„Weise deinen Knecht im Zorn nicht ab!“

Verbirg nicht dein Angesicht vor mir; weise deinen Knecht im Zorn nicht ab! Du wurdest meine Hilfe. Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, du Gott meines Heils! (Psalm 27,9)

Psalm 27 ist ein schönes Gebet, in dem der Psalmist voller Vertrauen seine Zuflucht bei Gott nimmt. Selbst in der Bedrohung durch Feinde bleibt er voller Zuversicht.

2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. 3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. (Psalm 27,2-3)

Die Quelle seines Vertrauens ist die Gemeinschaft mit Gott. Er will das Angesicht Gottes suchen, die Beziehung zu ihm.

Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen. (Psalm 27,8)

Er ist ihm daher auch ein großes Anliegen, dass Gott sein Angesicht nicht vor ihm verbirgt, wie er es im eingangs zitierten Vers 9 ausdrückt. Der Beter nennt keinen Grund, warum Gott sein Angesicht vor ihm verbergen könnte, ja ihn im Zorn abweisen könnte. Aber wir dürfen voraussetzen, dass er sich seiner Sünden bewusst war. Wenn Gott sein Leben genau prüft, wird er Dinge finden, die die Beziehung zu ihm stören. Er könnte wie in Psalm 25,11 beten:

Um deines Namens willen, HERR, vergib meine Schuld, denn sie ist groß!

Der „Zorn“ Gottes hat ja seine Ursache in unseren Sünden. Es kann bei Gott nicht um einen unberechenbaren Ausbruch von Emotionen gehen. Es geht darum, dass unsere Sünden uns von ihm trennen.

1 Seht her, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu helfen, sein Ohr ist nicht schwerhörig, sodass er nicht hört. 2 Aber eure Vergehen stehen trennend zwischen euch und eurem Gott; eure Sünden haben sein Gesicht vor euch verdeckt, sodass er nicht hört. (Jesaja 59,1-2)

Denn der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. (Römer 1,18)

Die Bitte „Weise deinen Knecht im Zorn nicht ab!“ ist eine Bitte um Erbarmen. Sie enthält unausgesprochen eine Bitte um Vergebung. Gott kennt das Herz des Beters. Gott weiß, dass er sich von seiner Sünde distanziert und kennt seine tiefe Sehnsucht nach der Beziehung zu Gott. Darum kann er sich ihm auch ganz zuwenden und ihm in seiner Not helfen.

Wenn Gott nicht im Zorn auf den Beter blickt, heißt das nicht, dass Gott nun seinen Zorn statt dessen auf jemanden anderen richten muss.

Es ist nicht so, dass Gott seinen Zorn von einem reumütigen Sünder nur deswegen abwenden kann, weil er seinen Zorn an Jesus ausgelassen hat, wie es leider von etlichen geglaubt wird.

Der Psalmist betet nicht:

Weise deinen Knecht im Zorn nicht ab, da doch der Messias deinen Zorn tragen wird!

Der Psalmist wendet sich einfach an den Gott seines Heils, der sein Retter ist. Er bittet Gott um Weisung (Vers 11). Seine Gewissheit kommt nicht aus dem Wissen, dass jemand anderer seine Strafe getragen hat, sondern hat ihren Grund in der Güte Gottes.

Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. (Psalm 27,13)

Wer Gott vertraut, wird seine Güte schauen. Die Ermunterung am Ende des Psalms gilt für alle, die Gott mit derselben Gesinnung wie der Psalmist anrufen.

Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN! (Psalm 27,14)

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