Und diejenigen von euren Frauen, die keine Monatsblutung mehr erwarten, wenn ihr im Zweifel seid, so ist ihre Wartezeit drei Monate; und ebenso derjenigen, die (noch) keine Monatsblutung haben. Diejenigen, die schwanger sind – ihre Frist ist (erreicht), wenn sie mit dem niederkommen, was sie (in ihren Leibern) tragen. Und wer Allah fürchtet, dem schafft Er in seiner Angelegenheit Erleichterung.
(Sure 65,4)
In den Anfangsversen der Sure At-Talaq (die Scheidung) geht es um die Durchführung einer Ehescheidung. Grundsätzliche Gedanken zum Thema Ehescheidung in der Bibel und im Koran habe ich hier zusammengestellt. In Vers 4 geht es um die Wartezeit nach der Scheidung. Diese wurde in Sure 2,228 festgelegt:
Geschiedene Frauen sollen (mit sich) selbst drei Zeitabschnitte abwarten. Und es ist ihnen nicht erlaubt, zu verheimlichen, was Allah in ihrem Mutterleib erschaffen hat, wenn sie an Allah und den Jüngsten Tag glauben.
Durch die Wartezeit vor einer neuen Verehelichung sollte die Vaterschaft eines eventuellen Kindes klargestellt werden. Sure 65,4 beschäftigt sich mit den Fällen, wenn Frauen keine Monatsblutung mehr hatten oder auch wenn sie noch keine Monatsblutung hatten.
Die von mir zitierte Übersetzung von Bubenheim und Elyas hat das Wort „noch“ in Klammern eingefügt. Offensichtlich haben diese muslimischen Übersetzer den arabischen Text so verstanden, dass hier nicht erwachsene Frauen gemeint sind, die aus unterschiedlichsten Gründen eine Zeitlang keine Regel hatten, sondern vorpubertäre Mädchen.
Auch die islamischen Übersetzungen von Abu-r-Rida (die noch keine Menstruation gehabt haben) und Amir Zaidan (die noch keine Menstruation hatten), findet sich ein „noch“ eingefügt.
Unter den nichtmuslimischen Übersetzungen lautet die von Rudi Paret, die vor allem in wissenschaftlichen Kreisen verwendet wird, so:
Ebenso bei denen, die (ihres jugendlichen Alters wegen noch) keine Menstruation gehabt haben.
Paret, der die islamischen Quellen gut kannte, hat hier das in diesen Quellen enthaltene Verständnis in Klammern in seine Übersetzung aufgenommen.
Der griechisch-katholische Priester Adel Theodor Khoury hat ohne Einfügung eines „noch“ übersetzt.
Und ebenso für die, die keine Menstruation haben.
Nach dem Verständnis der muslimischen Übersetzer und Parets wird hier vorausgesetzt, dass es möglich war, sich von Mädchen, die die Pubertät noch nicht erreicht hatten, scheiden zu lassen. Das setzt auch voraus, dass die Ehe mit diesen Kindern vollzogen worden war. Sonst hätte eine Wartefrist keinen Sinn.
Der Koran, sofern das klassisch-islamische Verständnis zutrifft, heißt damit den Kindesmissbrauch unter dem Vorwand einer „Ehe“ gut.
Hierzu noch Beispiele aus den klassischen Tafsiren (Korankommentaren):
Und was jene eurer Frauen betrifft, […] die in beiden Fällen nicht mehr erwarten, zu menstruieren, wenn ihr irgendwelche Zweifel über ihre Wartezeit habt, so soll ihre vorgeschriebene Wartezeit drei Monate betragen, und auch für jene, die aufgrund ihres jungen Alters noch nicht menstruiert haben, soll ihre Periode ebenfalls drei Monate betragen. (Tafsir al-Jalalayn)
Die Wartezeit (`Iddah) von Frauen in den Wechseljahren und solchen, die keine Menstruation haben: Allah, der Erhabene, erläutert die Wartezeit für Frauen in den Wechseljahren – also jene, bei denen die Menstruation aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters aufgehört hat. Ihre Wartezeit (`Iddah) beträgt drei Monate, anstelle der drei Menstruationszyklen, die für menstruierende Frauen gelten; dies basiert auf dem Vers in der Sure Al-Baqarah (siehe 2:228). Dasselbe gilt für junge Mädchen, die das Menstruationsalter noch nicht erreicht haben: Auch für sie beträgt die Wartezeit (`Iddah) drei Monate, genau wie für Frauen in den Wechseljahren. (Ibn Al Kathir)
Was auf den ersten Blick wie eine trockene juristische Regelung für den Ablauf einer Ehescheidung aussieht, enthält den Freibrief für als Ehe getarnten Kindesmissbrauch, wobei man die Mädchen sogar noch im Kindesalter durch Scheidung wieder wegschicken kann. Und das soll das reine und unverfälschte Wort Gottes sein?
Während die von islamischen Apologeten immer wieder vorgebrachten angeblichen Beispiele für Kinderehe in der Bibel einer sorgfältigen Prüfung nicht standhalten, hat der Autor des Korans, zumindest nach dem klassischen Verständnis, kein Problem mit der Kinderehe und anschließender Scheidung. Sollte das jenen Muslimen, die sich um ein moralisches Leben bemühen, nicht zu denken geben?
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. (Matthäus 5,8)
(überarbeitet am 25.10.2026)
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