Wer Schuldige freispricht und wer Unschuldige verurteilt, beide sind dem HERRN ein Gräuel. (Sprichwörter 17,15)
Die Gefahr, dass ein Gericht mehr nach Willkür oder ideologischen Grundsätzen oder einfach nach den Machtgelüsten eines Herrschers „Recht“ spricht, ist nichts Neues. Sie war zu allen Zeiten, so auch im alten Israel, gegeben.
Darum wurde in der Thora eingeschärft:
19 Du sollst das Recht nicht beugen. Du sollst kein Ansehen der Person kennen. Du sollst keine Bestechung annehmen; denn Bestechung macht Weise blind und verdreht die Fälle derer, die im Recht sind. 20 Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen, damit du Leben hast und das Land in Besitz nehmen kannst, das der HERR, dein Gott, dir gibt. (Deuteronomium 16,19-20)
Das Volk Israel, das an einen gerechten Gott glaubte, sollte in seinem Zusammenleben und besonders in seiner Rechtsprechung der Gerechtigkeit Raum verschaffen.
Denn gerecht ist der HERR, gerechte Taten liebt er. Redliche schauen sein Angesicht. (Psalm 11,7)
Darum galt der in Sprüche 17,15 genannte Grundsatz auch und besonders in Israel. Wer Schuldlose verurteilt und Schuldige freispricht, hat sich nicht nur vom Prinzip des Rechtsstaats entfernt, sondern er ist dem HERRN ein Gräuel.
Nun aber wird die Erlösung durch den Tod Jesu oft so erklärt, dass Gott Jesus statt uns bestraft habe. Damit Gott uns vergeben könne, habe er Jesus unsere Strafe aufgeladen. Er habe seinen wegen unserer Sünden berechtigten Zorn an Jesus ausgeladen. Um seiner Gerechtigkeit Genüge zu tun, habe Gott nicht einfach von der Strafe absehen können. Er habe an unserer Statt seinen einzigen und vollkommen unschuldigen Sohn Jesus mit dem Tod, ja sogar mit Gottesferne bestraft.
Gott hätte – nach dieser Erklärung – genau das getan, was ihm selbst ein Gräuel ist. Er hätte den Unschuldigen (Jesus) verurteilt und uns, die wir durch unsere Sünden zu Schuldigen geworden sind, freigesprochen.
Beugt etwa Gott das Recht oder beugt der Allmächtige die Gerechtigkeit? (Ijob 8,3)
Ja, Jesus wurde verurteilt. Aber nicht von Gott, sondern von Menschen, die diesen Justizmord, der Gott ein Gräuel ist, begangen haben. Ja, der Tod Jesu war zu unserem Heil. Aber nicht deswegen, weil Gott ihn strafen musste, um uns vergeben zu können. Seine Liebe hat den Hass besiegt, seine Güte die Bosheit, seine Auferstehung den Tod.
Die menschliche Bosheit hat in der Ermordung des sündlosen Sohnes Gottes einen Höhepunkt erreicht. Doch die Liebe Gottes, die er in Jesus gezeigt hat, war stärker als die Bosheit und der Hass. Menschen konnten Jesus foltern und töten. Aber sie konnten seine Liebe nicht auslöschen.
Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. (Apostelgeschichte 2,24)
Gottes Gerechtigkeit besteht nicht darin, dass er einen Justizmord angeordnet hat. Seine Gerechtigkeit besteht in der Vergebung, die er jedem Sünder, der sich reuevoll zu ihm wendet, aus ganzem Herzen schenkt.
Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.
(Psalm 51,19)18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
(Lukas 15,18-20)
Das spricht mir aus der Seele.
DANKE!