Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? (Johannes 8,46)
Johannes schreibt in 8,31-59 über eine Diskussion zwischen Jesus und seinen jüdischen Gegnern. Es ging darum, was es bedeutet, ein Nachkomme Abrahams zu sein. Sie beriefen sich darauf, Kinder Abrahams (8,39a) zu sein, ja sogar Gott zum Vater zu haben (8,41). Jesus hielt ihnen entgegen, dass sie als wahre Kinder Abrahams die Werke Abrahams tun würden. Ihre Pläne, Jesus zu töten, zeigen das Gegenteil (8,39b-40). Geistlich gesehen haben sie den Teufel, den Mörder von Anfang an und den Vater der Lüge, zum Vater (8,44). So glauben sie Jesus, der die Wahrheit sagt, nicht (8,45).
Zur Bekräftigung seines Anspruches, die Wahrheit zu sagen, verweist Jesus auf sein vollkommenes Leben.
Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen?
Jesus hat es seinen Gegnern überlassen, sein Leben zu prüfen. Sie waren herausgefordert, ihre feindliche Gesinnung durch seine Sünden zu begründen.
Wer unter den Menschen kann es wagen, einen derartigen Anspruch zu erheben? Im Normalfall zeigt eine derartige Herausforderung, dass jemand sehr stark von sich eingenommen ist und dass ihm jede Selbstbeurteilung fehlt. Wer so eine selbstsichere Frage stellt, zeigt seinen Stolz und seine geistliche Blindheit.
Diese Frage fordert nicht nur die Zeitgenossen Jesu, sondern jeden Menschen zu einer Stellungnahme heraus. Entweder war Jesus der, der er beansprucht hat zu sein: der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist, der ein vollkommenes Leben geführt hat. Oder er war ein Hochstapler, ein durch und durch von sich eingenommener Egoist, der seine eigenen Sünden nicht gesehen hat. Den Mittelweg, in Jesus einen „guten“ Menschen zu sehen, einen der vielen weisen Lehrer der Menschheit, hat uns Jesus nicht offengelassen.
Seine Gegner haben Jesus keine Sünde aufgezeigt. Ihre Antwort war:
Sagen wir nicht mit Recht: Du bist ein Samariter und von einem Dämon besessen? (Johannes 8,48)
Sie haben ihm keine Sünde nachgewiesen. Sie haben ihn nur beschimpft. Gerade ihm, der viele von ihrer Besessenheit befreit hat, haben sie als Besessenen verunglimpft. Der Vorwurf, ein Samariter zu sein, hatte seinen Hintergrund offensichtlich darin, dass Jesus den Samaritern gegenüber nicht mit der strikten Ablehnung gegenüber getreten ist, wie es die jüdischen Führer getan hatten. Doch hat Jesus auch den Samaritern gegenüber klar ausgedrückt, dass das Heil von den Juden kommt (Johannes 4,22).
Jesus war tatsächlich ohne Sünde. Sein heiliges Leben hat seine Worte und seinen Anspruch bestätigt.
In Vers 47 sagte er:
Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes; ihr hört sie deshalb nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.
Mit den „Worten Gottes“ hat Jesus seine eigenen Worte gemeint. Seine Gegner haben sie nicht als Wort Gottes gehört, weil sie nicht aus Gott waren. Sie haben ihre eigene Position und Ehre mehr geliebt als Gott. Das hat sie daran gehindert, Jesus, dem sie keine Sünde vorwerfen konnten, als den von Gott gesandten Messias zu erkennen.
Liebe zu Gott führt zu Liebe zu Jesus.
Jesus sagte zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn von Gott bin ich ausgegangen und gekommen. Ich bin nicht von mir aus gekommen, sondern er hat mich gesandt. (Johannes 8,42)
Wir wissen mehr, als die Gegner Jesu in der von Johannes erzählten Situation wissen konnten. Zusätzlich zu dem vollkommenen Leben Jesu und seinen Wundern wissen wir von der Auferstehung Jesu, der göttlichen Bestätigung des Anspruchs Jesu. Alle Menschen sind gerufen, Jesus zu folgen und in ihm das ewige Leben zu finden.
Amen, amen, ich sage euch: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen. (Johannes 8,51)
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