Was bedeutet das Wort „Christ“ in der Bibel?

Im Allgemeinen versteht man heute unter einem Christen ein Mitglied einer christlichen Religionsgemeinschaft, vor allem wenn an jemandem das Ritual der Taufe – in der Regel im Kleinkindalter – vollzogen wurde. So zählen viele Menschen als „Christen“, deren Weltanschauung oft mit der Lehre Jesu nicht viel zu tun hat.

Um zu verstehen, welche Bedeutung der Begriff „Christ“ ursprünglich hatte und auch heute haben soll, müssen wir zurück zu den Anfängen des Christentums, zu den Schriften des Neuen Testaments.

Im Neuen Testament kommt das Wort „Christ“ (Χριστιανός / Christianós) nur dreimal vor. Aus einer Zusammenschau dieser drei Stellen können wir zu einem Verständnis dieses Begriffes kommen.

Er (Barnabas) fand ihn (Saulus) und nahm ihn nach Antiochia mit. Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde und lehrten eine große Zahl von Menschen. In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen. (Apostelgeschichte 11,26)

Die ersten Jünger Jesu waren Juden. Auch wenn sich vereinzelt Menschen mit nichtjüdischem Hintergrund der Gemeinde anschlossen, entstand in Antiochia am Orontes (heute Antakya) die erste Gemeinde mit einer großen Anzahl von Heiden, die sich zu Jesus bekehrt hatten. Den Ausdruck „Christ“ gab es in den ersten Jahren, als die Gemeinde aus Juden bestand, nicht. Sie wurden meist „Jünger“ (z. B. Apostelgeschichte 6,1), manchmal auch die „Heiligen“ (Apostelgeschichte 9,13) genannt.

In Antiochia, in einem griechischsprachigen Umfeld, wurden die Jünger zum ersten Mal Christen genannt. Vermutlich geschah das von Außenstehenden, die den Jüngern, die so oft vom Messias (griechisch: Christós) Jesus sprachen, der ihr Leben so grundlegende erneuert hatte, diesen Namen gaben. Die Christianoi waren die, denen es um Christos ging.

Die Jünger wurden Christen genannt. Um verstehen zu können, was mit einem Christen gemeint ist, müssen wir fragen, was ein Jünger ist.

Jesus hat dazu ganz klare Worte gefunden. Einige Beispiele:

26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. 27 Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein. (Lukas 14,26-27)

Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet. (Lukas 14,33)

Jesus verlangte von seinen Jüngern alles. Weil er Gottes Wort in Person war, konnte er das von seinen Nachfolgern erwarten. Er erwartete, dass er für seine Jünger wichtiger war als die Familie, als Freunde, wichtiger als der Besitz. Er hat auch von ihnen erwartet, bereit zu sein, die Schmach des Kreuzes zu tragen. Das Kreuz, auf dem Schwerverbrecher qualvoll hingerichtet wurden, war ein Symbol äußerster Schande. Wenn Lukas diese Worte Jesu überliefert hat, tat er das nicht nur aus historischen Gründen. Die Forderung, die Jesus an seine Jünger, die ihm während seines irdischen Dienstes gefolgt sind, gestellt hat, gilt genauso für alle späteren Jünger unter den jeweiligen Zeitumständen. Die Jünger, die in Antiochia Christen genannt wurden, hatten alle die Entscheidung getroffen, ihr Leben Jesus Christus und damit Gott zur Verfügung zu stellen. Für sie war die Nachfolge Jesu wichtiger als alles andere im Leben. So ist im eigentlichen Sinn auch heute nur der Christ, der dem Ruf Jesu folgt. Es gibt kein Christsein ohne Jüngerschaft.

