„Hier ist das königliche Heiligtum …“

12 Zu Amos aber sagte Amazja: Seher, geh, flieh ins Land Juda! Iss dort dein Brot und prophezeie dort! 13 In Bet-El darfst du nicht mehr prophezeien; denn das hier ist das königliche Heiligtum und der Reichstempel. (Amos 7,12-13)

Amos war von Gott aus Tekoa (Amos 1,1) in Juda nach Bet-El im Süden des Nordreichs Israel gerufen worden, um dort Gottes Botschaft zu verkünden.

Das Heiligtum von Bet-El hatte eine alte Tradition. Schon Abraham hatte dort den Namen des HERRN angerufen (Genesis 12,8), ebenso auch Jakob, der dort im Traum die Himmelsleiter sah (Genesis 28,11-19).

Nach der Reichsteilung hatte Jerobeam I. Bet-El zu einem der beiden Reichsheiligtümer des Nordreichs gemacht, wo er ein Stierbild (ein „Goldenes Kalb“) als Symbol für den Gott Israels errichten ließ (1 Könige 12,26-29).

Unter der Regierung von Jerobeam II. (8. Jahrhundert v. Chr.) verkündete nun Amos dort die Botschaft, die ihm Gott aufgetragen hatte. Seine Worte waren weitgehend Worte des Gerichts, das Gott wegen der sozialen Ungerechtigkeit und des Götzendienstes über das Volk bringen werde.

Weil Amos die Verschleppung des Volkes (z. B. Amos 6,7) und auch das Ende des Hauses Jerobeams (Amos 7,9) angekündigt hatte, machte er sich Amazja, den Priester von Bet-El zum Feind. Dieser sandte eine Meldung über den unbequemen Propheten und dessen „Verschwörung“ an den König:

10 Amazja, der Priester von Bet-El, sandte zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Mitten im Haus Israel hat sich Amos gegen dich verschworen; seine Worte sind unerträglich für das Land. 11 Denn so sagt Amos: Jerobeam stirbt durch das Schwert und Israel muss in die Verbannung ziehen, fort von seinem Boden. (Amos 7,10-11)

Gleichzeitig wollte er Amos aus Bet-El wegschicken.

12 Zu Amos aber sagte Amazja: Seher, geh, flieh ins Land Juda! Iss dort dein Brot und prophezeie dort! 13 In Bet-El darfst du nicht mehr prophezeien; denn das hier ist das königliche Heiligtum und der Reichstempel. (Amos 7,12-13)

Ob Amos sich dem Wort des Priesters gefügt hat, wissen wir nicht. In seiner Antwort hat er darauf hingewiesen, dass er kein Berufsprophet ist. Er ist dem Ruf Gottes gefolgt, der ihn aus seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit herausgerufen hat. Zugleich hat er auch dem Priester Amazja das Strafgericht angekündigt.

14 Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehhirte und veredle Maulbeerfeigen. 15 Aber der HERR hat mich hinter meiner Herde weggenommen und zu mir gesagt: Geh und prophezeie meinem Volk Israel! 16 Darum höre jetzt das Wort des HERRN! Du sagst: Prophezeie nicht gegen Israel und geifere nicht gegen das Haus Isaak! 17 Darum – so spricht der HERR: Deine Frau wird zur Hure in der Stadt, deine Söhne und Töchter fallen unter dem Schwert, dein Boden wird mit der Messschnur verteilt, du selbst stirbst auf unreinem Boden und Israel muss in die Verbannung ziehen, fort von seinem Boden. (Amos 7,14-17)

Bemerkenswert ist die Begründung Amazjas, warum Amos Bet-El verlassen sollte.

In Bet-El darfst du nicht mehr prophezeien; denn das hier ist das königliche Heiligtum und der Reichstempel. (Amos 7,13)

Im königlichen Heiligtum und im Reichstempel zählt das Wort des Königs, nicht das Wort Gottes. Amazja hat Amos nicht gesagt, dass er ein falscher Prophet sei. In Juda könne er ja ohne Probleme prophezeien. Doch im königlichen Heiligtum soll er nichts sagen.

