Vater Paulus?

14 Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen. 15 Hättet ihr nämlich auch unzählige Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt.
(1 Korinther 4,14-15)

Paulus nennt sich Vater der christlichen Gemeinde von Korinth. Auch an die Gemeinde der Thessalonicher schreibt er ähnlich:

11 Ihr wisst auch, dass wir, wie ein Vater seine Kinder, jeden Einzelnen von euch 12 ermahnt, ermutigt und beschworen haben zu leben, wie es Gottes würdig ist, der euch zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit beruft. (1 Thessalonicher 2,11-12)

Er sieht sich auch als Vater des Onesimus:

Ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. (Philemon 10)

Paulus schrieb auch über andere Jünger als seine Kinder:

Deswegen habe ich Timotheus zu euch geschickt, mein geliebtes und treues Kind im Herrn. Er wird euch erinnern an meine Wege in Christus Jesus, wie ich sie überall in jeder Gemeinde lehre. (1 Korinther 4,17)

[…] an Timotheus, sein rechtmäßiges Kind im Glauben. Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn. (1 Timotheus 1,2)

[…] an Timotheus, sein geliebtes Kind: Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn. (2 Timotheus 1,2)

An Titus, sein rechtmäßiges Kind, aufgrund des gemeinsamen Glaubens: Gnade und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Retter. (Titus 1,4)

Hat Paulus, als er über sich selbst als Vater und über Gläubige als seine Kinder schrieb, das Gebot Jesu missachtet?

Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. (Matthäus 23,9)

Wie in einem früheren Beitrag dargelegt, ging es Jesus nicht darum, dass man seinen biologischen Vater nicht mehr Vater nennen dürfe. Es ging um einen Titel, mit denen sich religiöse Führer gerne ansprechen ließen.

Wenn Paulus von sich als „Vater“ der Korinther, der Thessalonicher und anderer Jünger schrieb, dann nicht deswegen, weil er von ihnen erwartete, als „Vater Paulus“ angesprochen zu werden. Er schrieb etwas über seine Beziehung zu ihnen. Sie haben durch ihn den Glauben an Jesus Christus gefunden. Sie wurden durch ihn Kinder Gottes, ihres wahren Vaters.

Allen aber, die ihn (Jesus) aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, […] (Johannes 1,12)

Besonders ersichtlich wird das in Philemon 10, wo Paulus schreibt, dass er Onesimus im Gefängnis zum Vater geworden ist. Die Elberfelder Bibel übersetzt hier wörtlicher:

Ich bitte dich für mein Kind, das ich gezeugt habe in den Fesseln, Onesimus.

Onesimus ist durch den gefangenen Paulus Christ geworden. So wurde Paulus zu seinem „Vater“ und er konnte Onesimus sein „Kind“ nennen.

Ein ähnliches Bild finden wir auch im Galaterbrief:

[…] meine Kinder, für die ich von Neuem Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt annimmt. (Galater 4,19)

Paulus schreibt von den Geburtswehen, die er von Neuem für seine Kinder erleidet, weil ihr geistliches Leben in großer Gefahr ist. Durch das Bild der Wehen vergleicht sich Paulus hier aber nicht mit einem Vater, sondern mit einer Mutter, die ihr Kind zur Welt bringt.

Auch im 1. Thessalonicherbrief finden wir neben dem Vergleich mit dem Vater (in 2,11) auch den Vergleich mit einer Mutter (nach anderen Übersetzungen mit einer Amme):

6 Wir haben auch keine Ehre bei den Menschen gesucht, weder bei euch noch bei anderen, 7 obwohl wir als Apostel Christi unser Ansehen hätten geltend machen können. Im Gegenteil, wir sind euch freundlich begegnet: Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt, 8 so waren wir euch zugetan und wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem Leben; denn ihr wart uns sehr lieb geworden. (1 Thessalonicher 2,6-8)

Diese Stellen machen klar, dass es Paulus nicht darum ging, als Vater angesprochen zu werden. Wenn er sich Vater nannte, drückte das seine Beziehung zu den jeweils genannten Gläubigen aus. Gott hat diesen Gläubigen durch seinen Apostel Paulus das geistliche Leben geschenkt. Sie wurden durch Paulus Kinder Gottes. Paulus hat keinen religiösen Titel „Vater“ geführt.

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. (Matthäus 20,26)

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