Die samaritanischen Jünger und der Heilige Geist

5 Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus. 6 Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat. […] 12 Als sie jedoch dem Philippus Glauben schenkten, der das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündete, ließen sie sich taufen, Männer und Frauen. […] 14 Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. 15 Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. 16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn. 17 Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist. (Apostelgeschichte 8,5-6.12.14-17)

Durch die Verfolgung der Jünger in Jerusalem kam Philippus nach Samaria und verkündigte dort erstmals Nichtjuden das Evangelium. Viele der Samaritaner kamen zum Glauben an Jesus. Doch hatten sie nach den Worten des Lukas, obwohl sie getauft worden waren, nicht den Heiligen Geist.

Es sieht so aus, dass man Jünger Jesu, d. h. Christ, sein kann, ohne den Heiligen Geist oder zumindest nicht dessen Fülle zu haben.

Diese Stelle ist daher für Pfingstler / Charismatiker wichtig, um mit ihr die Wichtigkeit der Geistestaufe zu begründen. Sie denken, dass es in der Regel nach dem Christwerden noch einen zweiten Punkt geben muss, in dem der Christ mit dem Heiligen Geist getauft werden muss. Die samaritanischen Jünger waren schon Christen, aber erst nach der Handauflegung durch die Apostel empfingen sie den Heiligen Geist.

Katholiken sehen in Apostelgeschichte 8 das Sakrament der Firmung begründet. So sagte das Konzil von Florenz im Lehrentscheid für die Armenier 14391:

[…] Denn von den Aposteln allein, an deren Stelle die Bischöfe stehen, lesen wir, daß sie durch die Auflegung der Hände den Heiligen Geist mitteilten. Das ergibt sich aus der Apostelgeschichte: »Als die Apostel in Jerusalem erfuhren, Samaria habe das Wort Gottes angenommen, sandten sie Petrus und Johannes dorthin. Sie zogen hinab und beteten für sie, daß sie den Heiligen Geist empfingen, denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen, sie waren nur im Namen des Herrn Jesus getauft worden. Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist« (Apg 8,14-17). An Stelle der Handauflegung steht in der Kirche die Firmung. […]
Die  W i r k u n g  dieses Sakraments besteht darin, daß in ihm der Heilige Geist zur Stärkung gegeben wird, wie er den Aposteln am Pfingstfest gegeben wurde, damit der Christ mit Mut Christi Namen bekenne. […]

Kann man Christ sein, ohne den Heiligen Geist zu haben?

Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer aber den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. (Römer 8,9)

Aus diesen Worten ist klar, dass ein Christsein ohne den Heiligen Geist nicht möglich ist. Jeder Christ gehört zu Christus. Das geht nur mit dem Heiligen Geist.

Wir haben es in Apostelgeschichte 8 mit einer besonderen Situation zu tun. Die Samaritaner waren die ersten nichtjüdischen Jünger. Zwischen den Juden und den Samaritanern gab es viele Gemeinsamkeiten. Beide glaubten an denselben einen Gott Israels. Beide betrachteten die Thora als Heilige Schrift. Doch akzeptierten die Samaritaner nur die Thora, die fünf Bücher Mose. Sie lehnten die Bücher der Propheten und die übrigen Schriften ab. Das hatte auch damit zu tun, dass die Samaritaner Jerusalem nicht als den Ort des von Gott gewollten Heiligtums betrachteten, das nach ihrem Verständnis am Berg Garizim bei Sichem war.

Es gab darum eine tiefe Feindschaft zwischen den beiden Glaubensrichtungen.

Jesus hatte anders als die Mehrheit der Juden ein großes Entgegenkommen gegenüber den Samaritanern. Doch war auch für ihn klar, dass der Weg Gottes der Weg der Juden war. Er sagte zu einer samaritanischen Frau:

21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. 23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. 24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Johannes 4,21-24)

Bevor der Heilige Geist sein kraftvolles Wirken durch sichtbare Geistesgaben wie vermutlich der Zungenrede entfalten konnte, musste die volle Einheit zwischen den jüdischen und samaritanischen Jüngern hergestellt werden. Dies geschah durch Petrus und Johannes, die von den Aposteln nach Samaria gesandt wurden. Durch das Auflegen der Hände drückten sie diese Einheit aus. Man könnte sagen, dass Petrus hier mit den ihm von Jesus gegebenen „Schlüsseln“ das Himmelreich für die Samaritaner geöffnet hat.

Wenn die Jünger aus Samaria aufgrund der Predigt des Philippus zum Glauben an Jesus kamen und sich taufen ließen, waren sie Christen und hatten bereits den Heiligen Geist. Sie haben Jesus als den Messias erkannt, dem sie nachfolgen wollten. Sie haben ihm ihr Leben gegeben. Doch die nach außen sichtbaren Geistesgaben, wie sie auch den Aposteln am Anfang gegeben worden waren, fehlten noch. Diese wurden ihnen gegeben, als die Einheit zwischen den jüdischen und samaritanischen Jüngern hergestellt und auch durch die Apostel bezeugt worden war.

In einer anderen historisch einmaligen Situation, als Petrus erstmals Heiden das Evangelium verkündet hat, war es genau umgekehrt. Der Heilige Geist mit all seinen sichtbaren Zeichen wurde schon ausgegossen, bevor die Jünger getauft wurden.

44 Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. 45 Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. 46 Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Petrus aber sagte: 47 Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? 48 Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben. (Apostelgeschichte 10,44-48)

Die einmalige Situation bei den Samaritanern kann nicht als Grundlage für die pfingstlerische Lehre der Geistestaufe dienen. Ebenso wenig kann sie die Basis für das katholische Sakrament der Firmung bilden.

Jeder Christ hat den Heiligen Geist von Anfang an. Hat jemand sein Leben nicht Christus gegeben, dann bekommt er den Heiligen Geist auch durch kein sakramentales Ritual oder durch ein gefühlvolles Erlebnis, das ihn nicht zum Gehorsam Gott gegenüber und zur Heiligung führt.

14 Denn die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes. 15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! (Römer 8,14-15)


  1. Josef Neuner – Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, 13. Auflage, Regensburg 1971, S. 372, Nr. 553-554. 

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