Ein eifersüchtiger Gott?

Denn ich bin der HERR, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott. (aus Exodus 20,5 // Deuteronomium 5,9)

Dieses Wort aus den Zehn Geboten ist vielleicht die bekannteste von mehreren Stellen im Alten Testament, wo Gott sich selbst als ein eifersüchtiger Gott vorstellt. Weitere ähnliche Passagen finden wir in Exodus 34,14; Deuteronomium 4,24; 6,15; 24,19. Über Gottes Eifersucht sprechen außerdem: Deuteronomium 29,19; 32,16.21; Psalm 78,58; Ezechiel 8,3; 16,38.42; 23,25; Sacharja 8,2; 1 Korinther 10,22.

Umgekehrt finden wir in der Bibel Warnungen vor Eifersucht. Paulus nennt die Eifersucht in Galater 5,20 unter den Werken des Fleisches. Für diese Werke gilt:

Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. (Galater 5,21)

Weitere Warnungen vor Eifersucht finden wir in Römer 13,13; 1 Korinther 3,3; 2 Korinther 12,20; Jakobus 3,14-16.

Wie passt das zusammen? Ein eifersüchtiger Gott warnt seine Gläubigen vor Eifersucht? Trifft hier der lateinische Spruch „Quod licet Iovi, non licet bovi. (Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.)“ zu?

Bei oberflächlicher Betrachtungsweise könnte man auf diesen Gedanken kommen. Unter Menschen stimmt leider allzu oft:

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
(Franz Grillparzer)

Die Eifersucht eines Menschen hängt oft damit zusammen, dass man einen anderen Menschen als besonders zu sich selbst gehörend sieht. Man will diesen „geliebten“ Menschen keinem anderen Menschen gönnen. Dabei wird der Andere, obwohl er im Zentrum meiner Gedanken und meines Strebens steht, zu einem Objekt degradiert. In der Liebe geht es um den Anderen, um sein Bestes. In der Eifersucht geht es um meinen Anspruch auf den Anderen. Liebe schenkt Freiheit. Eifersucht nimmt sie weg. Dadurch wird die Eifersucht zu einer Quelle vieler Schmerzen.

Wie ist es nun mit der Eifersucht Gottes? Die meisten der oben genannten Stellen finden wir in einem Zusammenhang, in dem vor Götzendienst gewarnt wird.

Das ist z. B. der Zusammenhang von Exodus 20,5:

2 Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. 3 Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. 4 Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. 5 Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott: Ich suche die Schuld der Väter an den Kindern heim, an der dritten und vierten Generation, bei denen, die mich hassen; 6 doch ich erweise Tausenden meine Huld bei denen, die mich lieben und meine Gebote bewahren. (Exodus 20,2-6)

Gott warnt vor der Verehrung anderer Götter, vor Kultbildern, vor denen sich Menschen niederwerfen. Gott möchte der einzige Gott seines Volkes sein. Er möchte es nicht nur sein. Er ist es. Es gibt keine anderen Götter.

Wer andere Götter außer dem einzigen Gott verehrt, verehrt etwas Nichtiges, einen Wahn. Es ist nicht so, dass Gott davor Angst haben müsste, dass andere Götter ihm seine Position streitig machen könnten. Gott ist der Souverän, der Schöpfer von allem. Er ist ohne jeden Konkurrenten. Gott verliert nichts, wenn Menschen ihn nicht verehren. Er ist auf ihren Dienst nicht angewiesen.

Hingegen verliert der Mensch, der statt Gott eine Wahnidee verehrt, alles. Er trennt sich dadurch von seinem Schöpfer, von der Quelle des Lebens. Er verliert die Beziehung zu seinem Ursprung, der auch sein Ziel sein soll.

Gottes „Eifersucht“ bedeutet, dass er uns vor dieser Katastrophe bewahren will. Alle „Götter“ führen nur in den Abgrund. Das Leben und die Erfüllung finden wir nur bei Gott. Gott will deswegen unser einziger Gott sein, weil er der einzige Gott ist. Es geht ihm nicht darum, dass er von uns Nutzen ziehen möchte, sondern um uns, um unser Bestes. Deswegen wacht er „eifersüchtig“ darüber, dass sein Volk keine anderen „Götter“ verehrt. Er will nicht, dass wir dem Nichts nachlaufen und dadurch selbst zu Nichts werden (vergleiche Jeremia 2,5).

Bei Gottes Eifersucht geht es im Gegensatz zur menschlichen Eifersucht nicht um Egoismus, sondern um das Beste für seine Geschöpfe. Es geht um Liebe.

Aus der Ferne ist mir der HERR erschienen: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir die Treue bewahrt. (Jeremia 31,3)

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