Der letzte Vers der letzten (?) Sure

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen
1 Wenn Allahs Hilfe kommt und der Sieg
2 und du die Menschen in Allahs Religion in Scharen eintreten siehst,
3 dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung;
gewiß, Er ist Reue annehmend.
(Sure 110)

Der Koran ist nicht chronologisch geordnet, sondern grob nach der Länge der Suren – abgesehen von der kurzen Einleitungssure Al Fatiha. Die chronologische Reihenfolge der einzelnen Suren ist zwar sehr wichtig, da im Falle von Widersprüchen zwischen zwei koranischen Texten der später „herabgesandte“ Text den früheren Text aufhebt (abrogiert). Dennoch gibt es unterschiedliche Vermutungen über die zeitliche Anordnung der Suren. Viele sehen in der 110. Sure An-Nasr (Die Hilfe), die als letzte an Mohammed „herabgesandte“ Sure, wie es z. B. in dieser Tabelle dargestellt wird.

Der Tafsīr Al-Qur’ān Al-Karīm schreibt zum Hintergrund dieser kurzen Sure:

Einer Überlieferung zufolge berichtete Ibn ‘Umar (r), der Sohn des zweiten Kalifen, dass diese Sura dem Propheten Muḥammad, Allāhs Segen und Friede auf ihm, während seiner Pilgerreise im Jahre 9 n.H. in Minā, einem Ort in der Nähe von Makka, offenbart worden sei und dass der Prophet dadurch erfahren habe, dass es sich um seine letzte Pilgerreise handele, da er nun bald sterben werde. In einem Ḥadīṯ, der bei Al-Buḫāryy überliefert wird, fragte ‘Umar (r) Ibn ‘Abbās (r) nach der Interpretation dieser Sura, worauf dieser antwortete: ”Es handelt sich um den Zeitpunkt des Todes des Gesandten Allāhs.“ Nach einer Überlieferung bei Aḥmad sagte der Prophet Muḥammad selbst nach der Offenbarung dieser Sura, dass Allāh (t) ihm dadurch seinen nahen Tod angekündigt habe. Diese Sura wird deshalb auch „Sura des Abschieds“ genannt. Knapp drei Monate nach Offenbarung dieser Sura, im dritten Monat des Jahres 10 n.H., starb der Prophet, Allāhs Segen und Friede auf ihm, in Al-Madīna.

Der in dieser Sure Angesprochene ist offensichtlich Mohammed, der Prophet des Islams. Er durfte nach der Eroberung Mekkas sehen, wie sich die Scharen dem Islam zuwandten, ob freiwillig oder anderen Gründen sei dahingestellt.

Mohammed hatte ein wichtiges Ziel erreicht. Mekka war unter seiner Herrschaft, ebenso ein Großteil der arabischen Halbinsel. Dafür sollte er seinen Herrn lobpreisen.

In Vers 3 wird er aber auch zur Bitte um Vergebung aufgerufen. Mohammed sollte seinen Herrn um Vergebung seiner Sünden bitten. Doch warum sollte er das tun, wenn er als Prophet ohnehin nicht gesündigt hat, wie viele Muslime annehmen? Könnte es sein, dass der Koran etwas anderes lehrt, als diese Muslime glauben? (Siehe dazu auch die Beiträge Jesu Reinheit und Mohammeds Sünden im Koran; Haben Propheten und Gottesmänner gesündigt?)

Mohammed wird zugesagt, dass Allah „Reue annehmend“ ist. Mohammed sollte seine Sünde sehen und tief bereuen – in der Hoffnung, dass Allah seine Reue annehmen werde.

Hier wird richtigerweise ausgedrückt, dass Reue eine Voraussetzung für die Vergebung ist. Nur wer seine Sünde bereut, kann Vergebung erlangen.

So lehrt es auch die Bibel:

Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. (Psalm 51,19)

Nahe ist der HERR den zerbrochenen Herzen und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe. (Psalm 34,19)

Wenn Mohammed im letzten Vers der letzten Sure zur Bitte um Vergebung und zur Reue aufgerufen wird, könnte man das auf seine täglichen Sünden beziehen. Oder wollte Allah hier Mohammed sagen, dass er seine Sünden immer noch nicht bereut hat? Immerhin hat er in Sure 33,37 seinen Ehebruch mit der geschiedenen Frau seines Adoptivsohns als Gebot Allahs ausgegeben (näheres dazu in diesem Beitrag), ohne dass von seiner Umkehr von dieser Sünde etwas berichtet worden wäre.

In einem Hadith von Buchari wird erzählt, dass Mohammed nach dem Tod eines seiner Gefährten sagte:

„Was ihn betrifft, bei Allah, der Tod hat ihn eingeholt, und ich hoffe das Beste für ihn. Bei Allah, ich bin zwar der Gesandte Allahs, aber ich weiß nicht, was Allah mit mir tun wird. […]“ (aus Buchari 3929)

Nach diesem Hadith wusste Mohammed nicht, ob Allah ihn nach seinem Tod annehmen würde. So konnte er, der sich der Vergebung seiner eigenen Sünden nicht gewiss sein konnte, auch seinen Nachfolgern keine wirkliche Hoffnung schenken.

Diese Hoffnung schenkt uns Jesus, wenn wir ihm unser Leben anvertrauen.

Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt. (Apostelgeschichte 10,43)

Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. (Kolosser 1,14)

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