Ehre und verehre mit besonderer Liebe die heilige und glorreiche Jungfrau Maria. Sie ist die Mutter unseres höchsten Vaters.
(Franz von Sales)
In meinem Beitrag über Maria in der Dreieinigkeit, in dem es um die im Koran (Sure 5,116) geäußerte Annahme ging, dass Christen neben Gott auch Jesus und seine Mutter als Götter verehren, habe ich geschrieben:
Spätestens seit dem 3. Jahrhundert kam es innerhalb des Christentums zu einer Fehlentwicklung, die im Gegensatz zur Lehre der Bibel zu einer kultischen Verehrung Marias geführt hat, sodass für äußere Beobachter tatsächlich der Eindruck entstehen konnte, dass Maria wie eine Göttin verehrt wurde. Doch haben selbst die intensivsten Marienverehrer wenigstens offiziell immer daran festgehalten, dass Maria nur Mensch ist und keinesfalls ein Teil der Dreieinigkeit ist.
Nun bin ich aber heute auf das oben genannte Zitat eines katholischen „Heiligen“ gestoßen, das meine Behauptung infrage stellt.
Franz von Sales veröffentlichte 1619 sein Werk „Introduction à la vie dévote“ – „Anleitung zum frommen Leben“, das im Deutschen meistens als „Philothea“ bekannt ist. Dort schrieb er im zweiten Teil im 16. Kapitel:
Ehre und verehre mit besonderer Liebe die heilige und glorreiche Jungfrau Maria. Sie ist die Mutter unseres höchsten Vaters. Gehen wir zu ihr wie kleine Kinder, schmiegen wir uns mit vollkommenem Vertrauen an ihre Brust. Rufen wir bei jeder Gelegenheit diese gütige Mutter an, wenden wir uns an ihre Mutterliebe; bemühen wir uns, ihr Tugendleben nachzuahmen, und hegen wir eine wirklich kindliche Liebe zu ihr. (Quelle)
Meines Wissens ist auch im katholischen Bereich mit „unserem höchsten Vater“ Gott Vater gemeint. Oder sollte er den Papst gemeint haben?
Ich nehme an, dass Franz von Sales nicht gelehrt hat, dass Maria ein Teil der Dreieinigkeit ist. Offiziell wird er wohl an der Lehre, dass Maria nur ein Mensch ist, festgehalten haben.
Doch wenn er in seiner überschwänglichen Sprache Maria die „Mutter unseres höchsten Vaters“ nennt, setzt das logisch voraus, dass sie göttlichen Wesens sein muss. Sie muss sogar die erste Person der neuen Drei- oder genauer gesagt, Viereinigkeit sein. Wenn sie die Mutter des Vaters ist, dann hat der Vater seinen Ursprung in ihr. Dann ist letztlich Maria der ursprungslose Ursprung, der Urquell allen Seins. Gott Vater und dadurch auch der Sohn und der Heilige Geist haben dann ihren letzten Ursprung in ihr.
Heute sagen Katholiken in der Regel, dass Maria nur um ihre Fürbitte angerufen wird, so wie ein Christ andere Christen um ihr Gebet bittet. Auch das ist nicht möglich, weil Maria als bloßer Mensch auch nach ihrem Tod nicht allwissend und allgegenwärtig ist. Der zitierte Text dieses katholischen „Heiligen“ geht aber über das bloße Anrufen um die Fürbitte hinaus. Von Fürbitte steht da nichts. Man soll die „gütige Mutter“ bei jeder Gelegenheit anrufen, sich an ihre Mutterliebe wenden. Maria wird hier über den ohnehin schon unbiblischen Status einer „Mittlerin“ erhöht. Sie ist die Mutter, ja sogar die „Mutter unseres höchsten Vaters“.
Die Entscheidung des Konzils von Ephesus, dass Maria „Theotokos“ (Gottesgebärerin) genannt werden darf, kann man richtig verstehen. Ihr Sohn Jesus war von Anfang an göttlicher Natur. Das ewige Wort Gottes ist in Maria Fleisch geworden.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)
Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. (Lukas 1,35)
Da Jesus ab dem Augenblick der Empfängnis im Schoße Marias Gott und Mensch in einer Person war, war das von Maria geborene Kind auch Gott. Daher ist es zulässig, Maria „Gottesgebärerin“ zu nennen. Jedoch birgt dieser Titel und noch viel mehr das Wort „Gottesmutter“ die enorme Gefahr eines Missverständnisses in sich, nämlich dass Jesus auch seine göttliche Natur von ihr empfangen habe, was eine Unmöglichkeit in sich darstellt und auch offiziell nicht gelehrt wird.
An das „Missverständnis“, dass der Titel „Gottesmutter“ auch dazu führen kann, dass Maria als „Mutter unseres höchsten Vaters“ bezeichnet wird, habe ich bisher nicht gedacht. Aber offensichtlich hat es auch das gegeben.
Doch diese auch nach katholischem Maßstab handfeste Häresie war offensichtlich kein Hindernis, dass dieser Mann heiliggesprochen wurde. Aber es wurde auch Karol Wojtyła (Johannes Paul II.) trotz seiner Beteiligung an heidnischen götzendienerischen Riten heiliggesprochen.
Wahre Heilige, d. h. Jünger Jesu, folgen dem ihnen von Jesus gewiesenen Weg. Dieser Weg ist Jesus selber (Johannes 14,6), er, der der einzige Mittler zum Vater ist.
Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus. (1 Timotheus 2,5)
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