Hat der Teufel Gewalt über den Tod?

14 Da nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil genommen, um durch den Tod den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel, 15 und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren. (Hebräer 2,14-15)

Der Herr über Leben und Tod ist Gott, nicht der Teufel.

Jetzt seht: Ich bin es, nur ich, und es gibt keinen Gott neben mir. Ich bin es, der tötet und der lebendig macht. Ich habe verwundet; nur ich werde heilen. Niemand kann retten aus meiner Hand. (Deuteronomium 32,39)

Der HERR macht tot und lebendig, er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf. (1 Samuel 2,6)

Was das Lebendig-Machen betrifft, ist klar, dass das nur Gott kann. Aber beim Töten sieht es anders aus. Unzählige Menschen wurden im Laufe der Geschichte als Opfer gewissenloser Menschen ermordet. Diese Menschen wurden von anderen Menschen, nicht aber von Gott getötet. Für die Opfer der Massenmörder Hitler, Stalin, Mao, für alle Opfer des Dschihad oder der Abtreibung kann man nicht Gott verantwortlich machen. Vor diesem Dilemma steht man dann, wenn man an Prädestination glaubt. Aber wenn Gott die Menschen als freie Wesen geschaffen hat, dann kommt es durch den Missbrauch der Freiheit auch zu schrecklichen Verbrechen, die Gott zulässt, die aber von Menschen in ihrer Bosheit und Rebellion gegen Gott durchgeführt werden.

Aber kann der Teufel Menschen töten? Hat er diese Gewalt, einfach Menschen umzubringen?

Am Beispiel Jesu sehen wir, dass er sein Werk nur durch Menschen vollbringen konnte. Er hat es schon durch Herodes versucht, als Jesus noch ein Kleinkind war (Matthäus 2,16-18). In der Wüste hat der Teufel Jesus zur Sünde versuchen wollen (Matthäus 4,1-11). Er konnte ihn aber nicht einfach töten. Hätte Jesus gesündigt, wäre sein Werk der Erlösung gescheitert. Als Jesus getötet wurde, geschah es auf Initiative der religiösen Führer der Juden durch die Hand der heidnischen Römer. Diese haben den Willen Satans vollbracht. Ohne die Bosheit der Menschen hätte der Teufel Jesus nicht töten können.

Worin besteht nun die „Gewalt“ des Teufels über den Tod?

Im Griechischen steht für „Gewalt“ nicht ἐξουσία / exusía, das übliche Wort für „Vollmacht“, „Autorität“, sondern κράτος / krátos. Dieses Wort steht an allen anderen Stellen im Neuen Testament nur für die Macht oder Kraft Gottes bzw. Jesu Christi. Allein in Hebräer 2,14 lesen wir von dem krátos des Teufels. Nach der Elberfelder Studienbibel steht dieses Wort für die ausgeübte Macht. So wie der Teufel der „Fürst (oder Herrscher) dieser Welt“ genannt wird (Johannes 12,31; 14,30; 16,11), weil er sich diese Herrschaft durch die Verführung der Menschen zur Sünde geraubt hat, so hat er sich durch die Sünde auch in gewisser Weise die Gewalt über den Tod geholt, ohne diese aber in vollem Ausmaß ausüben zu können. Er hatte diese Gewalt nur in den von Gott gesetzten Grenzen.

Nach Römer 5,12 ist der Tod durch die Sünde in die Welt gekommen:

Deshalb: Wie durch einen einzigen Menschen die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise der Tod zu allen Menschen gelangte, weil alle sündigten – […]

Paulus hat hier den Teufel nicht erwähnt, sondern nur die Sünde des Menschen. Doch sündigte der Mensch infolge der Versuchung durch die Schlange (Genesis 3,1-7). Das apokryphe Buch der Weisheit zieht daraus den Schluss:

23 Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. 24 Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt und ihn erfahren alle, die ihm angehören. (Weisheit 2,23-24)

Insofern trägt der Teufel durch sein Wirken die Verantwortung für die Sünde und den darauf folgenden Tod, ohne dass dadurch die Verantwortung des Menschen für sein Tun geschmälert würde.

Beim Tod sind die Aspekte des geistlichen Todes und des leiblichen Todes zu unterscheiden.

In Genesis 2,17 ergeht die göttliche Warnung:

[…] doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben.

Das Sündigen des Menschen hat ihn von Gott getrennt. Das ist der geistliche Tod. Der später folgende leibliche Tod war eine Konsequenz der Trennung des Menschen von der Quelle des Lebens, die wir nur in Gott finden. Die Frage, wie es mit dem Leben des Menschen auf dieser Erde, in der es ja im Tierreich den Tod schon gab, weitergegangen wäre, wenn er nicht gesündigt hätte, ist hochspekulativ. Ich denke, dass es Andeutungen dazu in der Bibel gibt. Das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen und wird vielleicht später einmal behandelt.

Vielleicht hat der Autor des Hebräerbriefs daran gedacht, dass durch die Verführung des Teufels der Tod in die Welt kam und er deshalb in gewisser Weise die Gewalt über den Tod hatte.

In Vers 15 ist von der Furcht vor dem Tod die Rede, die die Menschen in Knechtschaft hält. Wenn die Beziehung zu Gott fehlt, fehlt die Hoffnung. Der Tod wird zum Schrecken und nicht zur Heimkehr zum Vater. Der Mensch erfährt nicht die Freiheit der Kinder Gottes.

Jesus hat durch seinen Tod den Teufel entmachtet. Der Widersacher Gottes hat durch seine Diener dafür gesorgt, dass Jesus getötet wurde. Jesus hat die Bosheit der Menschen, die unbewusst den Willen des Teufels ausgeführt haben, geduldig und in Liebe ertragen. Auch die größten Schmerzen und aller Spott, dem er ausgesetzt war, haben ihn nicht von seiner Liebe und Güte abgebracht. So hat er die Bosheit durch Güte überwunden und durch seine Auferstehung den Tod.

Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. (Apostelgeschichte 2,24)

Durch die Kraft seiner Auferstehung schenkt er denen, die an ihn glauben, ein neues Leben.

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu gezeugt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten […] (1 Petrus 1,3)

Er schenkt schon in dieser Welt das geistliche Leben, das mit dem Tod nicht endet.

[…] zu einem unzerstörbaren, makellosen und unvergänglichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. (1 Petrus 1,4)

25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, 26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? (Johannes 11,25-26)

Der Teufel hatte wegen der Verführung zur Sünde in beschränktem Maß Gewalt über den Tod. Doch er wurde durch Jesus besiegt. Jedem, der an Jesus glaubt, erfährt diesen Sieg als einen Sieg über die Sünde und ein neues Leben, das schon jetzt beginnt und in der Ewigkeit seine Vollendung erfährt.

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