An diesem Beispiel sieht man, wohin es führt, wenn die Religion von der Staatsmacht für die eigenen Ziele verwendet wird. Der wahre König Israels war Gott (Jesaja 43,15). Der König sollte sich Gott unterordnen und das Volk nach dem Willen des wahren Königs regieren. Bei den Königen des Nordreichs war das leider bei keinem einzigen der Fall, auch wenn es Unterschiede in der Bosheit gegeben hat.

Seit dem Kommen Jesu gibt es keine gottgefälligen Heiligtümer mehr. Mit der Zerstörung des Tempels von Jerusalem im Jahre 70 – innerhalb einer Generation nach dem Tod und der Auferstehung Jesu – ist das letzte Heiligtum, das ursprünglich im Sinne Gottes war, verschwunden. Durch das Opfer Jesu, das die alttestamentlichen Opfer erfüllt hat, hatte es seine Bedeutung verloren. Es gelten die Worte Jesu:

23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. 24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Johannes 4,23-24)

Ebenso ist das Volk Gottes seit Jesus kein politisches Volk, keine Staatsmacht mehr. Das geistliche Israel ist ein Volk, das sich Gott aus allen Völkern und Nationen herausruft.

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. (Johannes 18,36)

Simon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen. (Apostelgeschichte 15,14)

Da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie, sondern Christus ist alles und in allen. (Kolosser 3,11)

Daher kann es auch heute kein „königliches Heiligtum“ und keinen „Reichstempel“ mehr geben.

Im Laufe der Geschichte hat sich aus der von Jesus gerufenen Gemeinde immer mehr eine hierarchisch gegliederte „Kirche“ entwickelt, die sich seit dem 4. Jahrhundert mit der Staatsmacht verbunden hat. Dadurch war es oft so, dass die jeweilige Staatsmacht das Sagen hatte, nicht aber Gott. Auch die Reformation hat stark auf die Unterstützung von Fürsten gesetzt. In einigen protestantischen Ländern ist der jeweilige König auch das offizielle „Haupt“ der Kirche.

Dadurch wurden die „Volkskirchen“ in den Dienst der Staatsmacht gestellt. Sie haben die Funktion des „königlichen Heiligtums“. Auch dort, wo es eine Trennung von Kirche und Staat gibt, sind die Kirchenführer oftmals geneigt, sich den Wünschen und Vorstellungen der Staatsmacht zu beugen. Von dort fließt ja auch einiges an Geld.

Das war nicht nur zur Zeit von Diktaturen, wie etwa unter dem Nationalsozialismus, sichtbar. (Damals gab es auch etlichen Widerstand aus den unteren Reihen.) Auch die jüngere Zeit lieferte einige Beispiele, wie sich „Kirchenführer“ an die staatlich gewünschte Linie oder an die vom Zeitgeist geforderte Ideologie angepasst haben.

Anstatt die vom Staat propagierten oder sogar verpflichteten „Corona-Schutzimpfungen“, die in Wirklichkeit hochriskante mit Abtreibung verbundene Genpräparate sind, aus ethischen Gründen abzulehnen, wurden sogar „Gotteshäuser“ als „Impfstraßen“ genützt.

Protestanten verkünden auf ihrem Kirchentag einen „queeren“ Gott. Gleichgeschlechtliche Ehen sind kein Problem. Zur Not muss man halt das Neue Testament etwas uminterpretieren. Die Katholiken, die etwas vorsichtiger nicht so weit wie die Protestanten gegangen sind, aber auch die Segnung von Partnern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen zugelassen haben, haben sich dadurch gleichfalls dem Zeitgeist verpflichtet.

In diesen „königlichen Heiligtümern“ und „Reichstempeln“ hat nicht Gott das Sagen.

Es braucht eine Rückbesinnung auf die Worte Jesu, auf die Ursprünge des Christentums, weg von den „Reichstempeln“ und hin zu Gott. Es braucht eine Umkehr.

Rennen denn Pferde über die Felsen oder pflügt man mit Ochsen das Meer? Ihr aber habt das Recht in Gift verwandelt und die Frucht der Gerechtigkeit in bitteren Wermut. (Amos 6,12)

Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
(Apostelgeschichte 2,40)

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