Der Staat Israel und die Prophetie

Nachdem islamische Terroristen unter Allahu akbar-Rufen schreckliche Anschläge auf vor allem zivile Opfer im Süden Israels verübt haben, tobt wieder einmal der Krieg im Land der Verheißung. Manche Endzeitspezialisten sehen diese Ereignisse im Zusammenhang mit der großen endzeitlichen Schlacht, die sie verschiedenen Stellen der Prophetenbücher entnehmen. Es könnte sich die große Schlacht anbahnen, in der Gog aus Magog, der Fürst von Russland, mit den verbündeten Völkern aus dem Norden gegen das Land Israel zieht, um dort durch Gottes wunderbares Eingreifen vernichtet zu werden. Vergleiche dazu Ezechiel 38 und 39. Auch die eschatologische Schlacht aus Sacharja 14 könnte dazu passen.

Auch das in Psalm 83,4-9 erwähnte Bündnis gegen Israel wird erwähnt:

4 Gegen dein Volk ersinnen sie einen listigen Plan und halten Rat gegen die, die sich bei dir bergen. 5 Sie sagen: Auf, wir wollen sie als Volk vernichten, des Namens Israel werde nie mehr gedacht! 6 Ja, sie halten einmütig Rat, schließen gegen dich einen Bund: 7 Edoms Zelte und die Ismaeliter, Moab und die Hagariter, 8 Gebal, Ammon und Amalek, das Philisterland mit den Bewohnern von Tyrus. 9 Auch Assur schließt sich ihnen an und leiht den Arm den Söhnen Lots.

Weil der Krieg in Gaza stattfindet, kommen auch die Worte Zefanjas gegen die Philister zur Sprache:

4 Ja, Gaza wird verlassen sein und Aschkelon wird eine Wüste, am hellen Mittag treibt man Aschdods Einwohner fort und Ekron ackert man um. 5 Wehe, die ihr das Gebiet am Meer bewohnt, ihr Volk der Kereter! Das Wort des HERRN richtet sich gegen euch: Kanaan, Land der Philister, ich richte dich zugrunde, keiner deiner Bewohner bleibt übrig. 6 Du wirst zum Weideland der Hirten und zu Pferchen für Schafe und Ziegen. 7 Das Gebiet am Meer fällt dem Rest des Hauses Juda zu. Darauf weiden sie; am Abend lagern sie in Aschkelons Häusern. Denn der HERR, ihr Gott, kümmert sich um sie und wendet ihr Geschick. (Zefanja 2,4-7)

Ich werde mich in diesem Text nicht mit diesen und anderen Stellen beschäftigen, die man in erster Linie vor ihrem alttestamentlichen Hintergrund erklären muss.

Mir geht es eher um die grundsätzliche Frage, inwieweit man überhaupt den modernen Staat Israel als einen Staat sehen kann, an dem Gott die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt.

Der moderne Staat Israel ist ein säkularer Staat. Theodor Herzl, der Begründer des politischen Zionismus, soll ein Agnostiker gewesen sein. Der erste Ministerpräsident Israels, David Ben-Gurion, war Sozialist. Die Errichtung eines Gottesstaates war weder das Ziel Herzls noch Ben-Gurions. Israel ist kein reiner Judenstaat. Etwa 20 % der Staatsbürger sind Araber mit allen staatsbürgerlichen Rechten. Unter den jüdischen Bürgern Israels sind viele nicht religiös oder sogar Atheisten.

Anders als in etlichen islamischen Staaten, in denen die Gesetzgebung stark von der Scharia bestimmt wird, hat das Gesetz der Thora in Israel nicht diese Bedeutung.

Von Theodor Herzl wird dieses Zitat überliefert:1

Der Glaube hält uns zusammen – die Wissenschaft macht uns frei. – Wir werden daher theokratische Velleitäten unserer Geistlichen gar nicht aufkommen lassen. Wir werden sie in ihren Tempeln festzuhalten wissen, wie wir unser Berufsheer in den Kasernen festhalten werden. Heer und Clerus sollen so hoch geehrt werden, wie es ihre schönen Functionen erfordern und verdienen. In den Staat, der sie auszeichnet und besoldet, haben sie nichts dreinzureden.

Insofern ist der moderne Staat Israel eher mit einer europäischen Demokratie zu vergleichen als mit dem Königreich Davids.

Wie die meisten europäischen Staaten verweigert leider auch Israel seit 1977 den ungeborenen Kindern den Schutz ihres Lebens. Viele Abtreibungen sind sogar kostenlos. Mehr dazu in diesem Artikel. Seit der Staatsgründung sollen bereits mehr als 2 Millionen ungeborene Kinder ihres Lebens beraubt worden sein. Das übertrifft die Anzahl der im alten Israel den Götzen geopferten Kinder wohl bei weitem.

