Gott, der Schöpfer des Universums und jedes einzelnen Menschen

Ausspruch. Das Wort des HERRN über Israel. Der Spruch des HERRN, der den Himmel ausgespannt, die Erde gegründet und den Geist des Menschen in dessen Innern geformt hat: […] (Sacharja 12,1)

Dieser Vers ist die Einleitung zu einem Gottesspruch im Buch Sacharja. Es ist interessant zu sehen, mit welchen Worten der Prophet Gott, in dessen Namen er spricht, charakterisiert.

Der Gott Israels

Es ist ein „Wort des HERRN“. Der Herr ist JHWH – die wahrscheinlichste Aussprache des Namens, von dem nur die Konsonanten überliefert wurden, ist Jahwe – , der Gott Israels, der hier zu seinem Volk spricht. Die Deutung dieses Namens finden wir in Exodus 3, wo Gott seinen Namen an Mose offenbart hat.

10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus! 11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? 12 Er aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg dienen. 13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen sagen? 14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt. 15 Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Der HERR (JHWH), der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht zu Geschlecht. (Exodus 3,10-15)

In der Not des Volkes Israels offenbarte sich Gott Mose, um durch ihn das Volk aus der Knechtschaft in Ägypten zu befreien. Gott ist der, der ist, nicht nur im Sinne der bloßen Existenz. Er ist da, ist seinem Volk nahe. Das Wort enthält auch den Aspekt der Zukunft. Der Name JHWH ist daher eine Zusage, auch in der Zukunft rettend da zu sein. Er nennt sich Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, bezieht sich so auf die Väter des Volkes Israel. Man könnte innerhalb des polytheistischen Denkens der Antike annehmen, dass hier vom Stammesgott eines der zahlreichen Völker der damaligen Welt die Rede ist.

Der Schöpfer und Erhalter der Welt

Gott ist es, der den Himmel ausgespannt hat und die Erde gegründet hat. Im Rahmen der antiken Weltsicht wird der Himmel wie ein Zelt ausgespannt. Die Erde wird als ein Bauwerk auf festen Grundfesten gedacht. Die Zeitbedingtheit dieser Vorstellungen beeinträchtigt in keiner Weise die geistlichen Aussagen des Textes. Inspiration bedeutet nicht, dass Gott den Autoren der Bibel alles naturwissenschaftliche Wissen zukommen ließ.

JHWH ist nicht nur der Nationalgott Israels. Er ist der Schöpfer des Universums. Himmel und Erde sind die Werke seiner Hand. Für jeden, der seine Augen und Ohren öffnet, wird das Zeugnis der Schöpfung über ihren Schöpfer offenkundig.

2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk seiner Hände. 3 Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund, 4 ohne Rede und ohne Worte, ungehört bleibt ihre Stimme. 5 Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. (Psalm 19,2-5a)

19 Denn es ist ihnen offenbar, was man von Gott erkennen kann; Gott hat es ihnen offenbart. 20 Seit Erschaffung der Welt wird nämlich seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. (Römer 1,19-20a)

Es liegt nun an jedem einzelnen Menschen, ob er sich für diese Erkenntnis öffnet und seinem Schöpfer die Ehre gibt, die ihm gebührt.

In Sacharja 12,1 haben die drei Verben „ausspannen“, „gründen“ und „formen“ die grammatikalische Form eines aktiven Partizips. Dieses weist in der Regel auf eine präsentische Bedeutung hin. Deswegen übersetzt die Elberfelder Bibel:

Es spricht der HERR, der den Himmel ausspannt und die Grundmauern der Erde legt und den Geist des Menschen in seinem Inneren bildet.

Gottes Wirken ist mit der Schöpfung nicht abgeschlossen. Gott ist kein deistischer Gott, der sich nach getaner Arbeit zurückzieht. Gott hat gewirkt und ist weiterhin am Wirken. So drückte es auch Jesus in Johannes 5,17 aus:

Mein Vater wirkt bis jetzt und auch ich wirke.

Gott ist der beständige Erhalter der Welt. Die Welt ist, weil Gott sie will. Das ist kein Gegensatz zu den Naturgesetzen. Diese sind der Ausdruck seines Willens.

Weil die Welt Gottes Werk ist und er beständig am Wirken ist, ist alles, was uns widerfährt, ein Aufruf, uns unserem Schöpfer zuzuwenden. Alles Gute, Schöne dürfen wir in Dankbarkeit vor ihn bringen, aber ebenso alles Schwere, Schmerzhafte und Unverständliche. Immer verbunden mit der Offenheit, uns von ihm führen zu lassen.

Gott, mein Schöpfer

Gott ist nicht nur in allgemeiner Weise mein – und jedes Menschen – Schöpfer, weil ich ein Teil dieser Welt bin, entstanden in Folge eines evolutionären Prozesses, der in Gott seine letzte Ursache hat. Gott hat den Geist im Inneren des Menschen geformt. Der Mensch ist nicht nur Materie. Der „Geist“ meint nicht nur für das Denkvermögen. Es geht um mehr. Es geht um das Person-Sein des Menschen. Es geht um die Willensfreiheit, um die Fähigkeit zu lieben und zu hassen. Es geht um den Menschen als Beziehungswesen, der von seinem Schöpfer auf die wichtigste und grundlegende aller Beziehungen ausgerichtet worden ist: auf die Beziehung zu Gott. Das ist, was in Genesis 1,27 gemeint ist:

Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.

Aus der Ur-Beziehung zu Gott sollen alle anderen Beziehungen, auch die zwischen Mann und Frau gestaltet werden.

Das betrifft nicht nur den Menschen allgemein. Das betrifft jeden einzelnen Menschen, dich und mich, konkret. Jeder von uns ist ein einmaliges von Gott geliebtes Wesen, in das Gott den Geist gelegt hat. Jeder Mensch sollte staunend er- und bekennen:

13 Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. 14 Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. 15 Dir waren meine Glieder nicht verborgen, als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewirkt in den Tiefen der Erde. 16 Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war. (Psalm 139,13-16)

Jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt. Jeder Mensch ist Gottes persönliches Werk, kein Massenprodukt. Das sollte uns zu denken geben, auch wenn wir uns durch unsere Sünden von Gott entfremdet haben, und so zum Teil einer Masse wurden. Sein Wille ist es, dass wir auf seine Liebe mit unserer Liebe antworten. Weil wir durch unsere Sünden uns selbst in eine Position gebracht haben, in der wir nicht einmal das aus eigener Kraft schaffen, ist uns Gott in seinem Sohn Jesus Christus entgegengekommen. Im Glauben an ihn wird das Unmögliche möglich.

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