Du hast der Erde Grund gelegt …

26 Vorzeiten hast du der Erde Grund gelegt, die Himmel sind das Werk deiner Hände. 27 Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle zerfallen wie ein Gewand; du wechselst sie wie ein Kleid und sie schwinden dahin. 28 Du aber bleibst, der du bist, und deine Jahre enden nie. (Psalm 102,26-28)

Der 102. Psalm ist einer der Klagepsalmen, wie es bereits in der Überschrift in Vers 1 ausgedrückt wird:

Bittgebet eines Gebeugten, wenn er verzagt und vor dem HERRN seine Sorge ausschüttet.

Der Beter des Psalms klagt einerseits über persönliches Elend (Verse 2-12.23-24), er hat aber auch die Not des Gottesvolkes im Blick (Verse 14-23). Anders als Psalm 88 ist Psalm 102 stark von Hoffnung auf Gott erfüllt.

Angesichts der eigenen Vergänglichkeit verweist der Psalmist auf die Ewigkeit Gottes:

Du aber, HERR, du thronst für immer und ewig und das Gedenken an dich dauert von Geschlecht zu Geschlecht. (Psalm 102,13)

Angesichts der Ruinen der zerstörten Stadt Jerusalem und der Gefangenschaft ihrer Bewohner, hat er die Hoffnung, dass Gott die Stadt wieder aufbauen wird, dass er das Seufzen der Gefangenen hören wird, dass sich alle Völker versammeln werden, um Gott die Ehre zu geben, so in den Versen 14-23.

Gegen Ende des Psalms, in den eingangs zitierten Versen 26-28 kommt der Psalmist wieder auf die Ewigkeit Gottes zu sprechen, und darauf, dass Gott der Schöpfer ist. Auch wenn die Schöpfung vergänglich ist, ist Gott ewig. Darauf gründet sich seine Hoffnung.

Im Neuen Testament finden wir diese Verse im Hebräerbrief zitiert.

10 Und: Du, Herr, hast vorzeiten der Erde Grund gelegt, die Himmel sind das Werk deiner Hände. 11 Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle veralten wie ein Gewand; 12 du rollst sie zusammen wie einen Mantel und wie ein Gewand werden sie gewechselt. Du aber bleibst, der du bist, und deine Jahre enden nie. (Hebräer 1,10-12)

Die geringen Textunterschiede erklären sich dadurch, dass der Autor des Hebräerbriefs den Psalm nach der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der sogenannten Septuaginta zitiert hat.

Erstaunlich ist vor allem der Zusammenhang, in dem der Hebräerbrief dieses Psalmzitat bringt. In Hebräer 1 geht es um Jesus, durch den Gott „am Ende dieser Tage“ gesprochen hat (Vers 2). Durch Jesus hat Gott endgültig und abschließend zu den Menschen gesprochen, nachdem er früher oft durch die Propheten geredet hat. Weiterhin geht der Schreiber des Hebräerbriefs auf die besondere Würde Jesu ein. Ab Vers 4 betont er, dass Jesus erhabener ist als die Engel. Er macht das dadurch, dass er verschiedene Texte aus dem Alten Testament auf Jesus bezieht. Einer dieser auf Jesus bezogenen Texte sind die Verse aus Psalm 102.

Was damit gesagt sein will, ist klar. Jesus ist der ewige Gott, der Schöpfer des Universums. Die Welt vergeht, er aber bleibt.

Jesus hat ähnliches über seine Worte gesagt:

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. (Markus 13,31)

Nicht nur seine Worte sind ewig. Auch er selbst ist ewig, da er das ewige Wort des Vaters ist.

So wie im Alten Testament der Psalmist in seiner Not seine Zuflucht zum ewigen Schöpfer genommen hat, zu ihm, der der Welt Grund gelegt hat, so dürfen auch wir mit unserer Not zu ihm kommen, zum ewigen Schöpfer, der in Jesus Christus Mensch geworden ist.

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

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