Im Anschluss an die koranische Erzählung, wie Abraham Gott erkannt hat (Sure 6,74-79; siehe dazu diesen Beitrag), erwähnt der Koran die Nachkommen Abrahams und in weiterer Folge eine Reihe von Propheten:
83 Das ist unser Beweismittel, das Wir Ibrāhīm gegen sein Volk gaben. Wir erhöhen, wen Wir wollen, um Rangstufen. Gewiß, dein Herr ist Allweise und Allwissend. 84 Und Wir schenkten ihm Isḥāq und Yaʿqūb; jeden (von ihnen) haben Wir rechtgeleitet. Und (auch) Nūḥ haben Wir zuvor rechtgeleitet, und aus seiner Nachkommenschaft Dāwūd, Sulaimān, Ayyūb, Yūsuf, Mūsā und Hārūn – so vergelten Wir (es) den Gutes Tuenden –; 85 und Zakariyyā, Yaḥyā, ʿĪsā und Ilyās: jeder (von ihnen) gehört zu den Rechtschaffenen; 86 und Ismāʿīl, Alyasaʿ, Yūnus und Lūṭ: jeden (von ihnen) haben Wir vor den (anderen) Weltenbewohnern bevorzugt; 87 und (auch manche) von ihren (Vor)vätern, ihren Nachkommen und ihren Brüdern; Wir haben sie erwählt und zu einem geraden Weg geleitet. 88 Das ist Allahs Rechtleitung. Er leitet damit recht, wen von Seinen Dienern Er will. Wenn sie (Ihm) aber (andere) beigesellt hätten, wäre für sie wahrlich hinfällig geworden, was sie zu tun pflegten. 89 Das sind diejenigen, denen Wir die Schrift, das Urteil und das Prophetentum gegeben haben. Wenn aber diese es verleugnen, so haben Wir damit schon (andere) Leute betraut, die dem gegenüber nicht ungläubig sind. 90 Das sind diejenigen, die Allah rechtgeleitet hat. So nimm ihre Rechtleitung zum Vorbild! Sag: Ich verlange von euch keinen Lohn dafür. Es ist nur eine Ermahnung für die Weltenbewohner. (Sure 6,83-90)
Es fällt auf, dass Isaak und Jakob als die direkten Nachkommen Abrahams genannt werden, obwohl Jakob der Enkel Abrahams war. Ismael hingegen, der für die Muslime als der erstgeborene Sohn Abrahams und Vorfahre der Araber und somit auch Mohammeds hochbedeutsam ist, wird erst später in Vers 86 in einer Reihe mit Elischa, Jona und Lot genannt, die alle drei zu völlig unterschiedlichen Zeiten lebten. Die Anordnung der Namen entbehrt insgesamt sowohl einer chronologischen als auch einer thematischen Ordnung. Dass Noach lange vor Abraham gelebt hat, ist korrekt. Auch manche direkt nebeneinander gruppierte Namen wie David und Salomo oder Mose und Aaron oder Zacharias, Johannes der Täufer (der im Koran den seltsamen Namen Yaḥya trägt) und Jesus passen zueinander. Doch dazwischen finden sich Namen, die in eine völlig andere Zeit gehören. So wird direkt nach Jesus Elija genannt, der im 9. Jahrhundert vor Christus gewirkt hat. Der Letzte in der Reihe ist Lot, der ein Verwandter Abrahams war. Kein Wunder, dass sich Muslime schwertun, einen chronologischen Überblick über die Propheten und Gottesmänner zu gewinnen. Der Autor des Korans hatte diesen Überblick vielleicht selber nicht.
In Vers 89 heißt es über all die aufgelisteten Männer:
Das sind diejenigen, denen Wir die Schrift, das Urteil und das Prophetentum gegeben haben.
Alle genannten Namen kommen auch in der Bibel vor. Im Detail müssen wir aber feststellen, dass nicht allen die Schrift gegeben worden ist. Abraham, der Stammvater des Volkes Israel und der Vater des Glaubens, hat keine Schrift hinterlassen. Die Verschriftlichung der Offenbarung begann erst Jahrhunderte nach ihm mit Mose. Die meisten der aufgezählten Männer haben keine Schrift hinterlassen. Sie sind aber in der Heiligen Schrift erwähnt. Die Propheten, deren Worte in eigenen Büchern niedergeschrieben wurden, die „Schriftpropheten”, fehlen bis auf Jona, wie auch sonst im Koran, in dieser Aufzählung.
In Vers 90 folgt die zusammenfassende Aufforderung:
Das sind diejenigen, die Allah rechtgeleitet hat. So nimm ihre Rechtleitung zum Vorbild!
Muslime werden aufgefordert, dem Beispiel dieser Gottesmänner zu folgen. Dazu ist es aber notwendig, ihr Beispiel zu kennen. Die koranischen Informationen über die meisten genannten Persönlichkeiten sind sehr gering. Nicht selten verwenden sie auch Legenden und apokryphe Überlieferungen als Quellen. Nur über Josef gibt es einen langen und in sich geschlossenen Text, bei dem aber auch wichtige Informationen fehlen und auch logische Fehler und Widersprüche enthalten sind (mehr dazu hier). Um mehr über das Leben und Beispiel dieser Männer zu erfahren, muss man zur Bibel greifen. Dort erfährt man außerdem die korrekte historische Einordnung.
Um das Gebot von Sure 6,90 erfüllen zu können, müssen Muslime die Bibel lesen. Sonst lernen sie das Leben und Beispiel und die Worte der Propheten nicht kennen. Auch die Worte und das Leben des letzten Propheten, dem ewigen Wort Gottes, das für uns Mensch geworden ist, Jesus Christus, finden wir unverfälscht nur im Evangelium. Wer sich die „Rechtleitung der Propheten“ zum Vorbild nimmt, kommt an der Bibel nicht vorbei. Er soll sie mit einem offenen Herzen und dem Wunsch, Gottes Willen zu erfahren, lesen. Er wird nicht enttäuscht werden.
1 Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, 2 und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. (Hebräer 12,1-2)
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