Wenn ich erhöht bin …

Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
(Johannes 12,32)

Es war nur wenige Tage vor Jesu Tod, als einige Griechen baten, ihn zu sehen (Johannes 12,20-22). Die zitierten Worte waren ein Teil seiner Antwort an sie. Auch wenn Jesus sich ihnen jetzt nicht widmen konnte, so würde er doch nach seiner Erhöhung auch sie zu sich ziehen, da er, der Erlöser der Welt, nicht nur für das Volk Israel gekommen war.

Mit seiner Erhöhung hat Jesus zuerst einmal seinen Tod am Kreuz gemeint, wie es Johannes auch im Folgevers erklärt:

Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde. (Johannes 12,33)

Auch später, als klar wurde, dass Jesus von den Römern, also am Kreuz, hingerichtet werden würde, erinnerte Johannes an dieses Wort Jesu:

So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde. (Johannes 18,32)

Es ist interessant, dass Johannes gerade diesen Aspekt betont, da Jesus wohl auch seine Erhöhung zum Vater gemeint hat. So wurde es auch von den Aposteln Petrus und Paulus und vom Schreiber des Hebräerbriefs verstanden:

Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört. (Apostelgeschichte 2,33)

Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen. (Philipper 2,9)

Ein solcher Hohepriester ziemte sich in der Tat für uns: einer, der heilig ist, frei vom Bösen, makellos, abgesondert von den Sündern und erhöht über die Himmel. (Hebräer 7,26)

Wenn Jesus mit dem Begriff „Erhöhung“ beides gemeint hat, seine Erhöhung auf das Kreuz und seine Erhöhung zur Herrlichkeit des Vaters, muss es zwischen diesen beiden Erhöhungen eine Gemeinsamkeit geben.

Die Verherrlichung Jesu hat schon am Kreuz begonnen, obwohl das Kreuz für die tiefste Schande stand und der Tod am Kreuz schrecklich und voller Schmerzen war. So sagte Jesus am Abend vor seinem Tod:

31 Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht. 32 Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen. (Johannes 13,31-32)

Wenn die Erhöhung auf das Kreuz der Beginn seiner Erhöhung zum Vater war, kann man nicht sagen, dass Jesus am Kreuz von seinem Vater verlassen war, er dann aber zur ewigen Herrlichkeit in der Gemeinschaft mit seinem Vater erhöht worden ist.1

Wenn er als Erhöhter, also auch schon am Kreuz, alle Menschen zu sich zieht, dann heißt das, dass er sie auch zum Vater zieht und nicht in seine Gottverlassenheit. Jesus war auch am Kreuz in voller Verbundenheit mit seinem ewigen Vater.

Jesus sagte, dass er ALLE zu sich ziehen werde. Er ist für alle Menschen gestorben, nicht nur für die „Erwählten“, wie es Anhänger der Prädestinationslehre behaupten. Jesus zieht alle zu sich. Es liegt in der freien Entscheidung jedes Einzelnen, ob er sich von Jesus ziehen lässt oder ob er sich verweigert.

Unser Heil hat seinen Grund in Jesu Erhöhung, nicht in einer behaupteten Gottverlassenheit. Der erhöhte Herr wird auch uns erhöhen, wenn wir uns vor ihm beugen.

Demütigt euch vor dem Herrn und er wird euch erhöhen!
(Jakobus 4,10)


  1. Es gibt noch weitere Aspekte, die die Gottverlassenheit Jesu am Kreuz ausschließen. Siehe dazu den Beitrag: War Jesus am Kreuz von Gott verlassen? 

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