Warum nennst du mich gut?

Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer der eine Gott. (Markus 10,17-18)

Sagt Jesus hier, dass er nicht gut ist? Widerlegen seine Worte die Lehre über seine göttliche Natur?

Worum ging es in der Situation?

Ein reicher (Vers 23) junger (Matthäus 19,22) Mann, der aber schon eine Führungsposition innehatte (Lukas 18,18), sprach Jesus mit der Anrede „Guter Meister“ an und fragte ihn, was er tun muss, um das ewige Leben zu erlangen.

Als Erstes reagiert Jesus auf diese Anrede mit einer Gegenfrage und der Entgegnung, dass nur Gott gut sei. Dem reichen Mann war Jesus nicht unbekannt. Gewiss hat er schon über seine Wunder gehört, und auch etwas von seiner Lehre vernommen. Sonst hätte er Jesus diese Frage nicht gestellt. Es ist möglich, dass er Jesus mit der Anrede „Guter Meister“ schmeicheln wollte. Die Frage, ob Jesus Gott sei, hat sich für ihn bisher nicht gestellt. Jesus hat gewusst, dass es zur Erkenntnis seiner göttlichen Natur einiger Voraussetzungen bedarf, die erst geschaffen werden mussten.

In der Situation ging es Jesus darum, was für seinen Gesprächspartner am wichtigsten war. Es ging um sein ewiges Heil.

Er hat ihn darauf hingewiesen, dass nur Gott gut ist. In einem abgeschwächten Sinn werden auch Menschen gut genannt. Doch sind sich gute Menschen immer ihrer Sünden und Fehler bewusst. Gerade eine tiefe Selbsterkenntnis zeichnet solche Menschen aus. Sie sehen ihre Sünden und kämpfen gegen sie an. Der Hinweis auf das absolute Gutsein Gottes sollte auch dem reichen Mann helfen, sich selbst zu erkennen.

Jesus hat ihn dann auf die Gebote Gottes hingewiesen. Der Mann antwortete, dass er diese Gebote von Jugend an gehalten habe. Diese Antwort zeigt zumindest einen oberflächlichen Zugang zu den Geboten. Er gab sich mit einem oberflächlichen Befolgen der Gebote zufrieden, hat aber nicht oder zuwenig gefragt, was Gottes Wille für sein Leben ist. Das weitere Gespräch machte klar, dass ihm sein Reichtum wichtiger war als Gott. Er hat das Geld mehr geliebt als Gott. Die Liebe zu Gott ist aber die Grundlage für alle anderen Gebote. Trotz der liebevollen Zuwendung Jesu war er nicht bereit, auf seinen Götzen, den Reichtum zu verzichten.

Die Antwort Jesu „Warum nennst du mich gut?“ war keine Aussage über Jesus, sondern eine Hilfestellung an diesen reichen Mann.

Nachdem der Mann traurig weggegangen war, sprach Jesus zu seinen Jüngern über die Gefahr des Reichtums und über die Nachfolge. Dabei sagte er auch:

Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. (Markus 10,29-30)

Jesus sagte: „um meinetwillen“, nicht: „um Gottes willen“. Er erwartete, dass er für seine Jünger wichtiger ist, als Haus und Besitz, ja als die Familie. Jesus stellte einen Anspruch, den nur Gott stellen kann. Er versprach als Belohnung ewiges Leben. Diesen Lohn kann nur Gott geben. Auch wenn Jesus hier nicht explizit gesagt hat, dass er Gott ist, hat er sich selbst eine Bedeutung gegeben, die weit über die eines irdischen Lehrers oder Propheten hinausgeht.

War Jesus gut?

Die meisten werden zustimmen, dass Jesus gut war, so wie in der Bibel manchmal gute Menschen erwähnt werden. So heißt es in Lukas 23,50 über Josef von Arimathäa, dass er ein guter und gerechter Mensch war. Auch Barnabas wird in Apostelgeschichte 11,24 ein guter Mensch genannt.

Über Jesus finden wir aber noch Aussagen, die darüber hinausgehen. In Johannes 8,46 sagte Jesus:

Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen?

So kann nur ein Mensch sprechen, der geistlich blind ist und seine Sünden nicht sieht, oder einer, der tatsächlich ohne Sünde ist und sich in diesem Punkt von allen anderen Menschen unterscheidet, auch von denen, die man nach menschlichen Maßstäben gut nennt.

Im selben Kapitel lesen wir ein anderes Wort Jesu:

Und er, der mich gesandt hat, ist bei mir; er hat mich nicht alleingelassen, weil ich immer das tue, was ihm gefällt. (Johannes 8,29)

In Johannes 10,11.14 spricht Jesus über sich selbst als dem Guten Hirten.

Ja, Jesus war gut. Er war gut im eigentlichen Sinn des Wortes. Er war vollkommen, ohne jede Sünde. Dadurch bestätigt sich, dass seine Antwort an den reichen Mann keine Aussage über sich selbst war, sondern seinem Gesprächspartner helfen sollte, sich selbst zu erkennen.

Wäre Jesus nicht gut, könnte er nicht sagen:

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

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