Einmal gerettet – immer gerettet?

Besonders in evangelikalen Kreisen findet man immer wieder die Ansicht, dass ein Christ sein Heil nicht mehr verlieren könne. Wer sein Leben einmal Jesus übergeben habe, könne nicht mehr vom Glauben abfallen. Dieser Lehre wird jedoch von Worten aller Autoren des Neuen Testaments widersprochen. Ich bringe eine Zusammenstellung von zu diesem Thema relevanten Aussagen des Neuen Testaments. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

1 Matthäus

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. (Matthäus 5,13)

Jesus sagte diese Worte zu seinen Jüngern. Man mag einwenden, dass diese Worte noch vor der Ausgießung des Heiligen Geistes gesprochen wurden. Doch haben diese Worte einen überzeitlichen Charakter. Wenn Matthäus diese Worte Jahre nach der Geistsendung geschrieben hat, dann in der Überzeugung, dass sie auch zu seiner Zeit und damit auch zu unserer Zeit Gültigkeit besitzen. Die ernsthafte Warnung Jesu gilt bis zu seiner Wiederkunft.

45 Wer ist denn der treue und kluge Knecht, den der Herr über sein Gesinde einsetzte, damit er ihnen zur rechten Zeit die Nahrung gebe? 46 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! 47 Amen, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. 48 Wenn aber der Knecht böse ist und in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich! 49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und mit Zechern isst und trinkt, 50 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; 51 und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Heuchlern zuweisen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. (Matthäus 24,45-51)

Jesus spricht hier über einen seiner Knechte. Er kann entweder den Auftrag seines Herrn erfüllen und für seine Mitknechte sorgen. Oder er kann seinem Auftrag untreu werden und schlimm sündigen. Der Mann ist bereits ein Knecht und hat einen Auftrag im Hause seines Herrn. Er gehört zum Haus Gottes. Jesus warnt seine Jünger davor, es so zu tun wie dieser unwürdige Knecht und weist auf die ewigen Konsequenzen hin.

2 Markus

Das Salz ist etwas Gutes. Wenn das Salz die Kraft zum Salzen verliert, womit wollt ihr ihm seine Würze wiedergeben? Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander! (Markus 9,50)

Diese Warnung entspricht Matthäus 5,13.

3 Lukas

3.1 Das Lukasevangelium

41 Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen? 42 Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? 43 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! 44 Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. 45 Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, 46 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. (Lukas 12,41-46)

Diese Worte entsprechen Matthäus 24,45-51. Die Frage von Petrus folgte einer Ermahnung Jesu zur Wachsamkeit.

3.2 Die Apostelgeschichte

29 Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen. 30 Und selbst aus eurer Mitte werden Männer auftreten, die mit ihren falschen Reden die Jünger auf ihre Seite ziehen. (Apostelgeschichte 20,29-30)

Es ist Irrlehrern („reißenden Wölfen“) möglich, Jünger „auf ihre Seite zu ziehen“, also vom Weg der Wahrheit abzubringen.

4 Johannes

4.1 Das Johannesevangelium

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe. 4 Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. 6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. 8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet. (Johannes 15,1-8)

Jesus rechnet in Vers 6 mit der Möglichkeit, nicht in ihm zu bleiben, d. h., die lebensspendende Gemeinschaft mit ihm zu verlassen.

4.2 Die Johannesbriefe

Wenn einer seinen Bruder eine Sünde begehen sieht, die nicht zum Tod führt, soll er für ihn bitten und wird ihm so Leben schenken, allen, deren Sünde nicht zum Tod führt. Denn es gibt Sünde, die zum Tod führt. Von ihr spreche ich nicht, wenn ich sage, dass er bitten soll. (1 Johannes 5,16)

Es gibt Sünde, die zum Tod führt. Es gibt die Möglichkeit, das geistliche Leben zu verlieren.

4.3 Die Offenbarung

Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist! Kehr zurück zu deinen ersten Taten! Wenn du nicht umkehrst, werde ich zu dir kommen und deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken. (Offenbarung 2,5)

Die Gemeinde von Ephesus wird gewarnt. Ohne Umkehr hört sie auf, geistliches Licht zu geben.

Ich kenne deine Taten. Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot. 2 Werde wach und stärke, was noch übrig ist, was schon im Sterben lag! (Offenbarung 3,1b-2a)

Im Sterben liegen kann nur, was vorher gelebt hat.

