Mohammed in Psalm 72

Zu den Bibelstellen, in denen von manchen Muslimen eine Prophetie auf Mohammed gesehen wird, gehört Psalm 72. Halid B. schreibt in seinem Artikel „Ahmed in der Bibel“ folgende Erklärung:

Psalm 72  Vers 8-17

Er soll herrschen von einem Meer bis ans andere, und von dem Strom bis den Enden der Erde. Vor ihm sollen sich neigen die Söhne der Wüste, und seine Feinde sollen Staub lecken. …denn er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit, und den Elenden, der keinen Helfer hat. Er wird gnädig sein den Geringen und Armen, du den Armen wird er helfen. Er wird ihre Seele aus dem Trug und Frevel erlösen und ihr Blut ist wert geachtet vor ihm. Er soll leben  und man soll ihm geben vom Gold aus Saba. Man soll immerdar für ihn beten und ihn täglich segnen.

Wer hat seine Herrschaft von einem Meer zum anderen Ausdehnen können, und Unterwarf die Königreiche? Vor wem neigten sich die Wüstensöhne? Wer nahm den Kampf gegen die Armen und Unterdrückten auf, und schaffte es, daß auch ihr Leben geachtet wurde? Das wichtige ist hier, für wen wird Gebetet und für wen spricht man Segenswünsche? Alle diese Erwartungen treffen nur auf Muhammed zu. Einige Stellen kann man im geistigen Sinne hier auch auf Jesus beziehen. Aber beten und segnen trifft nicht auf Jesu. Jesu wird ja als Gott verehrt. Man betet Jesu an, aber man wünscht ihm keinen Segen, und man betet nicht für ihn.

In den fünf täglichen Gebeten der Muslime, wird Muhammed jedesmal der Segen gewünscht. Man betet für Muhammed und für seine Familie.

Besonders interessant ist die Fragestellung: Wer nahm den Kampf gegen die Armen und Unterdrückten auf, […]? Es ist nach der islamischen Überlieferung durchaus nicht auszuschließen, dass Mohammed gegen Arme und Unterdrückte (besonders unter den Juden) gekämpft hat. Aber ich nehme an, dass der Autor etwas anderes sagen wollte, als er geschrieben hat.

Die erste Frage, die wir zu stellen haben, ist, worum es in diesem Psalm überhaupt geht.

Die Einheitsübersetzung deutet mit ihrer Überschrift „Vermächtnis des Königs für seinen Nachfolger“ an, dass es sich um Worte Davids seinen Sohn Salomo betreffend handelt. Diese Überschrift gehört nicht zum Text, sondern ist das Werk der Herausgeber dieser Übersetzung. Manches passt sicher, vor allem, wenn man es als Wunsch Davids für seinen Sohn versteht, auf Salomo. Anderes passt keineswegs auf ihn, z. B.:

Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba. (Psalm 72,10)

Tarschisch wird üblicherweise in Spanien lokalisiert und galt als das Ende der damals bekannten Welt.“Scheba und Saba“ könnte man mit der Königin von Saba (1 Könige 10,1-10) in Verbindung bringen. Doch ging es da mehr um geschäftliche Beziehungen als um Tribut.

Auch Vers 8 passt nur mit einer bestimmten Interpretation auf Salomo:

Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.

Wenn man „von Meer zu Meer“ so versteht, dass es um das Mittelmeer und das Tote Meer geht, und „vom Strom bis an die Enden der Erde“ „vom Euphratstrom bis an die Enden des Landes (Israel)“ bedeutet, kommt man auf das Herrschaftsgebiet Salomos, das schon von seinem Vater David erobert wurde.

Die jüdische und christliche Tradition hat Psalm 72 als einen messianischen Psalm verstanden. Der König, um den es in diesem Psalm geht, wird als der Messias verstanden. So heißt es in der messianischen Stelle Sacharja 9,10:

[…] und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Nun ist aber offensichtlich, dass Jesus zur Zeit seines Wirkens auf der Erde diese Worte keineswegs erfüllt hat. Also hat es sich dann doch in Mohammeds Kommen erfüllt?

Bei seinem ersten Kommen war Jesus der Messias in Erniedrigung und Demut. Gerade durch diesen Dienst hat er Gottes Liebe und Erbarmen in die Welt gebracht und die Sünde, die Bosheit, den Hass überwunden. Er wird wiederkommen und als Richter die ewige Gerechtigkeit bringen. Er wird in einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde für alle Ewigkeit regieren.

Wir sollten auch daran denken, dass prophetische Texte nie ein genaues Drehbuch der Zukunft liefern, sondern dass hier ein Gottesmann die kommende Herrschaft des Messias mit Bildern seiner Zeit ausgedrückt hat. Die Herrschaft des Messias wird universal sein. Darum kommen die fernsten Orte vor: Tarschisch, Scheba und Saba. Auch „von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde“ meint wirklich alles. Das Reich des Messias geht weiter als das Reich Davids und Salomos. Letztlich wird die ewige Herrschaft Jesu Christi die Vorstellungen des Psalmisten bei Weitem in den Schatten stellen.

Doch nun zur Erklärung von Hamid B.:

Wer hat seine Herrschaft von einem Meer zum anderen Ausdehnen können, und Unterwarf die Königreiche? Vor wem neigten sich die Wüstensöhne?

