Wie hat Gott die Sünde im Fleisch verurteilt?

Denn weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, das unter der Macht der Sünde steht, wegen der Sünde, um die Sünde im Fleisch zu verurteilen. (Römer 8,3)

Paulus hat in diesem Vers Gottes Weg der Erlösung zusammengefasst.

Das „Gesetz“, d. h. die Thora, zeigt dem Menschen Gottes Gebote, zeigt ihm dadurch auch die Sünden, die ihn von Gott trennen. Es kann dem Menschen, der durch das „Fleisch“, d. h. in diesem Zusammenhang wohl die Prägung und Schwächung durch die Sünde, „ohnmächtigen“1 Menschen aber nicht aus seinem Dilemma heraushelfen.

Darum hat Gott seinen Sohn gesandt. Er sollte bewirken, was das Gesetz nicht bewirken kann.

Paulus macht hier zwei Aussagen:

a) Gott sandte seinen Sohn „in Gestalt des Fleisches, das unter der Macht der Sünde steht“.

b) Er tat das wegen der Sünde, um die Sünde im Fleisch zu verurteilen.

Die erste Aussage handelt von der Inkarnation, der Menschwerdung des ewigen Sohnes oder auch Wortes Gottes, wie es auch in Johannes 1,14 heißt:

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

In Jesus, dem fleischgewordenen Wort Gottes, war Gottes Herrlichkeit sichtbar. Aber er selbst kam in „Gleichgestalt des Fleisches der Sünde“ (Elberfelder). Er hat sich in seiner Menschwerdung auf unsere Ebene begeben. „Fleisch der Sünde“ heißt nicht, dass unser Leib oder unsere menschliche Natur in sich sündig wäre. Auch der Mensch nach dem Sündenfall ist von Gott gut geschaffen, wie es der Psalmist in Psalm 139,14 voller Staunen ausdrückt:

Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.

Doch ist der Sündenfall nicht ohne Auswirkung auf den Menschen. Auch wenn der Mensch nicht als Sünder zur Welt kommt, wie es seit Augustinus behauptet wird, kämpft er aus einer geschwächten Position gegen die Sünde, was dazu führt, dass jeder Mensch, der das Alter erreicht, in dem er bewusst entscheiden kann, sündigt.

Wenn Paulus schreibt, dass Jesus in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde kam, heißt das, dass Jesus ein Mensch so wie wir wurde. Er kam in eine gefallene Welt, er hat die Folgen des Sündenfalls so wie wir getragen.

7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; 8 er erniedrigte sich (Philipper 2,7-8a)

Da nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil genommen […] (Hebräer 2,14a)

Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hohepriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen. (Hebräer 2,17)

Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. (Hebräer 4,15)

Anders als wir hat Jesus, obwohl er Mensch in unserer gefallenen Natur geworden ist, nicht gesündigt.

Das führt uns zur zweiten Aussage, die Paulus in Römer 8,3 macht:

[…] wegen der Sünde, um die Sünde im Fleisch zu verurteilen.

Wie hat Gott in Jesus die Sünde im Fleisch verurteilt?

John MacArthur schreibt dazu:2

Gottes Gericht über die Sünde wurde vollständig auf das sündlose Fleisch Christi ausgegossen (Jes 53,4-8; vgl. Phil 2,7).

In den von ihm angeführten Verweisen aus Jesaja 53 und Philipper 2 steht nun aber nichts davon, dass Gottes Gericht über die Sünde vollständig auf das sündlose Fleisch des Messias ausgegossen wurde. (Vergleiche dazu auch die Beiträge Die Strafe liegt auf ihm? und Gefiel es Gott, Jesus zu zerschlagen?) Auch sonst finden wir eine derartige Aussage an keiner Stelle der Bibel.

Hat Gott in seinem Sohn die Sünde nicht vielmehr dadurch verurteilt, dass Jesus trotz aller Versuchungen, denen er im „Fleisch der Sünde“ ausgesetzt war, nie gesündigt hat? Jesus hat der Versuchung keinen Augenblick nachgegeben. Sein ganzes Leben war vollkommen, rein, heilig. Er, der die Liebe ist, hat den Hass überwunden. Die Sünde wurde dadurch überwunden, besiegt und verurteilt. Bis in seinen Tod hinein, der aber kein Strafgericht Gottes war, blieb Jesus siegreich über die Sünde. So hat Jesus durch sein Leben und Sterben die Sünde besiegt und verurteilt.

Daraus ergibt sich in Folge, was Paulus in Vers 4 schreibt:

[…] dies tat er, damit die Forderung des Gesetzes in uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben.

Wer an Jesus glaubt, ihm nachfolgt, ist aus der Kraft seiner Auferstehung in einer lebendigen Beziehung mit ihm. Der Sieg, den Jesus über die Sünde errungen hat, hat eine Auswirkung im Leben seiner Jünger. Die Forderung des Gesetzes nach einem Leben in Heiligkeit und Liebe wird in der Lebensgemeinschaft mit Jesus erfüllt. Er hilft uns, das Fleisch, die Prägung durch unsere Sünden, zu überwinden und so nach dem Geist zu leben.

Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2 Korinther 5,17)


  1. Wenn das Gesetz „ohnmächtig durch das Fleisch“ genannt ist, ist es letztlich der Mensch, der durch seine Sünden nicht die Kraft hat, den Geboten Gottes zu entsprechen. 
  2. John MacArthur Studienbibel, 6. Auflage Bielefeld 2009, S. 1617. 

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