Gehet in das Haus eurer Mutter!

Am Stadtrand von Graz befindet sich die Basilika Mariatrost, einer der bedeutenderen Wallfahrtsorte der Steiermark. Über dem Tor der Basilika findet sich folgende Aufschrift:

„Gehet in das Hauß eurer Mutter“ – Ruth 1,8.

Der Pilger zu einem der Mutter Jesu geweihten Haus nimmt aufs erste einmal an, dass es sich hier um eine Einladung ins Haus Marias handle.

Liest man die auf dem Portal zitierte Bibelstelle nach, findet man dort etwas völlig anderes.

Es handelt sich um Worte Noomis, der Schwiegermutter Ruts Orpas. Noomi war während einer Hungersnot gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen aus Bethlehem in Juda ins benachbarte Moab ausgewandert. Dort nahmen sich ihre beiden Söhne nach dem Tod ihres Vaters moabitische Frauen. Auch die Söhne starben und Noomi blieb mit ihren beiden Schwiegertöchtern zurück. Noomi wollte wieder nach Bethlehem zurückkehren. Auf dem Weg sagte sie zu Orpa und Rut:

Geht, kehrt um, jede in das Haus ihrer Mutter! Der HERR erweise euch Gnade, so wie ihr sie den Verstorbenen und mir erwiesen habt! 9 Der HERR gebe es euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in dem Haus ihres Mannes! (Ruth 1,8b-9a – Elberfelder)

Noomi wollte ihre Schwiegertöchter zu ihren Familien zurücksenden, da sie dort deren materielle Absicherung eher gewährleistet sah als bei ihr. Sie sollten jede in das Haus ihrer jeweiligen Mutter zurückkehren, um danach wieder zu heiraten. Orpa folgte dieser Aufforderung. Rut jedoch blieb ihrer Schwiegermutter treu und begleitete sie nach Bethlehem, wo sie Boas heiratete und so zur Stammmutter Davids und auch des Messias wurde.

Weil Rut der Aufforderung ihrer Schwiegermutter nicht gefolgt ist, wurde sie nicht nur ins Volk Israel aufgenommen, sondern wurde sogar zur Vorfahrin Jesu Christi. Hätte sie auf den Rat Noomis gehört, würden wir nichts über sie wissen. Sie wäre eine unbekannte Moabiterin geblieben.

Am Portal von Mariatrost wird nun gerade dieses Wort Noomis herangezogen und in einen völlig anderen Kontext hineingestellt. Man könnte das auch Schriftverdrehung nennen.

Offensichtlich gibt es keine Worte aus der Bibel zur Rechtfertigung des Marienkults. Deswegen müssen andere Stellen aus ihrem Kontext herausgerissen und verdreht werden. Wenn gute Argumente fehlen, bleiben nur schlechte übrig. Zeigt das nicht, wie wenig Wahrheitsliebe hinter dem Marienkult und dem Katholizismus steckt?

Die Bibel ruft uns nicht auf, zu Maria zu gehen, sondern Jesus ruft uns:

28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

Wenn wir ihm folgen, führt er uns den Weg in das Haus seines und unseres Vaters. Dort dürfen wir für alle Ewigkeit Gott, unseren Vater, loben – gemeinsam mit Maria, unserer Schwester.

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