Gab Gott Gesetze, die nicht gut waren?

25 Ich, ja ich gab ihnen Gesetze, die nicht gut waren, und Rechtsentscheide, durch die sie nicht am Leben blieben. 26 Und ich erklärte sie für unrein bei ihren Opfergaben, beim Darbringen einer jeden Erstgeburt, um sie mit Entsetzen zu erfüllen, damit sie erkennen, dass ich der HERR bin. (Ezechiel 20,25-26)

Gott ist gut. Absolut gut. In ihm kann es keine Spur des Bösen und der Finsternis geben.

Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. (1 Johannes 1,5)

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung oder Verfinsterung gibt. (Jakobus 1,17)

Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig. (Levitikus 19,2)

Wie kann es sein, dass Gott, der Urquell alles Guten, Gesetze gibt, die nicht gut sind?

In Ezechiel 20 spricht Gott durch den Propheten zu den Ältesten Israels, die im babylonischen Exil zu Ezechiel gekommen waren, um den HERRN zu befragen.

Gottes Antwort war, dass er sich nicht befragen lässt, sondern dass Ezechiel über sie richten soll und sie mit den Gräueltaten ihrer Väter konfrontieren soll. Es folgt, wie öfters bei Ezechiel, ein Rückblick auf die Geschichte Israels. Er erinnert an ihren Götzendienst in Ägypten und daran, dass Gott sie trotzdem herausgeführt hat.

Ich gab ihnen meine Satzungen und meine Rechtsentscheide tat ich ihnen kund, die der Mensch befolgen muss, damit er durch sie am Leben bleibt. (Ezechiel 20,11)

Dennoch war das Volk in der Wüste widerspenstig und hielt sich nicht an Gottes Satzungen. Auch ihre Söhne waren widerspenstig. Gott dachte daran, sie in der Wüste zu vernichten. Doch hat er ihnen bereits in der Wüste angekündigt, sie unter alle Völker zu zerstreuen. Denn auch im Land der Verheißung hielten sie die Satzungen Gottes nicht ein.

30 Darum sag zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Auf dem Weg eurer Väter macht ihr euch unrein? Und ihr hurt hinter ihren Götzen her? 31 Wenn ihr eure Gaben spendet, eure Söhne durch das Feuer darbringt, ihr selbst euch bis zum heutigen Tag immer wieder unrein macht für all eure Götzen, da soll ich, ja ich mich für euch befragen lassen, ihr vom Haus Israel? So wahr ich lebe – Spruch GOTTES, des Herrn -, ich lasse mich für euch nicht befragen. (Ezechiel 20,30-31)

Sie sind weiterhin ihren Götzen nachgelaufen und haben sogar ihre Söhne durch das Feuer dargebracht.

Im Laufe des Kapitels betont Ezechiel mehrmals, dass sie die guten Satzungen Gottes, durch die man Leben hat, nicht beachtet haben.

Sie gingen nicht nach meinen Satzungen und verachteten meine Rechtsentscheide, die der Mensch befolgen muss, damit er durch sie am Leben bleibt. (aus Ezechiel 20,13)

Denn sie verachteten meine Rechtsentscheide, sie gingen nicht nach meinen Satzungen und sie entweihten meine Sabbat-Tage, weil ihr Herz hinter ihren Götzen herging. (Ezechiel 20,16)

Aber die Söhne waren widerspenstig gegen mich. Sie gingen nicht nach meinen Satzungen und sie bewahrten meine Rechtsentscheide nicht, um sie zu befolgen; sie muss der Mensch befolgen, damit er durch sie am Leben bleibt. Meine Sabbat-Tage entweihten sie. (Ezechiel 20,21a)

Denn meine Rechtsentscheide befolgten sie nicht, meine Satzungen verachteten sie und meine Sabbat-Tage entweihten sie und ihre Augen waren hinter den Götzen ihrer Väter her. (Ezechiel 20,24)

Darauf folgt in Vers 25 die Aussage, dass Gott ihnen Gesetze gab, die nicht gut waren und Rechtsbestimmungen, durch die sie nicht am Leben blieben.

Zuerst gab Gott die guten Gesetze, die zum Leben führen sollten. Doch diese Gesetze wurden missachtet. Die schlechten Gesetze waren eine Konsequenz der Missachtung der guten Gesetze Gottes.

Gott hat diese Gesetze nicht gegeben. Gott hat aber zugelassen, dass die Israeliten, die den Götzen nachgelaufen sind, angefangen haben, Gott in einer Weise zu verehren, wie sie das mit ihren Götzen getan haben. Aus Vers 26 ist zu entnehmen, dass sie sogar meinten, Gott durch das Opfern ihrer Erstgeborenen verehren zu müssen.

Auf den Gedanken, Gott durch Menschenopfer ehren zu können, verweist auch Micha 6,7b:

Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Vergehen, die Frucht meines Leibes für meine Sünde?

Mehr zu dieser Stelle in diesem Beitrag.

In Exodus 13,2 heißt es:

Erkläre alle Erstgeburt als mir geheiligt! Alles, was bei den Israeliten den Mutterschoß durchbricht, bei Mensch und Vieh, gehört mir.

Ähnlich in Exodus 22,28b:

Den Erstgeborenen unter deinen Söhnen sollst du mir geben.

Diese Gesetze Gottes wurden anscheinend als Aufforderung zum Menschenopfer verstanden.

Allerdings heißt es in Exodus 13,13b:

Jeden Erstgeborenen deiner Söhne musst du auslösen.

