Im Laufe der Geschichte des Islams gab es unterschiedliche Positionen in der Beurteilung von Musik und Musikinstrumenten. Eine zusammenfassende Darstellung dazu aus der Sicht eines moderaten europäischen Islams findet sich in diesem Artikel: Über die Musik und den Islam.
Missionarisch aktive konservative Muslime vertreten eine (fast) völlige Ablehnung von Musikinstrumenten. Dazu gehört etwa der bekannte indische Prediger Zakir Naik, der sich in diesem Video strikt gegen auch nur das Erlernen eines Musikinstruments ausspricht. Einzig die Daf, eine Rahmentrommel, sei vom Propheten des Islams für das Spielen auf Hochzeiten erlaubt worden.
Auch im deutschsprachigen Raum wird dieser Standpunkt vertreten, z. B. hier.
Im Hintergrund steht eine Überlieferung, die wir in diesem Hadith finden:
Überliefert von Abu ‚Amir oder Abu Malik Al-Ash’ari:
dass er den Propheten sagen hörte: „Unter meinen Anhängern wird es einige Leute geben, die illegalen Geschlechtsverkehr, das Tragen von Seide, das Trinken von alkoholischen Getränken und den Gebrauch von Musikinstrumenten für erlaubt halten werden. Und es wird Leute geben, die sich am Rande eines Berges aufhalten, und am Abend wird ihr Hirte mit ihren Schafen zu ihnen kommen und sie um etwas bitten, aber sie werden zu ihm sagen: ‚Komm morgen zu uns zurück. Allah wird sie in der Nacht vernichten und den Berg auf sie stürzen lassen, und Er wird die übrigen von ihnen in Affen und Schweine verwandeln, und sie werden so bleiben bis zum Tag der Auferstehung.“ (Sahih Al-Buchari 5590)
Der Gebrauch von Musikinstrumenten wird hier in einer Reihe mit sexuellen Sünden und dem Trinken von Alkohol gesehen. Die Strafe der Verwandlung in Affen und Schweine scheint sich auf diese Übertreter zu beziehen.
Muslime, die den Islam besonders ernst nehmen wollen, werden daher Musikinstrumente in der Regel ablehnen.
Wie viele andere Dinge in dieser Welt kann auch die Musik einen schädlichen Einfluss ausüben. Das Sprichwort, demzufolge böse Menschen keine Lieder hätten, stimmt leider nicht. Musik kann sehr schlimme Inhalte vermitteln. Deswegen hat sie in der Propaganda verschiedenster Ideologien ihren festen Platz.
Musik kann von Gott und der Suche nach ihm ablenken. Sie kann jemanden auch leicht in falschen Dingen bestärken. Darum finden wir auch in der Bibel kritische Verse:
Ihr grölt zum Klang der Harfe, ihr wollt Musikinstrumente erfinden wie David. (Amos 6,5)
11 Wehe denen, die früh am Morgen dem Bier nachjagen und in der Dämmerung lange aushalten, wenn der Wein sie erhitzt. 12 Da sind Leier und Harfe, Trommel und Flöte und Wein bei ihren Trinkgelagen, aber auf das Tun des HERRN blicken sie nicht und das Werk seiner Hände haben sie nicht gesehen. (Jesaja 5,11-12)
Die Bibel zeigt aber auch einen positiven Zugang zur Musik und zu Instrumenten, vor allem dann, wenn die Musik dem Lob Gottes dient.
1 Jubelt im HERRN, ihr Gerechten, den Redlichen ziemt der Lobgesang. 2 Preist den HERRN auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe spielt ihm! 3 Singt ihm ein neues Lied, spielt kunstvoll mit Jubelschall! (Psalm 33,1-3)
2 Gut ist es, dem HERRN zu danken, deinem Namen, du Höchster, zu singen und zu spielen, 3 am Morgen deine Huld zu verkünden und in den Nächten deine Treue, 4 zur zehnsaitigen Laute und zur Harfe, zum Spiel auf der Leier. (Psalm 92,2-4)
5 Spielt dem HERRN auf der Leier, auf der Leier zu lautem Gesang! 6 Mit Trompeten und lautem Widderhorn jauchzt vor dem HERRN, dem König! (Psalm 98,5-6)
Gott, ein neues Lied will ich dir singen, auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen. (Psalm 144,9)
Muslime, die Musikinstrumente grundsätzlich ablehnen, stellen sich also gegen die Überlieferung der gläubigen Israeliten und gegen die Psalmen, die auch nach dem Koran als das David gegebene Buch als Heilige Schrift gelten.
Gewiß, Wir haben dir (Offenbarung) eingegeben, wie Wir Nūḥ und den Propheten nach ihm (Offenbarung) eingegeben haben. Und Wir haben Ibrāhīm, Ismāʿīl, Isḥāq, Yaʿqūb, den Stämmen, ʿĪsā, Ayyūb, Yūnus, Hārūn und Sulaimān (Offenbarung) eingegeben, und Dāwūd haben Wir ein Buch der Weisheit gegeben. (Sure 4,163)
Und dein Herr kennt diejenigen sehr wohl, die in den Himmeln und auf der Erde sind. Und Wir haben ja einige der Propheten vor anderen bevorzugt. Und Dāwūd haben Wir ein Buch der Weisheit gegeben. (Sure 17,55)
Nach Psalm 33,1-3 sollen die Gerechten Gott auch mit Instrumenten preisen. Die Gerechten sind die, die sich von ihren Sünden abgewandt und Gott zugewandt haben. Ihnen hat Gott seine Gerechtigkeit geschenkt. Sie dürfen Gott aus reinem Herzen und mit ganzer Kraft loben. Auch mit Instrumenten.
1 Halleluja! Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner mächtigen Feste! 2 Lobt ihn wegen seiner machtvollen Taten, lobt ihn nach der Fülle seiner Größe! 3 Lobt ihn mit dem Schall des Widderhorns, lobt ihn mit Harfe und Leier! 4 Lobt ihn mit Trommel und Reigentanz, lobt ihn mit Saiten und Flöte! 5 Lobt ihn mit tönenden Zimbeln, lobt ihn mit schallenden Zimbeln! 6 Alles, was atmet, lobe den HERRN. Halleluja! (Psalm 150,1-6)
Hinterlasse einen Kommentar