Ein Fremder in Meschech und Kedar

5 Weh mir, dass ich als Fremder leben muss in Meschech, dass ich wohnen muss bei den Zelten von Kedar! 6 Ich muss schon allzu lange wohnen bei denen, die den Frieden hassen. 7 Ich bin Frieden; doch ich brauche nur zu reden, sind sie für Krieg. (Psalm 120,5-7)

Psalm 120 ist das erste der sogenannten Wallfahrtslieder (Psalmen 120-134), die vermutlich im Zusammenhang mit den Wallfahrten zu den großen Festen im Tempel von Jerusalem gesungen wurden. Psalm 120 handelt vom Aufenthalt unter fremden und feindlichen Völkern. In Psalm 121,1 erhebt der Beter seine Augen zu den Bergen auf dem Weg nach Jerusalem. In Psalm 122,2 stehen die Füße der Pilger schon in den Toren Jerusalems. In Psalm 123,1 hebt der Beter seine Augen zu Gott auf, der im Himmel thront. Hier ist wohl vorausgesetzt, dass er bereits im Tempel ist. So bilden die ersten Wallfahrtspsalmen in gewisser Weise die Reise nach Jerusalem ab.

In Psalm 120 bringt der Psalmist seine unglückliche Situation in einer feindlichen Umgebung vor Gott. In Vers 2 fühlt er sein Leben von lügnerischen Lippen und einer falschen Zunge bedroht. Im alttestamentlichen Umfeld besteht seine Reaktion aus Rachewünschen (Verse 3-4). Er kennt den Messias, der nicht nur mit Worten, sondern auch durch sein Beispiel die Liebe zu den Feinden gelehrt hat, noch nicht.

Er beschreibt sich als Fremder in Meschech und Kedar.

Meschech meint in der Bibel meist ein vermutlich in Kleinasien zu lokalisierendes Volk. In Ezechiels endzeitlicher Prophetie erscheint Gog von Magog als Großfürst von Meschech und Tubal:

1 Das Wort des HERRN erging an mich: 2 Menschensohn, richte dein Gesicht auf Gog im Land Magog, auf den Großfürsten von Meschech und Tubal, tritt als Prophet gegen ihn auf  3 und sag: So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich will gegen dich vorgehen, Gog, du Großfürst von Meschech und Tubal. (Ezechiel 38,1-3)

Kedar hingegen ist in Nordarabien zu suchen. Kedar war ein Sohn Ismaels (Genesis 25,13). Der sich auf ihn zurückführende Stamm lebte im Norden bzw. Nordwesten Arabiens.

Wegen der Parallelnennung mit Kedar wird vermutet, dass mit „Meschech“ (arab. Māsīk) eine kedrenische Sippe gemeint ist (bibelwissenschaft.de). Wäre mit Meschech das Volk aus Kleinasien gemeint, dann würden beide Namen symbolisch für grausame Barbaren stehen. Falls es aber eine Sippe von Kedar wäre, könnte der Psalm eine persönliche Erfahrung unter diesen arabischen Stämmen widerspiegeln.

Auf jeden Fall werden Meschech und Kedar sehr negativ dargestellt. Ein friedliches Zusammenleben mit ihnen scheint nicht möglich zu sein.

Doch kennt die Bibel auch für die Bewohner Kedars Hoffnung:

10 Singt dem HERRN ein neues Lied, seinen Ruhm vom Ende der Erde her, die ihr das Meer befahrt, seine Fülle, die Inseln und ihre Bewohner! 11 Die Wüste und ihre Städte sollen sich freuen, die Dörfer, die Kedar bewohnt. Die Bewohner von Sela sollen singen vor Freude und jubeln auf den Gipfeln der Berge. 12 Sie sollen dem HERRN die Ehre geben, sein Lob auf den Inseln verkünden. (Jesaja 42,10-12)

Das Kommen des Gottesknechtes (Jesaja 42,1-9) bringt auch den Nationen das Recht.

Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht. (Jesaja 42,1)

Das ist auch für die Araberstämme von Kedar und Sela ein Grund zur Freude. Das bedeutet aber nicht, dass der verheißene Knecht Gottes aus diesen Stämmen kommt, wie manche Muslime annehmen (mehr dazu in diesem Beitrag)1. Es wird vielmehr gesagt, dass das Licht, das der Knecht Gottes zu seinem Volk Israel gebracht hat, zu allen Völkern strahlen wird. Selbst die Barbaren, unter denen der Psalmist leiden musste, werden durch ihn die Freude erfahren, die die Umkehr zu Gott bewirkt.

Bereits bei der ersten Verkündigung des Evangeliums durch Petrus waren Araber anwesend (Apostelgeschichte 2,11). Mit diesen Arabern waren wohl Juden gemeint, die im arabischen Exil wohnten. Durch sie ist wahrscheinlich das Evangelium auch nach Kedar gekommen. Dass es in Arabien vor Mohammed Christen gab, ist durch die wiederholte Erwähnung von Christen im Koran klar bezeugt. Die Freude, die der wahre Knecht Gottes, Jesus Christus, gebracht hat, war schon vor dem Auftreten des Propheten des Islams in Kedar bekannt.

Mohammed hat alles getan, um die Zustände in Kedar wieder denen ähnlich zu machen, wie sie in Psalm 120 geschildert werden. Oder er hat es noch schlimmer gemacht. Trotz der Klagen des Psalmisten war es für ihn möglich, dort zu leben. Nach dem Wirken Mohammeds gab es nach dem Zeugnis islamischer Quellen keine Juden mehr in seiner Stadt Medina. Sie wurden vertrieben oder ermordet.

Wahren Frieden und bleibende Freude finden wir nur bei Jesus. Er kann auch Menschen wie die Bewohner von Meschech und Kedar verwandeln. Aus Menschen des Krieges macht er Friedensstifter.

78 Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, 79 um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens. (Lukas 1,78-79)


  1. Nach Ibn Ishak war Mohammed kein Nachkomme Kedars, sondern von Ismaels Sohn Nabit (in der Bibel: Nebajot – Genesis 25,13). Das Leben Mohammeds nach Mohammed Ibn Ishak bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischam, aus dem Arabischen übersetzt von Dr. Gustav Weil, 1. Band, Stuttgart 1864, S. 1. 

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