Der dritte von dreien?

Fürwahr, ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Gewiß, Allah ist einer von dreien.“ Es gibt aber keinen Gott außer dem Einen Einzigen. Wenn sie mit dem, was sie sagen, nicht aufhören, so wird denjenigen von ihnen, die ungläubig sind, ganz gewiß schmerzhafte Strafe widerfahren. (Sure 5,73)

Bubenheim und Elyas haben diese Stelle leider etwas ungenau übersetzt. Korrekt heißt der im Koran als eine Aussage von Ungläubigen kritisierte Satz:

Allah ist der dritte von dreien.

Das ist eine noch schlimmere Aussage als nur „einer“ von dreien. Allah wird sogar an die dritte Stelle gesetzt. Der Koran geht davon aus, dass mit „Allah“ der einzige Gott, der sich zuvor bereits in der Thora und im Evangelium offenbart hat, gemeint ist.

Das übliche Verständnis dieser Stelle ist, dass es um eine Kritik der christlichen Lehre der Dreieinigkeit geht. Als Beispiel sei der klassische Tafsīr al-Dschalālain aus dem 15. Jahrhundert genannt:

Sie sind in der Tat Ungläubige, die sagen: „Gott ist der dritte von drei Göttern“, d.h. Er ist einer von ihnen, die anderen beiden sind Jesus und seine Mutter, und sie, die dies behaupten, sind eine christliche Sekte, obwohl es keinen Gott gibt außer dem Einen Gott. Wenn sie nicht von dem ablassen, was sie sagen, wenn sie eine Dreifaltigkeit erklären und Seine Einheit bekennen, werden diejenigen von ihnen, die ungläubig sind, d.h. diejenigen, die auf den Unglauben fixiert sind, eine schmerzhafte Pein erleiden, nämlich das Feuer. (übersetzt mit deepl.com)

Der Satz, dass Gott der dritte von drei Göttern sei, ist zurecht zu kritisieren. Er wäre auch dann falsch, wenn jemand behaupten würde, dass Gott der erste von drei Göttern ist. Christen glauben weder das eine noch das andere.

Wenn in Sure 5,73 tatsächlich, so wie es die muslimischen Ausleger verstehen, die christliche Lehre der Dreieinigkeit gemeint sein sollte, hat der Autor dieses Verses diese Lehre offensichtlich nicht verstanden oder möglicherweise sogar bewusst entstellt.

Die Lehre von der Einheit und Einzigkeit Gottes ist ein elementares Fundament des Christentums. Wer das nicht glaubt, darf sich nicht Christ nennen.

Nur für wen die Einheit und Einzigkeit Gottes außer Frage steht, kann die Lehre der Dreieinigkeit richtig verstehen.

Jesus ist kein zweiter Gott neben dem Vater. Jesus ist nicht „ein Kind, das sich Gott genommen hätte“, wie es Sure 23,91 andeutet, sodass es nunmehr zwei zueinander in Konkurrenz stehende Götter gäbe. Jesus ist das ewige Wort Gottes, das Mensch geworden ist (mehr dazu siehe hier und hier). Genauso wenig wie Muslime glauben, dass der Koran, den sie als das ewige und vollkommene Wort Allahs betrachten, ein zweiter Gott neben Allah sei, glauben Christen, dass Jesus, der das ewige Wort Gottes in Person ist, ein zweiter Gott neben dem Vater ist. Gott und sein Wort haben teil am ewigen unteilbaren göttlichen Wesen. Der Sohn ist kein anderer Gott als der Vater oder der Heilige Geist. Durch die Menschwerdung des Wortes Gottes in Jesus und die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Gläubigen hat Gott sein ewiges dreieines Wesens offenbart.

Gott hat in einer langen Geschichte seinem Volk Israel sehr deutlich gemacht, dass es nur einen Gott gibt. Diese Erkenntnis war die Voraussetzung für das Kommen Jesu. Nur auf dieser Basis konnte die Offenbarung des dreieinen Wesen Gottes geschehen.

Nach 1 Johannes 4,8b ist Gott die Liebe. Er ist die Liebe in seinem ewigen Wesen. Das heißt, dass er unabhängig von aller Schöpfung die Liebe ist. Seit der Schöpfung hat Gott seine Liebe seinen Geschöpfen, besonders den Menschen geschenkt. Doch auch völlig unabhängig davon, ob es Geschöpfe gibt, hat Gott sich selbst seit aller Ewigkeit in seinem inneren Wesen verschenkt. Gott ist nicht erst dadurch, dass es Geschöpfe gibt, denen er seine Liebe schenken kann, zur Liebe geworden. Die Liebe ist sein inneres Wesen. Die Lehre der Dreieinheit besagt, dass es im inneren Wesen des ewigen Gottes ein sich Verschenken aus Liebe heraus gibt. Der Sohn geht in Ewigkeit aus dem Vater hervor, ebenso der Heilige Geist aus dem Vater durch den Sohn. Dadurch entstehen aber keine neuen Götter. Es ist das Wirken der Liebe im Inneren Gottes. Es geht hier keinesfalls um zeitliche Vorgänge in dem Sinn, dass zuerst der Vater alleine war, dann der Sohn dazugekommen ist und anschließend der Heilige Geist. Im Inneren Gottes gibt es kein Früher und kein Später. Er ist der Ewige. Es gibt Gott seit Ewigkeit nur als den dreieinen Gott. Er hat sein inneres Wesen in der Zeit aber erst durch die Menschwerdung seines Wortes in Jesus offenbart.

Muslime sind eingeladen, tiefer über das Wesen Gottes nachzudenken und auch darüber, warum der Autor des Korans die christliche Lehre der Dreieinigkeit so gründlich missverstanden hat.

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