Ein Tisch von Gott?

Als die Jünger sagten: „O Jesus Sohn der Maria, ist dein Herr imstande, uns einen Tisch (mit Speisen) vom Himmel herabzusenden?“ sagte er: „Fürchtet Allah, wenn ihr Gläubige seid.“ (Sure 5,12 – Abu Ridda)

Dieser Koranvers wird oft als die islamische Version des Abendmahls verstanden. Es könnte auch einen Bezug zu einer der beiden Brotvermehrungen geben. Es muss auf jeden Fall eine stark überarbeitete Version handeln. Die authentischen Quellen über das Wirken Jesu kennen diese Situation nicht.

Mir ist eine Ähnlichkeit zu einem alttestamentlichen Text aufgefallen.

 Und sie redeten gegen Gott; sie sprachen: Sollte Gott imstande sein, uns in der Wüste einen Tisch zu bereiten? (Psalm 78,19 – Elberfelder)

In beiden Versen wird die Frage gestellt, ob Gott imstande ist, einen Tisch zu bereiten oder herabzusenden. In Psalm 78 geht es im Zusammenhang um das Manna, mit dem Gott sein Volk Israel in der Wüste ernährt hat (vergleiche die Verse 23-25 desselben Psalms). Im Unterschied zur Erzählung in Exodus 16 handelt es sich in Psalm 78 um eine dichterische Darstellung.

In Psalm 78 wird die Frage, ob Gott imstande ist, seinem Volk einen Tisch zu bereiten, d. h., sein Volk zu ernähren, als Reden gegen Gott gesehen. Es ist Unglaube, die väterliche Fürsorge Gottes infrage zu stellen.

Im Koran hingegen wird eine ganz ähnliche Frage der Jünger Jesu keineswegs negativ bewertet. So heißt es in 5,111:

Und als Ich den Jüngern eingab: „Glaubt an Mich und an Meinen Gesandten!“ Sie sagten: „Wir glauben. Bezeuge, daß wir Dir ergeben sind!“

Die Jünger Jesu werden als gottergebene Menschen (muslimun) dargestellt. Es ist keine Spur von Kritik zu finden.

Es ist interessant zu sehen, dass eine Frage, die der Psalmist des Alten Testaments als offensichtlichen Unglauben bewertete, vom Autor der 5. Sure ohne Problem den Jüngern Jesu in den Mund gelegt werden konnte. Zeigt das nicht, dass diesem Menschen nicht nur der Umgang mit historischen Quellen fremd war, sondern auch die geistliche Urteilskraft fehlte?

Die Wahrheit Gottes finden wir bei Jesus, nicht im Koran.

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Johannes 14,6)

Jesus hat viel mehr getan, als nur einen Tisch in der Wüste bereitet. Das tat er auch, als er 5000 Menschen an einem „öden Ort“ mit fünf Broten und zwei Fischen sättigte (Markus 6,30-44). Jesus hat sich selbst als das Brot des Lebens gegeben. Er selbst ist die Nahrung, die uns ewiges Leben schenkt. Dieses Brot des Lebens zu essen, heißt an ihn zu glauben, den Weg der Nachfolge zu beschreiten.

47 Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. (Johannes 6,47-51)

Kommentare sind geschlossen.

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: