klar: Gott ist nicht der Urheber dieser vermeintlichen oder echten Visionen. Sie stehen im Dienste des Feindes Gottes, der diese Begebenheiten dazu verwendet, um ernsthaftere Menschen auf einen Irrweg zu führen, der sie von der Nachfolge Jesu, des einzigen Mittlers zwischen Gott und den Menschen abhält.

5 Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus, 6 der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit. (1 Timotheus 2,5-6)


  1. Schwester Lucia spricht über Fatima. Erinnerungen der Schwester Lucia, 9. Auflage, Fatima 2007, S. 91-93. Hervorhebungen von mir. 

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