11 Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: Wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, 12 die Ankunft des Tages Gottes erwarten und beschleunigen! (2 Petrus 3,11-12a)
Wenn Petrus über die „Ankunft des Tages Gottes“ schreibt, meint er den Tag der Wiederkunft Jesu, den Tag des Gerichts, den letzten Tag der Geschichte, der zugleich der Beginn eines neuen Himmels und einer neuen Erde ist.
Wir erwarten gemäß seiner Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt. (2 Petrus 3,13)
Doch kann das Kommen dieses Tages beschleunigt werden?
In Vers 10a schreibt Petrus:
Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb.
Er bezieht sich hier wohl auf die Worte Jesu in Matthäus 24,42-44:
42 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. 43 Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. 44 Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Niemand weiß, wann der Herr kommen wird. Es ist sicher, dass er kommen wird. Aber das Wann seines Kommens ist uns unbekannt. Nicht einmal Jesus wusste den Zeitpunkt, als er in seiner Erniedrigung auf der Erde war:
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. (Matthäus 24,36)
Darum ist es gut, immer vorbereitet zu sein. Die meisten Menschen erleben das Kommen des Herrn bei ihrem Tod, dessen Zeitpunkt uns auch nicht bekannt ist. Ob wir Jesus nun bei unserem persönlichen Sterben oder bei seinem Kommen am Ende der Geschichte begegnen, ist im Grunde zweitrangig. Wichtig ist, dass wir so leben, dass wir durch seine Gnade vor ihm bestehen können.
Deswegen betont Petrus in 3,11, wie wichtig es ist, „heilig und fromm“ zu leben, unser Leben auf der Grundlage des Wortes Gottes zu gestalten. Weiters schreibt er:
Deswegen, Geliebte, die ihr dies erwartet, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler in Frieden angetroffen zu werden! (2 Petrus 3,14)
Jesus hat aber auch gesagt, dass die „Zeiten und Fristen“ vom Vater schon festgesetzt sind:
Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. (Apostelgeschichte 1,7)
So hat er ja auch in Matthäus 24,36 gesagt, dass der Vater diesen Tag und diese Stunde kennt.
Paulus hat es bei seiner Verkündigung in Athen so ausgedrückt:
Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte. (Apostelgeschichte 17,31)
Der Tag ist festgesetzt. Gott kennt ihn, wir kennen ihn nicht, sollen aber ständig für ihn bereit sein. Was hat Petrus nun mit dem „Beschleunigen“ gemeint?
Im Griechischen steht für „beschleunigen“ das Verb σπεύδω / speúdō. Intransitiv1 kommt es mehrfach im Neuen Testament vor (Lukas 2,16; 19,5.6; Apostelgeschichte 20,16; 22,18) und hat die Bedeutung „eilen, sich beeilen“. Transitiv2 gebraucht wird es nur 1 Petrus 3,12. Das Wörterbuch von Walter Bauer bietet dazu zwei Übersetzungsmöglichkeiten an: „beschleunigen“ oder „erstreben“.
Viele moderne Übersetzungen haben sich hier für das Wort „beschleunigen“ entschieden, neben der Einheitsübersetzung auch die Elberfelder Übersetzung, die Zürcher Bibel, die Neue evangelistische Übersetzung, auch freiere Übertragungen wie die Gute Nachricht, die Hoffnung für Alle, die Neue Genfer Übersetzung gehen in diese Richtung.
Luther 2017 (die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt) und Schlachter 2000 (indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt) übersetzen anders, wenngleich ihre Wortwahl „entgegeneilen“ nicht ganz der von Bauer vorgeschlagenen zweiten Möglichkeit „erstreben“ entspricht. Die Menge Bibel (indem ihr auf die Ankunft des Tages Gottes wartet und euch darauf rüstet) geht in dieselbe Richtung.
Wenn wir den Blick nicht nur auf die konkrete Stelle, sondern auf den Gesamtzusammenhang des Neuen Testaments richten, ist die von der Wortbedeutung des griechischen Wortes speúdō her mögliche Übersetzung „beschleunigen“ in 2 Petrus 3,12 nicht angebracht, da der „Tag Gottes“ von Gott in seiner freien und weisen Entscheidung schon festgelegt ist.
Es geht nicht darum, dass wir den Zeitpunkt des Kommens des Tages Gottes beeinflussen können. Aber wir sehnen uns nach dem Tag, an dem Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt, verwirklicht.3
Der Mensch kann diesen Tag nicht beschleunigen. Unsere Aufgabe ist es, diesen Tag zu erstreben und uns durch ein heiliges Leben darauf vorzubereiten.
Deswegen, Geliebte, die ihr dies erwartet, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler in Frieden angetroffen zu werden!
(2 Petrus 3,14)
- Intransitive Verben stehen ohne Objekt im Akkusativ und können kein Passiv bilden. Z. B. in Lukas 2,16: So eilten sie hin … ↩
- Transitive Verben benötigen ein Akkusativobjekt und können ein Passiv bilden. In 2 Petrus 3,12: den Tag des Herrn beschleunigen (oder: erstreben). ↩
- Wenn etwa ein Jugendlicher sehnsuchtsvoll den Tag erstrebt, an dem er alt genug ist, um den Führerschein zu machen und endlich mit dem Auto fahren zu dürfen, beschleunigt er das Kommen dieses Tages nicht. Aber er eilt diesem Tag sehnsuchtsvoll entgegen. ↩
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