Wie viele Töchter hatte Moses Schwiegervater?

Muslime glauben, dass der Koran wortwörtlich das Wort Allahs ist, vollkommen, ohne jegliche Hinzufügung durch einen Menschen. Daher ist nach ihrer Überzeugung der Koran bis ins kleinste Detail richtig und ohne jeglichen Fehler.

Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qurʾān nach? Wenn er von jemand anderem wäre als von Allah, würden sie in ihm wahrlich viel Widerspruch finden. (Sure 4,82)

Da der Koran nach Sure 3,3 gesandt wurde, „das zu bestätigen, was vor ihm (offenbart) war“, kann es hilfreich sein, auch auf kleinere Details zu achten, die sowohl in einer früheren Schrift (Thora, Evangelium) als auch im Koran erzählt werden.

Ein Beispiel dafür ist der Aufenthalt Moses in Midian, wo er eine Tochter des dortigen Priesters heiratete.

Zuerst der biblische Text:

15 Der Pharao hörte von diesem Vorfall und wollte Mose töten; Mose aber entkam ihm. Er wollte in Midian bleiben und setzte sich an einen Brunnen. 16 Der Priester von Midian hatte sieben Töchter. Sie kamen zum Wasserschöpfen und wollten die Tröge füllen, um die Schafe und Ziegen ihres Vaters zu tränken. 17 Doch die Hirten kamen und wollten sie verdrängen. Da stand Mose auf, kam ihnen zu Hilfe und tränkte ihre Schafe und Ziegen. 18 Als sie zu ihrem Vater Reguël zurückkehrten, fragte er: Warum seid ihr heute so schnell wieder da? 19 Sie erzählten: Ein Ägypter hat uns aus der Hand der Hirten gerettet; er hat uns sogar Wasser geschöpft und das Vieh getränkt. 20 Da sagte er zu seinen Töchtern: Wo ist er? Warum habt ihr ihn dort gelassen? Holt ihn und ladet ihn zum Essen ein! 21 Mose entschloss sich, bei dem Mann zu bleiben, und dieser gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau. 22 Als sie einen Sohn gebar, nannte er ihn Gerschom und sagte: Gast bin ich in fremdem Land. (Exodus 2,15-22)

Und nun die koranische Version:

22 Und als er sich Madyan zuwandte, sagte er: „Vielleicht wird mein Herr mich den rechten Weg leiten.“ 23 Als er nun zum Wasser von Madyan kam, fand er dort eine (ganze) Gemeinschaft von Menschen, die (ihr Vieh) tränkten. Und er fand außer ihnen zwei Frauen, die (ihre Tiere) fernhielten. Er sagte: „Was ist mit euch beiden?“ Sie sagten: „Wir tränken (unsere Tiere) nicht, bis die Hirten (ihr Vieh) weggetrieben haben. Und unser Vater ist ein hochbetagter Greis.“ 24 Da tränkte er ihnen (ihre Tiere). Hierauf zog er sich zurück in den Schatten und sagte: „Mein Herr, ich bin dessen bedürftig, was Du auch immer an Gutem zu mir herabsendest.“ 25 Da kam die eine von den beiden zu ihm, indem sie verschämt einherging. Sie sagte: „Mein Vater ruft dich, um dir den Lohn dafür zu entrichten, daß du uns (die Tiere) getränkt hast.“ Nachdem er zu ihm gekommen war und ihm die Geschichte berichtet hatte, sagte er: „Fürchte dich nicht; du bist dem ungerechten Volk entkommen.“ 26 Die eine von den beiden sagte: „O mein lieber Vater, nimm ihn in Dienst, denn der Beste, den du in Dienst nehmen kannst, ist der Starke und Vertrauenswürdige.“ 27 Er sagte: „Ich will dich mit einer dieser meiner beiden Töchter verheiraten unter der Bedingung, daß du acht Jahre‘ in meinen Dienst trittst. Wenn du sie aber auf zehn vollmachst, so steht es bei dir. Ich will dir keine Härte auferlegen. Du wirst mich, wenn Allah will, als einen der Rechtschaffenen finden.“ 28 Er sagte: „Dies sei zwischen mir und dir (abgemacht). Welche der beiden Fristen ich auch erfülle, so darf es keine Bedrängnis gegen mich geben. Und Allah ist Sachwalter über das, was wir (hier) sagen.“ (Sure 28,22-28)