5 Paulus

20 Gewiss, wegen des Unglaubens wurden sie herausgebrochen. Du aber stehst durch den Glauben. Sei daher nicht überheblich, sondern fürchte dich! 21 Hat nämlich Gott die Zweige, die von Natur zum edlen Baum gehören, nicht verschont, so wird er auch dich nicht verschonen. 22 Siehe nun die Güte Gottes und seine Strenge! Die Strenge gegen jene, die gefallen sind, Gottes Güte aber gegen dich, sofern du in seiner Güte bleibst; sonst wirst auch du herausgehauen werden. (Römer 11,20-22)

Paulus warnt nichtjüdische Christen davor, sich über die Juden zu überheben. Wer nicht in der Güte Gottes bleibt, wird aus dem Baum herausgehauen werden, d. h. geht seines Heils verlustig.

16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 17 Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören. Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr. (1 Korinther 3,16-17)

Das ist eine Warnung an Christen.

Ihr, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, seid von Christus getrennt; ihr seid aus der Gnade herausgefallen. (Galater 5,4)

Die Galater waren bereits Christen. Durch ihre Zuwendung zum Gesetz haben sie sich von Christus getrennt. Noch konnte Paulus um sie kämpfen, da dieser Schritt noch nicht irreversibel war.

19 Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, 20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, 21 Neid, maßloses Trinken und Essen und Ähnliches mehr. Ich sage euch voraus, wie ich es früher vorausgesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. (Galater 5,19-21)

Paulus warnte mit diesen Versen Christen vor diesen Sünden. Die Möglichkeit, das Heil zu verlieren, war real.

3 Von Unzucht aber und Unreinheit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. 4 Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schicken sich nicht für euch, sondern vielmehr Dankbarkeit. 5 Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes. (Epheser 5,3-5)

Auch hier werden Christen gewarnt.

22 Jetzt aber hat er euch durch den Tod seines sterblichen Leibes versöhnt, um euch heilig, untadelig und schuldlos vor sich hintreten zu lassen. 23 Doch müsst ihr im Glauben bleiben, fest und in ihm verwurzelt, und ihr dürft euch nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, abbringen lassen. In der ganzen Schöpfung unter dem Himmel wurde es verkündet und ich, Paulus, bin sein Diener geworden. (Kolosser 1,22-23)

Ist Vers 23 nur eine rhetorische Floskel oder nicht doch eine Mahnung vor einer echten Gefahr?

9 Die aber reich sein wollen, geraten in Versuchung und Verstrickung und in viele sinnlose und schädliche Begierden, welche die Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. 10 Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet. (1 Timotheus 6,9-10)

6 Der Hebräerbrief

12 Gebt Acht, Brüder und Schwestern, dass keiner von euch ein böses, ungläubiges Herz hat, dass keiner vom lebendigen Gott abfällt, 13 sondern ermahnt einander jeden Tag, solange es noch heißt: Heute, damit niemand von euch durch den Betrug der Sünde verhärtet wird; 14 denn an Christus haben wir nur Anteil, wenn wir bis zum Ende an der Zuversicht festhalten, die wir am Anfang hatten. (Hebräer 3,12-14)

4 Denn es ist unmöglich, jene, die einmal erleuchtet worden sind, die von der himmlischen Gabe genossen und Anteil am Heiligen Geist empfangen haben, 5 die das gute Wort Gottes und die Kräfte der kommenden Weltzeit gekostet haben, 6 dann aber abgefallen sind, erneut zur Umkehr zu bringen; da sie den Sohn Gottes noch einmal für sich ans Kreuz schlagen und zum Gespött machen. (Hebräer 6,4-6)

23 Lasst uns an dem unwandelbaren Bekenntnis der Hoffnung festhalten, denn er, der die Verheißung gegeben hat, ist treu! 24 Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen! 25 Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es einigen zur Gewohnheit geworden ist, sondern ermuntert einander, und das umso mehr, als ihr seht, dass der Tag naht! 26 Denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, gibt es für diese Sünden kein Opfer mehr, 27 sondern nur die schreckliche Erwartung des Gerichts und ein wütendes Feuer, das die Gegner verzehren wird. (Hebräer 10,23-27)

12 Darum macht die erschlafften Hände und die wankenden Knie wieder stark, 13 schafft ebene Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern vielmehr geheilt werden! 14 Trachtet nach Frieden mit allen und nach der Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird! 15 Seht zu, dass niemand von der Gnade Gottes abkomme, damit keine bittere Wurzel aufsprosst, Schaden stiftet und viele durch sie verunreinigt werden, […] (Hebräer 12,12-15)

All diese Worte sind Warnungen an Christen vor der Konsequenz der Sünde.

