Die Leitlinie für die Leute des Evangeliums

46 Und Wir ließen auf ihren Spuren ʿĪsā, den Sohn Maryams, folgen, das zu bestätigen, was von der Thora vor ihm (offenbart) war; und Wir gaben ihm das Evangelium, in dem Rechtleitung und Licht sind, und das zu bestätigen, was von der Thora vor ihm (offenbart) war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. 47 Und so sollen die Leute des Evangeliums nach dem walten, was Allah darin herabgesandt hat. Wer nicht nach dem waltet, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, das sind die Frevler. (Sure 5,46-47)

In dieser Stelle bestätigt der Koran, dass im Evangelium Rechtleitung und Licht sind. Das Evangelium ist der Maßstab und die Richtschnur für die Christen.

Diese Worte des Korans entsprechen den Worten Jesu:

24 Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. (Matthäus 7,24-25)

21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. […] 23 […] Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. (Johannes 14,21.23)

Die Worte Jesu, das Evangelium, sind der Maßstab, nach dem sich die Christen halten. Diese Worte werden nie vergehen.

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. (Matthäus 24,35)

In Sure 5,46-47 geht der Koran von der Unverfälschtheit des Evangeliums aus. Sonst könnte es nicht der Maßstab für die Christen sein. Weiters verlangt der Koran nicht, dass die „Leute des Evangeliums“ Muslime werden. Sie sollen sich an das Evangelium halten. Im Evangelium finden sie Rechtleitung und Licht.

Warum steht dann in der 9. Sure eine völlig andere Botschaft?

29 Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen – von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde –, bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind! 30 Die Juden sagen: „ʿUzair ist Allahs Sohn“, und die Christen sagen: „Al-Masīḥ ist Allahs Sohn.“ Das sind ihre Worte aus ihren (eigenen) Mündern. Sie führen ähnliche Worte wie diejenigen, die zuvor ungläubig waren. Allah bekämpfe sie! Wie sie sich (doch) abwendig machen lassen! (Sure 9,29-30)

Den Beginn von Vers 29 könnte man so verstehen, dass es nicht um die Christen geht, da Christen ja an Gott und an den Jüngsten Tag glauben. Doch im weiteren Verlauf des Verses wird die Sache klarer. Es wird verlangt, das zu verbieten, was „Allah und Sein Gesandter verboten haben“. Juden und Christen sollen bekämpft werden. Wenn sie nicht Muslime werden, müssen sie die Oberhoheit der Muslime akzeptieren, ihnen gefügig werden und Tribut entrichten. In Vers 30 wird Allah von Allah (?) aufgefordert, sie zu bekämpfen, weil Christen das glauben, was Jesus von sich beansprucht hat. Den Juden, die den Glauben der Christen nicht teilen, wird etwas verleumderisch angedichtet. Mehr zu Sure 9,30 gibt es in einem eigenen Beitrag.

Sollen wir das so verstehen, dass Sure 9,29-30 die Verse aus Sure 5 abrogiert hat? Die später „herabgesandten“ Verse heben im Falle eines Widerspruchs die früheren Verse auf. Sure 9 ist der Tradition zufolge die zeitlich vorletzte Sure des Korans. Sie ist also später als Sure 5 geschrieben worden.1

Auf jeden Fall sind die beiden Aussagen widersprüchlich. Einerseits sollen sich die Christen an das Evangelium halten, das ganz klar bezeugt, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Andererseits soll Allah genau aus dem Grund die Christen bekämpfen. Auf jeden Fall gehören sie unterjocht und tributpflichtig gemacht.

Ist das die Klarheit des ewigen Wortes Allahs, das sich innerhalb weniger Jahre in sein Gegenteil wandelt?

Das ewige Wort Gottes ist in Jesus Christus Mensch geworden. Er verändert sich nicht und seine Worte bleiben in Ewigkeit.

Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. (Hebräer 13,8)

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. (Matthäus 24,35)


  1. Doch auch die Sure 5 ist bereits in sich widersprüchlich. Mehr dazu hier

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