Beide Texte berichten davon, dass Mose aus Ägypten nach Midian / Madyan geflüchtet ist. Nur in der Bibel finden wir die Angabe, dass der künftige Schwiegervater Moses ein Priester war. Die Situation mit den Hirten ist etwas unterschiedlich erzählt, lässt sich aber harmonisieren.

Einen großen Unterschied gibt es aber, was die Anzahl der Töchter des Midianiters betrifft. Während in Exodus von sieben Töchtern die Rede ist, spricht der Koran nur von zwei Töchtern.

Wer wusste es besser? Der Autor des biblischen Textes, der entweder Mose selbst war oder zumindest auf eine auf Mose zurückgehende Tradition zurückgreifen konnte, oder ein Autor, der etwa zwei Jahrtausende nach der Begebenheit gelebt hat?

Ein Muslim würde natürlich sagen, dass nicht Mohammed oder sonst ein Mensch der Autor des Korans sei, sondern Allah höchstpersönlich. Und Allah war in der Situation in Midian dabei. Also habe der Koran recht damit, dass Moses Schwiegervater nur zwei Töchter hatte.

Andererseits glauben Muslime auch, dass die Thora von Mose stammt. So heißt es in Sure 2,53:

Und als Wir Musa die Schrift und die Unterscheidung gaben, auf daß ihr rechtgeleitet werdet.

Und Mose war hier direkt betroffen. Warum sollte er von sieben Töchtern geschrieben haben, wenn es nur zwei gab?

Die von heutigen Muslimen bevorzugte Lösung, dass die Thora verfälscht worden ist, ist ohne Grundlage im Koran (Mehr dazu im Beitrag: Sagt der Koran, dass die Thora verfälscht wurde?).

Wenn die Thora als Wort Gottes nicht verfälscht worden ist, sehen wir auch an dieser Stelle wieder einen der Fehler oder Widersprüche im Koran, d. h. nach Sure 4,82, dass der Koran nicht von Allah ist.

Überdies scheint der Autor des Abschnitts aus Sure 28 von einigen anderen biblischen Überlieferungen beeinflusst gewesen zu sein, in denen es auch um Brunnen und Heirat ging, die er aber nicht korrekt zugeordnet hat.1

Möglicherweise hat das Gebet des Knechts Abrahams in Genesis 24,12-14 die Darstellung des Gebetes Moses in Sure 28,24 beeinflusst.

Deutlicher wird die Parallele mit dem Dienstvertrag, den Jakob mit Laban geschlossen hat, als er sieben Jahre als Brautpreis für Rachel arbeiten wollte (Genesis 29,18). In Sure 28,27 sollte Mose allerdings acht oder zehn Jahre für die Tochter des Midianiters arbeiten.

Vielleicht sind die beiden Töchter in der koranischen Erzählung über Mose aus der biblischen Geschichte über Jakob eingedrungen. Bekanntlich hatte Laban ja zwei Töchter (Genesis 29,16).

Der Zusammenhang mit den Texten aus Genesis kann allerdings nur vermutet, nicht aber bewiesen werden.

Der offene Widerspruch bei der Anzahl der Töchter des Schwiegervaters Moses jedoch bleibt bestehen.

Auch wenn es für uns nicht bedeutsam sein mag, wie viele Töchter er hatte, wird auch an diesem kleinen Beispiel offenbar, dass der Koran nicht das fehlerfreie ewige Wort Allahs sein kann.

Das ewige und vollkommene Wort Gottes ist in Jesus Christus Mensch geworden.

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)


  1. Diesen Hinweis verdanke ich: Heinrich Speyer, Die biblischen Erzählungen im Qoran, 2. Nachdruckauflage, Hildesheim 1961, S. 249-251. 

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