Ähnlich in Numeri 18,15-16:

15 Alle lebenden Wesen, die den Mutterschoß durchbrechen, und die sie dem HERRN darbringen, Mensch und Vieh, gehören dir. Du musst aber den Erstgeborenen bei den Menschen auslösen und ebenso musst du auch die erstgeborenen Tiere bei unreinem Vieh auslösen. 16 Du sollst sie auslösen, sobald sie einen Monat alt sind, nach dem Schätzwert, mit fünf Schekel Silber, nach dem Schekelgewicht des Heiligtums, das sind zwanzig Gera.

Zusätzlich heißt es in Levitikus 18,21:

Von deinen Nachkommen darfst du keinen hingeben, um ihn für Moloch hinübergehen zu lassen. Du darfst den Namen deines Gottes nicht entweihen. Ich bin der HERR.

Zum Begriff „Moloch“ (hebräisch: מֹלֶךְ / moläk) gibt es unterschiedliche Erklärungen. Vermutlich ist dieses Wort eine entstellte Wiedergabe des Wortes מֶלֶךְ / mäläk – „König“, das mit den Vokalen o – ä (von bošät = Schande) verknüpft wurde. Es ist zumindest möglich, diesen Vers so zu verstehen, dass die Opfernden subjektiv gemeint haben, dass sie dieses Opfer für den „König“ Israels, also für JHWH, dargebracht haben. Dafür würde sprechen, dass im selben Vers davor gewarnt wird, den Namen Gottes zu entweihen. Welch schlimmere Entweihung des Namens Gottes könnte es geben, als Gott durch ein derartig gräuliches Opfer zu einem Götzen zu degradieren!

In diesen Zusammenhang passt auch Jeremia 7,31:

Auch haben sie die Kulthöhen des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und ihre Töchter im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist.

Wenn betont wird, dass Gott Derartiges nie befohlen hat oder dass es ihm niemals in den Sinn gekommen ist, legt sich der Gedanke nahe, dass die Opfernden ihre Kinder tatsächlich für JHWH geschlachtet haben.

Allerdings heißt es in Jeremia 19,5, dass diese Opfer dem Baal dargebracht worden sind. Aber Baal heißt „Herr“. Mit diesem Titel war manchmal auch der Herr, der Gott Israels, gemeint, wenn etwa Saul seinen Sohn Isch-Baal („Mann des Herrn“) genannt hat (1 Chronik 8,33). In späterer Zeit wurde dieser Titel aber nur mehr für einen Götzen verwendet. Wenn ein Israelit subjektiv gedacht hat, dem wahren Gott ein Menschenopfer darzubringen, war das in Wahrheit kein Opfer für Gott, sondern Götzendienst. Insofern waren diese Opfer Baalsopfer.

Den Worten Jeremias zufolge hat Gott derartige Opfer nie befohlen. Niemals ist ihm Derartiges in den Sinn gekommen. Vor dem Hintergrund dieser Worte müssen wir die Worte in Ezechiel 20 betrachten.

Gott hat ihnen diese schlechten Gesetze nicht gegeben. Er hat zugelassen, dass sie durch ihr vom Götzendienst verdorbenes Herz das Gebot Gottes, ihm den Erstgeborenen zu weihen, derartig missverstanden haben, dass sie tatsächlich Kinder geopfert haben. Die Propheten Gottes haben diese Gräuel mit scharfen Worten getadelt. Die Israeliten haben mit diesen Opfern nicht Gott die Ehre gegeben, sondern Gott hat zugelassen, dass sie in ihrer Verirrung mit Entsetzen gefüllt wurden.

Vielleicht kann man das ähnlich sehen wie Worte aus dem Römerbrief, in denen Paulus schreibt, dass Gott die Menschen „ausgeliefert“ hat.

21 Denn obwohl sie Gott erkannt haben, haben sie ihn nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern verfielen in ihren Gedanken der Nichtigkeit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. 22 Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren 23 und sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen und fliegende, vierfüßige und kriechende Tiere darstellen. 24 Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus, sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten. 25 Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers – gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen. 26 Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; 27 ebenso gaben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer treiben mit Männern Unzucht und erhalten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung. 28 Und da sie es nicht für wert erachteten, sich gemäß ihrer Erkenntnis an Gott zu halten, lieferte Gott sie einem haltlosen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört: 29 Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden 30 und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, 31 sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen. (Römer 1,21-31)

Der Ursprung dieses Hineintreibens in den Strudel von Sünden war, dass die Menschen Gott, den sie aus der Schöpfung erkannt hatten, nicht die Ehre gaben, die ihm gebührt. Gott hat sie nicht in diese Sünden, die er selber verabscheut, hineingetrieben. Er hat es aber zugelassen, dass die Menschen in Folge ihres Egoismus hineingeraten sind. Ebenso hat Gott im Volk Israel zugelassen, dass die Menschen in Folge ihres Götzendienstes subjektiv etwas als Gebot Gottes verstanden haben, was Gott absolut nicht wollte und auch nicht wollen kann.

Diese „nicht guten“ Gesetze waren niemals ein Bestandteil der Thora und sind auch in der heutigen Thora nicht zu finden.

Eine andere Sache ist, dass „wegen der Herzenshärte“ manche Gesetze im Alten Testament noch unvollkommen waren, so wie Jesus das im Zusammenhang mit der Ehescheidung gesagt hat. Jesus ist gekommen, um die harten Herzen zu neuen lebendigen Herzen zu erneuern. Was noch unvollkommen war, hat er vollkommen gemacht.

25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. 27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt. (Ezechiel 36,25-27)

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