Er versteht mit den beiden Meeren vermutlich das Rote Meer und den Persischen Golf, zwischen denen sich die arabische Halbinsel erstreckt. Es stimmt, dass Mohammed – im Gegensatz zu Jesus – ein Mann des Krieges war. Der Überlieferung zufolge hat er den Großteil der arabischen Halbinsel erobert. Doch wenn man schon in dieser Weise wörtlich sein will, muss man es konsequent sein. Bis zum „Strom“, mit dem in der Bibel der Euphrat gemeint ist, ist Mohammed nicht gekommen. Man müsste zumindest die Expansion seiner Nachfolger mit einbeziehen. Zumindest ergibt sich aus dieser Erklärung, dass Mohammed und seine „Religion des Friedens“ von Anfang an auf Krieg und Eroberung aus war. Er hat seine Herrschaft auf Gewalt gegründet.

Das Hauptargument des muslimischen Autors bezieht sich auf Vers 15b:

Man soll für ihn allezeit beten, jeden Tag für ihn Segen erflehen.

Dazu nochmals seine Erklärung:

Das wichtige ist hier, für wen wird Gebetet und für wen spricht man Segenswünsche? Alle diese Erwartungen treffen nur auf Muhammed zu. Einige Stellen kann man im geistigen Sinne hier auch auf Jesus beziehen. Aber beten und segnen trifft nicht auf Jesu. Jesu wird ja als Gott verehrt. Man betet Jesu an, aber man wünscht ihm keinen Segen, und man betet nicht für ihn.

In den fünf täglichen Gebeten der Muslime, wird Muhammed jedesmal der Segen gewünscht. Man betet für Muhammed und für seine Familie.

Es ist korrekt, dass Christen nicht für Jesus beten, sondern zu ihm. Er ist es, der uns segnet. Er braucht den Segen nicht, da er in untrennbarer Einheit mit seinem himmlischen Vater ist.

Es stellt sich aber die Frage, ob im Psalm gemeint sein kann, dass für einen Toten gebetet wird. Es gibt in der ganzen Bibel weder im Alten noch im Neuen Testament ein Gebet für einen Verstorbenen. Finden wir im Psalm nicht eher die Vorstellung, dass der Messias ewig lebt?

Er soll leben, solange die Sonne bleibt und der Mond – bis zu den fernsten Geschlechtern. (Psalm 72,5)

Die Einheitsübersetzung folgt hier allerdings dem Septuagintatext, der sich vom Hebräischen unterscheidet. Die hebräische Version lautet: Sie sollen dich fürchten, solange …
Eine leichte Änderung der hebräischen Konsonantenreihenfolge führt zur Vorlage des griechischen Textes. Darum ist nicht ganz klar, was hier wirklich gemeint ist.

Doch hat das Gebet für den König nur Sinn, wenn der König herrscht. Mir ist nicht bekannt, dass irgendein Muslim behaupten würde, dass Mohammed jetzt als König herrscht. Es kann nicht darum gehen, dass man darum betet, dass jemand, der in seinem irdischen Leben den Frieden mit Gott nicht erlangt hat, wenigstens nach seinem Tod diesen Frieden erhalten sollte. Das ist doch der Inhalt der Gebetsformel: Allah bete über ihm und schenke ihm Frieden.

Was in Psalm 72,17 steht, hat einen völlig anderen Inhalt:

Sein Name soll ewig bestehen, solange die Sonne bleibt, sprosse sein Name. Mit ihm wird man sich segnen, ihn werden seligpreisen alle Völker.

Das passt ganz gut zu den christlichen Segenswünschen, wie z. B.:

Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2 Korinther 13,13)

Was Psalm 72,15b betrifft, wo über das Gebet für den König die Rede ist, könnte es man sich so erklären, dass aufgrund der noch unvollkommenen Erkenntnis des Psalmisten dieser sich die Herrschaft des Messias so vorgestellt hat, dass selbstverständlich sein Volk für seinen König betet, so wie es Gläubige für ihre Herrscher tun.

Eine interessante, wenn auch unwahrscheinliche Übersetzungsmöglichkeit bietet die Jerusalemer Bibel in ihrer Fußnote:

Andere Übersetzung: „Er (der Messias) wird für ihn (den Armen) beten (fürbittend eintreten) und ihn preisen.

Ich habe diese unwahrscheinliche, aber vom hebräischen Text her mögliche Übersetzung nur der Vollständigkeit her genannt.

Auch wenn nicht ganz klar ist, wie Vers 15b zu verstehen ist, scheint ein Gebet für den Frieden eines Verstorbenen nicht gemeint zu sein.

Ich möchte noch auf einige Dinge hinweisen, die dagegen sprechen, dass es hier um Mohammed geht.

In Vers 1 heißt es:

Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten.

Mohammed war kein Königssohn. Jesus war ein Nachkomme Davids.

Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker. (Psalm 72,11)

Mohammed hat zwar einige Völker und deren Herrscher unterworfen, aber nicht alle. Nach seinem Anspruch sollten die Völker nicht Mohammed dienen, sondern Allah. Das hebräische Wort für „niederwerfen“ hat die Bedeutung „huldigen“, aber auch „anbeten“. Es wird oft für die nur Gott gebührende Verehrung verwendet. Auf Jesus trifft beides zu. Er verdient die Huldigung als König der Könige (Offenbarung 19,16). Vor ihm wird sich aber bei seinem zweiten Kommen jedes Knie beugen.

9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, 10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu 11 und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper 2,9-11)

Auch nach dem Koran ist Jesus der Messias. Wenn Psalm 72 über den Messias spricht, dann ist die Deutung auf Mohammed nicht möglich.

Ich möchte Muslime dazu ermuntern, die Aussage, dass Jesus der Messias ist, ernst zu nehmen, die Bibel nicht als Steinbruch zu verwenden, um dort Stellen zu finden, die man unter Ausschaltung des Zusammenhangs irgendwie auf Mohammed beziehen könnte, sondern dort die Worte des Lebens zu finden, die uns zu Jesus, dem ewigen Wort Gottes, das für uns Mensch geworden ist, führen.

32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. 33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. (Lukas 1,32-33)

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