Der Prophet Jeremia hat seinen Zeitgenossen für diese Sünde das Gericht angekündigt:

3 Du sollst sagen: Hört das Wort des HERRN, ihr Könige Judas und ihr Einwohner Jerusalems! So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Siehe, ich bringe Unheil über diesen Ort, dass jedem, der davon hört, die Ohren gellen werden. 4 Denn sie haben mich verlassen, diesen Ort entfremdet und an ihm anderen Göttern Rauchopfer dargebracht, die ihnen, ihren Vätern und den Königen von Juda früher unbekannt waren. Mit dem Blut Unschuldiger haben sie diesen Ort angefüllt. 5 Sie haben dem Baal Kulthöhen gebaut, um ihre Kinder als Brandopfer für den Baal im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen oder angeordnet habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist. 6 Darum, siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN -, da wird man diesen Ort nicht mehr Tofet oder Tal Ben-Hinnom nennen, sondern Mordtal. 7 Dann vereitle ich die Pläne Judas und Jerusalems an diesem Ort. Ich bringe sie vor den Augen ihrer Feinde durch das Schwert zu Fall und durch die Hand derer, die ihnen nach dem Leben trachten. Ich gebe ihre Leichen den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes zum Fraß. 8 Ich mache diese Stadt zu einem Ort des Entsetzens und zum Gespött; jeder, der dort vorbeikommt, wird sich entsetzen und spotten über alle Schläge, die sie getroffen haben. (Jeremia 19,3-8)

Jerusalem wurde bald danach von den Babyloniern zerstört. Viele Israeliten mussten ins Exil gehen.

Wenn das Königreich Juda für die Tötung der Kinder so hart bestraft wurde, können wir nicht annehmen, dass die viel zahlreicheren Tötungen unschuldiger Kinder im Staat Israel von Gott so einfach akzeptiert werden. Gewiss gibt es den großen Unterschied, dass das Königreich Juda ein Staat sein sollte, in dem der Wille Gottes oberstes Gesetz sein sollte. Diesen Anspruch erhebt der heutige Staat Israel genauso wenig wie alle gottlosen Staaten Europas.

Weil das Königreich Juda grundsätzlich ein Gottesstaat war, hatte der Ungehorsam die Konsequenz des Gerichts durch die Babylonier. Das heutige Israel ist kein Gottesstaat. Auch wenn es kein derartiges Strafgericht wie das alte Israel erfahren wird, wird die zum Himmel schreiende Sünde (vergleiche Genesis 4,10) der Tötung so vieler unschuldiger Menschen nicht ohne Konsequenzen bleiben können.2

Auf keinen Fall kann man aber annehmen, dass der irdische Staat Israel unter einem besonderen Schutz Gottes steht, oder sogar, dass sich alttestamentliche Worte über einen endzeitlichen Kampf sich an diesem Staat erfüllen.

Seit dem Kommen des Messias ist das Königreich Gottes kein Staatswesen von dieser Welt.

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. (Johannes 18,36)

Darum kann es bis zum zweiten Kommen Jesu auch kein Reich Israel im Sinne Gottes mehr geben.

Das Volk Israel ist aber nach wie vor Träger der göttlichen Verheißung. Paulus hat ihre Position so beschrieben:

Vom Evangelium her gesehen sind sie Feinde, und das um euretwillen; von ihrer Erwählung her gesehen aber sind sie Geliebte, und das um der Väter willen. (Römer 11,28)

Die Verheißung der Umkehr Israels zu seinem Messias ist nach wie vor offen.

25 Denn ich will euch, Brüder und Schwestern, nicht in Unkenntnis über dieses Geheimnis lassen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung liegt auf einem Teil Israels, bis die Vollzahl der Heiden hereingekommen ist, 26 und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion der Retter, er wird alle Gottlosigkeit von Jakob entfernen. (Römer 11,25-26)

Zu wissen, wie und wann das geschehen wird, ist nicht unsere Sache. Ebenso wenig ist es unsere Sache, Worte der Propheten auf einen säkularen Staat zu beziehen, der die Tötung ungeborener Kinder erlaubt und sogar finanziert.


  1. Quelle: Deutschlandfunk
  2. Das gilt in gleicher Weise für alle anderen Staaten, die das Leben der ungeborenen Kinder nicht schützen. Eine Konsequenz ist auf jeden Fall, dass das Gewissen der Menschen zerstört wird. Ein Volk, das seine Kinder tötet, tötet seine Zukunft. 

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