27 König Agrippa, glaubst du den Propheten? Ich weiß, du glaubst. 28 Darauf sagte Agrippa zu Paulus: Bald überredest du mich und machst mich zum Christen. 29 Paulus antwortete: Ich wünschte mir von Gott, dass bald oder später nicht nur du, sondern alle, die mich heute hören, das werden, was ich bin, freilich ohne diese Fesseln. (Apostelgeschichte 26,27-29)

Das zweite Mal begegnet uns das Wort „Christ“ im Munde des Königs Agrippa II. Er zeigte ein tieferes geistliches Verständnis als sein Vater Agrippa I., der Jakobus, der die Gemeinde blutig verfolgt hatte (Apostelgeschichte 12,1-24). Paulus sprach als Gefangener zu ihm. Es scheint, dass die Rede des gefangenen Apostels einen gewissen Eindruck beim König hinterließ. Man kann seine Antwort aber unterschiedlich verstehen, je nachdem, ob man das Verb πείθω / peíthō mit „überreden“ oder „überzeugen“ übersetzt. Entweder wollte Agrippa sagen, dass er von den Worten Pauli sehr stark beeindruckt war und er tatsächlich den Drang in sich verspürte, sich trotz seiner hohen Stellung auf die Seite der verachteten Christusleute zu stellen. Oder er sprach diese Worte mit einem ironischen Beiklang aus, mit dem er einerseits den Eifer von Paulus anerkannte, aber doch klarstellte, dass er diesen Weg nicht gehen wollte. Klar ist, dass er nicht Christ geworden ist, dass er aber auch die Unschuld von Paulus erkannt hat.

Paulus hat in seiner Antwort den Wunsch ausgedrückt, dass nicht nur Agrippa, sondern alle, die ihn hörten, Christen werden sollten. Trotz des hohen Anspruchs, den Jesus an einen Christen stellt, ist es trotzdem der Weg, den Gott für jeden Menschen will. Paulus als ein Jünger des Herrn hatte keine Scheu, diesen Weg allen zu verkünden, ob es sich um einfache Leute oder um einen König handelte. Zum Christsein gehört der Wunsch, andere auf den Weg des Heils zu führen.

14 Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. 15 Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. 16 Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen. (1 Petrus 4,14-16)

In der dritten Stelle, wo das Wort „Christ“ vorkommt, schreibt Petrus über Verfolgungen. Die Leiden, die ein Christ von anderen Menschen zu erdulden hat, sollen nicht wegen Übeltaten geschehen, sondern wegen seines Glaubens und wegen seines Bekenntnisses zu Jesus. Wer Jesus nachfolgt, führt ein Leben, in dem er die Sünde überwindet.

11 Geliebte, da ihr Fremde und Gäste seid in dieser Welt, ermahne ich euch: Gebt den irdischen Begierden nicht nach, die gegen die Seele kämpfen! 12 Führt unter den Heiden ein rechtschaffenes Leben, damit sie, die euch jetzt als Übeltäter verleumden, durch eure guten Taten, die sie sehen, Gott verherrlichen am Tag der Heimsuchung! (1 Petrus 2,11-12)

Nur wird leider in der Praxis immer wieder gerade das veränderte Leben eines Christen zum Anstoß für Ungläubige, die sich nicht ändern wollen.

2 Darum richtet euch, solange ihr noch auf Erden lebt, nicht mehr nach den menschlichen Begierden, sondern nach dem Willen Gottes! 3 Denn lange genug habt ihr in der vergangenen Zeit getan, was die Heiden wollen, und habt ein ausschweifendes Leben voller Begierden geführt, habt getrunken, geprasst, gezecht und frevelhaften Götzenkult getrieben. 4 Darüber sind sie empört und sie lästern, weil ihr euch nicht mehr mittreiben lasst im Strom der Leidenschaften. (1 Petrus 4,2-4)

Das Leben eines Christen führt deswegen zu Verfolgung und Verachtung.

Aber auch alle, die in der Gemeinschaft mit Christus Jesus ein frommes Leben führen wollen, werden verfolgt werden. (2 Timotheus 3,12)

10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. 12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt. (Matthäus 5,10-12)

Petrus schreibt, dass, wer als Christ leidet, Gott darin verherrlichen soll. Weil ein Christ Jesus nachfolgt, kann er in Gottes Kraft diese Leiden zu Gottes Ehre ertragen, frei von Rache und Hass. Gott befähigt ihn, auch in seinen Leiden Gott zu loben.

Beim Christsein geht es nicht um eine formale Religionszugehörigkeit, sondern um ein Leben als Jünger Jesu, mit der Bereitschaft, alles für den Herrn hinzugeben, ihn selbst im Leid noch die Ehre zu geben. Jesus hat sich ganz für uns gegeben, damit wir fähig werden, uns ganz für ihn zu geben.

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