1 Ein Mann war krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta. 2 Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte; deren Bruder Lazarus war krank. 3 Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. 4 Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. 5 Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lazarus. 6 Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. 7 Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.
(Johannes 11,1-7)
Warum ist Jesus, nachdem er die Nachricht von der Krankheit seines Freundes (Johannes 11,11) Lazarus gehört hat, aufgebrochen, um ihn zu heilen? Oder warum hat Jesus ihn nicht aus der Ferne geheilt, so wie er es beim Diener des Hauptmanns von Kafarnaum (Matthäus 8,5-13 // Lukas 7,1-10) oder bereits zuvor beim Sohn eines ebenfalls in Kafarnaum wohnenden königlichen Beamten (Johannes 4,46-53) getan hatte? Hat Jesus bewusst gewartet, bis Lazarus gestorben war, um an ihm ein größeres Wunder zu wirken, nämlich ihn von den Toten aufzuerwecken? Hat Jesus seinen Freund sterben lassen, damit er sich an ihm durch ein großes Wunder verherrlichen konnte?
Als Jesus endlich nach Betanien, dem Dorf, in dem Lazarus gemeinsam mit seinen Schwestern Marta und Maria gewohnt hatte, kam, war Lazarus schon vier Tage tot (Johannes 11,17.39). Betanien war nahe bei Jerusalem, laut Johannes 11,18 fünfzehn Stadien (ca. 2.800 m) von der Stadt entfernt.
Jesus erfuhr von der Erkrankung des Lazarus, als er sich auf der anderen Seite des Jordan, an dem Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte (Johannes 10,40), aufhielt. Der Weg zwischen den beiden Orten war ca. 40-50 Kilometer lang. Wenn sich die Boten beeilt haben, um ihre Nachricht Jesus möglichst schnell zu übermitteln, können sie die Strecke an einem Tag geschafft haben. Wenn Jesus danach zwei Tage gewartet hat und dann die Strecke in ein- bis zweitägigem Weg in die andere Richtung gegangen ist, und Lazarus bei der Ankunft Jesu bereits vier Tage tot war, ist davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt, als die Boten Jesus über die Erkrankung von Lazarus informiert haben, Lazarus schon verstorben war.
Die Berechnung ist etwas unsicher, da wir nicht genau wissen, wie sowohl die vier Tage des Todes von Lazarus als auch die zwei Tage des Bleibens Jesu berechnet worden sind. Wenn nach jüdischer Berechnung jeder begonnene Tag einberechnet wurde, konnten die vier Tage auch nur drei Tage sein und die zwei Tage, die Jesus blieb, etwas mehr als ein Tag. Die Wahrscheinlichkeit ist auf jeden Fall hoch, dass Lazarus gestorben ist, während die Boten auf dem Weg zu Jesus waren.
In Johannes 11,14-15 heißt es:
14 Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben. 15 Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen.
Diese Worte Jesu bedeuten nicht, dass Jesus an seinem Aufenthaltsort bewusst gewartet hat, bis Lazarus gestorben ist. Aber er wusste, dass das große Wunder der Auferweckung des Lazarus für die Jünger eine große Stärkung sein konnte. Kurze Zeit bevor Jesus selber gestorben ist, durften sie erleben, wie Jesus einen Toten, der schon vier Tage im Grab gelegen war, zum Leben erweckt hat. Der „Urheber des Lebens“ (Apostelgeschichte 3,15) konnte auch selber nicht im Grab bleiben.
25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, 26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
(Johannes 11,25-26)
Hinterlasse einen Kommentar