7 Jakobus

13 Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott lässt sich nicht zum Bösen versuchen, er führt aber auch selbst niemanden in Versuchung. 14 Vielmehr wird jeder von seiner eigenen Begierde in Versuchung geführt, die ihn lockt und fängt. 15 Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor. (Jakobus 1,13-15)

Jakobus schrieb seinen Brief an Christen, die er vor der Sünde und deren Konsequenz, dem Tod, warnt. Mit dem Tod ist der geistliche Tod, die Trennung von Gott gemeint, da der leibliche Tod seit dem Sündenfall zur menschlichen Natur gehört.

19 Meine Brüder, wenn einer unter euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zur Umkehr bewegt, 20 dann soll er wissen: Wer einen Sünder, der auf einem Irrweg ist, zur Umkehr bewegt, rettet ihn vor dem Tod und deckt viele Sünden zu. (Jakobus 5,19-20)

Ein Bruder (d. h., ein Christ) kann von der Wahrheit abirren. Durch die Hilfe anderer Brüder kann er wieder zur Umkehr bewegt werden. Die Gefahr des geistlichen Todes ist jedoch eine wirkliche Gefahr.

8 Petrus

8 Wenn dies nämlich bei euch vorhanden ist und wächst, dann nimmt es euch die Trägheit und Unfruchtbarkeit für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. 9 Wem dies nämlich fehlt, der ist blind und kurzsichtig; er hat vergessen, dass er gereinigt worden ist von seinen früheren Sünden. 10 Deshalb, Brüder und Schwestern, bemüht euch noch mehr darum, dass eure Berufung und Erwählung Bestand hat! Wenn ihr das tut, werdet ihr niemals scheitern. (2 Petrus 1,8-10)

Es ist möglich, die Reinigung von den Sünden zu „vergessen“. Christen sollen um den Bestand ihrer Berufung und Erwählung kämpfen.

Sie haben den geraden Weg verlassen und sind in die Irre gegangen. Sie folgten dem Weg Bileams, des Sohnes Bosors, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte, […] (2 Petrus 2,15)

20 Denn wenn sie den Schandtaten der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Retters Jesus Christus entkommen sind, in diese sich aber wieder verstricken und ihnen unterliegen, dann steht es mit ihnen am Ende schlimmer als vorher. 21 Denn es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als ihn erkannt zu haben und sich danach wieder von dem heiligen Gebot abzuwenden, das ihnen überliefert worden ist. (2 Petrus 2,20-21)

Ihr aber, Geliebte, da ihr dies im Voraus wisst, gebt Acht, dass ihr nicht von dem Irrtum der Frevler mitgerissen werdet und eure eigene Standfestigkeit verliert! (2 Petrus 3,17)

9 Judas

20 Ihr aber, Geliebte, baut weiter auf eurem hochheiligen Glauben auf, betet im Heiligen Geist, 21 bewahrt euch in der Liebe Gottes und wartet auf das Erbarmen Jesu Christi, unseres Herrn, zum ewigen Leben! 22 Erbarmt euch derer, die zweifeln; 23 andere rettet, entreißt sie dem Feuer! Wieder anderer erbarmt euch in Furcht; hasst sogar das vom Fleisch befleckte Gewand! (Judas 20-23)

Die Gläubigen sollen sich selbst in der Liebe Gottes bewahren. In ihrer Liebe sollen sie gefährdete Geschwister dem Feuer entreißen, das eine reale Gefahr darstellt.


Alle vom Heiligen Geist inspirierten Autoren des Neuen Testaments wussten um die Gefahr, durch Sünde das uns durch Jesus Christus geschenkte Heil zu verlieren und haben davor gewarnt. Deshalb ist die Leugnung dieser Gefahr nicht nur eine inhaltliche Verfälschung des Wortes Gottes, sondern gefährdet auch das geistliche Leben aller, die mit der Irrlehre „Einmal gerettet – immer gerettet“ indoktriniert werden.

Den Schaden meines Volkes möchten sie leichthin heilen, indem sie sagen: Frieden! Frieden! – Aber da ist kein Friede. (Jeremia 6,14)

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