Als ich vor kurzem bei einem Marsch fürs Leben war, gab es die übliche Gegendemonstration. Dabei ist mir ein Transparent der Abtreibungsbefürworter aufgefallen, auf dem zu lesen war:
Nicht dein Körper
Nicht dein Leben?
Nicht deine Entscheidung
Ich nehme an, dass die Gegendemonstranten mit dieser Aufschrift vermitteln wollten, dass bei einem Verbot der Tötung ungeborener Menschen den werdenden Müttern die Bestimmung über ihren Körper und ihr Leben genommen wird, sodass sie auch keine Entscheidung mehr darüber treffen können. Die Lebensschützer sollen sich nach Ansicht dieser Demonstranten doch nicht in das Recht der Frauen über ihren eigen Körper und ihr eigenes Leben einmischen. Sie haben dabei gar nichts zu entscheiden.
Doch bei genauerer Betrachtung liefert dieses Transparent gerade die Argumente, die gegen die Abtreibung sprechen.
Der Körper des ungeborenen Kindes ist, auch wenn er noch sehr klein ist, nicht der Körper der Mutter. Er ist im Körper der Mutter, doch schon der Körper eines neuen Menschen, der mit seiner Mutter nicht identisch ist. Bei der Vereinigung von Samenzelle und Eizelle ist ein neuer Mensch mit einem neuen Organismus entstanden. Es gibt eine Interaktion zwischen dem mit der Befruchtung entstandenen neuen Körper und dem Körper der Mutter. Der Körper des neuen Menschen ist nicht der Körper der Mutter.
Darum ist auch das Leben des Kindes nicht das Leben der Mutter. Es ist vielmehr die Aufgabe der Mutter, das Leben ihres Kindes zu schützen – vor dessen Geburt ebenso wie danach.
Daher liegt es auch nicht in der Entscheidungsfreiheit der Mutter oder von sonst jemandem, das Leben des neuen Menschen im Mutterleib auszulöschen.
Der Körper des Kindes ist nicht der Körper der Mutter, das Leben des Kindes ist nicht das Leben der Mutter und darum ist es auch nicht ihre Entscheidung, ob das Kind leben darf. Das Kind ist bereits da und lebt.
Wir können die Botschaft dieses Transparents aber noch tiefer sehen.
Unser Körper ist einerseits unser Körper. Doch andererseits ist er uns gegeben. Wir konnten nicht entscheiden, welche Hautfarbe wir haben, ob wir Mann oder Frau sind, groß oder klein, … Unser Körper ist uns vorgegeben, er ist uns von unserem Schöpfer anvertraut, dass wir mit ihm nach seinem Willen umgehen. Gottes Plan ist, dass unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist.
Paulus schreibt den Christen von Korinth:
19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; 20 denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib! (1 Korinther 6,19-20)
Durch den Glauben an Jesus wohnt der Heilige Geist im Christen. Unser Leib ist sein heiliger Tempel, mit dem wir Gott durch ein Leben nach seinen Geboten verherrlichen dürfen.
Unser Körper ist unser Körper, doch in gewisser Weise auch nicht. Er ist Gottes Geschenk an uns.
Das gilt auch für unser ganzes Leben, das nicht nur unseren Körper betrifft. Gott hat uns das Leben geschenkt. Er ist der Schöpfer jedes einzelnen Menschen. Er schenkt nicht nur das biologische Leben, sondern ruft uns zur Gemeinschaft mit ihm, zu einem Leben, das in Ewigkeit währt.
Jesus sagte nach dem Tod von Lazarus zu dessen Schwester Marta:
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, 26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? (Johannes 11,25-26)
Unser Leben, das so klein und unscheinbar im Leib unserer Mutter begonnen hat, ist für die Ewigkeit bestimmt. In der Gemeinschaft mit unserem Schöpfer empfangen wir Leben in Fülle, vor und nach dem Tod.
Mein Leben ist mein Leben, aber es hat seinen Ursprung und sein Ziel nicht in mir selber, sondern allein in Gott.
Es war nicht meine Entscheidung, ob ich lebe. Gott hat mich aus Liebe geschaffen. Es ist aber meine Entscheidung, was ich mit Gottes Geschenk mache.
Wenn ich sein Geschenk dankbar annehme, dann führt seine Liebe mich zur wahren Liebe zu ihm und zu meinem Nächsten. Dann dient alles, auch mein Körper und mein ganzes Leben, zur Ehre Gottes.
Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. (Psalm 139,14)
Ob ihr also esst oder trinkt oder etwas anderes tut: Tut alles zur Verherrlichung Gottes! (1 Korinther 10,31)
Hinterlasse einen Kommentar