Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht, […] (Römer 8,28a)
Diese Worte von Paulus können in einer schwierigen Situation, einer Krise, im Leid, in Verfolgung, in Krankheit … Trost schenken. Doch ist es wirklich das Schlechte, das uns begegnet, das das Gute bewirkt?
Das von der Einheitsübersetzung mit „gereichen“ übersetzte griechische Verb συνήργειν / synērgein hat die Bedeutung „zusammenarbeiten, mitwirken, mithelfen“. So heißt es in der Elberfelder Bibel:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken […]
Eigentlich sind es ja nicht die Dinge, vor allem die schlechten Dinge, die das Gute bewirken, sondern es ist Gott, der seinen Kindern zur Seite steht.
So steht es auch im Papyrus 46, dem ältesten Manuskript zu den Paulusbriefen:1
Wir wissen aber, daß den Gott Liebenden alles verhilft Gott zu Gutem …
Ebenso ist es nach den Kodizes Alexandrinus und Vatikanus Gott, der zum Guten hilft.
Norbert Baumert schlägt vor, das sonst mit „alles“ übersetzte πάντα / pánta mit „immer“ zu übersetzen.2
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, Gott immer zu Gutem verhilft, […]
Er schreibt dazu:
Dann schwindet das Problem, ob denn wirklich „alles zum Guten führt“ (EÜ). Gilt das auch für Sünde und Haß und sinnlose Zerstörung? Gewiss wird alles von Gott aufgefangen, aber wenn etwas Gutes danach folgt, ist es nicht Wirkung der zerstörenden Ursache, sondern weil Gott eingreift und dies zum Anlaß nimmt, dem Menschen auf andere Weise weiterzuhelfen, wobei er ihn letztlich durch Tod zu Auferstehung führen will. Aber nicht der Tod ‚führt zum Guten‘, sondern Gott – trotz des Todes!
Ich finde in dieser Erklärung eine wichtige Klarstellung, da es nicht die widrigen oder bösen Dinge oder Umstände sind, die das Gute bewirken, sondern Gott, der denen, die ihn lieben, auch durch das Schlechte Gutes schenken kann und will. So dürfen wir unseren Blick auf Gott, den Geber aller guten Gaben, richten.
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung oder Verfinsterung gibt. (Jakobus 1,17)
- Karl Jaroš datiert diesen üblicherweise um 200 angesetzten Papyrus auf die Zeit um das Jahr 80 n. Chr. (Karl Jaroš (Hrsg.), Das Neue Testament nach den ältesten griechischen Handschriften, CD, Wien-Würzburg 2006, S. 1101; Textstelle S. 1124). ↩
- Norbert Baumert, Christus – Hochform von ›Gesetz‹. Übersetzung und Auslegung des Römerbriefs, Würzburg 2012, S. 169. Auch in 1 Korinther 13,7 schlägt er vor, „immer“ statt „alles“ zu lesen. Mehr dazu im Beitrag: Glaubt die Liebe alles? ↩
Hinterlasse einen Kommentar